Prenzlau und die Hanse


Hausarbeit, 2002
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Forschungsstand zur Hansezugehörigkeit der Stadt Prenzlau

II. Die Stadt Prenzlau
1. Kurze Entstehungsgeschichte der Stadt Prenzlau
2. Die Verkehrs- und Handelswege der Stadt Prenzlau
a) Landwege
b) Wasserwege
3. Grundlagen des mittelalterlichen Wirtschaftslebens der Stadt Prenzlau

III. Die Beziehungen der Stadt Prenzlau zur Hanse
1. Kurzdefinition des Begriffes Hanse
2. Abstufung hansisch-städtischer Mitgliedschaft
a) Hansestadt
b) Hansische Stadt
c) Hansisch zugewandte Stadt
3. Prenzlaus Handelsbeziehungen zur Hanse
4. Subsumierung hansisch-städtischer Mitgliedschaft auf den Fall Prenzlau

Fazit

Verzeichnis der Quellen und Literatur
A. Quellen
B. Literatur

Einleitung

Mit dieser Hausarbeit habe ich mir zur Aufgabe gestellt, einen meiner Ansicht nach, weiter mit offenen Fragen und Meinungsdifferenzen behafteten Bereich der brandenburgischen Geschichte, näher zu beleuchten. Zu klären ist im Rahmen dieser Arbeit, ob und inwieweit Beziehungen zwischen der Stadt Prenzlau und der Hanse bestanden. Es gilt festzustellen, in welcher Form und in welchem Umfang eine Bande zwischen den Parteien bestand, möglicherweise ob es im Rahmen einer Hansemitgliedschaft sogar einen aktiven politischen und handelswirtschaftlichen Austausch gab.

Dabei erscheint es angemessen diese Fragestellung vom eher engen zum weiten Problemkreis schlüssig zu lösen. Daher soll nach einem Überblick über den aktuellen Forschungsstand, der Gesichtskreis auf Prenzlau als Stadt fallen, hinsichtlich geographischer, politischer, aber vor allem auch wirtschaftlicher Aspekte. Vor diesem Horizont ist dann auf den weiten Problemkreis, auf die Beziehungen Prenzlaus zur Hanse einzugehen. Im zweiten Schwerpunkt soll der Begriff Hanse definiert und die Formen einer hansisch-städtischen Mitgliedschaft differenziert werden, um dann mit Hilfe der aufzuzeigenden hansischen Beziehungen Prenzlaus und unter Einbezug einschlägiger Quellen, die gewonnenen Erkenntnisse unter die oben formulierte Fragestellung zu subsumieren.

Neben den einschlägigen Quellen, steht vor allem die Arbeit mit Aufsätzen von Stadt- und Regionalhistorikern, sowie bekannten Hansehistorikern im Vordergrund. Festzustellen ist jedoch, dass nicht nur zur dieser Fragestellung recht wenige fundierte Aufsätze existieren, sondern auch das Problem oftmals nur beiläufig erwähnt wird. Darüber hinaus ist zu sagen, dass auch weder die von mir studierten Monographien über Prenzlau, noch Standardwerke zur Hanse diese Frage explizit und ausführlich aufgreifen. Daher ist aus meiner Sicht die Literaturlage als eher unbefriedigend anzusehen. Allerdings lässt es die Literatur- und Quellenlage zumindest zu, insbesondere vor dem Hintergrund unterschiedlicher Auffassungen einzelner Hansehistoriker, einen kritisch hinterfragenden Historienblick zu formulieren.

I. Forschungsstand zur Hansezugehörigkeit der Stadt Prenzlau

Das zentrale und bisher einzige Dokument der Hanse nach 1356, in dem Prenzlau genannt wird, ist das Dokument vom 10. August 1368, in dem es heißt: „12. Iternlittere mittentur civitatibus infrascriptis [...] consules Stralessundenses istis civitatibus: Berlin, Pozewalk, Prentzlow [...]“[1]. Der Rezess soll an dieser Stelle nur genannt sein. Auf ihn, sowie auf weitere wichtige Dokumente der Hanse wird im weiteren Rahmen dieser Arbeit einzugehen sein.

