Obwohl sich viele junge Erwachsene heute eindeutig von den kirchlichen Traditionen abgrenzen, gehört für einen großen Teil der Heiratswilligen die kirchliche Trauung mit einer Braut ´ganz in Weiß`, zu den Hochzeitsfeierlichkeiten dazu. Dabei ist für Viele bedauerlicherweise der eigentliche christliche Sinn der kirchlichen Trauung und das damit verbundene traditionelle christliche Verständnis der Eheführung verloren gegangen oder zumindest in den Hintergrund gedrängt worden. Diesbezüglich ist daher eine Analyse des veränderten Eheverständnisses unter Berücksichtigung der historischen Entwicklung durch die Reformen Luthers von Bedeutung. Im Vordergrund steht die Frage, ob das von Luther propagierte Eheverständnis in der modernen Ehe von heute noch praktiziert wird. Angesichts der angeführten Problematik und Fragestellung, wird im Rahmen dieser Seminararbeit zunächst das Eheverständnis Luthers erläutert. Daran anschließend wird Luthers Eheverständnis in Bezug zu aktuellen Verlautbarungen der EKD gestellt. Des Weiteren wird analysiert, welchen Einfluss Luthers Eheverständnis auf die modernen Ansichten und Vorstellungen über die Ehe in der heutigen Gesellschaft hat.
Die für diese Seminararbeit ausgewählte Literatur Luthers gibt einen Einblick in den Entwicklungsprozess seiner theologischen und seelsorgerischen Ansichten zur Ehe. Ich beziehe mich vornehmlich auf folgende, aufgeführte Schriften Luthers: Ein Sermon von dem ehelichen Stand (1519), Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche (1520), Vom ehelichen Leben (1522), Das siebente Kapitel St. Pauli zu den Corinthern (1523), Eine Predigt vom Ehestand (1525), Traubüchlein für den einfältigen Pfarrherrn (1529), Von Ehesachen (1530). In der Auseinandersetzung mit den Schriften Luthers wird abschließend reflektiert, welche seiner Hauptansichten sich mit den heutigen Sichtweisen bezüglich der Ehe vereinbaren lassen. Um die Problematik des Ehebegriffes in der Reformationszeit besser erfassen zu können und einen überzeugenden Vergleich des reformatorischen Eheverständnisses Luthers zu gewährleisten, werden vorab die wichtigsten katholischen Aspekte des Eheverständnisses erläutert. Die nachfolgenden Punkte beschäftigen sich dann konkret mit dem Eheverständnis von Luther. Sie verschaffen einen allgemeinen Überblick seiner Ansichten zu Stand, Verlobung, Ehe, Ehelosigkeit, Trauung, Aufgabe und Ordnung der Ehe, Stellung der Frau und Scheidung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eheverständnis der katholischen Kirche
3. Das Eheverständnis bei Luther
3.1 Die Ehe bei Luther als `weltlich Ding´ und `göttlicher Stand´
3.2 Kurzer historischer Rückblick zum Verlöbnis und zur Eheschließung
3.3 Zum Verlöbnis und Eheschließung nach Luthers Verständnis
3.4 Zur Ehelosigkeit
4. Zur Aufgabe und Ordnung der Ehe bei Luther
4.1 Die Ehe im Spiegel von Schöpfungsaufgabe und Sexualität bei Luther
4.2 Stellung und Rolle der Frau in der Ehe bei Luther
5. Scheidungsverständnis bei Luther
6. Luthers Eheverständnis im Blickwinkel der heutigen Zeit
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert das reformatorische Eheverständnis Martin Luthers und setzt es in Bezug zu aktuellen Verlautbarungen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit Luthers historisch geprägte Theologie noch in heutigen gesellschaftlichen Vorstellungen von Ehe, Familie und Partnerschaft praktiziert wird oder als überholt gilt.
- Theologische Begründung der Ehe bei Luther im Vergleich zur katholischen Sakramentslehre.
- Die Ehe als "weltliches Ding" und "göttlicher Stand" innerhalb der Schöpfungsordnung.
- Historische und theologische Analyse von Verlöbnis, Eheschließung und Scheidung.
- Rolle der Frau und patriarchale Strukturen in der lutherischen Ehetheologie.
- Reflektion über die Relevanz lutherischer Ansichten für die moderne kirchliche Ehepraxis.
Auszug aus dem Buch
3. Das Eheverständnis bei Luther
Den Ansatz der Ehelehre Luthers bildet zum einen seine Kritik an dem monastischen Ideal seiner Zeit, welches das Zölibat und die Jungfräulichkeit als höchsten geistigen Stand der Christenheit einseitig betont. Daraus folgt, dass der Vollkommenheit des christlichen heiligen Standes des Zölibats, die Ehe als Stand der Unvollkommenheit gegenübergestellt wird. Zum anderen sieht Luther eine weitere Problematik darin, dass die römisch kath. Kirche die Ehe als göttliche Verheißung zum Sakrament erhebt. Er kreidet an, dass ohne jeglichen schriftlichen Beweis, die Ehe von der Kirche als Sakrament falsch ausgelegt wird. Demzufolge trägt, lt. Luther die Kirche die Schuld daran, dass die Ehe in der Gesellschaft zum Gespött wurde und innerhalb der damaligen Gesellschaft nicht genügend Würdigung findet. Denn seines Erachtens fehlt jeglicher schriftliche Beweis dafür, dass die Ehe eine göttliche Verheißung ist, denn für Luther existiert in der Ehe kein „von Gott gestiftetes Zeichen“.
