Gibt es einen Grund, den Tod zu fürchten? Eine Auseinandersetzung mit Epikur und Augustinus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

21 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Lehre Epikurs

3. Wie definiert Epikur den Tod?

4. Wie lässt sich die Todesvorstellung Epikurs erklären?

5. Die Lehre Augustinus

6. Wie definiert Augustinus den Tod?

7. Wie lässt sich die Todesvorstellung Augustinus erklären?

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„[...] Das Schauererregendste aller Übel, der Tod, betrifft uns überhaupt nicht [...]“[1] .

„[...] Denn in demselben Augenblicke, in dem jemand in dies sterbliche Leben eintritt, fängt der Tod an sich vorzubereiten [...]“[2].

Der Tod ist ein Problem, mit dem sich alle Menschen in jeder Zeit schon immer beschäftigt haben. Der Mensch weiß, dass er kommen wird und niemand dem Tod entfliehen kann. Er weiß jedoch nicht, wann der Tod kommt und auf welchem Wege. Wird er schmerzvoll sein oder nicht? Was passiert danach? Gibt es noch etwas nach dem Tod? Ist der Tod ein Übel, das der Mensch fürchten muss?

Mit diesen Fragen haben sich unter anderem auch die Philosophen Epikur aus der Antike und Augustinus zur Zeit des Mittelalters beschäftigt. Mit den Todesvorstellungen der beiden Philosophen soll sich die Arbeit deshalb beschäftigen, weil, obwohl verschiedener Zeitepochen in denen sie lebten, Meinungen und Ansichten vertreten wurden, die trotz großer Differenziertheit auch Gemeinsamkeiten aufweisen.

Epikur war ein griechischer Philosoph, dessen Grundprinzip das Streben nach Lust und das Vermeiden von Unlust war. Er war Lehrer und lehrte anderen Menschen seine Weisen.

Augustinus stammte aus dem heutigen Algerien und seine Haupttätigkeit war die Theologie. Sein wichtigstes Prinzip war das Erkennen durch Glauben und das Glauben durch Erkennen. Er beschäftigte sich als Theologe vor allem mit der Beziehung von Gott und Seele und um den Aufbau der Welt. In dieser Arbeit sollen Epikurs und Augustinus Ansichten über den Tod dargestellt werden und mit Hilfe von deren Lehren und Denken erklärt werden. Weiterhin soll die Frage geklärt werden, ob der Tod für den Menschen ein Übel ist.

2. Die Lehre Epikurs

Epikur von Samos ist in die Zeit der hellenistischen Philosophie einzuordnen. Er lebte von 341 bis 270 v. Chr. Es ist die Zeit in der das Alexanderreich aufsteigt und wieder zerfällt und Rom eine Weltmacht wird. Epikur wurde als „[…] Leugner aller metaphysischen Gewissheiten und Unvergänglichkeiten […]“[3] bezeichnet. Er hielt wenig von den Philosophen seiner Zeit, wie Platon und Aristoteles, da er eine Abneigung gegen Systeme hatte. Epikur vertraute auf seine Sinneseindrücke und deshalb lehnte er die „Vernünfteleien“ von Platon ab.

Das Streben nach Lust ist das oberste ethische Prinzip. Dabei ist es wichtig zu beachten, das Epikur „[…] nicht die Lüste des Prasser und Genießens […] sondern das Freisein von körperlichem Schmerz und seelischer Aufregung […]“[4] meint.

Epikur lehrt, dass jeder Mensch sich von der Unlust befreien soll, auch von der Angst, damit er mit innerer Ruhe und Gelassenheit sein Glück findet, und sich von Schicksalsschlägen nicht aus dem Gleichgewicht bringen lässt (vgl Hossenfelder. 1998. S. 2.).

Jeder Mensch soll sein eigenes Innenleben beherrschen können und nicht versuchen über die Natur zu herrschen.

Epikur äußert sich in seinen wenigen Schriften über Logik, Physik und Ethik.

Dabei äußert er sich vor allem auch zu ethischen Problemen. Das höchste Gut des Menschen ist die Lust und das höchste Ziel ist die individuelle Glückseligkeit (vgl. Hossenfelder. 1998. S. 57.). Dabei soll die Vernunft das Streben nach Glück leiten und zügeln. Die Philosophie ist eigens dafür gedacht, den Weg zur Glückseligkeit zu finden (vgl. Hossenfelder. 1998. S. 27.). Die Philosophie soll das Leiden der Seele vertreiben, denn die Unlust ist das größte Übel.

Epikur bezeichnet die Lust als eine Empfindung mit „positivem Wertcharakter“[5] und die Unlust als eine mit „negativem Wertcharakter“[6].

Den Lustbegriff definiert Epikur, als einen irrationalen, von der Sinnlichkeit gegebenen positiven Endwert (vgl. Hossenfelder. 1998. S. 64.).

