Früher sammelten Kinder die ersten Fußballerlebnisse irgendwo auf der Straße, in Hinterhöfen, auf Wiesen, auf Bolzplätzen oder im Stadtpark. Dieser Straßenfußball ist heute aus verschiedenen Gründen verschüttet. Die Lebensverhältnisse der Kinder haben sich geändert. Die heutigen Kinder halten sich immer weniger in öffentlichen Räumen auf. Viele Kinder sitzen stundenlang vor dem Fernseher oder vor dem Computer, sind nicht mehr eigenaktiv und wissen dementsprechend nichts mehr mit sich anzufangen.
Früher hat man jede freie "Minute" genutzt, um Fußball zu spielen. Es gab Straßenmannschaften die gegeneinander gespielt haben, folglich waren die Kinder von früher im technischen und koordinativen Bereich weiter als die heutigen. Viele Trainer wünschen sich, dass die Kinder durch den Straßenfußball wieder den Zugang für den heutigen Vereinsfußball bekommen. Dies ist im afrikanischen und südafrikanischen Fußball anders. Dort hat der Fußball seine Wurzeln im Straßen- bzw. Strandfußball der Kinder und Jugendlichen, der auf Grund der gesellschaftlichen und sozialen Lebensverhältnisse noch heute funktioniert. Viele Kinder sind über den Straßenfußball, wo sie von Talentsuchern entdeckt worden sind, zu den großen Klubs gekommen. Diese Talentreservoire sind in Ländern wie Brasilien oder Ghana scheinbar unerschöpflich.
Das alles gibt es bei uns nicht mehr. Bei uns herrschen die Konkurrenz der Sportarten im geregelten Vereinstraining und die moderne Freizeitindustrie mit den Fun- und Modesportarten vor.
Diese Entwicklung hat zur Folge, dass vielen Kindern die "fußballerischen" Grundfertigkeiten schwer fallen, da sie Probleme im koordinativen sowie im spielerischen Bereich (Spielfähigkeit) haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Straßenfußball
1.3 Inhalt und Aufbau
2. Was ist ein Talent?
2.1 Allgemeine Talentbestimmung
2.1.1 Statischer Talentbegriff
2.1.2 Dynamischer Talentbegriff
2.2 Talentdefinition im Fußball
3. Talentsichtung – Talentförderung beim DFB
3.1 Talentsichtung beim FLVW
3.2 Talentförderung im Westdeutschen Fußballverband
3.3 Neues Talentförderprojekt beim DFB
3.3.1 Wintertrainingslager
3.3.2 Beobachtungssystem für die A- Jugend Regionalliga
3.3.3 Nachsichtungslehrgänge für B- Jugendliche
3.3.4 Förderung der U11 bis U12 und U13 Bis U17
3.3.5 Bonussystem
3.3.6 Sportbetonte Schulen
3.4 Ausbildungsabschnitte
3.4.1 Ausbildungsabschnitte nach JOCH
3.4.1.1 Motorisches Basistraining
3.4.1.2 Grundlagentraining
3.4.1.3 Aufbautraining
3.4.1.4 Anschlusstraining
3.4.2 Ausbildungsabschnitte nach SCHNABEL / HAARE / BORDE
3.4.2.1 Grundlagentraining
3.4.2.2 Aufbautraining
3.4.2.3 Anschlusstraining
3.4.2.4 Hochleistungstraining
3.4.3 Ausbildungsabschnitte nach BISANZ / VIETH
3.4.4 Ausbildungsabschnitte beim WFV
3.4.4.1 Grundausbildung
3.4.4.2 Grundlagentraining
3.4.4.3 Aufbautraining 1
3.4.4.4 Aufbautraining 2
3.4.4.5 Anschlusstraining
4. Koordinative Fähigkeiten
4.1 Begriffsbestimmung
4.2 Verschiedene Definitionen der koordinativen Fähigkeit
4.3 Grundlagen zur Koordination
4.3.1 Steuerung und Regelung von Bewegungshandlungen
4.4 Arten der koordinativen Fähigkeit
4.4.1 Kopplungsfähigkeit
4.4.2 Differenzierungsfähigkeit
4.4.3 Gleichgewichtsfähigkeit
4.4.4 Orientierungsfähigkeit
4.4.5 Rhythmusfähigkeit
4.4.6 Reaktionsfähigkeit
4.4.7 Umstellungsfähigkeit
4.5 Koordinative Fähigkeiten im Fußball
4.6 Altersbedingte Besonderheiten bei der Entwicklung koordinativer Fähigkeiten
4.6.1 Entwicklungsverlauf der koordinativen Fähigkeiten
4.7 Koordinationstraining
4.7.1 Ausbildung der koordinativen Fähigkeiten
