Wirtschaft und Bodenschätze des Kongo

Geostrategische Bedeutung


Hausarbeit, 2007

28 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Ressourcenkrieg im Kongo
2.1 Allgemeines/Historischer Hintergrund
2.2 Motoren des Krieges
2.3 Konfliktursache: Gewaltökonomie
2.4 Folgen des Konflikts
2.5 Die Coltan- Problematik
2.5 Die Rolle Deutschlands 12
2.5.1 Politische Rolle
2.5.2 Wirtschaftliche Rolle

3. Der Einfluss Belgiens, Frankreichs und der USA
3.1 Der Einfluss Belgiens
3.2 Der Einfluss der USA
3.3 Der Einfluss Frankreichs
3.4 Die UN und EUFOR Missionen

4. Wege aus der Krise

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Als Einleitung zu diesem Thema möchte ich zunächst kurz die Grundlagen der wirtschaftlichen Entwicklung im Kongo des letzten Jahrhunderts erläutern. In den 50er Jahren wuchs die Wirtschaftskraft des Landes unter der Führung der Kolonialmacht Belgien zum Teil deutlich an. Dieser Aufschwung wurde allerdings in den frühen 60er Jahren in Folge der nun erlangten Unabhängigkeit gebremst, zu wirtschaftlicher Stabilität kam es erst wieder 1965 unter dem neuen Staats-oberhaupt Mobutu.

In den folgenden Jahrzehnten tauchten aber immer wieder wirtschaftliche Probleme auf, was auch an dem ständigem Missbrauch und der leider sehr verbreiteten Korruption lag. Besonders die 90er Jahre waren von Hyperinflation, Unruhen und Misswirtschaft geprägt, sodass die Demokratische Republik (DR) Kongo mittlerweile das wirtschaftliche Schlusslicht in Zentralafrika bildet. Eine Tilgung der Schulden in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar erscheint unmöglich.

Manche behaupten sogar, dass die ‚offizielle’ Wirtschaft sowie die Staatsver-waltung des Kongo seit Ende der 80er Jahre aufgehört hat zu existieren. Infolge-dessen kam es Anfang der 90er Jahre auch zu einem Zusammenbruch der kontrollierten Ressourcenausbeutung (vgl. Riehl, 2003, S.866).

Wenn man von diesen Ressourcen bzw. Bodenschätzen im Kongo spricht, ist festzustellen, dass die DR Kongo eines der rohstoffreichsten Länder der Welt ist.

Vor allem Edelmetalle wie Gold oder Diamanten, aber auch Coltan, Öl, Gas, Uran, Kupfer, usw. sind zum Teil in scheinbar unerschöpflichen Mengen vorhan-den. Auf das Mineral Coltan werden wir in dieser Arbeit noch genauer eingehen.

Wie man an der auf der nächsten Seite abgebildeten Karte erkennen kann, kommen die Rohstoffe überwiegend im Nordosten des Landes vor und damit an der Grenze zu den kleinen Nachbarstaaten Uganda, Ruanda, Burundi. Diese Tatsache führt schon länger zu erheblichen Problemen und ist dementsprechend ein gewichtiger Grund für die explosive Lage in dieser Region, was ebenfalls später genauer erläutert wird.

Abbildung 1: Bodenschätze im Kongo

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es lässt sich nämlich feststellen, dass die Bodenschätze des Kongo zwar einer-seits sicherlich die wichtigsten Exportprodukte des Landes und somit maßgeblich für die Wirtschaft verantwortlich sind. Andererseits stellen sie aber auch eine eminente Konfliktursache dar. Seit entdeckt wurde, dass der Kongo mit Roh-stoffen reichlich ausgestattet ist, begann auch die Unterdrückung und Ausbeu-tung durch externe Kräfte (vgl. Stroux, 2003, S.104). Der folgende Hauptteil der Arbeit wird diese Thematik immer wieder aufgreifen.

2 Der Ressourcenkrieg im Kongo

2.1 Historischer Hintergrund

Der mittlerweile seit über zehn Jahren im Kongo tobende Wirtschaftskrieg bzw. sozio-ökonomischer Konflikt wird auch als Ressourcenkrieg bezeichnet, da man die Wirtschaft im Kongo nahezu auf die hiesigen Bodenschätze reduzieren kann. Es ist zu beobachten, dass sich die dortigen Probleme fast ausschließlich um die, wie beschrieben, reichlich vorhandenen Ressourcen drehen.

