Menschen mit Behinderung weichen von den gesellschaftlichen Erwartungen ab, sie sind in unerwünschter Weise anders. Was unter einer Behinderung zu verstehen ist und wie die Abgrenzung zu einer Nichtbehinderung erfolgt, hängt vom jeweiligem herrschenden gesellschaftlichen Normen- und Wertesystem ab. Als gesund bzw. normal gilt das, was in einer Gesellschaft als besonders wichtig für ihren Fortbestand angesehen wird. Diese dominierenden Wertvorstellungen bestimmen unsere Einstellungen und Verhaltensweisen. Zum großen Teil werden diese auch von den Medien geprägt.
In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit dem Thema " Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft" befassen. Dabei möchte ich Antworten auf folgende Fragen finden: Welche Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber Menschen mit Behinderung liegen vor und wodurch werden sie beeinflusst? Welche Möglichkeiten gibt es diese zu ändern? Wie werden behinderte Menschen in den Medien dargestellt?
In meinen Ausführungen werde ich nur kurz auf die Darstellung von Menschen mit Behinderung in den Medien eingehen. Da man davon ausgeht, dass Einstellungen schon im frühsten Kindesalter erlernt und erworben werden, interessiert mich vielmehr die Frage, welchen Platz Menschen mit Behinderung in der Kinder- und Jugendliteratur einnehmen.
Zur Erarbeitung habe ich mich hauptsächlich auf das Buch von H. Tröster "Einstellungen und Verhalten gegenüber Behinderten: Konzepte, Ergebnisse und Perspektiven sozialpsychologischer Forschung" und das von G. Cloerkes "Soziologie der Behinderten" gestützt. Zur Ergänzung meiner Aufzeichnungen verwendete ich Literatur von Nickel, Zimmermann und andere (siehe Literaturliste).
Zunächst werden ich einige grundlegende Begriffe, welche für die Arbeit von Bedeutung sind, definieren. Im weiteren werde ich auf Einstellungen und Verhalten gegenüber Menschen mit Behinderung eingehen und auf die Faktoren zu sprechen kommen, von denen Einstellungen und Verhalten anhängig sind. Dann werde ich auf die Frage eingehen, welche Möglichkeiten es gibt diese positiv zu verändern. Darauf folgt die Darstellung von behinderten Menschen in der Kinder- und Jugendliteratur, wobei der allgemeine Aspekt der Medien nur kurz angerissen wird.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
2.1. Behinderung
2.2. Vorurteile, Einstellungen, Werte und soziale Reaktion
3. Einstellungen gegenüber Menschen mit Behinderung
4. Verhalten gegenüber Menschen mit Behinderung
4.1. Verhaltensrelevante Aspekte der Behinderung
4.1.1. Die Auffälligkeit und Sichtbarkeit einer Behinderung
4.1.2. Die ästhetische Beeinträchtigung
4.1.3. Die funktionelle Beeinträchtigung kommunikativer Fähigkeiten
4.1.4. Die zugeschriebene Eigenverantwortlichkeit
5. Möglichkeiten der Veränderung der sozialen Reaktion auf Menschen mit Behinderung
5.1. Einstellungs- und Verhaltensänderung durch Information und Aufklärung
5.2. Einstellungs- und Verhaltensänderung durch Simulation und Rollenspiel
5.3. Einstellungs- und Verhaltensänderung durch sozialen Kontakt zu Menschen mit Behinderung
6. Menschen mit Behinderung in den Medien
6.1. Menschen mit Behinderung als Thema in der Kinder- und Jugendliteratur
7. Zusammenfassung
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gesellschaftliche Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung, analysiert die zugrunde liegenden Einstellungen und Verhaltensweisen sowie deren Beeinflussbarkeit. Ein zentrales Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese Einstellungen positiv verändert werden können, mit besonderem Fokus auf die Rolle der Kinder- und Jugendliteratur als Medium zur Vermittlung realistischer und inklusiver Bilder.
- Analyse soziologischer und psychologischer Faktoren, die Einstellungen gegenüber Menschen mit Behinderung prägen.
- Untersuchung von Verhaltensmustern in sozialen Interaktionen und deren Ursachen.
- Evaluierung von Strategien zur Einstellungsänderung (Information, Simulation, direkter Kontakt).
- Betrachtung der Darstellung von Behinderung in der Kinder- und Jugendliteratur als Instrument der Sozialisation.
Auszug aus dem Buch
6.1. Menschen mit Behinderung als Thema in der Kinder- und Jugendliteratur
„Autorinnen und Autoren von Kinder- und Jugendliteratur werden, da sie in konkreten historischen Situationen leben, immer von den jeweils vorherrschenden gesellschaftlichen Normen und Werten beeinflusst“ (Nickel 1999, S. 385). So spiegeln ihre literarischen Werke entweder die Normen und Werte der entsprechenden Zeitepoche wieder oder sie üben Kritik an diese vorherrschenden Auffassungen. Wie werden nun Menschen mit Behinderung in der Kinder- und Jugendliteratur dargestellt?
