Eine Betrachtungsweise anhand von verschiedenen Werken Da Vincis, um sich der geistigen Verfassung des Künstlers ein Bild zu verschaffen.
Inhaltsverzeichnis
Mayer Schapiro
Familiäre Zusammenhänge
Anna Selbdritt
Das Lamm und John
Collins Bradley (1997)
Anna Selbdritt
Homosexualität (73-111)
Das Lachen
Mona Lisa und die Folgen für spätere Werke (S.81-86)
Französische Annäherung
Martin Kemp
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leben und Werk von Leonardo da Vinci aus psychoanalytischer Perspektive, indem sie insbesondere die Theorien von Sigmund Freud sowie deren spätere Rezeption und Kritik durch Kunsthistoriker und Psychoanalytiker analysiert.
- Psychoanalytische Deutung von Kindheitserinnerungen Leonardos (Aasgeiertheorie).
- Analyse familiärer Konstellationen und deren Einfluss auf Leonardos Psyche.
- Interpretationsansätze zu zentralen Kunstwerken wie "Anna Selbdritt" und "Mona Lisa".
- Diskussion über Leonardos Homosexualität und deren Darstellung in der Kunst.
- Untersuchung von Bewegungsstudien und technischem Verständnis im Werk Leonardos.
Auszug aus dem Buch
Mayer Schapiro
Aus Leonardos Notizbuch über einen Traum beginnt die Psychoanalyse und ist Teil von nur wenigen Daten, die über die Kindheit von Leonardo da Vinci bekannt sind.
Die erste und einzige Erinnerung, die Leonardo von seiner Kindheit hat, be zieht sich auf einen Traum, den er in seiner Krippe liegend hatte. Ein Vogel kam und öffnete seinen Mund mit seinem Schwanz und streicht mit ihm mehrmals an den In nenseiten der Lippe. Freud deutete aufgrund seiner Erfahrungen, dass eine solche Kindheitserinnerung eines Erwachsenen auf passive homosexuelle Neigungen zurück zuführen ist. Das Kind hätte anstatt des Vogelschwanzes lieber die Brust der Mutter im Mund gehabt.
Die Hinführung zu diesen Aussagen lag bei Freud darin begründet, dass in ä gyptischen Schriftzeichen der Vogel für Mutter dargestellt wird und die Vogelköpfige Göttin Mut manchmal mit einem Phallus dargestellt ist. Dieses Wissen war für Italie ner durch den hellenistischen Autor Horapollo bekannt und mit dem Glauben daran verbunden, dass dieser Vogel nur im weiblichen existiert.
Fälschlicher Weise hatte es sich bei Freud um einen Aasgeier gehalten, der Vogel von dem Leonardo geträumt hatte, war jedoch ein Milan italienisch „nibbio“. Daraus ergibt sich auch der falsche Bezug zur ägyptischen Mythologie der Göttin Mut. Dennoch kann Bezug auf den Vogel genommen werden, denn Leonardo hatte an vielen Stellen, z.B. bei seinen Vogelstudien, den Milan erwähnt.
Leonardo kannte außerdem historische Geschichten über Vögel die sich in ir gendeiner Weise im Mundbereich des Kindes aufhielten, z.B. um die Lippen mit Honig zu beträufeln. Diese Geschichten waren Zukunftserscheinungen, die für die Größe und Genialität der jeweils genannten Personen standen. Leonardo sah den Milan als einen Vogel der sich nicht sehr um seine Kleinen kümmerte, sondern sie auch stel lenweise ohne Nahrung lies. Der Aasgeier hingegen behält seine Jungen 3 Monate bei sich und kümmert sich um sie. Psychoanalytiker erklären dies mit der Abhängig keit von Kreativität im Bezug auf Sexualität. S.154 oben
Zusammenfassung der Kapitel
Mayer Schapiro: Dieses Kapitel thematisiert Freuds psychoanalytische Deutung von Leonardos Kindheitstraum vom Vogel und die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen über seine psychosexuelle Entwicklung.
Familiäre Zusammenhänge: Hier wird der Einfluss von Leonardos familiärer Situation, insbesondere der Rolle seiner Mutter Caterina und seines Vaters, auf seine psychische Entwicklung und seine Instinkte beleuchtet.
Anna Selbdritt: Das Kapitel untersucht die Darstellung der Heiligen Anna Selbdritt als Projektion kindlicher Erfahrungen und die kunsthistorische sowie psychoanalytische Deutung dieses Werks.
Das Lamm und John: Es werden die Figuren Johannes und das Lamm in Leonardos Werk analysiert, wobei der Fokus auf der psychoanalytischen Interpretation von Defekt-Reparaturen und Sublimierung liegt.
