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Die Haftstrafe

Entstehung, Prinzipien und Situation der Insassen

Title: Die Haftstrafe

Term Paper , 2006 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christian Selzer (Author)

Sociology - Law and Delinquency
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Während in der heutigen Zeit die Bestrafung für ein begangenes Verbrechen fast automatisch mit einem Gefängnisaufenthalt assoziiert wird, stellte diese Art der Strafe noch vor etwas über 200 Jahren die Ausnahme dar: es war die Marter, die öffentliche Folter, die von der Justiz als die am besten geeigneteste und daher am häufigsten praktizierte Strafmethode angesehen wurde.
Doch wie kam es dazu, dass diese besonders brutale Form der öffentlichen Bestrafung innerhalb weniger Jahre fast vollständig durch eine im geheimen durchgeführte Überwachungsstrafe ersetzt wurde? Dass die Gründe hierfür nicht nur in der neuen, im Zuge der Aufklärung gewonnenen Humanität und der Abschaffung menschenverachtender Foltermethoden zu suchen sind, sondern das Resultat viel tief schürfenderer Veränderungen in Gesellschaft und Ökonomie der Macht sind, will ich in dieser Arbeit belegen.
Als Hauptreferenz dient mir hierzu das soziologische Hauptwerk „Überwachen und Strafen“ von Michel Foucault, dessen umfangreiche Analyse der Entwicklung der Bestrafungsstrukturen und dem Einzug der Disziplinen in die Gesellschaft großen Einfluss auf zahlreiche Denkrichtungen hatte und darüber hinaus Forschungen über Sozialdisziplinierung initiierte, „die in der Selbst- und Fremdkontrolle der Individuen einen wichtigen Aspekt klassischer und neuerer Theorien der Moderne sehen.“
Ein weiteres Hauptaugenmerk dieser Hausarbeit liegt auf der Untersuchung der Situation des einzelnen Gefangenen in der Haftanstalt, auf den Strategien und Verhaltensmuster, derer die Sträflinge sich bedienen, um mit dieser besonderen Situation des (Über-)Lebens in einer geschlossenen Institution zurecht zu kommen. Die Erkenntnisse hierfür liefert das 1961 veröffentlichte Buch „Asyle – Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen“ von Erving Goffman, der in seinem Werk die Anpassungsmechanismen von Insassen verschiedenster totaler Institutionen wie Gefängnisse, Klöster oder Kasernen darstellt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichte des Gefängnisses

2.1 Von der öffentlichen Marter zum versteckten Strafvollzug

3 Prinzipien und Zweck der Strafanstalten

3.1 Einzug der Disziplinen in Gesellschaft und Strafanstalt

3.2 Gefängnis als erschöpfender Disziplinarapparat

3.2.1 Isolierung der Häftlinge

3.2.2 Zwangsarbeit

3.2.3 Individuelle und flexible Strafbemessung

3.3 Das Panopticon als Disziplinierungsanstalt

4 Situation und Leben der Gefängnisinsassen

4.1 Der Eintritt in die Haftanstalt

4.2 Störung des Selbstwertgefühls der Häftlinge

4.2.1 Direkte Eingriffe

4.2.2 Beschädigung des formellen Verhältnisses zwischen handelndem Individuum und seinen Handlungen

4.3 Reorganisation des Häftlings

4.3.1 Hausordnung

4.3.2 Belohnungen und Strafen

4.4 Individuelle Anpassungsstrategien der Häftlinge

4.5 Insassenkultur

4.6 Entlassung aus dem Gefängnis und Wiedereintritt in die Gesellschaft

5 Fazit/Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Transformation der Bestrafung von der öffentlichen Marter hin zum modernen Gefängnissystem sowie die soziologische Lebenssituation der Inhaftierten innerhalb dieser totalen Institutionen. Dabei wird analysiert, wie Machtmechanismen zur Disziplinierung eingesetzt werden und welche Anpassungsstrategien Individuen entwickeln, um in einer restriktiven Haftumgebung zu überleben.

  • Historische Entwicklung der Bestrafungsformen und deren ökonomische Gründe
  • Die Rolle von Macht und Disziplinierung in modernen Strafanstalten
  • Architektonische Kontrolle durch das Modell des Panopticons
  • Psychologische Auswirkungen der Inhaftierung auf das Selbstbild des Individuums
  • Anpassungstaktiken und Insassenkultur in totalen Institutionen

Auszug aus dem Buch

3.3 Das Panopticon als Disziplinierungsanstalt

In den Jahren 1830-1840 wurde das Modell des Panopticons zum bedeutendsten Modell in der Gefängnisbauweise, als Disziplinartechnik, die sich in der Architektur manifestiert hat. Das wichtigste Element des Panopticons ist der zentrale, mit breiten Fenstern besetzte Überwachungsraum, um den herum in kreis-, kreuz- oder sternförmiger Bauweise die einzelnen Zellen angeordnet sind. Diese reichen durch die gesamte Tiefe des Gebäudes und besitzen an Vorder- und Rückseite Fenster, so dass der Raum stets mit Licht durchflutet ist. Dadurch kann vom zentralen Überwachungsturm aus, in den von den Zellen aus nicht hinein gesehen werden kann, jede kleinste Bewegung der Häftlinge in ihren Einzelzellen registriert werden, die Insassen stehen unter ständiger Beobachtung. Sie sind für sich selbst isoliert, es kann durch die Anordnung der Zellen keine Kontaktaufnahme mit Mithäftlingen erfolgen, sie sind stets „Objekt einer Information, niemals Subjekt in einer Kommunikation“.