4.7.2 Methoden zur Ausbildung koordinativer Fähigkeiten
5. Leistungsdiagnostische Tests
5.1 Begriffsbestimmung
5.2 Testmerkmale
5.3 Testgütekriterien
5.4 Vor- und Nachteile diagnostischer Tests sowie diverse Grenzen
5.5 Zur Diagnostik koordinativer Fähigkeiten einige Aspekte der Konstruktion und Anwendung von Tests
5.6 Diagnostik im Bereich der Sportspiele
5.6.1 Der sportmotorische Test
5.6.2 Die Spielbeobachtung
5.7 Klassifizierung sportmotorischer Tests
5.8 Ausgewählte Koordinationstests für das Sportspiel Fußball
5.8.1 Versetzter Slalomlauf
5.8.2 Slalom – Dribbling
5.8 3 Hürden – Bumerang – Lauf
5.8.4 Dosiertes Passen
5.8.5 Auf einem Balken schwebestehend mit gleichzeitigem jonglieren eines Balles mit dem Fuß
5.8.6 Schießen – Stoppen
5.8.7 Ziel – Einwurf
5.8.8 Zielschießen
5.8.9 Tempo - Dribbling mit 2 Bällen
5.8.10 Ziel - Flugball
5.8.11 Passen unter Gegnerdruck
5.8.12 Reaktionszeit
5.8.13 Zweifacher Achterlauf
5.8.14 Zielschießen auf ein Tor
5.8.15 Nummernlauf
5.8.16 Sprint nach vorgegebenem Rhythmus
6. Zielsetzung der Untersuchung und Beschreibung der Stichprobe
6.1 Ziele
6.2 Eingrenzen des Untersuchungsgegenstands
6.3 Hypothese
6.4 Beschreibung der Stichprobe
7. Untersuchungsmethodik sowie vorstellen einiger Trainingsinhalte zu den untersuchenden Fähigkeiten
7.1 Untersuchungsmethodik
7.1.1 Nummernlauf
7.1.2 Zweifacher Achterlauf
7.1.3 Reaktionszeit
7.1.4 Sprint nach vorgegebenem Rhythmus
7.2 Trainingsinhalte
7.2.1 Orientierungsfähigkeit
7.2.1.1 Nach vorgegebener Nummerierung zupassen
7.2.1.2 Durchdribbeln von Toren mit zugeteilter Nummerierung
7.2.1.3 Medizinball ausweichen
7.2.1.4 Einwurf Spiel
7.2.1.5 Spiel auf zwei bewegliche Tore
7.2.1.6 Freipassen mit Ball
7.2.2 Reaktionsfähigkeit
7.2.2.1 Schattenlauf
7.2.2.2 Auf Signale reagieren
7.2.2.3 Tag und Nacht
7.2.2.4 Schnelles Reagieren mit Torabschluss
7.2.2.5 Nach dem Abklatschen schnell reagieren
7.2.2.6 Fangen nach einem akustischen Signal
7.2.3 Rhythmusfähigkeit
7.2.3.1 Verschiedene Laufformen
7.2.3.1.1 Hopserlauf
7.2.3.1.2 Kniehebellauf
7.2.3.1.3 Skippings
7.2.3.1.4 Sprunglauf
7.2.3.2 Laufformen mit vorgegebenem Laufrhythmus
7.2.3.2.1 Laufformen über Hürden
7.2.3.2.2 Sidesteps um die Hürden
7.2.3.2.3 Drei vor, einen zurück
7.2.3.3 Ballführen mit Rhythmuswechsel
7.2.3.4 Laufform mit Toraschluss
7.2.4 Differenzierungsfähigkeit
7.2.4.1 Dribbelformen mit Ball
7.2.4.1.1 Dribbelübungen im Hütchentor – Parcours
7.2.4.1.2 Durchdribbeln eines Slalom – Parcours
7.2.4.1.3 Staffelwettlauf mit Ball
7.2.4.1.4 Führen des Balles durch ein Hütchenlabyrinth
7.2.4.1.5 Bälle wegspielen
8. Darstellung und Auswertung der statistischen Testergebnisse
8.1 Vorbemerkungen zu der Auswertung
8.1.1 Statistische Verfahren
8.1.2 Testgütekriterien
8.1.2.1 Objektivität
8.1.2.2 Reliabilität
8.1.2.3 Validität
8.2 Darstellung der statistischen Testergebnisse
8.2.1 Nummernlauf
8.2.2 Rhythmuslauf
8.2.3 Zweifacher Achterlauf
8.2.4 Reaktionstest
8.3 Auswertung der statistischen Testergebnisse
8.3.1 Nummernlauf
8.3.2 Rhythmuslauf
8.3.3 Zweifacher Achterlauf
8.3.4 Reaktionstest
8.4 Zusammenfassung und Diskussion der Untersuchungsergebnisse
9. Zusammenfassung und Ausblick
9.1 Zusammenfassung
9.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung koordinativer Fähigkeiten im Jugendfußball, insbesondere in der Altersstufe der Adoleszenz, und analysiert deren Trainierbarkeit zur Talentförderung. Im Zentrum steht die Überprüfung, ob gezieltes Koordinationstraining eine messbare Leistungsverbesserung bei jungen Nachwuchsspielern bewirkt.