Lust ist demnach eine Empfindung. Sie wird unterschieden in leibliche und geistliche Lust. Die Lust des Leibes ist an den Moment gebunden und man kann nur das Gegenwärtige und Anwesende empfinden. Die geistige Lust ist mit der Vernunft verbunden. „[…] die Vernunft ist […] nicht auf die unmittelbar gegenwärtigen Empfindungen eingeschränkt, sondern sie kann darüber hinaus noch zukünftige Lustgefühle in der Erwartung vorwegnehmen und sich an vergangene erinnern […]“[7]. Epikur begründet seine Behauptung, dass Lust der höchste Wert im Leben ist, damit, dass die Lust dem Menschen angeboren ist. Schon ein Neugeborenes strebt nach Lust und vermeidet die Unlust.

Neben dem Lustbegriff umfasst Epikurs Lehre auch das Thema der Furcht. Für ihn ist die Furcht des Menschen der größte Feind, um die Glückseligkeit zu erreichen. Dabei unterscheidet er die Furcht vor den Göttern und vor dem Tod. Furcht wird als „[…] die Erwartung eines künftigen Übels […] künftiger Unlust […]“[8] verstanden.

Auf das Problem mit der Furcht vor dem Tode soll später noch näher eingegangen werden.

Weitere Themengebiete seiner ethischen Lehre sind die Begierde und der Schmerz.

In seiner Naturlehre geht es um die Grundprinzipien des Seienden und der Willensfreiheit, sowie dem Aufbau der Welt und Himmelserscheinungen.

Der Mittelpunkt der epikureischen Lehre stellt aber das Lustprinzip dar. Er entwickelte spezielle Formen der Bedürfnisregulation zum Zweck der Lustmaximierung. Sein Grundmotiv ist nicht das ewige Leben, sondern die zu Lebzeiten vollendete Seelenruhe (vgl. www.Wikipedia.de.).

3. Wie definiert Epikur den Tod?

Epikur behauptet, dass der Tod den Menschen nicht betrifft; dies soll der Mensch erkennen: „[…] wenn „wir“ sind, ist der Tod nicht da; wenn der Tod da ist, sind „wir“ nicht […]“[9].

Der Tod ist weder etwas Gutes noch etwas Schlimmes, denn diese beiden Dinge existieren nur in der menschlichen Empfindung. Der Tod hingegen vernichtet die Empfindung des Menschen. Deshalb kann der Mensch den Tod nicht als etwas Positives oder Negatives empfinden.

Diese Erkenntnis soll dem Menschen die Sterblichkeit des Lebens genussfähig machen und die Sehnsucht nach Unsterblichkeit nehmen.

Durch die Empfindungslosigkeit im Tod, kann das Nicht-Leben nichts Schreckliches für den Menschen bedeuten. Der Mensch soll vor dem Tod keine Angst haben, weder wenn er da ist, noch wenn er bevorsteht. Diese Angst bezeichnet Epikur als sinnlos.

Für die meisten Menschen bedeutet der Tod das Schrecklichste überhaupt und sie versuchen diesem zu entkommen. Er betrifft aber keine lebenden Menschen und auch keine gestorbenen Menschen, „[…] da er ja für die einen nicht da ist, die andern aber nicht mehr für ihn da sind […]“[10].

Der Tod wird von einigen Menschen auch als Erholung vom Leben und allem Schlimmen im Leben betrachtet. Hier wird der Tod ersehnt.

Der kluge Mensch hat keine Furcht vor dem Leben oder vor dem Nicht-Leben. Für ihn ist das Nicht-Leben keine Katastrophe, so wie für ihn das Leben keine Last ist, sondern etwas Genussvolles.

Der Mensch übt Tag für Tag das ideale Leben, aber auch das ideale Sterben, denn beides ist identisch.

[...]


[1] Epikur: Briefe. Sprüche. Werkfragmente. Hrsg. Hans-Wolfgang Krautz. Philipp Reclam Verlag: Stuttgart. 1985. S. 45.

[2] Augustinus, Aurelius: Vom Gottesstaat Buch 11-22. Band II. Artemis Verlag: Zürich/ München. 1985. S. 117.

[3] Geyer, Carl-Friedrich: Epikur. Zur Einführung. Junius Verlag: Hamburg. 2000. S. 7.

[4] Hossenfelder, Malte: Epikur. 2. Aufl. Beck´sche Reihe: München. 1998. S. 58.

[5] Hossenfelder, Malte: Epikur. 2. Aufl. Beck´sche Reihe: München. 1998. S. 62.

[6] ebd.

[7] ebd. S. 70.

[8] ebd. S. 78.

[9] Epikur: Briefe. Sprüche. Werkfragmente. Hrsg. Hans-Wolfgang Krautz. Philipp Reclam Verlag: Stuttgart. 1985. S. 45.

[10] ebd.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Gibt es einen Grund, den Tod zu fürchten? Eine Auseinandersetzung mit Epikur und Augustinus
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Der Tod als Thema der Philosophie
Note
bestanden
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V79295
ISBN (eBook)
9783638857246
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gibt, Grund, Eine, Auseinandersetzung, Epikur, Augustinus, Thema, Philosophie
Arbeit zitieren
Dana Rothe (Autor), 2007, Gibt es einen Grund, den Tod zu fürchten? Eine Auseinandersetzung mit Epikur und Augustinus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79295

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