Juan de la Cruz: Llama de amor viva - Eine Auseinandersetzung mit neueren Interpretationsansichten


Seminararbeit, 2007

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Juan de la Cruz – Sein Leben

3 Die Llama de amor viva
3.1 Aufbau und Inhalt
3.2 Strophe 1
3.2.1 La llama
3.2.2 Romper la tela
3.3 Strophe 2
3.3.1 El cauterio suave
3.3.2 Die Transverberation der Teresa von Ávila
3.4 Strophe 3

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Karmelitermönch Juan de la Cruz lebte im 16. Jahrhundert und ist vor allem als Ordensreformator, Seelenfreund und Nachfolger Teresa de Ávilas und Verfasser spanischer Lyrik bekannt geworden. Man bezeichnete ihn als „Melancholiker, allem Irdischen von Jugend an wesensfremd, der fleischgewordene Dulder und Jenseitshoffer, der Leidensfanatiker mit der Märtyrerphantasie, die seelische und körperliche Qualen als Liebesbeweise Gottes genießt“[1], was sich auch deutlich in seiner Liebeslyrik, deren größte Werke er in bzw. nach seiner Gefangenschaft im Kerker eines Klosters in Toledo verfasste, niederschlägt. Ganz seinem Zeitgeist entsprechend verfasste auch er eine auf Mystik basierende Lyrik, die Forscher oft nur als erotisches Phänomen interpretiert haben und somit „Juan de la Cruz den Kampf zweier gegensätzlicher Gefühlsrichtungen […] [und] in der Prosa die finstere Askese des fanatischen Mönches“[2] unterstellten. Auf der anderen Seite hat es Forscher gegeben, die nur auf eine theologische Sichtweise seiner Lyrik eingegangen sind und eine weltliche Interpretation vollkommen ausgeschlossen haben. Ihnen ging es vor allem um die Sehnsucht der menschlichen Seele nach der Vereinigung mit Gott und ihr Suchen nach dem himmlischen Bräutigam, also einer unio mystica, die Juan de la Cruz auch durchaus in seiner Lyrik ausdrücken wollte, was man seinem Prosakommentar entnehmen kann. Dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass er sich dabei einer sehr bildhaften Sprache bediente, die, würde man den Verfasser und seinen Hintergrund nicht kennen, nur auf sehr erotische Weise interpretierbar wäre, da Juan de la Cruz mit keinem Wort Gott in seinen Gedichten erwähnt.

Auch für sein Gedicht Llama de amor viva gilt dieses auffällige Merkmal. Es handelt von einer innigen Liebesvereinung und bedient sich einer Bildersprache, die nur sehr schwer und ohne den Prosakommentar von Juan de la Cruz fast unmöglich zu interpretieren ist. Viele Forscher haben es dennoch versucht, sind aber nur auf die theologische Sichtweise eingegangen, wie z. B. Ludwig Pfandl. Bernhard Teuber, Professor für Romanische Philologie an der Universität München, dagegen ist auf die Art und Weise eingegangen, wie es außerdem möglich ist, die Llama de amor viva zu lesen und zu interpretieren, ohne Juan de la Cruz’ wirkliche Absicht dabei aus den Augen zu verlieren.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, auf diesen neueren Interpretationsansatz Teubers einzugehen und sich damit auseinanderzusetzen. In wieweit ist seine Interpretation nachvollziehbar bzw. in welchen Punkten scheint sie zu weit von der wahren Bedeutung des Gedichts abzuweichen? Um dies berücksichtigen zu können muss natürlich auch auf den Prosakommentar von Juan de la Cruz und auf Interpretationsansätze anderer Forscher eingegangen werden.

Das zweite Kapitel dieser Arbeit wird einen kurzen Überblick über Juan de la Cruz’ Leben geben, um deutlicher nachvollziehen zu können, worin es ihm in seiner Lyrik ging. Im dritten Kapitel wird schließlich sein Gedicht Llama de amor viva vorgestellt und hauptsächlich auf die Interpretation Teubers eingegangen, der sich mit den ersten drei Strophen befasst hat. Diese werden dann schließlich mit Juan de la Cruz’ Prosakommentar und mit Ansichten anderer Forscher verglichen.

