Frauenstudium in Deutschland mit besonderem Bezug zur Justus-Liebig-Universität Gießen


Hausarbeit, 2007

16 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Einleitung

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Frauen heute an Universitäten studieren. Vor etwa 100 Jahren sah die Situation in Deutschland ganz anders aus. Hochschulen waren über Jahrhunderte hinweg ein Ort, zu dem Frauen der Zutritt nicht gewährt wurde. Mit der Frauenbewegung der 70er Jahre änderte sich das. Die anfängliche Minderheit der Frauen wurde zur Mehrheit.

Im folgenden Text habe ich versucht die neusten Studien und Erkenntnisse zu verwenden, insbesondere in dem Teil, in dem die heutige Situation der Frau an der Hochschule beschrieben wird. Wie der Titel schon sagt, liegt das Augenmerk des Texts auf der Justus-Liebig-Universität Gießen, um Arbeit von und für Frauen an einem konkreten Beispiel näher betrachten zu können.

1. Geschichte der Frauenbildung und des Frauenstudiums

Die Geschichte der Frauenbildung begann im Mittelalter, zog sich über das 18. Jahrhundert hinweg, in dem die Industrialisierung entscheidend Einfluss auf die Geschichte der Frau nahm und spitzte sich Ende des 18. Jahrhunderts zu, als die ersten öffentlichen Rufe nach dem Recht des Studierens erklangen. Die Durchsetzung der Rechte der Frau war ein mühsamer Prozess, der mit vielen langen Kämpfen einherging. Die Geschichte des Frauenstudiums in Deutschland beschreibt die langsame Integration der Frau in das Bildungssystem.

1.1 Mittelalter

Im frühen Mittelalter wurden Frauen ausschließlich in Klöstern unterrichtet. Dieses Privileg konnten allerdings nur die Töchter reicher und adliger Familien nutzen. Im 16. Jahrhundert dann gründeten sich Frauenorden wie die Ursulinen oder die Katharinerinnen. Diese Orden bauten Erziehungsanstalten für Mädchen, in denen sie Lesen, Schreiben, Handarbeiten und Fertigkeiten für den Haushalt lernten.[1]

1.2 18. Jahrhundert: Trennung von Öffentlichkeit und Privat

Im 18. Jahrhundert wurde, durch die Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft, das Familien- und Erwerbsleben getrennt. Es gab nun einen öffentlichen und ein privaten Bereich für die Menschen. Der Geschlechterdiskurs, der die Rechte und Pflichten beider Geschlechter definierte, sah die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau als von der Natur gegeben an. Die „natürliche Bestimmung“ übergab dem Mann den öffentlichen Bereich. Seine Aufgabe war es politische und gesellschaftliche Entscheidungen treffen. Er allein galt als eigentums- und berufsfähig. Die Frau hingegen bekam den privaten Bereich zugesprochen, innerhalb dessen sie für Haushalt und Kindererziehung zuständig war.[2]

1.3 19. Jahrhundert: Die bürgerliche Frauenbewegung

Im 19. Jahrhundert begann sich die bürgerliche Frauenbewegung für die wissenschaftliche Ausbildung von Lehrerinnen, die Errichtung von Mädchengymnasien und die Zulassung von Frauen zum Abitur und an Universitäten einzusetzen. Sie wandten sich an die Kultusministerien der deutschen Bundesstaaten, an die Länderparlamente und den Reichstag.[3] Die Ministerien und Parlamentarier diskutierten über die Studierfähigkeit der Frau; sie fürchteten die Zerstörung der weiblichen Eigenschaften durch das Studium, erinnerten die Frauen an ihre Aufgaben der Kindererziehung und das Führen des Haushaltes und sprachen ihnen die Kompetenz ab, ein Studium absolvieren zu können.[4]

„Das Frauenzimmer gehört ohne Zweifel nicht in die Hörsäle und Studierzimmer der Gelehrten, wenn es sich bilden will zu seiner Bestimmung, damit es seine Seele verschönere und das Vergnügen des männlichen Geschlechts sei, damit es die Würde der Bürgerinnen und Hausmütter und Ehegatten und Erzieherinnen erreiche, damit es alle die Talente ausbilde, die ihm die Natur gab und die Pflichten fordern, das schöne Geschlecht zu werden.“ Johann Gottfried von Herder

„Beweise“ für die Einstellung gegenüber Frauen dafür lieferten die Mediziner, die dem Anschein nach belegen konnten, dass die Frau, bedingt durch biologische Faktoren, zum „Richter- und Anwaltsberuf ungeeignet sei.“[5] Dadurch wurde der Kampf den Frauen erschwert und die Zulassung verzögert. Einige Frauen begannen deshalb im Ausland zu studieren.[6] Kleine Erfolge verzeichneten die Frauen erstmals 1892, als die preußischen Regierungsvertreter der Regierung empfahlen, Frauen zum Abitur, zum Medizinstudium und zum Maturitätsexamen zuzulassen.

