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Rotwelsch, eine sprachliche Varietät?

Title: Rotwelsch, eine sprachliche Varietät?

Seminar Paper , 2003 , 19 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Lena Wandschneider (Author)

German Studies - Linguistics
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Sprache ist nicht homogen, sondern tritt in spezifischen Ausformungen auf. Diese bezeichnet man als Varietäten. Mit Hilfe von sog. Varietätenmodellen versucht man die verschiedenen sprachlichen Sonderungen in systematischer Weise nach bestimmten Kriterien und Merkmalen einzuordnen und zu erfassen. Aber welche Kriterien gelten für Varietäten und was macht eine Varietät aus?

Um diese Frage soll es anhand des Beispiels der Sondersprache „Rotwelsch“, der alten Sprache der Gauner, Bettler und des fahrenden Volkes, in dieser Arbeit gehen. Zunächst wird dazu der Begriff „Varietät“ genau definiert werden, um für ein Grundverständnis zu sorgen. Daraufhin wird der Terminus „Sondersprache“ ebenfalls mittels seiner Merkmale charakterisiert.

Das Rotwelsch soll in seiner Entstehung, seinen strukturellen und sozialen Merkmalen beschrieben und erklärt werden. In dem folgenden Analyseteil wird das Gruppenspezifische Varietätenmodell nach Dieter Möhn herangezogen. Es soll geprüft werden, wie sich das Rotwelsch und seine charakteristischen Merkmale in das Modell einordnen lassen, d.h. es geht darum festzustellen, was das Modell leistet und worin seine Schwächen liegen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Definition des Begriffes Varietät

2. Sondersprachen - eine Form der sprachlichen Variation

3. Rotwelsch - eine Sondersprache

4. Analyse

4.1 Das Varietätenmodell nach Dieter Möhn

4.2 Einordnung des Rotwelsch in das Varietätenmodell nach Möhn

Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Rotwelsch als historische Sondersprache und prüft dessen Einordnung in das soziolinguistische Varietätenmodell nach Dieter Möhn, um den Status des Rotwelsch als sprachliche Varietät zu bestimmen.

  • Definition und theoretische Grundlagen des Varietätenbegriffs
  • Charakterisierung von Sondersprachen als Form sprachlicher Variation
  • Historische Entstehung und soziale Funktion des Rotwelsch
  • Analyse des Gruppenspezifischen Varietätenmodells nach Dieter Möhn
  • Methodische Einordnung des Rotwelsch in soziolinguistische Kategorien

Auszug aus dem Buch

3. Rotwelsch - eine Sondersprache

Rotwelsch bezeichnet die im 13. Jahrhundert entstandene Geheim- oder Sondersprache der Gauner, Bettler und des fahrenden Volkes. Das Wort „Rotwelsch“ bedeutet so viel wie „falsche“ oder “betrügerische Sprache“. „Rot“ hieß der betrügerische, lügende Berufsbettler, dem Spielleute, Possenreißer und Gaukler gleichgeachtet wurden. Mit dem Wort „welsch“ bezeichnete man die romanischen Sprachen, sowie jede nicht verständliche Redeweise; der „Welsche“ war jemand, dessen Sprache man nicht verstand. Das Wort „welsch“ war negativ besetzt. Die Rotwelschsprecher nahmen ihrer sozialen Position nach gegenüber der Gesellschaft eine Außenseiterrolle ein. Sie wurden diskriminiert, hatten den Status einer Randgruppe.

Neben den Gaunern zählten herumziehende Landstreicher, Handwerksburschen, Kunden, Krämer, Händler und Hausierer zu den Sprechern des Rotwelsch. Schon bald gehörten auch Juden dazu, denn diese kamen beruflich mit den anderen Mitgliedern in Berührung, wenn sie in den Herbergen Handel betrieben und den Dieben und Gaunern ihr Diebesgut abkauften. Aufgrund dieser Kontakte fanden zahlreiche jiddische Ausdrücke und Wörter Eingang in die Gaunersprache. Später kamen Zigeunermischlinge, bzw. von Zigeunern abstammende oder mit ihnen in Kontakt stehende Personengruppen ebenfalls in Berührung mit dem Sprecherkreis. Während Rotwelsch ursprünglich aus deutschen, altertümlichen, umgewandelten oder neu gebildeten Wörtern bestand, entwickelte sich durch die hebräischen Ausdrücke und die Wörter der Zigeuner, die im 15. Jahrhundert Eingang in das Rotwelsch fanden, sowie durch Einflüsse der Nachbarsprachen (Französisch, Italienisch, Slawisch) und verschiedener deutscher Dialekte, eine in „zahlreiche Dialekte auflösbare ‚Gaunersprache’, des Deutschen“. Es entstanden mehrere Gruppen von Sprechern, deren Sprache man unter dem Begriff Rotwelsch einordnen konnte, die aber dennoch jeweils eine spezifische Ausdrucksweise verwendeten.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass Sprache nicht homogen ist, und definiert das Ziel, das Rotwelsch als Sondersprache anhand des Modells von Dieter Möhn zu analysieren.