Bei den Untersuchungen zur Darstellung behinderter Menschen in der Kinder- und Jugendliteratur stellte R. Zimmermann fest, dass die qualitative Darstellung einzelner Behinderungsarten in keiner Weise der Verteilung in der Realität entsprechen (vgl. dies 1982, S.178). Gründe für die bevorzugte Darstellung einzelner Behinderungsformen werden in dem gesellschaftlichen Verständnis von Behinderung gesehen, welche in erster Linie an Sichtbarkeit und funktionalen Kommunikationsproblemen festgemacht wird. Außerdem lassen sie sich in Bild und Schrift einfacher darstellen. Diese visuelle Darstellung basiert auf dem Grundsatz, dass eindeutige Darstellungen leichter zu kategorisieren sind. Sie sollen die emotionale (affektive) Ebene ansprechen, indem sie Mitleid erregen (vgl. Nickel 1999, S.385). Somit ist die meist dargestellte Behinderungsform in Kinder- und Jugendbüchern die Körperbehinderung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der zentralen Fragestellungen zur Darstellung und Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung.
2. Begriffsbestimmung: Definition des Behindertenbegriffs aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven sowie Erläuterung von Einstellungen und Vorurteilen.
3. Einstellungen gegenüber Menschen mit Behinderung: Analyse der Einflussfaktoren auf Einstellungen, wie die Art der Behinderung oder sozioökonomische Merkmale.
4. Verhalten gegenüber Menschen mit Behinderung: Untersuchung der verhaltensrelevanten Aspekte, insbesondere Sichtbarkeit, ästhetische Faktoren und zugeschriebene Eigenverantwortlichkeit.
5. Möglichkeiten der Veränderung der sozialen Reaktion auf Menschen mit Behinderung: Darstellung von Strategien zur Einstellungsänderung durch Aufklärung, Simulation und sozialen Kontakt.
6. Menschen mit Behinderung in den Medien: Analyse der medialen Darstellung und der spezifischen Rolle der Kinder- und Jugendliteratur bei der Sozialisation.
7. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Fazit zur Notwendigkeit einer realistischen Darstellung von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Werke.
Schlüsselwörter
Menschen mit Behinderung, Soziale Einstellungen, Verhaltensweisen, Kinderliteratur, Jugendliteratur, Inklusion, Medienwirkung, Vorurteile, Behindertenpädagogik, Sozialisation, Diskriminierung, Einstellungsänderung, Soziale Reaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Behandlung von Menschen mit Behinderung sowie der Frage, wie durch Medien und soziale Interaktion positive Einstellungsänderungen gefördert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der psychologischen Analyse von Einstellungsbildung, den Faktoren für diskriminierendes Verhalten und dem Potenzial der Kinder- und Jugendliteratur zur Vermittlung vorurteilsfreier Sichtweisen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, zu verstehen, wie Einstellungen gegenüber Menschen mit Behinderung geformt werden und durch welche gezielten Maßnahmen – insbesondere durch Literatur – eine Sensibilisierung und Akzeptanz in der Gesellschaft erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse einschlägiger sozialpsychologischer und behindertenpädagogischer Forschung, um die Thematik theoretisch einzuordnen und zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Behinderungsbegriffen, die Untersuchung von Verhaltensreaktionen gegenüber Betroffenen sowie die Erörterung von Interventionsmöglichkeiten zur Einstellungsänderung und deren Umsetzung in den Medien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Inklusion, Vorurteile, Sozialisation, behindertenspezifische Darstellung in Medien, Einstellungsbildung und soziale Interaktion.
Wie wirken Bilder und Medien konkret auf die Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderung?
Medien dienen als Sozialisationsfaktoren, die durch die Art der Darstellung – etwa durch Mitleid erregende oder aber realistische Porträts – die Wahrnehmung und das Urteilsvermögen der Gesellschaft, besonders bei Kindern und Jugendlichen, maßgeblich beeinflussen.
Warum spielt die Kinder- und Jugendliteratur eine so wichtige Rolle?
Die Literatur bietet einen geschützten Raum für "Probehandeln" und Identifikation; sie kann den Leser früh für die Lebensbedingungen behinderter Menschen sensibilisieren und so dazu beitragen, stereotype Vorurteile gar nicht erst entstehen zu lassen.
- Quote paper
- Yvonne Schuhmnann (Author), 2002, Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft: Einstellungen, Verhalten und die Darstellung von Menschen mit Behinderung in den Medien am Beispiel der Kinder- und Jugendliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7901