Hauptaugenmerk soll an dieser Stelle auf die Literatur zur Fragestellung, ob Prenzlau Mitglied der hansischen Städtegemeinschaft gewesen war, gelegt werden. Nach Sichtung der spärlichen Überlieferungen und der darauf zu weiten Teilen argumentatorisch aufgebauten Literatur stellt sich unter den Ansichten der Hanseforscher ein widersprüchliches Bild dar:

Walther Stein bestritt, dass Prenzlau zur Hanse gehört habe. Das Schreiben vom 10. August 1368, welches zur Zeit und aus Anlass des Krieges mit Waldemar von Dänemark, an zahlreiche Städte, eben auch an Prenzlau, gerichtet war und worin diese gebeten wurden, „ihre Fürsten und Herren samt dem benachbarten Adel von der Unterstützung Waldemars abzuhalten, sie vielmehr zu veranlassen, ihre Gunst den kriegsführenden Städten zuzuwenden“, reicht seines Erachtens „nicht zum Beweis für die hansische Eigenschaft [...] der [...] Städte“[2]. Gleiches Argument legen Schwartz[3] in seiner Stadtgeschichte und auch Methling[4] zu Grunde, um die Frage nach der Mitgliedschaft Prenzlaus in der Hanse nicht positiv zu bewerten.

us als „höchst unwahrscheinlich“, da Prenzlau weder eine Einladung zu Hansetagen erhielt, in keiner Auflistung der Hansemitglieder zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert erfasst wurde, noch je einen Antrag auf Mitgliedschaft in die Hanse gestellt hatte.[5]

Ernst Daenell stellte heraus, dass die märkischen Hansestädte sich selten zur Beratung hansischer Fragen versammelt hätten.

Mit diesen hätten „mittelbar durch territorialpolitische Aufgaben, Prenzlau, Pasewalk, Angermünde, Perleberg u.a. in Beziehungen zur Hanse“ gestanden.[6] Im Umkehrschluss zählt damit Daenell Prenzlau weder zu den märkischen Hansestädten, noch zu den eigentlichen Mitgliedern der Hanse.

Das aktuell noch auf der Höhe der derzeitigen Hanseforschung stehende Standardwerk der westlichen Hanseforschung von Philippe Dollinger[7], als auch dessen Korrelat in der früheren DDR von Johannes Schildhauer, Konrad Fritze und Walter Stark[8] erwähnen Prenzlau erst gar nicht.

Dagegen zog Eckard Müller-Mertens die Argumentation Steins bezüglich des Rezesses vom 10. August 1368 in Zweifel und stellte sogar die Wahrscheinlichkeit der Zugehörigkeit Prenzlaus besonders heraus, denn „das Schweigen der Quellen ist [...] kein letzter Beweis, und jenes Verzeichnis legt es doch nahe, daß auch Prenzlau zum Verband der Hanse gehörte“[9].

Diese Meinungsdivergenzen, von ablehnender Haltung gegenüber der Zugehörigkeit über Nichtnennung bis hin zur Meinung der wahrscheinlichen Zugehörigkeit Prenzlaus zum hansischen Verband, lassen einen tieferen Blick auf die Hanse und die Zustandsformen bzw. Entwicklungsstadien der Hansemitgliedschaft von Nöten werden.

II. Die Stadt Prenzlau

Zunächst wird jedoch versucht, die Grundlagen der Prenzlauer Wirtschaftlichkeit unter Berücksichtigung der Handels- und Verkehrswege und des Wirtschaftsleben darstellen. Dies stellt nach Ansicht des Verfassers einen sinnvollen Beitrag zur Lösung der Fragestellung dar, da das wesentliche Ziel der Hanse, wie noch herausgestellt wird, das des möglichst gewinnbringenden Handels ist und im folgenden zumindest schon explizit die Grundlagen der Handelswirtschaft seitens Prenzlaus festgestellt werden können.