Die Situation rund um die Region der großen Seen eskalierte mit dem Genozid in Ruanda im Jahr 1994, wobei eine Million Tutsi und gemäßigte Hutu-Bürger von radikalen Hutu-Gruppen getötet wurden. Diese Machtkämpfe zwischen Hutu und Tutsi in Ruanda sowie Burundi werden oft als Ausgangspunkt oder auch als Kern des Krieges in dieser Region bezeichnet. Der auf den ersten Blick als spontan erscheinende Rachefeldzug der Hutus war in Wirklichkeit eine sorgfältig vorberei-tete und zielgerichtete militärische Aktion der ruandischen Regierung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Daraufhin kam es zu einer von Uganda aus begonnenen Invasion von Exilruan-dern (zumeist Tutsis) unter der Führung des jetzigen ruandischen Präsidenten Paul Kagame, die mit der erfolgreichen Einnahme der Hauptstadt Kigali beendet wurde (vgl. Riehl, 2003, S.863f.).

Die daraus resultierenden Flüchtlingsströme (2 Millionen Hutus flüchten v.a. in die DR Kongo) mit den politisch-destabilisierenden Folgen, welche später noch näher beschrieben werden, verstärkten die regionalen Probleme erheblich. Es gab zwar selbstverständlich auch schon vorher politische Turbulenzen und ökonomische Konflikte, die sozio-politische Lage konnte aber im Vergleich zu heute doch als relativ stabil bezeichnet werden.

Seit dem Völkermord befindet sich die gesamte Region nun aber in politischem und wirtschaftlichem Aufruhr (vgl. Riehl, 2003, S.865). Es tauchten zwar in der Zwischenzeit immer mal wieder hoffnungsvolle Perspektiven für eine friedliche Regelung auf und es wurden auch teilweise Fortschritte gemacht (worauf wir hier aber nicht genauer eingehen wollen), von einer Lösung des Problems kann man aber noch lange nicht sprechen.

2.2 Motoren des Krieges

Weiterhin wollen wir in diesem Punkt auch kurz auf die allgemeinen Motoren dieses Krieges eingehen, welche dann im Verlauf der Arbeit teilweise genauer erläutert werden. Zum einen wurde und wird der Konflikt durch die wirtschaft-lichen Interessen (an den wertvollen und reichhaltigen Bodenschätzen) von Staaten wie den direkt angrenzenden Ruanda und Uganda, aber auch in bedeutendem Maße von international operierenden Privatunternehmern forciert. Wenn in einem Land keine wirtschaftliche, aber auch keine politische Stabilität zu erkennen ist, lässt es sich eben leichter ausbeuten, die Bevölkerung ist nicht in der Lage, sich zu wehren. Es ist bekannt, dass die multinationalen Konzerne durch die Kommerzialisierung der Ressourcen auch für die Kriegsfinanzierung mitverantwortlich sind (vgl. Riehl, 2003, S.862).

Außerdem spielen auch die Machtinteressen der ansässigen Rebellengruppen (Warlords und Desperados) eine gewichtige Rolle. Sie profitieren von dem Unruhezustand, indem sie von den Unternehmen Geld für die Überwachung des Rohstoffabbaus, der in zum Teil unmenschlichem Maße von den vielen kongo-lesischen Arbeitern betrieben wird, erhalten.

Die Rebellen tragen deshalb ebenfalls zu der illegalen Ressourcenausbeutung bei, welche die Beendigung des Krieges in erheblichem Maße blockiert. Die Waffen bekommen sie von internationalen Waffenhändlern, die somit auch an den Unruhen beteiligt sind.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass in der Region ein undurchsichtiges und vielschichtiges Interessensgeflecht existiert, man spricht in diesem Zusammen-hang sogar schon von mafiösen Strukturen (vgl. Riehl, 2003, S.865).

2.3 Konfliktursache: Gewaltökonomie

Nach der kurzen Erläuterung zu den Motoren des Ressourcenkrieges möchten wir im folgenden Teil den tödlichen Kreislauf von Rohstoffplünderung und Krieg veranschaulichen. Dabei muss man beachten, dass der Charakter dieser Kriege nicht dem der klassischen Staatenkriege des 20. Jahrhunderts entspricht. Einige Politikwissenschaftler sprechen von ‚neuen Kriegen‘, doch dabei gilt es zu bedenken, dass auch der Dreißigjährige Krieg in Europa (1618 bis 1648) von einem undurchschaubaren Gemengelage an Motiven bestimmt war. Eine weitere Gemeinsamkeit ist dadurch gekennzeichnet, dass die Eigendynamik der Gewalt ökonomisch bedingt ist. In dem Komplex der Gewaltökonomie gehören heute mafiöse Netzwerke von lokalen Machthabern und transnationalen Firmen, wodurch die Verbindung zu Weltmärkten durchgehend aufrechterhalten wird. Diese Netzwerke spielen auch beim Konflikt in der DR Kongo eine entscheidende Rolle. Hierbei wurden und werden die reichen Bodenschätze in einer Situation des Staatszerfalls zum Fluch für eine Bevölkerung, die sowieso schon seit Jahren die Last des Krieges tragen muss. Die später noch näher beschriebenen UN-Berichte zeigen die Ausbeutung der reichen Bodenschätze und die damit verbundene Unterdrückung der Bevölkerung (vgl. Weßler, 2004, S.102).