Für Luther ist die Ehe ein Stand, den es von Beginn der Welt an gegeben hat und den auch ungläubige Heiden praktizieren. Insofern sieht er keinen Anlass dafür, die Ehe als Sakrament und Zeichen des neuen Gesetzes, welches allein die Kirche betrifft, zu deuten. „Denn die Ehen der Väter waren nicht weniger heilig als unsere, und die der Ungläubigen sind nicht weniger echt als die der gläubigen, und doch legt man ihnen nicht den Namen >>Sakrament<< bei.“ Luther deutet das Sakrament selbst als nach außen hin sichtbares Zeichen einer heiligen Sache und nicht die heilige Sache an sich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problematik des veränderten Eheverständnisses und Formulierung der Forschungsfrage nach der heutigen Relevanz Luthers.
2. Eheverständnis der katholischen Kirche: Erläuterung der sakramentalen Ehelehre der römisch-katholischen Kirche als notwendiger Vergleichsrahmen.
3. Das Eheverständnis bei Luther: Analyse der Kritik Luthers am Sakramentscharakter der Ehe und Einordnung als weltlicher, aber gottgewollter Stand.
4. Zur Aufgabe und Ordnung der Ehe bei Luther: Untersuchung des Schöpfungsauftrags, der Sexualität und der patriarchalen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau.
5. Scheidungsverständnis bei Luther: Darstellung der theologischen Position Luthers zur Unauflöslichkeit der Ehe und möglicher Ausnahmen bei Ehebruch.
6. Luthers Eheverständnis im Blickwinkel der heutigen Zeit: Vergleich der historischen Ansichten Luthers mit der aktuellen EKD-Ethik und gesellschaftlichen Veränderungen.
7. Fazit: Zusammenfassende Reflektion über die begrenzte Übertragbarkeit lutherischer Ehevorstellungen auf heutige Paare bei gleichzeitiger Wahrung des Schöpfungsgedankens.
Schlüsselwörter
Martin Luther, Eheverständnis, Sakrament, Schöpfungsordnung, Reformation, Eheschließung, Ehescheidung, Zölibat, Sexualität, EKD, christliche Ehe, Weltliches Ding, Rollenbild, Eheethik, Reformationsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit befasst sich mit dem Eheverständnis des Reformators Martin Luther und hinterfragt dessen Anwendbarkeit auf heutige eheliche Lebensgemeinschaften im Vergleich zu den Positionen der heutigen EKD.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themen umfassen die Kritik Luthers an der katholischen Sakramentslehre, die Ehe als Schöpfungsauftrag, die historische Praxis der Eheschließung, Scheidungsgründe sowie die Stellung der Frau.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob das von Luther propagierte Eheverständnis in der modernen Ehe von heute noch praktiziert wird oder ob seine Sichtweise als überholt gelten muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse ausgewählter reformatorischer Schriften Luthers (z.B. "Vom ehelichen Leben", "Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche") und deren Interpretation unter Einbeziehung theologischer Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theologische Grundlegung, die historische Einordnung des Trauaktes, die Analyse von Sexualität und Rolle der Frau sowie das Scheidungsverständnis Luthers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Martin Luther, Eheverständnis, Reformation, Sakrament, Schöpfungsordnung, Eheschließung, Scheidung, EKD, Eheethik.
Wie unterscheidet sich Luthers Eheauffassung von der der katholischen Kirche?
Luther lehnte den Sakramentscharakter der Ehe ab, da er keinen schriftlichen Beweis dafür fand. Er betrachtete die Ehe als ein "weltliches Ding", das der staatlichen Obrigkeit unterliegt, während die katholische Kirche sie als heilsgeschichtliches Sakrament definiert.
Warum hält die Autorin Luthers Ansichten zur Scheidung für bedenklich?
Die Autorin bezieht sich kritisch auf Luthers zeitweilige Duldung von Doppelehen bei Impotenz des Ehemannes, um den Erhalt der Ehe zu sichern, was sie für die heutige evangelische Gemeinschaft als undenkbar bewertet.
Welchen Stellenwert nimmt die Ehe nach Luthers Auffassung ein?
Obwohl die Ehe für Luther kein Sakrament ist, stuft er sie als den höchsten und gottgefälligsten Stand ein, da sie dem natürlichen Trieb der Menschen einen legitimen Rahmen innerhalb der göttlichen Schöpfungsordnung gibt.
- Quote paper
- Anja Hübner (Author), 2007, Die Reformatoren und ihre Theologie. Das Eheverständnis Luthers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79084