Im 21. Jahrhundert ist der Begriff der Globalisierung aus den Tagesmedien nicht mehr wegzudenken. Die Auswirkungen dieser globalen Entwicklung werden vielfach diskutiert. Oft herrscht Unklarheit über die Definition, was Globalisierung eigentlich bedeutet und welche ökonomischen und sozialen Folgen mit ihr verbunden sind. Befürworter der Globalisierung sehen große Chancen für die Weltwirtschaft, deren Gegner führen die Ausbeutung der Entwicklungsländer als Argument für eine Eindämmung dieses Prozesses an. Das Hauptanliegen dieser Arbeit soll sein, die Auswirkungen der Globalisierung auf die Entwicklungsländer zu prüfen. Stellt der Vorgang dieser Entwicklung die unterentwickelten Staaten vor unlösbare Probleme oder bietet er eine faire Chance zur Integration in den Welthandel?
Um diese Frage beantworten zu können muss vorab geklärt werden, was genau unter Globalisierung zu verstehen ist und welche Dimensionen dieser Begriff tangiert. Mit den Außenhandelstheorien von Adam Smith und David Ricardo werden Argumente aufgezeigt, die für einen fortschreitenden Globalisierungsprozess sprechen. Daraufhin werden im Gegensatz dazu die Grundzüge der Gerechtigkeitstheorie nach John Rawls erläutert. Anhand dieser Grundlagen kann eine Überprüfung der zentralen Fragestellung „Globalisierung – Eine faire Chance für Entwicklungsländer?“ in den darauf folgenden Abschnitten stattfinden.
Die Auswirkung der Globalisierung auf die Entwicklungsländer wird im fünften Kapitel behandelt. Nachdem die Gründe für diesen Verlauf festgestellt werden, kann überprüft werden, inwieweit sich diese Ergebnisse mit der Gerechtigkeitstheorie von John Rawls vereinbaren lassen. Die zentrale Fragestellung, ob Entwicklungsländern Gerechtigkeit im Zuge der Globalisierung erfahren, soll in diesem Kapitel geklärt werden. Den Abschluss dieser Arbeit bilden eine zusammenfassende Einordnung und ein persönliches Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1 Aktuelle Problemstellung
2. Zum Begriff der Globalisierung
3. Globalisierung warum?
3.1. Die Außenhandelstheorie nach Adam Smith
3.2. Die Außenhandelstheorie nach David Ricardo
4. Gerechtigkeitstheorie nach Rawls
5. Auswirkungen und Gerechtigkeit der Globalisierung
5.1. Historische Entwicklung als Chance
5.2. Auswirkungen der Globalisierung
5.3. Gründe für die Entwicklung unter Globalisierung
5.4. Gerechtigkeit dieser Entwicklung?
5.5. Resultierende Aufgaben für die Entwicklungspolitik
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen der Globalisierung auf Entwicklungsländer kritisch zu prüfen und zu bewerten, ob dieser Prozess für sie eine faire Chance zur Integration in den Welthandel bietet oder sie vor unlösbare Probleme stellt. Dabei wird untersucht, wie wirtschaftliche Globalisierungsprozesse mit der Gerechtigkeitstheorie von John Rawls in Einklang gebracht werden können.
- Definition und Dimensionen des Globalisierungsbegriffs.
- Theoretische Grundlagen des Außenhandels durch Adam Smith und David Ricardo.
- Analyse der Gerechtigkeitstheorie nach John Rawls im Kontext der Globalisierung.
- Evaluierung der Auswirkungen der Globalisierung auf Entwicklungs- und Schwellenländer.
- Ableitung entwicklungspolitischer Aufgaben zur Förderung einer gerechteren Integration.
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Außenhandelstheorie nach David Ricardo
Die Theorie der komparativen Kostenvorteile wurde im Jahre 1806 von David Ricardo als Weiterentwicklung der Theorie der absoluten Kostenvorteile von Adam Smith vorgestellt und ist ein Kernpunkt der Außenwirtschaftstheorie. Kernaussage der Theorie ist, dass die Vorteilhaftigkeit des Handels nicht von den absoluten Kostenvorteilen abhängt. Vielmehr geht es um die Vorteile, die bei unterschiedlichen Kostenstrukturen gegenüber anderen potentiellen Produktionsländern auftreten.
Demnach sollte sich ein Land auf die Herstellung des Gutes mit den geringsten Opportunitätskosten spezialisieren. Nach dieser Theorie der komparativen Kostenvorteile sind internationaler Handel und internationale Arbeitsteilung selbst für solche Länder von Vorteil, die alle Güter nur zu höheren Kosten erzeugen können als das Ausland. Dies zeigt sich verstärkt in den Handelsbeziehungen zwischen Industrie- und Schwellenländern. Somit fördert nach der Ansicht Ricardos eine Liberalisierung der Märkte den Wohlstand aller beteiligten Länder. Auch wenig entwickelte Länder haben demnach eine Möglichkeit Gewinne aus internationalem Handel zu erzielen. Dies spricht für einen fortschreitenden Prozess der Globalisierung im Sinne der Entwicklungsländer. (vgl. Hammerschmidt/Kort, 1999)
Die beiden Theorien von Adam Smith und David Ricardo zeigen die Potentiale von geöffneten Märkten und die damit verbundenen Chancen auf Verbesserung des Wohlstandes. Sie betrachten den absoluten wirtschaftlichen Erfolg der einzelnen Nationen. Eine Aussage zur Verteilung des erworbenen Wohlstands innerhalb einer Volkswirtschaft kann jedoch nicht getroffen werden. Die Frage nach den Gewinnern und Verlierern der Globalisierung innerhalb eines Staates wird demnach nicht beantwortet. Ob man von einer gerechten Verteilung der Handelsgewinne sprechen kann, wird in den folgenden Abschnitten zu klären sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Aktuelle Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Debatte über Globalisierung ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage, ob Globalisierung für Entwicklungsländer eine faire Chance bietet.