Collins Bradley (1997): Basierend auf historischen Steuernachweisen wird hier die traditionelle freudsche Annahme über Leonardos Kindheit und sein Verhältnis zu seiner Mutter hinterfragt.
Homosexualität (73-111): Dieses Kapitel befasst sich mit den historischen Indizien, Anklagen und Interpretationen bezüglich der Homosexualität Leonardos sowie deren Bedeutung für sein künstlerisches Schaffen.
Das Lachen: Es wird diskutiert, ob Leonardos Faszination für das Lachen tatsächlich eine bewusste oder unbewusste Weiterführung der Kindheitserinnerung an seine Mutter ist oder ikonographische Wurzeln hat.
Mona Lisa und die Folgen für spätere Werke (S.81-86): Das Kapitel analysiert, wie sich das Motiv der "Mona Lisa" und die psychologische Überhöhung der Mutterfigur in späteren Werken Leonardos manifestieren.
Französische Annäherung: Hier werden neuere Interpretationsansätze französischer Forscher wie Maidani-Gerard und Andre Green vorgestellt, die die psychoanalytische Debatte um Leonardo erweitern.
Martin Kemp: Dieses Kapitel widmet sich dem technologischen und grafischen Spektrum Leonardos, insbesondere seiner Kategorisierung und Darstellung von Bewegung.
Schlüsselwörter
Leonardo da Vinci, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Kindheitserinnerung, Anna Selbdritt, Homosexualität, Mona Lisa, Sublimierung, Mutterfigur, Kunstgeschichte, Bewegungsstudien, Phallische Mutter, Kastrationsangst, Symbolismus, Renaissance
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine psychoanalytische Betrachtung des Künstlers Leonardo da Vinci und hinterfragt dabei kritisch die von Sigmund Freud aufgestellten Theorien durch kunsthistorische und neuere psychoanalytische Ansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind Leonardos Kindheit, seine Mutterbeziehung, die Deutung seiner Werke (wie Anna Selbdritt und Mona Lisa) unter psychoanalytischen Gesichtspunkten sowie die Auseinandersetzung mit seiner Homosexualität und seinem wissenschaftlich-künstlerischen Verständnis von Bewegung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, die freudsche Psychoanalyse über Leonardo da Vinci zu prüfen, zu hinterfragen und mittels neuerer Forschungsergebnisse zu kontextualisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt psychobiographische und kunsthistorische Analysemethoden, um Werke Leonardos in Bezug auf seine Kindheitserinnerungen und unbewussten psychischen Dynamiken zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt detailliert die psychoanalytische Deutung von Träumen, die Analyse verschiedener Gemälde, die Auseinandersetzung mit der Homosexualitäts-Theorie und schließt mit der Untersuchung von Leonardos technischem Verständnis von Bewegung ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Psychoanalyse, Leonardo da Vinci, Mutterbeziehung, Anna Selbdritt, Homosexualität und kunsthistorische Interpretation charakterisiert.
Warum spielt der "Aasgeier" bzw. der "Milan" eine so zentrale Rolle in der Freudschen Analyse?
Freud interpretierte Leonardos Kindheitstraum von einem Vogel, den er fälschlicherweise für einen Aasgeier hielt, als Indiz für passive homosexuelle Neigungen und eine Fixierung auf die Mutterbrust.
Wie bewertet die Arbeit die These der "phallischen Mutter" bei Leonardo?
Die Arbeit diskutiert diese These, indem sie auf Interpretationen von Forschern wie Andre Green eingeht, die in bestimmten anatomischen Darstellungen und Gesten (wie dem ausgestreckten Finger) unbewusste Symbole für eine phallische Mutter sehen.
Welche Bedeutung kommt der "Mona Lisa" in der psychoanalytischen Betrachtung zu?
Das Lachen der Mona Lisa wird oft als eine (unbewusste) Wiederholung des Lächelns seiner Mutter interpretiert, wobei die Arbeit auch darauf hinweist, dass dieses Motiv breitere ikonographische Wurzeln haben könnte.
Inwiefern unterscheiden sich die Ansätze von Maidani-Gerard und Andre Green von Freud?
Während Freud stark psychobiographisch argumentiert, bringen neuere Ansätze wie die von Maidani-Gerard historische Dokumente und soziale Schichtkonflikte ein, während Green sich auf psychologische Dynamiken innerhalb der Werke selbst konzentriert.
- Quote paper
- Marco Kaiser (Author), 2004, Leonardo Da Vinci - Eine psychoanalytische Betrachtung des Künstlers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78901