1. Kurze Entstehungsgeschichte der Stadt Prenzlau

Der Ursprung und die Entstehung Prenzlaus ist nicht klar fassbar, da die Quellenlage äußert spärlich ist. Im Jahre 1107 unterwarfen die pommerschen Fürsten die Wenden im Uckerland und legten im Jahre 1138 eine vermutlich hölzerne Burg am Nordufer des Uckersees an.[10] Mit Müller-Mertens scheint es berechtigt, anzunehmen, dass die Ansiedlung Prenzlau ein relativ hohes Alter aufweist und wahrscheinlich schon zeitlich davor zumindest ein slawischer Siedlungskomplex bestanden hat.[11]

Laut Dobbert sind „Markgerechtigkeit, Befestigung, Selbstverwaltung, eigenes Gericht und eigenes Recht [...] Hauptmerkmale einer mittelalterlichen Stadt“[12]. Er sieht diese Merkmale einer mittelalterlichen Stadt in Prenzlau spätestens mit der nach der heutigen Zeitrechnung am 27. Dezember 1234 durch Herzog Barnim I. von Pommern vollzogenen Stadtgründung als gegeben.[13] Zumindest erhielt die Stadt u.a. 300 Hufen Land, Magdeburger Stadtrecht und Zollfreiheit in Pommern. Richtigerweise jedoch ist zu sagen, dass Prenzlau eine eigene städtische Gerichtsbarkeit erst mit dem Jahre 1282 gewann.[14] Den schnellen Aufstieg Prenzlaus verdeutlicht jedoch schon die Tatsache, dass seit dem Jahre 1250 in den Urkunden Prenzlau als Hauptstadt erwähnt wird.[15]

2. Die Verkehrs- und Handelswege der Stadt Prenzlau

Im folgenden sollen die Verkehrs- und Handelswege zu Land und Wasser rund um Prenzlau begutachtet werden, um später Handelsbeziehungen Prenzlaus zur Hanse anhand gewonnener Erkenntnisse zu rekonstruieren.

a) Landwege

Die Lage der alten Straßen waren im wesentlichen durch Punkte bestimmt, an denen der Übergang über Flüsse und sumpfige Niederungen möglich war. Schwartz stellt fest, dass das Uckerland aber nur eine geringe Anzahl dieser natürlichen Übergangspunkte bot, denn im Osten wurde sie von der Randow-Welse-Niederung und der Oder, im Süden und Südwesten durch den Uckerwald, im Westen durch die Mecklenburgische Seenkette und den Zarowbach und im Norden durch eine Bruchniederung begrenzt[16]. Wie Rudolph nun ergänzend herausstellt, haben die Slawen insbesondere solche Stellen zur Ansiedlung ausgewählt, die einen beherrschenden Punkt bildeten, beispielsweise am Schnittpunkt zweier oder sogar mehrerer belebter Straßenzüge oder auch an Flussfurten und Pässen, die der Verkehr kreuzen musste. Prenzlau im Norden der Uckermark ist so eine slawische Ansiedlung, denn „jeder aus den mittleren Elb- und Havelgegenden der Mark nach Stettin und der Ostsee ziehende Verkehr, jeder von der Oder nach Mecklenburg reisende Kaufmann oder Heerführer mußte seit ältester Zeit hier vorbei und die Ucker kreuzen“[17].

Die heutige, von Berlin über Templin, Prenzlau und dann nach Pommern ziehende Straße, war laut Rudolph in ihrer Lage und ihrem Verlauf so gut wie identisch mit dem damaligen Handels- und Verkehrsweg. Die Wichtigkeit der damaligen Straße wird insbesondere durch den Umstand klar, dass durch die Befestigungen von Löcknitz und Brüssow und des damals zur Uckermark gehörenden Ortes Bismark die „Hauptpaßstraße“ man nach Pommern hin und gegen Stettin besonders zu schützen und zu sichern suchte.[18] Schon im „Dezember des Jahres 1237, zwei Jahre nach Gründung der Stadt, wird diese Linie als Königsstraße, als via regia, bezeichnet“[19]. Mithin unterstand diese Straße unmittelbar der königlichen Gewalt und Gerichtsbarkeit und darüber hinaus unter dem ständigen Geleit des Landesherren.[20]

[...]


[1] Die Recesse und andere Akten der Hansetage von 1256 bis 1430. Band 1, Leipzig 1870, Nr. 427.