2. Zum Begriff der Globalisierung: Hier wird der Globalisierungsbegriff als Sammelbegriff für weltweite Verflechtungen definiert, der durch technologischen Fortschritt und politische Entscheidungen geprägt ist.
3. Globalisierung warum?: Dieses Kapitel begründet die Notwendigkeit der Globalisierung durch die Konzepte des Wirtschaftsliberalismus und Freihandels.
3.1. Die Außenhandelstheorie nach Adam Smith: Smith wird als Vertreter der Theorie der absoluten Kostenvorteile vorgestellt, der für eine Liberalisierung der Märkte als Wohlstandstreiber eintritt.
3.2. Die Außenhandelstheorie nach David Ricardo: Ricardo erweitert die Theorie um das Konzept der komparativen Kostenvorteile, das auch weniger entwickelten Ländern Handelsgewinne ermöglicht.
4. Gerechtigkeitstheorie nach Rawls: Die Theorie von John Rawls wird dargelegt, insbesondere seine zwei Gerechtigkeitsgrundsätze und das Differenzprinzip als Maßstab für faire gesellschaftliche Strukturen.
5. Auswirkungen und Gerechtigkeit der Globalisierung: In diesem Hauptteil werden die Folgen der Globalisierung für Entwicklungsländer analysiert und an den Rawls’schen Gerechtigkeitsmaßstäben gemessen.
5.1. Historische Entwicklung als Chance: Es wird der historische Kontext nach dem Kalten Krieg betrachtet, der neue Hoffnungen für Entwicklungspolitik und Demokratisierung weckte.
5.2. Auswirkungen der Globalisierung: Dieses Kapitel differenziert zwischen den Gewinnern (Schwellenländer) und Verlierern (subsaharische Staaten) des Globalisierungsprozesses.
5.3. Gründe für die Entwicklung unter Globalisierung: Es werden Faktoren wie "brain drain", Finanzmarktvolatilität und fehlende nationale Öffnung als Hemmnisse identifiziert.
5.4. Gerechtigkeit dieser Entwicklung?: Hier wird überprüft, inwieweit die Globalisierung den Gerechtigkeitsgrundsätzen von Rawls in den betroffenen Ländern entspricht.
5.5. Resultierende Aufgaben für die Entwicklungspolitik: Abschließend werden konkrete Handlungsfelder für die Entwicklungszusammenarbeit benannt, um faire Strukturen und Umverteilungsmechanismen zu fördern.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Entwicklungsländer, Außenhandelstheorie, Adam Smith, David Ricardo, Gerechtigkeitstheorie, John Rawls, Differenzprinzip, Armutsbekämpfung, Protektionismus, Welthandel, Entwicklungszusammenarbeit, Strukturwandel, Weltwirtschaft, Demokratisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ambivalenten Auswirkungen der Globalisierung auf Entwicklungsländer und prüft unter Einbeziehung der Theorie von John Rawls, ob dieser Prozess gerecht gestaltet ist oder gestaltet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen klassische Außenhandelstheorien, Konzepte der sozialen Gerechtigkeit, die Analyse der realwirtschaftlichen Effekte der Globalisierung sowie entwicklungspolitische Strategien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die Globalisierung eine faire Chance für Entwicklungsländer bietet, um sich in den Welthandel zu integrieren und Wohlstand zu generieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, indem sie ökonomische Handelstheorien und die Gerechtigkeitstheorie von Rawls miteinander verknüpft, um aktuelle Globalisierungstrends zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Chancen, die tatsächlichen ökonomischen Auswirkungen auf verschiedene Ländergruppen, die Gründe für unterschiedliche Erfolge sowie die Vereinbarkeit dieser Prozesse mit Rawls' Gerechtigkeitsgrundsätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Globalisierung, Entwicklungsländer, Gerechtigkeitstheorie nach Rawls, Außenhandelstheorien und Entwicklungszusammenarbeit.
Warum schneiden manche Entwicklungsländer als Verlierer ab?
Laut der Arbeit liegt dies oft an einer mangelnden Öffnung der nationalen Märkte, fehlender politischer Beteiligung der Bevölkerung oder einer unzureichenden politischen Verfassung, die protektionistisches Handeln fördert.
Welche Rolle spielt die Entwicklungspolitik laut dem Autor?
Die Entwicklungspolitik soll laut Autor beim Aufbau sicherer politischer und wirtschaftlicher Strukturen unterstützen und insbesondere bei der Etablierung gerechter Umverteilungsmechanismen helfen, um soziale Härten abzufedern.
- Quote paper
- Thomas Melzl (Author), 2007, Globalisierung - Eine faire Chance für Entwicklungsländer ?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79138