Der bedeutende Einfluss der Logistik in der Vergangenheit sowie in der Gegenwart ist erwiesen. Für die Zukunft wird eine „dramatisch wachsende Bedeutung“ erwartet, was sich durch das Wachstum im Logistiksektor und die steigende Vielseitigkeit der Logistik belegen lässt. Sowohl in der Wirtschaft, die sich neuen Herausforderungen gegenübersieht, als auch in der Wissenschaft - durch den signifikanten Anstieg von Publikationen belegt - ist die steigende Bedeutung unbestritten. Ferner wird diese Erkenntnis durch die positive Korrelation zwischen dem Gesamterfolg eines Unternehmens und der Logistikführerschaft unterstützt, was die wachsende Relevanz der Logistik als Erfolgsfaktor stärkt.
Zwar ist sich die Literatur über die Anfänge und die Begriffsherkunft der einflussreichen Disziplin relativ einig, bezüglich der Evolution und der Abgrenzungen einzelner Phasen innerhalb der Evolution zeigt sich die Literatur hingegen uneinig. In der Literatur sind zahlreiche Ansätze zu finden, die die verschiedenen Abschnitte der Evolution der Logistik unterschiedlich benennen und interpretieren.
Walter gliedert die Entwicklung ab den 1970er Jahren in fünf Phasen. Göpfert hingegen führt für die gesamte Evolution drei Abschnitte, Weber wiederum vier Phasen an. Krampe und Lucke sehen in der logistischen Disziplin insgesamt fünf Abstufungen. Verstärkt wird diese Uneinigkeit weiter durch die Ausführungen von Engelsleben und Niebuer, die Phasenmodelle zur Abgrenzung der Evolution der Logistik als nicht haltbar darstellen. Als problematisch erwiesen sich die nicht überschneidungsfreien Datierungen der Entwicklungsphasen und die daraus folgende Evolution der Logistik. Neben der Uneinigkeit bezüglich der Einstufung in einzelne Abschnitte besteht Disharmonie über die operative oder strategische Dimension im Laufe der Evolution.
Aus der Uneinigkeit über die Evolution der Logistik von der „physical distribution“ hin zum globalen „Supply Chain Management“ resultiert die Diskussion über die eindeutige Abgrenzung der Begriffe. Selbst unter Experten herrscht zum Teil Unschärfe über den Begriff des Logistikers. Weiter wird in der Literatur vereinzelt der Term des Supply Chain Managements unter anderem als Synonym für Logistik verwendet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit und Forschungsfrage
1.2 Gang der Untersuchung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsabgrenzungen
2.1.1 Gegenstand und Rahmenbedingungen der Logistik
2.1.2 Leistungsindikatoren der Logistik
2.2 Theorien
2.2.1 Westline-Theorie
2.2.2 Evolutionstheorie
2.3 Etymologische Ableitung
2.3.1 Griechischer Wortstamm
2.3.2 Französischer Wortstamm
3 Entwicklung der Logistik zur betriebswirtschaftlichen Disziplin
3.1 Funktionelle Ableitung
3.1.1 Logistik in der militärischen Führung
3.1.2 Wirtschaftswissenschaftliche Bedeutung
3.2 Logistik als Dienstleistung
3.2.1 Verspäteter Einstieg
3.2.2 Verwendung logistischer Funktionen
3.3 Forcierung zusammenhängender Logistikprozesse
4 Steigerung der internen und externen Integration
4.1 Logistik als Prozessketten in Unternehmen
4.1.1 Anwendung von Prozessketten
4.1.2 Zusammensetzung und Ausbau logistischer Prozessketten
4.2 Logistik aus Betrachtung der Wertschöpfungstiefe
4.2.1 Entwicklung von Wertschöpfungsketten
4.2.2 Optimierung der Logistik und Wertschöpfungstiefe
5 Status quo - Betonung externer Integration
5.1 Globale Wertschöpfungsketten
5.1.1 Entstehung globaler Wertschöpfungsketten
5.1.2 Ausbau und Optimierung globaler Netzwerke
5.2 Logistik als Managementansatz
5.2.1 Aufstieg zur Managementfunktion
5.2.2 Reichweite der Logistik als Managementfunktion
6 Zukunftsaussichten
6.1 Die Nachfrage bestimmende Trends
6.2 Das Angebot bestimmende Trends
7 Fazit und Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Evolution der Logistik im letzten Jahrhundert, von ihren Ursprüngen in der militärischen Versorgung („physical distribution“) hin zu ihrer heutigen Rolle als strategischer Managementansatz (Supply Chain Management). Ziel ist es, die verschiedenen Entwicklungsphasen zu systematisieren und aufzuzeigen, wie sich das Verständnis, die Anwendungsbereiche und die Funktionen der Logistik im Kontext steigender Komplexität und Globalisierung gewandelt haben.
