Jeder Student des Lehramts für Gymnasien in Bayern ist verpflichtet nach der Lehramtsprüfungsordnung (LPO I) vor dem 1. Staatsexamen eine schriftliche Hausarbeit anzufertigen. Diese Arbeit kann in jedem Fach der eigenen Studienrichtung angefertigt werden und sollte ein ansprechendes und interessantes Thema behandeln.
Ich habe mich für das Fach Didaktik des Deutschen entschieden, da ich hier die Möglichkeit hatte die theoretischen Ansätze in einer Schule praktisch umzusetzen. Außerdem stellt die Arbeit es eine gute Vorbereitung auf meine spätere schulische Tätigkeit dar.
Die Idee zu dieser Arbeit kam mir bei einem Praktikum im Ernst Klett Schulbuchverlag in Stuttgart. Ich arbeitete dort in der Arbeitsgruppe „Multimedia Fremdsprachen“ und hatte dort viel mit den Publikationen des Verlags zum Thema „Interneteinsatz im Fremdsprachenunterricht“ zu tun. Neben den verlagseigenen Publikationen erhielt ich dort auch Einblick in Bücher und Projekte anderer Verlage zu diesem Thema. Ich stellte fest, daß es für den Deutschunterricht auf diesem Gebiet praktisch keine Literatur gibt. Deshalb entstand die Idee, Projekte für den Deutschunterricht zu konzipieren, und selbst durchzuführen und auszuprobieren.
Bei meinem Blockpraktikum am Gymnasium Sonthofen stellte ich eine große Angst der Lehrer vor dem Internet fest. Sie waren teilweise bereit das Internet zu nutzen, hatten aber größten Respekt vor der Technik, da es ihnen an der richtigen Literatur und Ausbildung fehlte.
Das Thema meiner Hausarbeit entwickelte sich aus diesen Beobachtungen. Im ersten Teil dieser Arbeit werden die Voraussetzungen geschaffen, um im Unterricht mit dem Internet arbeiten zu können. Bis jetzt gibt es keine brauchbare didaktische und methodische Fachliteratur zum Thema Internet im Deutschunterricht, deshalb versuche ich aufgrund meiner praktischen Erfahrungen und Erfahrungsberichte anderer Lehrer, vor allem aus dem Bereich der Fremdsprachen, didaktische und methodische Ansätze zu formulieren. Nach einer allgemeinen Einführung in das Internet und seine Technik folgt ein Kapitel über die Benutzung von Internetbrowsern und Suchmaschinen. Dieses Kapitel enthält auch eine Liste von nützlichen Internetadressen für den Deutschlehrer. Das fünfte Kapitel erklärt kurz die technischen Voraussetzungen, die man benötigt, um privat oder in der Schule mit dem Internet zu arbeiten.
Der zweite Teil der Arbeit stellt meinen Erfahrungsbericht über drei Internetprojekte dar, die ich im September/Oktober 1998 am Gymnasium Sonthofen durchgeführt habe. Zuerst gehe ich kurz auf die Klassensituation und die Zielsetzung der Projekte ein. Außerdem versuche ich die Projekte in den Lehrplan für Gymnasien in Bayern einzuordnen. Im siebten Kapitel folgt die genaue Beschreibung der drei Projekte. Es enthält auch alle von mir erstellten Arbeitsmaterialien. Am Schluß jeder Beschreibung reflektiere ich den Verlauf des Projekts kritisch. Es folgen Ideen für weitere Projekte, ein Glossar mit den notwendigen Begriffen zum Internet und eine Bibliographie mit der wichtigsten Literatur zum Thema „Computereinsatz im Unterricht“.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorbemerkung
I. Grundlagen und Voraussetzungen für den praktischen Umgang mit dem Internet in der Schule
2. Didaktische und methodische Überlegungen
2.1 Allgemeine Vorüberlegungen
2.2 Versuch einer didaktischen Einordnung des Interneteinsatzes in der Schule
2.3 Methodische Überlegungen
3 Das Internet
3.1 Bedeutung des Internet
3.1.1 Geschichte des Internet
3.1.2 Kurze Einführung in die Internettechnik
3.2 World Wide Web
3.2.1 HTML und Hypertext
3.2.2 Der Aufbau einer Internetadresse
3.3 Andere Internetdienste
3.3.1 Elektronische Briefe
3.3.2 Diskussionsgruppen
3.3.3 Chat und FTP
4 Surfen im Internet
4.1 Die wichtigsten Browser
4.1.1 Die Benutzeroberfläche der Browser
4.1.2 Wichtigste Funktionen der Browser
4.1.3 Weitere Funktionen der Browser
4.2 Suchsysteme
4.2.1 Deutschsprachige Suchmaschinen