[2] Walther Stein: Die Hansestädte; in: Hansische Geschichtsblätter, Band 21, 1915, S. 121.

[3] Emil Schwartz: Geschichte der uckermärkischen Hauptstadt Prenzlau. Göttingen 1975, S. 274.

[4] Harry Methling: Schiffahrt auf der Ucker; in: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 1,

1950, S. 66.

[5] Waldemar Wiesner: Prenzlau im Spiegel der Dokumente der „Hanse“; in: Heimatkalender für den

Kreis Prenzlau, 19. Jg., 1976, S. 20.

[6] Ernst Daenell: Die Blütezeit der deutschen Hanse. Band 2, Berlin, New York 20013, S. 304.

[7] Philippe Dollinger: Die Hanse. Stuttgart 19985.

[8] Johannes Schildhauer/Konrad Fritze/Walter Stark: Die Hanse. Berlin 19825.

[9] Eckard Müller-Mertens: Untersuchungen zur Geschichte der brandenburgischen Städte im

Mittelalter; in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschaftlich-

sprachwissenschaftliche Reihe, Jg. VI, Nr. 1, 1956/57, S. 10.

[10] Eckard Müller-Mertens: Untersuchungen zur Geschichte der brandenburgischen Städte im

Mittelalter. Berlin 1955, S. 50.; ferner: Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg.

Teil VIII Uckermark, Weimar 1986, S. 777.

[11] Müller-Mertens: Geschichte der brandenburgischen Städte. S. 50ff..

[12] Ernst Dobbert: Geschichte der uckermärkischen Hauptstadt. Prenzlau 1914, S. 13.

[13] Adolf Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Berlin, Morin 1838-1869, A XXI,

S. 87f. Nr. 1.; ferner Dobbert: Geschichte der uckermärkischen Hauptstadt. S.13ff..

[14] Enders: Historisches Ortslexikon. S. 777.; Müller-Mertens: Geschichte der brandenburgischen

Städte. S. 52.

[15] Müller-Mertens: Geschichte der brandenburgischen Städte. S. 53.

[16] Schwartz: Von den alten Landstraßen der Uckermark; in: Heimatkalender für den Kreis Prenzlau, 7.

Jg. 1932, S. 130.

[17] Martin Rudolph: Die geographische Lage der Stadt Prenzlau und die Grundlagen ihres

mittelalterlichen Wirtschaftsleben; in: Mitteilungen des Uckermärkischen Museums- und

Geschichtsvereins zu Prenzlau, 7. Band, 4. Heft, 1925, S. 127.

[18] Ebenda, S. 127f..

[19] Ebenda, S. 128.

[20] Schwartz: Landstraßen der Uckermark, S. 133.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Prenzlau und die Hanse
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar: Brandenburgische Städte und ihre Beziehung zur Hanse im Mittelalter
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V7930
ISBN (eBook)
9783638150293
ISBN (Buch)
9783638640152
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Untersucht werden die Beziehungen die die Stadt Prenzlau zur Hanse gehabt hat, neben den aktuellen Forschungsstand, der Handelsvoraussetzungen Prenzlau steht vor dem Hintergrund der Hansebeziehungen Prenzlau auch die Frage, inwieweit die Stadt Prenzlau eingebunden war in das Netz der Hanse, ob eine Mitgliedschaft bestand. 163 KB
Schlagworte
Hanse, Beziehungen, Handel, Prenzlau, Mark Brandenburg, Uckermark, hansisch-städtischen Mitgliedschaft, Mitglied, Städtegemeinschaft, Walther Stein, Hansemitglieder, Hansetagen, Eckard Müller-Mertens, Johannes Schildhauer, Emil Schwartz, Philippe Dollinger, Konrad Fritze, Walter Stark, Stadt, Herzog Barnim I. von Pommern, Liselotte Enders, Verkehrs- und Handelswege, Landwege, Wasserwege, Ucker, märkische Städte, Mitgliedschaft, 14. Jahrhundert, hansische Stadt
Arbeit zitieren
Marc Castillon (Autor), 2002, Prenzlau und die Hanse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7930

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