2
Juan de la Cruz – Sein Leben

Am 24. Juni 1542 wird Juan de la Cruz als Juan de Yepes y Álvarez in Fontiveras bei Ávila geboren. Er stammt aus verarmten Adel und verliert bereits im Alter von zwei Jahren seinen Vater. Da seine Eltern anstelle einer standesgemäßen Heirat eine Liebesheirat eingegangen waren, muss Juan mit seiner Mutter und den beiden Geschwistern in Armut aufwachsen. Von den wohlhabenden Verwandten des Vaters ist keine Hilfe zu erwarten.

In den Jahren 1559-1563 versucht sich Juan u.a. als Bildhauer und Maler. Jedoch scheitern alle seine Versuche, ein Handwerk zu erlernen, bis er schließlich Pfleger im Krankenhaus von Medina del Campo wird. Nebenbei besucht er Kurse im örtlichen Jesuitenkolleg und erweist sich bei den Studien, die er dort absolviert, als sehr erfolgreich. 1563 tritt Juan in Medina in den Karmeliterorden ein, der im Jahrhundert davor erhebliche Milderungen in Bezug auf Fasten, Enthaltsamkeit und Abgeschlossenheit erfahren hat. Juan, der von diesen Milderungen nichts wissen will, hält an den alten strengen Regeln fest. Ein Jahr später beginnt er sein Theologie- und Philosophiestudium in Salamanca, das er nach vier Jahren abschließt. 1567 kehrt er nach Medina del Campo zurück, wo er zum Priester geweiht wird und seine erste Messe leitet. Kurze Zeit später trifft er Teresa de Cepeda y Ahumada, was eine große Bedeutung im Leben von Juan erhält und zu einer Wende führt. Sie hat bereits ihr Reformwerk im Karmeliterorden begonnen, von dem sie sich das erhofft, was auch für Juan am wichtigsten ist: Stille, Gebetsgeist und echte brüderliche Liebe. Sie ist nach Medina gekommen, um dort den Sitz der unbeschuhten Karmeliter zu gründen. Juan, der ähnliche Vorstellungen besitzt, lässt sich von ihr überzeugen, es sei sein Auftrag, die Reform der männlichen Karmel zu beginnen, während Teresa sich den Frauenklöstern zuwendet. Im neuen Ordenszweig übernimmt Juan kurz darauf verantwortungsvolle Aufgaben: Rektor des Studienkollegs in Alcalá de Henares, Visitator im Noviziatskonvent und Beichtvater im Kloster der Menschwerdung in Ávila.

Im August 1568 gründet Juan den ersten Orden der Unbeschuhten, der die Rückkehr zur „Regla Primitiva“ der Karmeliter verfechtet, in Duruelo. In der ersten Zeremonie ändert er seinen Namen in Juan de la Cruz. 1571 lässt er sich dann in Alcalá de Henares nieder, wo er Rektor der neu gegründeten Karmeliterschule wird.

Am 2. Dezember 1577 wird Juan aufgrund eines Konflikts zwischen dem Stammorden, der gegen die Reform ist, und dem neuen Orden festgenommen. In Toledo wird er gezwungen, vor dem Gericht der beschuhten Glaubensbrüder zu erscheinen, um der von Teresa gegründeten Reform den Rücken zu kehren, und wird im dortigen Kloster neun Monate lang eingekerkert. Diese werden ihm zur wichtigsten Zeit seiner Gotteserfahrung, da hier seine visionärmystische Dichtung entsteht. Als ihm bewusst wird, dass seine Freilassung problematisch werden könnte, plant Juan seine Flucht, welche ihm auch im Mai 1578 mit der Hilfe eines Gefängniswärters gelingt. Er findet Zuflucht im Orden der „Madres Carmelitas Descalzas“, dessen Nonnen ihn zum Hospital de Santa Cruz schicken, wo er anderthalb Monate bleibt. Schließlich beschließt er, nach Andalusien zu gehen, um sich dort vollständig von der Gefangenschaft zu erholen.

