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Camp und Kitsch - Neue Konzepte der internationalen Aesthetik in der Literaturwissenschaft

Title: Camp und Kitsch - Neue Konzepte der internationalen Aesthetik in der Literaturwissenschaft

Scientific Essay , 1991 , 8 Pages

Autor:in: Dr. Wolfgang Ruttkowski (Author)

German Studies - Miscellaneous
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Unsere literaturwissenschaftliche Terminologie wird noch immer ständig durch neue Begriffe bereichert, die neue Erlebnis- und Ausdrucksweisen sprachlich zu fixieren suchen. Häufig werden solche Begriffe von einer Sprache in andere übernommen, wenn sie “internationale" Phänomene zu erfassen suchen, die auch in anderen Literaturen eine Rolle spielen. So ist es unserem deutschen Begriff ”Kitsch“ ergangen. Er ist inzwischen international bekannt und wird besonders in der englischen und amerikanischen Kritik gern verwendet. So ergeht es momentan umgekehrt dem ursprünglich englischen Begriff „Camp“ . Beide wurden hauptsächlich auf die sogen. ,,bildenden und darstellenden Künste" angewendet, inzwischen aber auch auf Literatur. Da aber über das Phänomen des Kitsches inzwischen eine ziemlich umfangreiche Literatur vorliegt, gehen wir hier hauptsächlich auf den noch weniger bekannten Begriff „Camp“ ein. Dieser muss allerdings von verwandten Begriffen wie „Kitsch“ und “Sentimentalität“ abgegrenzt werden. Denn nur wenn er etwas benennt, was die anderen nicht erfassen, ist er notwendig. Zugleich macht eine solche Abgrenzung aber deutlich, dass an den ersten Definitionsversuchen von Christopher Isherwood und Susan Sontag einige Korrekturen vorgenommen werden müssen.
(Vortrag vor dem Jap. Germanistenverband, Tokyo, 19.5.1990)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

‚Camp’ und ‚Kitsch’

Neue Konzepte der Internationalen Ästhetik in der Literaturwissenschaft

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den in der Literaturwissenschaft zunehmend relevanten Begriff „Camp“ präzise zu definieren und von verwandten Phänomenen wie „Kitsch“ und „Sentimentalität“ abzugrenzen. Die Untersuchung analysiert die Entstehung, die ästhetische Funktion und die soziologische Verankerung von Camp als eine spezifische Erlebnisweise, die insbesondere in späten Kulturepochen auftritt.

  • Differenzierung zwischen „High Camp“ und „Low Camp“.
  • Abgrenzung der Camp-Erlebnisweise von naiver Kitsch-Rezeption.
  • Die Rolle des Publikumsbezugs und der artistischen Distanz in der Literatur.
  • Untersuchung der Verbindung von Camp zu ästhetischen Tabus und Außenseitergruppen.
  • Analyse der Rolle von Autoren wie Thomas Mann im Kontext von Camp-Strukturen.

Auszug aus dem Buch

Die Abgrenzung von Camp und Kitsch

So ist etwa beim Erkennen von Sentimentalität oder Kitsch entscheidend, wie viel künstlerische Erfahrung und Bewusstheit (sophistication) wir in das Kunsterlebnis einbringen. Es lassen sich grundsätzlich vier Möglichkeiten unterscheiden: Nach strengen Maßstäben negativ zu bewertende Stilqualitäten wie etwa Sentimentalität können 1. naiv dargeboten und genossen werden, wie z.B. in mehreren Varianten des naiven Bänkelsangs und Küchenlieds; 2. sie können bewusst erzeugt und naiv erlebt werden, wie z.B. im größten Teil der Schlagerproduktion, aber auch in vielen „Heimatfilmen“; 3. sie können naiv produziert und (zumeist später) mit kritischer Distanz genossen werden, wie z.B. bei parodistischer Verwendung von Volkslied- und Bänkelsangtexten in Kabarettprogrammen; 4. sie können ironisch (parodistisch) erzeugt in gleicher Haltung genossen werden, wie etwa im sogen. stilisierten Bänkelsang seit Moncrif und im literarischen Chanson seit Wedekind.