- Historische Herleitung und etymologische Ursprünge der Logistik
- Transformation von operativen Tätigkeiten zu strategischen Managementfunktionen
- Bedeutung von Prozessketten und Wertschöpfungstiefe
- Globalisierung und die Entstehung globaler Supply-Chain-Netzwerke
- Zukunftstrends in der Logistik und ihre Auswirkungen auf die Unternehmenssteuerung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Logistik in der militärischen Führung
In Bezug auf die erste Verwendung der Logistik im militärischen Bereich ist sich die Literatur über den Zeitpunkt uneinig. So wird das 18. oder das 19. Jahrhundert als Zeit der ersten Anwendung angeführt. Effektiv lässt sich die Verwendung von logistischen Disziplinen im Militär wie in der etymologischen Ableitung beschrieben bis ins 9. Jahrhundert unter Kaiser Leontos VI. zurückführen. Im folgenden Abschnitt wird der Logistik-Begriff innerhalb des Militärs definiert und auf dessen Entwicklung eingegangen.
Die erste dokumentierte Anwendung in der militärischen Praxis fand die Logistik 300 v. Chr. in den Feldzügen unter Alexander dem Großen. Daraufhin wurde sie über die Jahrhunderte stetig weiterentwickelt wie beispielsweise 200 v. Chr. während des Marsches von Hannibals Streitmacht über die Alpen. Schon zu dieser Zeit erkannte man die Bedeutung der adäquaten Steuerung und Abstimmung der Führung von Truppen, Material und Verpflegung. Jedoch bestand die Anwendung der Logistik mehr in der operativen Praxis als in der strategischen Planung.
Als eine strategisch wertvolle Disziplin erkannte erstmals Kaiser Leontos der VI im 9. Jahrhundert die Logistik und erschuf damit einen in der Zukunft nicht mehr zu verneinenden Faktor in der Kriegsführung, der ab dieser Zeit von weiteren Feldherrn verwendet und stetig weiterentwickelt wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung begründet die steigende Relevanz der Logistik in Wissenschaft und Praxis und benennt die Forschungsfrage zur systematischen Einordnung der logistischen Evolution.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel legt das theoretische Fundament durch Begriffsabgrenzungen, die Vorstellung der Westline- und Evolutionstheorie sowie die etymologische Herleitung des Logistik-Begriffs.
3 Entwicklung der Logistik zur betriebswirtschaftlichen Disziplin: Hier wird der Ursprung der Logistik im Militär nachgezeichnet und der Wandel von einer rein operativen Tätigkeit hin zur betriebswirtschaftlichen Dienstleistung beschrieben.
4 Steigerung der internen und externen Integration: Dieses Kapitel diskutiert den prozessorientierten Ansatz und die Bedeutung der Wertschöpfungstiefe für die Gestaltung effizienter Prozessketten im Unternehmen.
5 Status quo - Betonung externer Integration: Der Fokus liegt hier auf der globalen Skalierung von Wertschöpfungsketten und dem Aufstieg der Logistik zu einer strategischen Managementfunktion.
6 Zukunftsaussichten: Dieses Kapitel identifiziert acht Megatrends nach Klaus, unterteilt in nachfrage- und angebotsorientierte Faktoren, die die zukünftige Entwicklung der Logistikbranche prägen werden.
7 Fazit und Schlussbemerkungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bestätigt die evolutionäre Weiterentwicklung der Logistik von einer operativen Teildisziplin hin zum ganzheitlichen Managementansatz.
Schlüsselwörter
Logistik, Supply Chain Management, Evolution der Logistik, Wertschöpfungskette, Prozesskette, Global Sourcing, Managementfunktion, Physical Distribution, Logistikdienstleistung, Wertschöpfungstiefe, Unternehmensführung, Outsourcing, Integrationsmanagement, Transportmanagement, Logistikstrategie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der Logistik über das letzte Jahrhundert und verfolgt den Weg der Disziplin von der militärischen Versorgung zur heutigen strategischen Unternehmensfunktion.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die etymologischen Wurzeln, die Entwicklung von Prozessketten, der Einfluss der Globalisierung auf die Beschaffung sowie die Transformation der Logistik zum strategischen Supply Chain Management.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Evolution der Logistik in verschiedene Entwicklungsabschnitte zu unterteilen und nachzuvollziehen, wie sich das Verständnis und die Funktionen der Logistik in der Wirtschaft gewandelt haben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, eine prozessorientierte Systembetrachtung und den Vergleich verschiedener theoretischer Evolutionsmodelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen, die funktionelle Ableitung, die Steigerung der Integration sowie der aktuelle Status quo und zukünftige Trends der Logistik behandelt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „physical distribution“, Prozessorientierung, Wertschöpfungstiefe, Globalisierung und Managementansatz charakterisiert.
Welche Rolle spielt das Militär für das Logistikverständnis?
Das Militär diente als historischer Ursprung, da hier erstmals die Notwendigkeit bestand, komplexe Prozesse der Truppenversorgung und Materiallogistik zu koordinieren, was die Grundlage für zivile Logistikkonzepte bildete.
Warum wird die Logistik heute als "Achillesferse des E-Business" bezeichnet?
Da im E-Business die Analyse und Optimierung der Wertschöpfungskette für den Erfolg entscheidend ist und Fehler in der logistischen Umsetzung unmittelbar die Kundenbeziehung und den Markterfolg gefährden.
Welche Bedeutung hat Outsourcing für die moderne Logistik?
Outsourcing ermöglicht es Unternehmen, sich auf Kernkompetenzen zu konzentrieren und gleichzeitig durch spezialisierte Logistikdienstleister Effizienz- und Kostenvorteile in den vor- und nachgelagerten Prozessketten zu erzielen.
- Quote paper
- Niklas Kürten (Author), 2007, Evolution der Logistik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79058