Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Europe - Ages of World Wars

Das französische Kolonialreich in der Zwischenkriegszeit

Selbstverständnis vs. Wirklichkeit

Title: Das französische Kolonialreich in der Zwischenkriegszeit

Essay , 2007 , 11 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Jochen Brandt (Author)

History of Europe - Ages of World Wars
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der Aufbau des ersten französischen Kolonialreichs stand im Zeichen des sich entwickelnden Absolutismus. Franz I. zeigte sich im ausgehenden 16. Jahrhundert nicht bereit, die päpstlich verordnete Hegemonie der spanischen und portugiesischen Krone auf dem neuentdeckten amerikanischen Kontinent zu akzeptieren. Entdeckungsfahrten und Besetzungen nordamerikanischer Gebiete fanden vor allem unter Ludwig XIV. ihren Höhepunkt, wo sie dem merkantilen und territorialen Anspruch der französischen Krone dienen sollten. Doch wie das absolutistische Herrschaftssystem, so zerfiel auch das erste französische Kolonialreich in den Wirrungen des ausgehenden 18. Jahrhundert innerhalb kürzester Zeit.
Die koloniale Ausbreitung des 19. Jahrhunderts, die mit der Eroberung Algeriens 1830 begann und schließlich in den 1880er und 90er Jahren ihre Hochphase hatte, folgte anderen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Motiven. Geographisch vollzog sich die Expansion vor allem in Afrika und Indochina. Der imperiale Wettlauf um Rohstoffe, strategische Positionen, Reputation im Sinne einer Grande Nation aber auch kulturmissionarische Aspekte bestimmten hierbei die französische Kolonialpolitik. Mit den von Deutschland übernommenen Kolonien befand sich das Empire in der Zwischenkriegszeit auf seinem Zenit und erreichte seine größte geographische Ausdehnung. Doch die Tatsache, dass das französische Kolonialreich in den 1950er Jahren fast vollständig zerfiel, und dass Frankreich bereits 1962 mit Algerien eine der letzten Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen musste, zeigt, dass der Boden für die kolonialen Befreiungsbewegungen schon in der Zwischenkriegszeit bereitet gewesen sein muss. In der folgenden Arbeit soll daher die These vertreten werden, dass das französische Kolonialreich schon vor dem Zweiten Weltkrieg instabil war, und eher als Krisenherd zu sehen ist, denn als Ausdruck, des in weiten Teilen der Bevölkerung vertretenen Anspruchs des „genie coloniale“ Frankreichs.

1. Vorbemerkung 3
2. Motivationen des französischen Kolonialismus 3
3. Das Selbstverständnis Frankreichs als Kolonialmacht und die Wirklichkeit 4
4. Gründe für die Krise des Empires 6
4.1. Der Erste Weltkrieg und die daraus folgenden Entwicklungen 6
4.2. Diskriminierung der neuen Elite und ausbleibende Reformen 7
4.3. Die kommunistische Bedrohung 8
5. Fazit 9
6. Literatur

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung

2. Motivationen des französischen Kolonialismus

3. Das Selbstverständnis Frankreichs als Kolonialmacht und die Wirklichkeit

4. Gründe für die Krise des Empires

4.1. Der Erste Weltkrieg und die daraus folgenden Entwicklungen

4.2. Diskriminierung der neuen Elite und ausbleibende Reformen

4.3. Die kommunistische Bedrohung

5. Fazit

6. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Instabilität des französischen Kolonialreichs während der Zwischenkriegszeit und analysiert, inwieweit das imperiale Selbstverständnis Frankreichs als "Grande Nation" in einem deutlichen Widerspruch zur realen politischen und gesellschaftlichen Krise in den Kolonien stand.

  • Die Diskrepanz zwischen kolonialem Selbstbild und der politischen Realität.
  • Die langfristigen Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf das imperiale Gefüge.
  • Die Rolle der neu entstandenen, westlich gebildeten indigenen Eliten.
  • Der Einfluss der kommunistischen Ideologie auf antikoloniale Bewegungen.
  • Die gescheiterten Reformversuche und die daraus resultierende Repressionspolitik.

Auszug aus dem Buch

4.2. Diskriminierung der neuen Elite und ausbleibende Reformen

Es waren nicht die nicht die traditionellen indigenen Eliten, welche die Autonomie am lautesten forderten – diese hatten sich meist ohnehin mit dem kolonialen System arrangiert und profitierten letztlich davon – sondern die durch die Expansion des französischen Schulwesens entstandene westlich ausgebildete Mittelschicht, die von den Franzosen als Hilfskräfte für Verwaltung und Wirtschaft benötigt wurden. Diese neuen bürgerlich intellektuellen Führungsschichten entwickelten liberales Bewusstsein und das „Auseinanderklaffen zwischen den westlichen politischen Idealen und politischer Realität in den Kolonien“14 wurde ihnen zunehmend offenbar. Frankreich gelang es nicht diese erodierenden Kräfte langfristig zu kanalisieren. Anstatt der nach vorn drängenden gebildeten Mittelschicht weitreichende Kompetenzen in Verwaltung und Wirtschaft zuzugestehen, und so langfristig eine dem Mutterland treue Verwaltungselite zu generieren und die Länder langfristig in die Unabhängigkeit zu entlassen, herrschte in Verwaltung und Wirtschaft ein Dualismus vor, der den französischen Siedlern die wichtigsten Positionen vermittelte und die Einheimischen zudem noch finanziell diskriminierte.