Aus Amtsgründen reist er viel durch Andalusien und Portugal und wird 1588 Prior des zentralen Klosters der unbeschuhten Karmeliter in Segovia. Auf einer seiner Reisen wird er im Orden von La Peñuela krank und wird nach Úbeda gebracht, wo er in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember stirbt.

Am 25. Januar 1675 wird er von Papst Clemens X selig gesprochen. 1726 erfolgt schließlich die Heiligsprechung durch Benedikt XIII und genau zweihundert Jahre später, 1926, die Erhebung zum Kirchenlehrer durch Papst Pius XI.

3 Die Llama de amor viva

3.1 Aufbau und Inhalt

Llama de amor viva ist ein kurzes Gedicht, das Juan de la Cruz zwischen 1582 und 1585 geschrieben haben soll. Es besteht nur aus vier sechszeiligen Strophen, die das Reimschema a-b-c a-b-c besitzen. Nach den Werken Subida del Monte Carmelo, Noche oscura del alma und Cántico espiritual ist es das bekannteste Gedicht und scheint die anderen drei zu vollenden, wie es Ludwig Pfandl ausführlich beschrieben hat:

Im Anstieg, dem Beginn der dunklen Nacht (erstes Werk: Subida del Monte Carmelo) geschieht die Reinigung des sinnlichen Menschen durch Abtötung der Gelüste, die Reinigung und Vervollkommnung des geistigen Menschen mit Bezug auf den Verstand durch den Glauben, mit Bezug auf die Einbildungskraft durch die Hoffnung, mit Bezug auf den Willen durch die Liebe. […] Im Mittelpunkt der dunklen Nacht (zweites Werk: Noche oscura del alma) lebt der dem Irdischen Entrückte ganz dem Glauben. […] Das ist die Vereinigung mit Gott im Sinne einer Umgestaltung der Seele in Gott und ihrer Einswerdung mit ihm durch die Liebe in vollkommener Liebesähnlichkeit und Einförmigkeit zwischen göttlichem und menschlichem Willen. […] Im Morgengrauen der dunklen Nacht (drittes Werk: Cántico espiritual entre el alma y Cristo su esposo) beginnt für die Seele die geistliche Vermählung. […] Erneut fasst schließlich, gleichsam zur Bekrönung des Werkes, eine „lebendige Liebesflamme“ (Llama de amor viva) den Aufstieg der Seele durch Reinigung und Erleuchtung zur völligen Gemeinschaft mit dem höchsten Wesen zusammen, teilweise mit neuen, teilweise mit ähnlichen Bildern und Gedanken wie im Cántico espiritual, im ganzen gedrängter, vertiefter und nur dem verständlich, der jenen zuvor nicht nur gelesen, sondern auch durchgedacht hat.[3]

[...]


[1] Pfandl, Geschichte der spanischen Nationalliteratur, S. 145.

[2] Pfandl, Geschichte der spanischen Nationalliteratur, S. 146.

[3] Pfandl, Geschichte der spanischen Nationalliteratur, S. 193f.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Juan de la Cruz: Llama de amor viva - Eine Auseinandersetzung mit neueren Interpretationsansichten
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Juan de la Cruz – Lyrik und Theologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V79251
ISBN (eBook)
9783638861168
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Juan, Cruz, Llama, Eine, Auseinandersetzung, Interpretationsansichten, Juan, Cruz, Lyrik, Theologie
Arbeit zitieren
Isabel Lungmuss (Autor:in), 2007, Juan de la Cruz: Llama de amor viva - Eine Auseinandersetzung mit neueren Interpretationsansichten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79251

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