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Die Kontroverse um die Einführung direktdemokratischer Elemente auf Bundesebene

Title: Die Kontroverse um die Einführung direktdemokratischer Elemente auf Bundesebene

Seminar Paper , 2006 , 32 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Anke Seifert (Author), Claudia Breisa (Author)

Didactics - Politics, Political Education
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Die Form der repräsentativen Demokratie „liegt als verfassungspolitische Maxime den meisten politischen Systemen der westlichen Demokratie zugrunde.“
Gerade in Deutschland nimmt die Politikverdrossenheit der Bevölkerung immer weiter zu. Eine Möglichkeit, dem entgegen zu wirken, scheint die Einführung direktdemokratischer Instrumente auf Bundesebene zu sein. „Da direktdemokratische Verfahren die Entscheidungsbefugnis in die Stimmbürgerarena verlagern“ , werden die wahlberechtigten Bürger motiviert, sich aktiv am politischen Entscheidungsprozess zu beteiligen und so die Blockadetendenzen des Parteiensystems aufzulockern. Dieses tendiert erfahrungsgemäß dazu, sich wenige Machtbeschränkungen aufzuerlegen.
In Deutschland existiert eine grundsätzliche Kontroverse über den Wert von direkter Demokratie, „über ihre demokratietheoretische Begründung, ihre Wünschbarkeit, Möglichkeit und ihre institutionelle Leistungsfähigkeit.“
In der wissenschaftlichen Diskussion beziehen die Befürworter der direkten Demokratie den Standpunkt, dass die Qualität des parlamentarischen Systems durch Volksentscheide erheblich verbessert werden könnte. Ihre Gegner argumentieren hauptsächlich dagegen, dass das deutsche Mehrebenensystem dafür zu komplex sei.
Obwohl plebiszitäre Elemente in die Verfassungen der Bundesländer Einzug fanden, wird auf Bundesebene das Grundgesetz als wichtiger Hinderungsgrund von den Gegnern der direkten Demokratie angeführt. Sie stützen sich dabei auf verschiedene Artikel des deutschen Grundgesetzes.
Daher wollen wir im nächsten Teil dieser Arbeit der Frage nachgehen, ob Plebiszite auf Bundesebene eindeutig am Grundgesetz scheitern oder nicht.
Als maßgebliche politische Akteure spielen die deutschen Parteien eine entscheidende Rolle. Anhand ihrer Parteiprogramme soll hier vorgestellt werden, wie sie Plebisziten auf Bundesebene gegenüberstehen.
Exemplarisch für diese Diskussion innerhalb Deutschlands und das Verhalten der Parteien wird in Teil III der letzte Reformversuch der rot-grünen Koalition (1998 - 2002) auf diesem Gebiet dargestellt. Dem vorangestellt ist eine kurze Übersicht über die möglichen direktdemokratischen Instrumente.
Anschließend werden wir die wichtigsten Argumente für und gegen die Einführung direktdemokratischer Elemente auf Bundesebene aufführen (Teile IV und V).
Dem folgt eine abschließende Zusammenfassung, in der wir auch unsere Erkenntnisse, die wir während unserer Auseinandersetzung mit diesem Thema gewonnen haben, beschreiben werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Grundgesetz und Parteien

1. Das Grundgesetz - Interpretation und Diskussion

2. Die deutschen Parteien und die direkte Demokratie

III. Einführung der Volksgesetzgebung auf Bundesebene

1. Die Instrumente der direkten Demokratie

2. Ablauf des Reformversuchs 1998 - 2002

IV. Argumente gegen den Volksentscheid auf Bundesebene

V. Argumente für den Volksentscheid auf Bundesebene

VI. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Kontroverse um die Einführung direktdemokratischer Elemente auf Bundesebene im Kontext der deutschen Verfassungsordnung und des Parteiensystems. Dabei wird analysiert, inwieweit das Grundgesetz plebiszitäre Verfahren zulässt, welche Positionen die maßgeblichen politischen Parteien dazu einnehmen und warum ein konkreter Reformversuch zwischen 1998 und 2002 scheiterte.

  • Verfassungsrechtliche Analyse der Zulässigkeit von Volksentscheiden
  • Positionierung der deutschen Parteien zu direktdemokratischen Instrumenten
  • Darstellung und kritische Aufarbeitung des rot-grünen Reformversuchs (1998–2002)
  • Abwägung zentraler Argumente für und gegen die direkte Demokratie
  • Beurteilung der Zukunftsfähigkeit direktdemokratischer Ergänzungen im Repräsentativsystem

Auszug aus dem Buch

Ablauf des Reformversuchs 1998 - 2002

Wie in Teil II deutlich geworden ist, steht die Verfassung der Einführung von Volksinitiativen und Volksbegehren auf Bundesebene prinzipiell nicht im Weg. Dennoch war dies ein Tabuthema bis in die 80er Jahre hinein. In den 80ern traten verstärkt Bürgerinitiativen und Bürgerbewegungen in den akteurpolitischen Vordergrund. Deren Forderungen nach (u. a.) einer Ausweitung direktdemokratischer Instrumente in das politische System Deutschlands konnten spätestens mit der Wiedervereinigung nicht länger überhört werden. Daraufhin bemühte sich die SPD 1992/93, in einer gemeinsamen Verfassungskommission von Bundestag und Bundesrat einen Grundgesetzentwurf zu konzipieren, der jedoch nur dann weiter getragen werden sollte, wenn 2/3 jener Kommission für diesen Entwurf zur Einführung der Volksgesetzgebung stimmen. Es wurde aber nur eine knappe Mehrheit erreicht. Zwar gab es vornehmlich in der SPD laut Hahnzog bereits auf dem Parteitag 1979 viele Befürworter, doch zur festen Programmatik sollte die Volksgesetzgebung erst 1989 werden.