- Strukturen und Defizite der Talentförderung im Deutschen Fußballbund (DFB)
- Theoretische Grundlagen und Definitionen von Koordination und Talent
- Methodik der Leistungsdiagnostik im Fußball durch sportmotorische Tests
- Empirische Untersuchung der Trainierbarkeit koordinativer Fähigkeiten (Rhythmus, Orientierung, Reaktion, Differenzierung)
- Vergleich von Eingangs- und Ausgangswerten zur Bestimmung des Trainingserfolgs
Auszug aus dem Buch
5.8.1 Versetzter Slalomlauf
Testanweisung: Die Testperson steht mit einem Fußball hinter der Startlinie vor 7, um 2 Meter versetzten und in 2 Meter Abstand stehenden Slalomstangen. Nach dem Startkommando „Los“ dribbelt die Testperson mit Ball um die 7 Slalomstangen hin und zurück. Der Ball darf mit beiden Beinen gedribbelt werden. Bei einem Fehler steigt die Testperson an der Stelle ein, wo sie den Fehler begangen hat.
1 Probelauf, 2 Testläufe auf Zeit in Sekunden.
Testwert: Der bessere der beiden Testläufe wird gewertet.
Testgeräte: 7 Slalomstangen, 1 Fußball, 1 Stoppuhr, 2 Hütchen, Maßband.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Stagnation des deutschen Fußballs und die Notwendigkeit einer verbesserten Talentförderung durch Koordinationstraining.
2. Was ist ein Talent?: Es werden verschiedene wissenschaftliche Talentdefinitionen analysiert, um das komplexe Anforderungsprofil eines Fußballtalents zu bestimmen.
3. Talentsichtung – Talentförderung beim DFB: Das Kapitel erläutert aktuelle Sichtungsprojekte des DFB und des WFV sowie die verschiedenen, stufenbasierten Ausbildungsmodelle.
4. Koordinative Fähigkeiten: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Koordination definiert und deren essentielle Rolle für die Leistungsentwicklung im Fußball herausgearbeitet.
5. Leistungsdiagnostische Tests: Das Kapitel befasst sich mit der methodischen Anwendung von Testverfahren zur Leistungsmessung, unterteilt in direkte und indirekte Methoden.
6. Zielsetzung der Untersuchung und Beschreibung der Stichprobe: Es wird die Forschungsfrage definiert und das Profil der 15- bis 16-jährigen Testgruppe beschrieben.
7. Untersuchungsmethodik sowie vorstellen einiger Trainingsinhalte zu den untersuchten Fähigkeiten: Die durchgeführten Tests werden erläutert und konkrete Übungsformen zur Verbesserung der Koordination vorgestellt.
8. Darstellung und Auswertung der statistischen Testergebnisse: Die Ergebnisse der Eingangs- und Ausgangstests werden grafisch aufbereitet, statistisch interpretiert und diskutiert.
9. Zusammenfassung und Ausblick: Die Ergebnisse werden bewertet und der Stellenwert des Koordinationstrainings für eine nachhaltige Talentförderung unterstrichen.
Schlüsselwörter
Talentförderung, DFB, Fußballtraining, Koordinationstraining, koordinative Fähigkeiten, Leistungsdiagnostik, sportmotorischer Test, Nachwuchsförderung, Adoleszenz, Trainingsmethodik, Orientierungsfähigkeit, Rhythmusfähigkeit, Reaktionsfähigkeit, Differenzierungsfähigkeit, Leistungsverbesserung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strukturen der Talentförderung im deutschen Fußball und untersucht empirisch die Trainierbarkeit koordinativer Fähigkeiten bei Jugendlichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Talentdefinition im Fußball, den Sichtungssystemen des DFB sowie der theoretischen und praktischen Ausbildung koordinativer Fähigkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, auf Basis einer empirischen Untersuchung festzustellen, ob sich koordinative Leistungen bei 15- bis 16-jährigen Spielern durch gezieltes Training verbessern lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden sportmotorische Tests (Eingangs- und Ausgangstests) angewandt, um die motorischen Fähigkeiten der Probanden quantitativ zu messen und statistisch auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben der Definition und Bedeutung von Talenten und Koordination umfasst der Hauptteil detaillierte Testanweisungen sowie spezifische Trainingsinhalte und deren Auswertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Talentförderung, Fußballtraining, Koordinationstraining, Leistungsdiagnostik und motorische Entwicklung sind die prägenden Begriffe.
Wie unterscheidet sich der "statische" vom "dynamischen" Talentbegriff?
Der statische Begriff betrachtet Talente als Personen mit bereits vorhandenen Dispositionen, während der dynamische Ansatz Talententwicklung als einen aktiven, durch Training gesteuerten Veränderungsprozess definiert.
Welches Fazit zieht der Autor aus seiner Untersuchung?
Der Autor bestätigt, dass Koordinationstraining in der Adoleszenz zu Leistungsverbesserungen führt, betont jedoch, dass das hohe Ausgangsniveau der Testgruppe die erzielten Zuwächse in manchen Bereichen limitierte.
- Quote paper
- Martin Drobe (Author), 1999, Talentförderung im Deutschen Fußballbund. Ausprägung und Trainierbarkeit koordinativer Fähigkeiten., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7913