4.2.2 Suchstrategien
4.2.3 Beispielsuche
4.3 Nützliche Internetadressen
5 Technische Ausstattung
5.1 Hardware und Software
5.1.1 E-Mail
5.1.2 WWW
5.2 Netzzugang
5.2.1 Bürgernetzvereine in Bayern
5.2.2 Projekt „Schulen ans Netz“
5.2.3 Private Provider
II. Praktische Durchführung von Internetprojekten in verschiedenen Jahrgangsstufen des Gymnasiums: Lektüreprojekt – Mittelalterzeitung – Homepage
6 Klassensituation und Projektziele
6.1 Klassensituation
6.1.1 Klassen 6a und 6b
6.1.2 Klasse 8b
6.1.3 Klasse 11b
6.2 Aufbau und Zielsetzung der Projekte
6.2.1 Einführung in das Internet (6. Klassen)
6.2.2 Einführung in das Internet bei den 8. Klasse
6.2.3 Einführung in das Internet (11. Klasse)
6.2.4 Lektüreprojekt (6.Klassen)
6.2.5 Mittelalterzeitung (8. Klasse)
6.2.6 Homepage (11. Klasse)
7 Praktische Durchführung von drei Projekten im Unterricht
7.1 Einführung in das Internet
7.1.1 Unterrichtseinheit für die Unter- und Mittelstufe
7.2 Erstes Arbeiten mit Internet und Lektüre (6. Klasse)
7.2.1 Informationssuche im Internet
7.2.2 Erstellung einer Internetseite zur Lektüre
7.2.3 Kritik, Zusammenfassung und Ergebnisse
7.3 Erstellung einer Internetzeitung zum Thema Mittelalter (8. Klasse)
7.3.1 Themenerarbeitung „Leben im Mittelalter“
7.3.2 Textproduktion
7.3.3 Kritik, Zusammenfassung und Ergebnisse
7.4 11. Klasse: Erstellung einer Schulhomepage
7.4.1 Beurteilung von verschiedenen Homepages
7.4.2 Erstellung der Homepage mit MS-Frontpage
8 Weitere Projektideen
9 Fazit und Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, didaktische und methodische Ansätze für den Einsatz des Internets im Deutschunterricht zu formulieren, um Lehrkräften die Berührungsängste gegenüber dieser neuen Technologie zu nehmen und ihnen praktische Orientierung für die Vorbereitung und Durchführung entsprechender Projekte zu geben.
- Didaktische Einordnung und methodische Grundlagen des Interneteinsatzes in der Schule.
- Technische Voraussetzungen und Grundbegriffe für die Internetnutzung im Unterricht.
- Erfahrungswerte aus der praktischen Umsetzung von drei Internetprojekten in verschiedenen Jahrgangsstufen.
- Konzepte für die projektorientierte Arbeit, wie Lektürearbeit, Zeitungsgestaltung und Schulhomepage-Erstellung.
Auszug aus dem Buch
2.2 Versuch einer didaktischen Einordnung des Interneteinsatzes in der Schule
Bei genauerer Betrachtung des WWW kann man eine Technik erkennen, die überhaupt nicht neu ist, sondern schon immer in Nachschlagewerken und Wörterbüchern verwendet wird. Die Rede ist von Verweisen, in der Internetsprache „Link“ genannt. In Lexikas entstehen Verweise durch Pfeile oder konkrete Hinweise auf Textstellen in anderen Bänden. Das findet sich im Internet grafisch aufbereitet wieder. Farblich hervorgehobene und unterstrichenen Wörter oder Textstellen weisen auf einen solchen „Link“ hin. Auch das mühsame Heraussuchen anderer Lexikabände entfällt. Im Internet gelangt man durch einen einfachen Mausklick zu einem Verweis. Dabei muß es sich nicht ausschließlich Text handeln, sondern alle Medien z.B. Bilder, Tonaufnahmen, Videobilder können einen Verweis darstellen. Diese Technik erleichtert die Informationsbeschaffung, verändert sie aber auch. Aus der linearen Form der Informationsbeschaffung wird eine nicht lineare. Das bedeutet auch für den Lehrer ein Umdenken in der Unterrichtsmethode. Die neuen Medien eröffnen damit die Möglichkeit weg vom Frontalunterricht zu neuen, offenen Unterrichtsformen zu gelangen. Die Schüler bekommen das Wissen nicht mehr allein vom Lehrer vorgelegt, sondern müssen es sich in selbständiger Arbeit erwerben. Der Lehrer ist zur Beratung und Unterstützung der Schüler notwendig, er arbeitet nicht mehr alleine sondern zusammen mit den Schülern.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorbemerkung: Die Autorin begründet ihr Interesse am Thema durch ein Praktikum beim Klett-Verlag und ihre Beobachtung, dass Lehrkräfte oft Ängste vor der Internet-Technik im Unterricht haben.