Die Versuche weitsichtiger französischer Politiker, die Kolonialpolitik dahingehend zu reformieren, scheiterten sowohl am massiven Eingreifen der colons, also der französischen Siedler in den Kolonien, die keine Machteinbußen hinnehmen wollten, als auch an den Regierungen der Metropole, die sich außenpolitisch eher auf Europa und vor allem Deutschland konzentrierten und zudem keinen dringenden Handlungsbedarf sahen, da „la paix française“ bis dahin stets mit harter militärischer Hand gesichert werden konnte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorbemerkung: Einleitende Betrachtung der historischen Entwicklung des französischen Kolonialismus von der absolutistischen Ära bis zur Zwischenkriegszeit, inklusive der zentralen These zur Instabilität des Empires.

2. Motivationen des französischen Kolonialismus: Darstellung der politischen, wirtschaftlichen und kulturmissionarischen Ziele französischer Expansion, wie sie durch Akteure wie Jules Ferry formuliert wurden.

3. Das Selbstverständnis Frankreichs als Kolonialmacht und die Wirklichkeit: Analyse des Kontrasts zwischen dem propagierten Bild der "Grande Nation" und der faktischen Realität sowie der begrenzten wirtschaftlichen Nutzen für das Mutterland.

4. Gründe für die Krise des Empires: Untersuchung der Faktoren, die zur Destabilisierung führten, insbesondere durch Kriegserfahrungen, soziale Spannungen und politische Radikalisierung.

4.1. Der Erste Weltkrieg und die daraus folgenden Entwicklungen: Analyse der Auswirkungen der Rekrutierungen und der wirtschaftlichen Ausbeutung während des Krieges auf die Stabilität der Kolonien.

4.2. Diskriminierung der neuen Elite und ausbleibende Reformen: Erörterung der Frustration der westlich gebildeten indigenen Mittelschicht aufgrund fehlender politischer Teilhabe und des Festhaltens am kolonialen Status quo.

4.3. Die kommunistische Bedrohung: Darstellung der Rolle der französischen kommunistischen Partei bei der Stärkung antikolonialer Bewegungen und der Förderung von Unabhängigkeitsbestrebungen.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der instabilen Lage des Kolonialreichs am Vorabend des Zweiten Weltkriegs.

6. Literatur: Auflistung der für die Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Dokumente.

Schlüsselwörter

Frankreich, Kolonialreich, Zwischenkriegszeit, Grande Nation, Mission civilisatrice, Dekolonisation, Erster Weltkrieg, Indochina, Antikolonialismus, Reformpolitik, Albert Sarraut, Kommunistische Partei, Elite, Imperialismus, Repression.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Zustand des französischen Kolonialreichs in der Zwischenkriegszeit und untersucht die Diskrepanz zwischen dem imperialen Selbstanspruch Frankreichs und der tatsächlichen Krisensituation in den Kolonien.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Motivationen kolonialer Expansion, die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf die Kolonien, die Rolle der intellektuellen indigenen Eliten sowie der Einfluss kommunistischer Bewegungen auf den antikolonialen Widerstand.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit verfolgt die These, dass das französische Kolonialreich bereits vor dem Zweiten Weltkrieg instabil war und eher als ein Krisenherd denn als ein Ausdruck eines gefestigten imperialen Anspruchs betrachtet werden muss.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse historischer Fachpublikationen, um die sozio-politischen Entwicklungen und die Kolonialpolitik Frankreichs im untersuchten Zeitraum zu bewerten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Selbstverständnisses als Kolonialmacht, die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs, das Versagen bei der Integration neuer Eliten durch Reformen sowie das Anwachsen der kommunistischen Bedrohung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören das französische Kolonialreich, die Zwischenkriegszeit, das Konzept der "Grande Nation", antikolonialer Widerstand und die gescheiterte Reformpolitik.

Inwiefern hat die "Unfruchtbarkeit Mariannes" die Kolonialpolitik beeinflusst?

Aufgrund stagnierender demografischer Verhältnisse in Frankreich wurde das Kolonialreich als Reservoir für Soldaten und Arbeitskräfte instrumentalisiert, was die Abhängigkeit und die Ausbeutungsmechanismen während des Ersten Weltkriegs massiv steigerte.

Warum scheiterten die Bemühungen von Politikern wie Albert Sarraut?

Obwohl Sarraut die Notwendigkeit von Reformen erkannte, scheiterten seine Pläne an der Blockadehaltung der französischen Siedler vor Ort sowie an einer auf Europa fokussierten Regierungspolitik, die keine substanziellen Zugeständnisse an die Kolonien vorsah.

Excerpt out of 11 pages  - scroll top

Details

Title
Das französische Kolonialreich in der Zwischenkriegszeit
Subtitle
Selbstverständnis vs. Wirklichkeit
College
University of Freiburg
Course
Frankreich in der Zwischenkriegszeit
Grade
1,3
Author
Jochen Brandt (Author)
Publication Year
2007
Pages
11
Catalog Number
V78980
ISBN (eBook)
9783638835299
Language
German
Tags
Kolonialreich Zwischenkriegszeit Frankreich Zwischenkriegszeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jochen Brandt (Author), 2007, Das französische Kolonialreich in der Zwischenkriegszeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78980
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  11  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint