Berthold Otto - Vorzüge und Nachteile einer natürlichen Erziehung

Vorzüge und Nachteile einer natürlichen Erziehung


Seminararbeit, 2006

33 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Reformpädagogik

2. Biographie Berthold Ottos

3. Erziehung
3.1. Erziehung und Bildung
3.2. Häusliche Erziehung
3.3. Schulische Erziehung
3.4. Fazit

4. Berthold Ottos Lebenswerk mit seinen Vorzügen und Nachteilen
4.1. Das natürliche Interesse des Kindes - der Erkenntnistrieb
4.2. Die Schule – das „Zuchthaus“
4.3. Die Berthold-Otto-Schule
4.4. Der Gesamtunterricht
4.4.1. Konkrete Durchführung des Gesamtunterrichts
4.5. Möglichkeiten, das natürliche Interesse des Kindes zu wecken
4.6. Der Lehrer und seine Stellung
4.7. Der Anschauungsunterricht
4.8. Die Zukunftsschule

5. Resümee

6. Literaturangaben

7. Versicherung

1.Reformpädagogik

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um die Jahrhundertwende kritisierten verschiedene Pädagogen, unter anderem Ellen Key, Maria Montessori und Berthold Otto, den Unterricht, der sich zu stark am Lernstoff orientierte und den Schüler dabei außer Acht ließ. Außerdem wurde der „Erziehungs- und Bildungsprozeß als ein von außen nach innen führender Vorgang verstanden [...], bei dem der Lehrer [...] die Erziehung aufdrängt und Erziehen ausschließlich als ein Führen verstanden wird.“[1] Man war der Überzeugung, dass der Geist des Kindes „im wesentlichen ein Hohlgefäß sei, das man mit würdigem Inhalt zu erfüllen habe”.[2]

Dieser herkömmlichen Auffassung widersetzten sich die Reformer und forderten einen an den individuellen Bedürfnissen des Kindes orientierten Unterricht. Da in diesem Jahrhundert dem Kind eine besondere Beachtung geschenkt wurde, wird die Pädagogik auch als eine Pädagogik „vom Kinde aus“ bezeichnet.

Dabei besinnten sich die Reformpädagogen zurück auf Rousseau, der von einem von Anfang an im Kinde bestehenden Kraftzentrum ausging, welches sich von ganz alleine entwickelt. Aus diesem Grund meint die geforderte nachgehende Erziehung in erster Linie ein „Wachsenlassen“, denn der Mensch, so auch das Kind, wird als Naturwesen gesehen, das aus seinem inneren Lebenstrieb heraus instinktiv „weiß“, was es zu seiner Entfaltung braucht.[3]

Dieses menschliche Kraftzentrum soll als Triebkraft des Unterrichts genutzt werden. [4]

Die Aufgabe des Erziehers läge lediglich darin, dem Kind Freiräume bereitzustellen und Hindernisse aus dem Weg zu räumen, um ihm somit eine kindgerechte Umwelt zu bieten.

Während also zuvor Lernen (aus der Sicht des Kindes) als passiver Vorgang verstanden wurde, gelangte man nun zu der Überzeugung, dass das Kind aktiv an seinem Bildungsprozess teilnimmt und sich dieser Prozess von innen her vollzieht. Von nun an wurde das lernende Kind nicht mehr Wissensempfänger, sondern als selbstbestimmter Wissenssucher angesehen.

Da jedes Kind von Natur aus verschieden ist, und sich unterschiedlich schnell entwickelt, besitzt es verschiedene Interessen. Die Reformpädagogen sind der Meinung, dass Menschen aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit viel voneinander lernen können. Demnach gehen sie auf die verschiedenen Begabungen ein, betrachten diese nicht als Defizit und binden den individuellen Lernwillen in den Bildungsprozess mit ein. Diesen Ansatz nimmt sich auch Berthold Ottos Gesamtunterricht zum Vorsatz. Der Lern- und Arbeitsprozess wurde demnach nicht nach Zielen und Inhalten ausgerichtet, sondern nach Individualität des Schülers.

Daraus wird die Forderung nach einem breiten Angebotsspektrum im Schulunterricht abgeleitet, einem Lernen mit vielen Sinnen und Formen der inneren Differenzierung. In Bezug auf die Schule sollte der Lehrer eine anregende Lernumgebung schaffen. Dies beinhaltet auch, die für die spezifischen Lernbedürfnisse jedes einzelnen Kindes geeigneten Materialien darzubieten. Durch diese Voraussetzungen kann das Kind dann einem freien und selbstständigen Wissenserwerb nachgehen.

2. Biographie Berthold Ottos

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Erziehung

3.1 Erziehung und Bildung

Erziehung erstreckt sich vor allem auf die Teilbereiche Familie und Schule, weshalb ich im Folgenden sowohl auf den schulischen, als auch auf den familiären Bereich näher eingehen will.

Dietrich zufolge ist „im Bildungsprozess [...] das Bildende oder der Wertgehalt eines Bildungsgutes herauszuarbeiten, zu verarbeiten und in die Wirklichkeit des Lebens ‚umzusetzen’. Sofern dieses ‚Umsetzen’ das sittliche Handeln betrifft, bestehen enge Beziehungen zur Erziehung. Auch Bildung will letztlich die sittliche ‚Tathandlung’ bewirken, nämlich durch die Verwirklichung sittlicher Werte, die das Ich im Bildungsprozess aufnimmt. Das zeigt, dass die beiden Grundbegriffe Bildung und Erziehung theoretisch zwar getrennt behandelt werden können, dass sie aber in der Praxis eng miteinander verzahnt sind.“[5]

Da der ursprüngliche Ort von Erziehung die Familie ist, will ich zunächst auf die häusliche Erziehung näher eingehen.

3.2 Die häusliche Erziehung

Otto sieht die Familie als einen sehr wichtiger Bestandteil aller Gesamtwesen. Das Leitende einer jeden Familienerziehung ist die natürliche Liebe der Eltern zu ihren Kindern, die aufgrund des Naturtriebes zu Stande kommt. Demnach vollzieht sich Erziehung in einer absolut natürlichen Methode. Als Erziehung wird alles bezeichnet, was einen Menschen in irgendeiner Form auf das wirkliche Leben vorbereitet.

Aus diesem Grund heraus sollte das Kind in seiner Jugend viel spielen und die Spiele auch mit anderen Kindern vollziehen. Die hierbei erworbenen sozialen Kompetenzen sind für ein Kind, auch wenn es dies nicht erahnt, überaus wichtig.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist der bestehende Freiraum, indem sich das heranwachsende Kind frei entwickeln kann. Die Eltern sollen sich auf das Verantwortlichkeitsgefühl der Kinder stützen, indem sie den Kindern die „Freiheit des Tuns und vor allen Dingen die Freiheit des Denkens geben“ [6].

Erziehung soll demnach Verantwortlichkeit und eigenverantwortliches Denken und Handeln fördern. Diese Förderung des freien Geistes in Bezug auf die erfahrene Erziehung soll durchweg dem Kind überlassen bleiben. Otto kritisierte die damalige Auffassung von Erziehung und war der Annahme, dass sich sittliche Grundsätze nicht einpflanzen lassen, sondern dieser Prozess als ein von innen heraustretenden Vorgang verstanden wird. Denn diese Art der Aufzwängung sah Otto als überaus schädlich an.

3.3 Die schulische Erziehung

Alle schulische Erziehung ist bei Otto auch Gemeinschaftserziehung und zwar durch gemeinsames Handeln, dessen Grundlage die natürliche Betätigung, also der Tätigkeitstrieb des Kindes ist. Otto legte sehr viel Wert auf Gemeinschaftserziehung, und somit auf die gemeinsame Tätigkeit und Handeln der Schüler. Durch diese Aktion und Interaktion des Schülers mit seiner Umwelt sollte ein stetiges Heranreifen erreicht werden.

Grundlage allen Unterrichts ist für Otto die Beobachtung von sich selbst und seiner Umwelt.

3.4 Fazit

„Erziehung zur Eigenverantwortlichkeit beruht in Familie und Schule auf geistiger Freiheit, deren Ausdruck die Art des Umgangs zwischen Schüler und Lehrer, Kind und Eltern [...] ist“ [7]

Demnach soll die schulische Erziehung direkt an die häusliche Erziehung anknüpfen. Das Vertrauen, das innerhalb einer Familie waltet, soll auch in der Schule eine Grundlage der Beziehung zwischen Lehrer und Schüler bilden.

Da Berthold Otto, neben den anderen Reformpädagogen „vom Kinde aus“ geht, hält er an der Vorstellung Rousseaus fest, dass das Kind von Natur aus gut ist und Erziehen nicht in den Entwicklungsprozess eingreifen darf. Diese Auffassung der nachgehenden oder auch indirekten Erziehung überträgt Otto sowohl auf den schulischen, als auch auf den häuslichen Bereich. Somit trägt freies Tun und Denken in beiden Fällen zur besseren Erziehung bei.

Des Weiteren ist die Verpönung von Schelten und Strafen im Unterricht ein wesentliches Emblem der Reformpädagogik. Obwohl Otto „nicht einmal unbedingt Gegner der Prügelstrafe“[8] ist, sie also als Erziehungsmittel legitimiert, kritisierte er an den Schulen im traditionellen Sinne, das Einsetzen von Prügel als Bestrafungsmittel für Unwissenheit oder Faulheit der Schüler.

[...]


[1] POTTHOFF, Willy: Einführung in die Reformpädagogik. Freiburg 1992, S. 17

[2] OTTO, Berthold: Ausgewählte pädagogische Schriften. Besorgt von Karl Kreitmair, Ferdinand Schöningh, Paderborn 1963, S. 151

[3] vgl. OTTO, Berthold: Ausgewählte pädagogische Schriften. Besorgt von Karl Kreitmair, Ferdinand Schöningh, Paderborn 1963, S. 122

[4] vgl. OTTO, Berthold: Ausgewählte pädagogische Schriften. Besorgt von Karl Kreitmair, Ferdinand Schöningh, Paderborn 1963, S. 238

[5] DIETRICH, Theo: Zeit- und Grundfragen der Pädagogik. Bad Heilbrunn 1984, S.143f

[6] OTTO, Berthold: Vom königlichen Amt der Eltern. Leipzig 1906 , S. 130

[7] LANGEN, Peter: Untersuchungen zur Pädagogik Berthold Ottos: Anregungen seines reformpädagogischen Modells für Erziehung heute? Berlin 1989, S. 87

[8] OTTO, Berthold: Ausgewählte pädagogische Schriften. Besorgt von Karl Kreitmair, Ferdinand Schöningh, Paderborn 1963, S. 32

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Berthold Otto - Vorzüge und Nachteile einer natürlichen Erziehung
Untertitel
Vorzüge und Nachteile einer natürlichen Erziehung
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Veranstaltung
Verschiedene Formen der Freiarbeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
33
Katalognummer
V79052
ISBN (eBook)
9783638852760
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berthold, Otto, Vorzüge, Nachteile, Erziehung, Verschiedene, Formen, Freiarbeit
Arbeit zitieren
Marina Indlekofer (Autor), 2006, Berthold Otto - Vorzüge und Nachteile einer natürlichen Erziehung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79052

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