Didaktische und methodische Überlegungen: Dieses Kapitel verortet das Internet im Lehrplan und diskutiert den Wandel von frontalen zu offenen Unterrichtsformen durch Hypertext-Strukturen.
Das Internet: Hier werden grundlegende Fachbegriffe, die Geschichte, Funktionsweisen des WWW sowie verschiedene Internetdienste wie E-Mail und Newsgroups erläutert.
Surfen im Internet: Dieses Kapitel dient als praxisnaher Leitfaden für den Umgang mit Browsern, Suchmaschinen und Suchstrategien sowie als Verzeichnis nützlicher Internetadressen.
Technische Ausstattung: Es wird die notwendige Hardware und Software für den Zugang und den effektiven Betrieb des Internets in Schulen sowie Möglichkeiten der Netzanbindung diskutiert.
Klassensituation und Projektziele: Dieser Abschnitt beschreibt die Ausgangslage am Gymnasium Sonthofen sowie die spezifischen Lernziele für die Projekte in den Klassen 6, 8 und 11.
Praktische Durchführung von drei Projekten im Unterricht: Ein detaillierter Erfahrungsbericht, der den methodischen Ablauf der Internet-Einführung und der konkreten Projekte (Lektürearbeit, Mittelalterzeitung, Schulhomepage) darlegt.
Weitere Projektideen: Die Autorin skizziert zusätzliche Möglichkeiten für den Unterricht, etwa im Bereich des kreativen Schreibens oder bei Referaten.
Fazit und Zusammenfassung: Ein kritisches Resümee der Erfahrungen, das die Bedeutung von Internetprojekten unterstreicht und zu weiteren Versuchen motiviert.
Schlüsselwörter
Internet, Deutschunterricht, Medienkompetenz, WWW, Hypertext, Suchmaschinen, Projektarbeit, Mittelalter, Schulhomepage, Computereinsatz, Unterrichtsmethode, Informationsbeschaffung, Lektüre, Didaktik, Medienerziehung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die didaktischen Grundlagen und die praktische Umsetzung von Internetprojekten im Fach Deutsch an Gymnasien.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Hausarbeit ab?
Sie umfasst die theoretische didaktische Einordnung, technische Grundlagen des Internet, eine Anleitung für Browser und Suchmaschinen sowie konkrete Praxisbeispiele aus verschiedenen Jahrgangsstufen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, Lehrkräften die Angst vor dem Einsatz des Internet zu nehmen und ihnen konkrete methodische Hilfestellungen für die Durchführung eigener Projekte an die Hand zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt den forschenden Ansatz der Handlungsforschung, basierend auf eigenen Unterrichtsversuchen und begleitenden Reflexionen im Rahmen eines Schulpraktikums.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über Internet-Grundlagen und Browser-Bedienung sowie einen umfangreichen Praxisteil, der die Umsetzung von Internet-Projekten dokumentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Medienkompetenz, Internetprojekte, Didaktik, Deutschunterricht, Hypertext und projektorientiertes Lernen.
Wie wurde das Thema Mittelalter in der 8. Klasse praktisch umgesetzt?
Die Schüler produzierten eine Internetzeitung zum „Mainzer Hoffest“, wobei sie in Reporterrollen schlüpften und Sachinformationen kreativ verarbeiteten.
Welche Rolle spielte die Homepage-Erstellung in der 11. Jahrgangsstufe?
Die Klasse 11 erstellte im Rahmen des Projekts eine Schulhomepage, wobei der Fokus auf der kritischen Beurteilung bestehender Seiten und der anschließenden eigenen Gestaltung lag.
- Quote paper
- Anonym (Author), 1998, Internetprojekte im Deutschunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78938