Italiano Regionale


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das italiano regionale nach Pellegrini
2.1 Pellegrinis Klassifikation des italiano regionale
2.2 La Parabola del Figliol Prodigi

III. Das italiano regionale- eine diatopische Varietät
3.1 Definition des italiano regionale
3.2 Telmons Modell

IV. Geographische Einteilung der italiani regionali

V. Die sprachlichen Merkmale der italiani regionali
5.1 Varietäten in Aussprache und Intonation anhand einiger Beispielsätze von Canepari
5.2 Morphosyntaktische Unterschiede
5.3 Lexikalische Unterschiede

VI. Schlussbemerkung

I. Einleitung

Die Vielfalt der geographischen Varietäten ist ein wichtiger Bestandteil in der Italienischen Sprachwissenschaft. Die geographische (diatopische) Dimension ist das wichtigste Element, um sprachliche Unterscheidungen aufzuzeigen, nicht nur aufgrund der historischen Fakten, sondern vor allem auch angesichts der heutigen linguistischen Situation in Italien.

Die geographische Herkunft der Sprecher beeinflußt beträchtlich die Spracherzeugung. Vor allem das regionale Italienisch (italiano regionale) bestimmt den sprachlichen Gebrauch merklich. Das italiano regionale ist das Italienisch, welches täglich gesprochen wird und auch gelernt wird.

Die bevorzugte Stellung des italiano regionale, rührt besonders daher, daß sich die Distanzsprachen immer mehr auf die Nähesprachen auswirken. Dieser Vorgang ist bedingt durch die gesellschaftspolitische Entwicklung Italiens. Der entscheidende Schritt zur einer dynamischen Entwicklung im Nähebereich des Italienischen war die staatliche Einigung. Die Industrialisierung und Verstädterung verstärkte die Entfaltung des Nähebereichs. Aber auch durch den wachsenden Einfluß der Medien und der neuen nationalen Bürokratie entsprossen nähesprachliche Varietäten. Vor allem im 19. und 20. Jahrhundert änderte sich der Nähebereich des Italienischen entscheidend. Es entstanden neue Varietäten und bis heute haben sich in allen Regionen Italiens italiani regionali gebildet, die neben dem primären italienischen Dialekt stehen.[1]

Im ersten Teil dieser Hausarbeit werde ich den Begriff italiano regionale näher definieren, im zweiten Teil zeige ich die sprachlichen Merkmale der italiani regionali im lautlichen, morphosyntaktischen und lexikalischen Bereich auf.

II. Das italiano regionale nach Pellegrini

2.1 Pellegrinis Klassifikation des italiano regionale

Der italienische Sprachwissenschaftler Giovan Battista Pellegrini stellte vor nicht allzu langer Zeit in seinem Aufsatz „ Tra lingua e dialetto in Italia“ die These auf, man müsse zumindest für einige Teile Italiens vier sprachliche Schichten unterscheiden: neben dem Standarditalienischen und dem lokalen Dialekt gibt es demzufolge auch eine örtlich stärker begrenzte Form des Italienischen, das italiano regionale und eine weiter verbreitete Form des Dialekts, den regionalen Dialekt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Pellegrini klassifiziert das italiano regionale als „settore mediano“.[2] Er stuft das italiano regionale zwischen dem Standarditalienisch und dem Dialekt ein, zwei Sprachsystemen, in denen eine gewisse Uniformität herrscht. Das italiano regionale konzentriert sich fast ausschließlich auf den mündlichen Gebrauch des Italienischen in den Hauptstädten, Zentren oder Regionen Italiens.

(Abbildung entnommen aus: G.B. Pellegrini: Saggi di linguistica italiana. S.40)

Wie man in dieser Abbildung erkennen kann, zählt Pellegrini das italiano regionale zu ‘lingua` und nicht zum Dialekt. Das Standarditalienisch, oder italiano comune bezeichnet er auch als sregionalizzato. Es ist folglich ein Italienisch, welches nicht durch Regionalismen beeinflusst ist. Des weiteren sagt er aus, dass fast jeder Italiener die ‘ quattro registri’ beherrscht und sie in den passenden Situationen einzusetzen weiß.