Das beim Gefangenen erzeugte Empfinden, stets unter Beobachtung zu stehen, verursacht eine Verhaltensänderung, er „übernimmt die Perspektive des Überwachenden“, selbst wenn der Turm unbesetzt ist, verhält er sich so, als ob er überwacht werden würde. Hier lassen sich auch deutliche Parallelen zu Norbert Elias’ Werk „Über den Prozeß der Zivilisation“ und Max Weber’s Studien „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ feststellen: sei es der Drang der Menschen am Hof öffentlichkeitswirksam viele Gespräche mit möglichst wichtigen Personen zu führen um selbst gesellschaftlich aufsteigen zu können oder der Puritaner, der sich durch das Erarbeiten eines größtmöglichen Reichtums selbst das Heilsversprechen beschaffen will – stets beeinflusst der äußere Kontrolldruck das Handeln des Individuums und wird zum Selbstzwang.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung erläutert den Wandel der Bestrafung von der Marter zur Haftstrafe und führt Michel Foucaults sowie Erving Goffmans Werke als theoretische Basis für die Untersuchung ein.

2 Geschichte des Gefängnisses: Dieses Kapitel analysiert den Übergang von öffentlichen Machtdemonstrationen hin zu ökonomisch effizienteren, versteckten Überwachungsformen.

3 Prinzipien und Zweck der Strafanstalten: Es wird dargelegt, wie Disziplinierung durch Isolation, Arbeit und flexible Strafbemessung sowie die Panopticon-Architektur zur Formung des Individuums genutzt werden.

4 Situation und Leben der Gefängnisinsassen: Dieser Abschnitt beschreibt den Identitätsverlust beim Eintritt, die Störung des Selbstwertgefühls durch Goffmans „Looping“-Prinzip sowie verschiedene Anpassungsstrategien und die Entstehung einer Insassenkultur.

5 Fazit/Schluss: Das Fazit resümiert die Beständigkeit der Haftstrafe trotz moderner Reformforderungen und unterstreicht die Notwendigkeit grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen.

Schlüsselwörter

Gefängnis, Marter, Strafvollzug, Disziplinierung, Überwachung, Panopticon, Michel Foucault, Erving Goffman, totale Institution, Resozialisierung, Identitätsverlust, Macht, Hausordnung, Anpassungsstrategie, Stigma.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit behandelt die soziologischen Hintergründe der Entstehung der Gefängnisstrafe und untersucht das Leben sowie die Anpassungsprozesse von Insassen in geschlossenen Anstalten.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Felder sind die historische Wandlung der Strafmethoden, die Architektur der Kontrolle, Disziplinierungsmechanismen des Gefängnispersonals und die soziopsychologische Situation der Häftlinge.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit fragt nach den Gründen für den historischen Ersatz der Marter durch die Haftstrafe und untersucht, wie Inhaftierte in totalen Institutionen ihre Identität reorganisieren.

Welche wissenschaftlichen Methoden finden Verwendung?

Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Analyse soziologischer Hauptwerke, insbesondere Michel Foucaults „Überwachen und Strafen“ und Erving Goffmans „Asyle“.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Machtprinzipien des Gefängnisapparates sowie eine tiefgehende Analyse der Insassen-Situation, inklusive Aufnahme, Hausordnung und Anpassungsstrategien.

Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Sie wird durch soziologische Begriffe wie Machtökonomie, totale Institution, Disziplinargesellschaft, Stigmatisierung und Entindividulisierung geprägt.

Was bedeutet der Begriff „Looping“ nach Erving Goffman?

Das „Looping“ beschreibt einen Mechanismus, bei dem die Abwehrreaktion eines Häftlings auf eine Demütigung vom Personal direkt gegen ihn verwendet wird, um seine Identität weiter zu brechen.

Welche Rolle spielt die Architektur des Panopticons für die Machtausübung?

Das Panopticon automatisiert die Machtausübung, da die ständige (mögliche) Überwachung den Gefangenen dazu zwingt, seine Verhaltensweise internalisiert anzupassen.

Was zeichnet die „Kolonisierung“ als Anpassungsstrategie aus?

Bei der Kolonisierung freundet sich der Häftling mit den Bedingungen des Gefängnisses an, baut dort eine eigene Existenz auf und verliert das Interesse an der Freiheit.

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Details

Title
Die Haftstrafe
Subtitle
Entstehung, Prinzipien und Situation der Insassen
College
University of Trier
Course
PS Macht und Herrschaft
Grade
1,3
Author
Christian Selzer (Author)
Publication Year
2006
Pages
16
Catalog Number
V79176
ISBN (eBook)
9783638856973
ISBN (Book)
9783640857043
Language
German
Tags
Haftstrafe Macht Herrschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Selzer (Author), 2006, Die Haftstrafe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79176
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