1. Definition des Begriffes Varietät: Dieses Kapitel erläutert den soziolinguistischen Oberbegriff der Varietät als Mittel zur Erfassung sprachlicher Heterogenität und Differenzierung innerhalb einer Einzelsprache.

2. Sondersprachen - eine Form der sprachlichen Variation: Hier werden Sondersprachen als gruppenspezifische Sprachformen charakterisiert, die insbesondere durch einen Sonderwortschatz und eine abgrenzende soziale Funktion gekennzeichnet sind.

3. Rotwelsch - eine Sondersprache: Das Kapitel beschreibt das Rotwelsch als historische Geheim- und Sondersprache sozialer Randgruppen und geht auf seine Entstehung und sprachlichen Einflüsse ein.

4. Analyse: In diesem Kapitel wird das Varietätenmodell nach Dieter Möhn theoretisch vorgestellt und anschließend praktisch auf das Rotwelsch angewendet.

Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass das Rotwelsch trotz seiner Sonderstellung eine sprachliche Variation der Gemeinsprache darstellt, die sich gut in das gewählte soziologische Modell einfügt.

Schlüsselwörter

Rotwelsch, Sondersprache, Varietätenlinguistik, Soziolinguistik, Dieter Möhn, Gruppensprache, Geheimsprache, sprachliche Variation, Randgruppe, Außenseiter, Sonderwortschatz, Sprachwandel, soziale Identität, restringierter Code.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung des Rotwelsch und der Frage, inwieweit diese historische Sprache als eine sprachliche Varietät innerhalb des Deutschen betrachtet werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die soziolinguistische Varietätenforschung, das Wesen von Sondersprachen, die historische Entwicklung des Rotwelsch sowie die Anwendung soziologischer Modelle auf Gruppensprachen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, das Rotwelsch als gruppenspezifische Sondersprache zu charakterisieren und seine Einordnung in das Varietätenmodell nach Dieter Möhn kritisch zu prüfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse und die theoretische Modellprüfung, indem sie soziolinguistische Konzepte auf das Beispiel des Rotwelsch anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Begriffe Varietät und Sondersprache definiert, das Rotwelsch historisch und inhaltlich porträtiert und schließlich das Varietätenmodell von Dieter Möhn zur Klassifizierung des Rotwelsch herangezogen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe umfassen Rotwelsch, Sondersprache, Varietätenlinguistik, Gruppensprache, soziale Randgruppen und soziolinguistische Modellbildung.

In welchem sozialen Kontext entstand das Rotwelsch?

Das Rotwelsch entstand im 13. Jahrhundert als Sprache von gesellschaftlichen Randgruppen wie Gaunern, Bettlern und fahrendem Volk, die sich gegenüber der Mehrheitsgesellschaft abgrenzen mussten.

Warum eignet sich das Modell von Möhn besonders für die Analyse?

Das Modell von Möhn ist laut Autorin besonders geeignet, da es den Schwerpunkt auf die Teilgruppen der Gesamtgesellschaft legt, was mit dem Hauptmerkmal des Rotwelsch als exklusive Gruppensprache korrespondiert.

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Details

Title
Rotwelsch, eine sprachliche Varietät?
College
University of Hamburg  (Institut für Germanistik II)
Course
Einführung in die Varietätenlinguistik
Grade
2,0
Author
Lena Wandschneider (Author)
Publication Year
2003
Pages
19
Catalog Number
V78919
ISBN (eBook)
9783638838023
Language
German
Tags
Rotwelsch Varietät Einführung Varietätenlinguistik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lena Wandschneider (Author), 2003, Rotwelsch, eine sprachliche Varietät?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78919
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