Für Pellegrini ist das Regionalitalienisch eine Varietät, die sich extrem verändert und außerordentlich wandelbar ist:

„ esso varia seconda della conoscenza linguistiche, della cultura, degli atteggiamenti sociali, o delle essigenze e del desiderio di sregionalizzazione dei singoli parlanti.“[3]

Die Aussprache des regionalen Italienisch steht unter dem direkten oder indirekten Einfluss des Dialektes. Die indirekte Einwirkung kommt dann zum Vorschein, wenn Sprecher Angst haben, Fehler beim Sprechen zu machen und deswegen oft überkorrekt sind. Auch bei der Grammatik, der Morphologie und Syntax des Regionalitalienischen, steht die Forschung nach den allgemein üblichen Fehlern im mündlichen Gebrauch im Vordergrund.

2.2. La Parabola del Figliol Prodigo

La Parabola del Figliol Prodigo ist ein sehr bekannter Test in der Dialektforschung. Pellegrini benutzt vier verschiedene Versionen, um die quattro tastiere aufzuzeigen.

Die erste Version ist sehr archaisch und wird nur noch in der Provinz Belluno verwendet. Sie ist folglich eine Darlegung eines lokalen Dialektes. Der zweite Auszug stellt einen regionalen Dialekt aus der Region Veneto dar. Die dritte Version ist in einem regionalen Italienisch aus der Region Veneto wiedergegeben. Die vierte und letzte Fassung ist das Standarditalienisch, wie es in der Toskana gesprochen wird.[4]

Ich habe nur die ersten drei Zeilen aus der Parabola del Figliol Prodigo der verschiedenen Versionen entnommen, um die unterschiedlichen Varietätsebenen aufzuzeigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der ersten Version des Textauszuges fällt die förmliche Anrede des Sohnes an den Vater auf: pare, dème ‘datemi’. Dies ist ein Beleg für das sehr archaische Italienisch in der Provinz Belluno. Ein weiteres Beispiel für das provinzielle Koinè ist das Wort tòca ‘tocca’. Hier wird das –ca palatisiert. Dies ist ein typisch ladinisches Phänomen. Der Ausdruck debòta steht für das Standarditalienische ‘subito’.[5]

In der zweiten Version wird der Vater mit papà und nicht wie in der Version aus der Provinz Belluno mit pare angeredet. Auch wird er hier nicht mehr mit der förmlichen 2. Person Plural angesprochen, sondern in der 2. Person Singular. Ein typisches Merkmal aus Venetien, ist der Gebrauch des finalen Vokals –o, wie bei òmo oder auch bei dito für dit. gaveva ist kennzeichnend für das Venezianische.[6]

Wie bereits oben erwähnt, repräsentiert die dritte Version ein italiano regionale aus Venetien. Obwohl es nicht möglich ist, die Intonation, welche ein entscheidendes Merkmal für das italiano regionale ist, in diese Version miteinzubeziehen, muss man sagen, dass die Intonation in Venetien meistens korrekt ist. più pìk(k)olo steht für ‘più giovane’. Auch in dieser Version wird das allgemein übliche papà für ‘padre` verwendet. Auffällig ist der Gebrauch eines Artikels vor einem Possessivpronomen: al suo papà.

[...]


[1] Koch/Oesterreicher: Gesprochene Sprache in der Romania. S.175

[2] Giovan Battista Pellegrini: Saggi di linguistica italiana S.11

[3] Giovan Battista Pellegrini: Saggi di linguistica italiana .S.14

[4] Gionan Battista Pellegrini: Saggi di linguistica italiana. S. 41 ff.

[5] Giovan Battista Pellegrini: Saggi di linguistica italiana. S.47

[6] Giovan Battista Pellegrini: Saggi du linguistica italiana. S. 49

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Italiano Regionale
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Neuphilologische Fakultät)
Veranstaltung
Hauptseminar: Le varietà dell'italiano
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V7923
ISBN (eBook)
9783638150224
Dateigröße
617 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Italiano, Regionale, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Andrea Fischer (Autor), 2002, Italiano Regionale, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7923

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