Nur in den beiden letzten Konstellationen kann sich auch die Erlebnisweise entwickeln, die wir „camp“ nennen. Und daran wird nochmals deutlich, dass es sich um eine „publikumsbezogene“ Haltung handelt und nicht etwa um eine autorbezogene, vorwiegend um eine Erlebnisweise und nicht um eine Schaffensweise. Kitsch kann also naiv oder bewusst erzeugt, jedoch nur naiv genossen werden. Wenn er bewusst genossen wird, sollten wir ihn „Camp“ nennen. Dem Produzenten sentimentaler oder kitschiger Produkte mag der „wahre“ Charakter seiner Erzeugnisse nicht bewusst sein. Es gibt intendierten und naiven Kitsch. Den letzteren bezeichnen wir gelegentlich als „gut gemeint“. Nur wenn wir Kitsch erkennen und ihn dennoch genießen, erleben wir camp. Wir sind also auf „artistische Distanz“ eingestellt. Wir konzentrieren uns hauptsächlich auf das WIE und weniger auf das WAS. Camp ist eine komplexe Erlebnisweise, nicht eine einfache wie etwa Fröhlichkeit oder Trauer.

Zusammenfassung der Kapitel

‚Camp’ und ‚Kitsch’: Die Einleitung führt in die Problematik der literaturwissenschaftlichen Terminologie ein und positioniert „Camp“ als Gegenstand einer notwendigen Abgrenzung gegenüber Kitsch und Sentimentalität.

Neue Konzepte der Internationalen Ästhetik in der Literaturwissenschaft: Dieser Abschnitt vertieft die theoretische Analyse, erläutert die Erlebnisweise des Camp im Kontext von Literatur und Gesellschaft und beleuchtet die Bedeutung der „artistischen Distanz“ für den Rezipienten.

Schlüsselwörter

Camp, Kitsch, Literaturwissenschaft, Ästhetik, Erlebnisweise, artistische Distanz, Sentimentalität, Publikumsbezug, High Camp, Low Camp, Ironie, Kunstsoziologie, Rezeptionsästhetik, Stilepochen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Begriff „Camp“ innerhalb der Literaturwissenschaft, definiert seine spezifischen Merkmale und grenzt ihn von verwandten Begriffen wie Kitsch ab.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Im Zentrum stehen die Kategorisierung von Camp-Erlebnissen, die ästhetische Distanz des Publikums sowie die historische Entwicklung von Kunststilen und deren Wahrnehmung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine präzise Definition von „Camp“ als Erlebnisweise, um die bisher unzureichenden oder missverständlichen Definitionen in der Literaturwissenschaft zu korrigieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dem Text angewandt?

Die Arbeit verwendet eine terminologisch-begriffliche Analyse, kombiniert mit einer medien- und rezeptionsästhetischen Untersuchung von literarischen Beispielen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Unterscheidung zwischen „High“ und „Low Camp“, die Rolle des Publikums als zentraler Akteur im Camp-Erleben und die literarische Umsetzung durch Autoren wie Thomas Mann.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Camp, Kitsch, artistische Distanz, Publikumsbezug, Erlebnisweise und die historische Einordnung in späte Kulturepochen.

Wie unterscheidet der Autor zwischen Kitsch und Camp?

Während Kitsch oft naiv erlebt wird, zeichnet sich Camp durch eine bewusste, distanzierte Wahrnehmung aus, bei der die künstlerische Form („das Wie“) stärker gewichtet wird als der Inhalt.

Warum spielt die Perspektive von Thomas Mann eine Rolle für die Camp-Theorie?

Thomas Mann dient als Beispiel für einen intellektuellen Erzähler, der spielerisch mit der Distanz zum eigenen Werk und zum Publikum kokettiert, was ihn in die Nähe einer hochgradigen Camp-Erlebnisweise rückt.

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Details

Title
Camp und Kitsch - Neue Konzepte der internationalen Aesthetik in der Literaturwissenschaft
College
Kyoto Sangyo University  (German Department)
Author
Dr. Wolfgang Ruttkowski (Author)
Publication Year
1991
Pages
8
Catalog Number
V7922
ISBN (eBook)
9783638150217
ISBN (Book)
9783638839044
Language
German
Tags
Poetik Aesthetik Kitsch Camp Susan Sontag Christopher Isherwood
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Wolfgang Ruttkowski (Author), 1991, Camp und Kitsch - Neue Konzepte der internationalen Aesthetik in der Literaturwissenschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7922
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