In diesem Grundsatzprogramm wurde die Ausweitung der Bürgerbeteiligung als Ergänzung zum parlamentarischen System beschlossen. Nach 16 Jahren fand 1998 ein Regierungswechsel statt. Die SPD und die Grünen verließen die Opposition und bildeten die neue Regierung. Obwohl die SPD zuvor so vehement für die Ausweitung der Bürgerbeteiligung eingetreten war und direkte Demokratie als eine der ideologischen Grundsäulen quasi zum programmatischen Urgestein der Grünen zählte, erwähnte die Rohfassung des Koalitionsvertrages die Volksgesetzgebung mit keiner einzigen Silbe. Erst auf erheblichen Druck der Basis fanden sich die Delegierten beider Parteien dazu bereit, die Volksgesetzgebung in den Vertrag aufzunehmen. Die Umsetzung wurde jedoch bis auf weiteres verschoben.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Politikverdrossenheit und führt in die wissenschaftliche Kontroverse um die Einführung direktdemokratischer Elemente auf Bundesebene ein.

II. Grundgesetz und Parteien: Dieses Kapitel analysiert die verfassungsrechtlichen Spielräume des Grundgesetzes und legt die unterschiedlichen Parteipositionen zu plebiszitären Verfahren dar.

III. Einführung der Volksgesetzgebung auf Bundesebene: Hier werden zunächst verschiedene Instrumente erläutert, bevor der konkrete Reformversuch der rot-grünen Koalition von 1998 bis 2002 chronologisch nachgezeichnet wird.

IV. Argumente gegen den Volksentscheid auf Bundesebene: Dieses Kapitel fasst kritische Stimmen zusammen, die eine Komplexitätsüberforderung der Bürger und eine mögliche Instrumentalisierung durch Parteien oder Interessengruppen befürchten.

V. Argumente für den Volksentscheid auf Bundesebene: Hier werden Befürworter-Positionen dargestellt, die in direktdemokratischen Elementen eine belebende und legitimierende Ergänzung zum bestehenden parlamentarischen System sehen.

VI. Fazit: Das Fazit resümiert das Scheitern des Reformvorhabens und bewertet die Debatte als ein politisch umstrittenes Thema, das weiterhin einer differenzierten Betrachtung bedarf.

Schlüsselwörter

Direkte Demokratie, Grundgesetz, Volksentscheid, Volksbegehren, Repräsentative Demokratie, Parteien, Reformversuch, Verfassungskommission, Bürgerbeteiligung, Politische Partizipation, Plebiszit, Bundestag, Gesetzgebung, Legitimität, Wahlalternative.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der kontroversen Debatte über die Einführung direktdemokratischer Instrumente wie Volksentscheide auf der Ebene des deutschen Bundesstaates.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die verfassungsrechtliche Auslegung, die Parteipolitik, der konkrete historische Reformversuch zwischen 1998 und 2002 sowie das Spannungsfeld zwischen repräsentativer und direkter Demokratie.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu untersuchen, ob die Einführung solcher Instrumente am Grundgesetz scheitert und wie die maßgeblichen Parteien zu diesem Vorhaben stehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die Parteiprogramme, juristische Kommentierungen zum Grundgesetz und den historischen Ablauf politischer Reformbemühungen auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die verfassungsrechtliche Debatte, die Haltung der Parteien (CDU, CSU, SPD, Grüne, FDP, WASG), den detaillierten Reformprozess der rot-grünen Koalition sowie die Pro- und Kontra-Argumente.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Direkte Demokratie, Grundgesetz, Volksentscheid, Reformversuch und Politische Partizipation.

Welche Rolle spielt die Parteispendenaffäre für den Reformversuch?

Die Parteispendenaffäre von 1999 erhöhte den politischen Rechtfertigungsdruck auf die Parteien, was kurzfristig zu einem verstärkten Ruf nach direkter Demokratie führte, den die SPD als Regierungspartei aufgriff.

Warum scheiterte der Reformversuch zwischen 1998 und 2002?

Der Entwurf scheiterte maßgeblich an der erforderlichen 2/3-Mehrheit, die aufgrund parteipolitischer Taktik, mangelnder Einigkeit zwischen und innerhalb der Parteien sowie der personellen Diskontinuität in den Arbeitsgruppen nicht erreicht werden konnte.

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Details

Title
Die Kontroverse um die Einführung direktdemokratischer Elemente auf Bundesebene
College
Ruhr-University of Bochum  (Fakultät für Sozialwissenschaften)
Grade
2,0
Authors
Anke Seifert (Author), Claudia Breisa (Author)
Publication Year
2006
Pages
32
Catalog Number
V79107
ISBN (eBook)
9783638856683
ISBN (Book)
9783638878265
Language
German
Tags
Kontroverse Einführung Elemente Bundesebene
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anke Seifert (Author), Claudia Breisa (Author), 2006, Die Kontroverse um die Einführung direktdemokratischer Elemente auf Bundesebene, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79107
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