Die genaue Analyse der Situation zeigt, dass ein Zusammenhang zwischen Ressourcenausbeutung und mafiöser Finanzierung der kriegsführenden Parteien bestand. Die Regierung war immer daran interessiert den Kriegszustand aufrechtzuerhalten, um in dessen Windschatten profitable Rohstoffgeschäfte betätigen zu können. Die Netzwerke, über die die Rohstoffe ausgebeutet und Kriege finanziert wurden, erstreckten sich vom Rohstoffproduzenten bis hin zu den reichen Industrieländern. Die Kriegsökonomie funktionierte also nur aufgrund der globalisierten Rohstoffmärkte, in die sich die Rohstoffe direkt oder indirekt einspeisen lassen. Die transnationalen Unternehmen wie z.B. Bayer oder Nokia in Deutschland, nehmen in den beschriebenen elitekriminellen Netzwerken eine bedeutende Rolle ein. Die Recherche zu diesen Kriegsnetzwerken erwies sich als außerordentlich schwierig und stellte eine Überforderung für die nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) dar. Deshalb wurde vor sieben Jahren vom Weltsicherheitsrat die Arbeitsgruppe ‚Illegale Ausbeutung der Ressourcen aus der DR Kongo‘ eingerichtet. Den ersten ihrer drei Berichte lieferte diese Arbeitsgruppe 2001, der zweite folgte 2002 und im Jahr 2003 gab es den entscheidenden Abschlussbericht (vgl. Weßler, 2004, S.103ff.).

2.4 Folgen des Konflikts

In diesem Abschnitt werden einige Folgen der herrschenden Krise beschrieben.

Als direkte Antwort auf die Invasion der Tutsis wurden in den zahlreichen Flücht-lingslagern im Kongo viele Hutus militärisch ausgebildet und Pläne zur Rücker-oberung Ruandas geschmiedet. Darauf kam es auch im Kongo zu einer Invasion von Militärs aus dem Kongo selbst sowie aus Ruanda und Uganda, die zur Vertreibung des Diktators Mobutu führte. An dessen Stelle wurde 1997 Laurent Kabila eingesetzt. Diese illegale Staatsmachtübernahme wurde im Übrigen vom US-amerikanischen Geheimdienst tatkräftig unterstützt (vgl. Riehl, 2003, S.864).

Weiterhin wurden und werden in Folge der Unruhen einige Gebiete im Kongo ohne demokratische Legitimation kontrolliert, da die jeweilige Regierung des Kongo das Land nie vollständig unter Kontrolle hatten und deshalb häufig ein relatives Machtvakuum entstand.

Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Zweiteilung des Kongo. Während der Südwesten um die Hauptstadt Kinshasa unter Regierungskontrolle steht, wird der Osten und Norden des Landes mit den vielen Bodenschätzen indirekt von Ruanda und Uganda beherrscht. In diesem Gebiet haben die RCD-Rebellen (RCD: Kongolesische Sammlungsbewegung für Demokratie, gegründet im August 1998 in Goma) das Sagen. Diese Rebellenarmee wird von den ruandi-schen und ugandischen Militärs und Regierungen unterstützt.

Eine weitere negative Folge der Krise in dieser Region war sicherlich auch, wie schon angedeutet, die unkontrollierte und illegale Ausnutzung ökonomischer Privilegien, v.a. durch internationale Firmen. Dies wird später anhand von Beispielen im Detail erläutert. Die beteiligten Konzerne bereichern sich durch die Ausbeutung der Bodenschätze, während die einheimische Bevölkerung nichts davon hat. Sie müssen stattdessen unter Aufsicht der Rebellengruppen die Rohstoffe abbauen. Die Warlords realisieren somit ihre eigenen machtpolitischen Zwecke (vgl. Riehl, 2003, S.864ff.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Wirtschaft und Bodenschätze des Kongo
Untertitel
Geostrategische Bedeutung
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Soziologie, Zentrum für Interdisziplinäre Technikforschung)
Veranstaltung
Kongo und die Nachbarstaaten, Sozioökonomische Strukturen in Zentralafrika
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
28
Katalognummer
V79044
ISBN (eBook)
9783638852746
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaft, Bodenschätze, Kongo, Nachbarstaaten, Sozioökonomische, Strukturen, Zentralafrika
Arbeit zitieren
Christoph Färber (Autor), 2007, Wirtschaft und Bodenschätze des Kongo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79044

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