1.4 20. Jahrhundert: Die neue Frauenbewegung

Die Kultusministerien und die Reichsregierung konnten dem Druck der Frauen nicht mehr länger standhalten und verfügten zwischen 1899 und 1909 die Zulassung der Frauen zum Studium.[7] So wurde eine Immatrikulation erstmals 1900 in Baden ermöglicht.[8] Fünf Frauen fingen damals an zu studieren. Als letztes deutsches Land erlaubte Preußen 1908 den Eintritt von Frauen in die Hochschulen.[9] An der Universität Gießen wurden erstmals im Jahr 1908 Frauen zum Studium zugelassen.[10]

Der Frauenanteil an den Hochschulen war anfangs noch sehr gering (2.4%), schnell aber stieg er an, so dass 1914 schon 6,2% Frauen an den Universitäten vertreten waren. Durch den 1. Weltkrieg und den damit verbundenen Rückgang männlicher Studenten stieg die Frauenquote nochmals an.[11] Die beiden ersten Professorinnen wurden 1923 berufen, blieben aber lange Zeit die einzigen in ihrer Profession.[12] Am Ende der Weimarer Republik waren 18,5% aller Studierenden Frauen. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Frauenanteil auf 10% begrenzt,[13] bedingt durch Rassismus, Politik und aus geschlechtsspezifischen Gründen.[14] Im 2. Weltkrieg stieg die Anzahl der Studentinnen wieder an, bedingt durch eine veränderte Politik. 1941 war ein Drittel aller an einer Hochschule Eingeschriebenen weiblich.[15]

1.5. Der Kampf der Frauen in die Hochschulpolitik

Mit der Studentenbewegung 1960 verstärkte sich die Forderung nach Gleichberechtigung. Der berühmte Tomatenwurf der Studentin Sigrid Damm-Rüger in Frankfurt auf die Männer des SDS war der Anfang für die neue Frauenbewegung. Die Studentinnen kämpften für Frauenseminare, bildeten Referate in den Studierendenausschüssen und errichteten eigene Forschungsinstitute. Die Berliner Sommeruniversitäten und feministische Kongresse waren eine der wichtigsten Ereignisse der Frauenbewegung. Die wichtigsten hochschulpolitischen Ziele war die Diskussion um die einseitig, auf Männer ausgerichtete Wissenschaft, die Begründung der Frauenforschung und die feministische Wissenschaftskritik.

Die erste frauenbezogene Einrichtung an einer deutschen Hochschule war die 1978 eingesetzte „Planungsgruppe für Frauenstudien und –forschung beim Präsidenten der Freien Universität Berlin“.

Neben der Diskussion über die Ausgestaltung der Frauenförderinstitute gab auch die Frauenförderung selbst Anlass zur Diskussion. Die Vereinbarkeit von Studium und Familie war ein Anliegen, das sichergestellt werden sollte. Die Hochschulen bekamen bald den Druck der Frauen durch die politischen Parteien, über den Staat und in die Hochschule hinein zu spüren.

Der Einzug der Frauen in die Hochschulpolitik zog sich dennoch noch in die Länge. Berlin gab sich 1978 geschlagen und stellte finanzielle Mittel zur Einrichtung eines Frauenforschungsinstituts zur Verfügung. Bayern hingegen finanzierte erstmals Mitte der 90er Jahre die Professur für die Frauenforschung.[16]

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenbildung

[2] Handbuch zur Frauenbildung, W. Gieseke (Hrsg.),2001 Leske+ Budrich, Opladen, S. 25/26

[3] Pionierinnen, Feministinnen, Karrierefrauen? Zur Geschichte des Frauenstudiums in Deutschland, A. Schlüter /Hrsg.), Pfaffenweiler 1992, S. 117

[4] Pionierinnen, Feministinnen, Karrierefrauen? Zur Geschichte des Frauenstudiums in Deutschland, A. Schlüter /Hrsg.), Pfaffenweiler 1992, S. 1

[5] Pionierinnen, Feministinnen, Karrierefrauen? Zur Geschichte des Frauenstudiums in Deutschland, A. Schlüter /Hrsg.), Pfaffenweiler 1992, S. 118

[6] Pionierinnen, Feministinnen, Karrierefrauen? Zur Geschichte des Frauenstudiums in Deutschland, A. Schlüter /Hrsg.), Pfaffenweiler 1992, S. 1

[7] Pionierinnen, Feministinnen, Karrierefrauen? Zur Geschichte des Frauenstudiums in Deutschland, A. Schlüter /Hrsg.), Pfaffenweiler 1992, S. 64

[8] Handbuch zur Frauenbildung, W. Gieseke (Hrsg.), 2001 Leske+ Budrich, Opladen S. 293

[9] Frauenförderung an Hochschulen, Neue Steuerungsinstrumente zur Gleichstellung, C.Färber, Frankfurt am

Main, 2000, S. 28

[10] http://www.med.uni-giessen.de/frauen/pdf/frauenvorlesung_34.pdf

[11] Handbuch zur Frauenbildung, W. Gieseke (Hrsg.), 2001 Leske+ Budrich, Opladen S. 293

[12] Frauenförderung an Hochschulen, Neue Steuerungsinstrumente zur Gleichstellung, C.Färber, Frankfurt am

Main, 2000, S. 28

[13] Handbuch zur Frauenbildung, W. Gieseke (Hrsg.), 2001 Leske+ Budrich, Opladen S. 293

[14] Frauenförderung an Hochschulen, Neue Steuerungsinstrumente zur Gleichstellung, C.Färber, Frankfurt am

Main, 2000, S. 28

[15] Handbuch zur Frauenbildung, W. Gieseke (Hrsg.), 2001 Leske+ Budrich, Opladen S. 293

[16] Frauenförderung an Hochschulen, Neue Steuerungsinstrumente zur Gleichstellung, C.Färber, Frankfurt am

Main, 2000, S. 32-37

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Frauenstudium in Deutschland mit besonderem Bezug zur Justus-Liebig-Universität Gießen
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Weiterbildung)
Veranstaltung
Geschlechterverhältnis in der Weiterbildung
Note
1,9
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V79303
ISBN (eBook)
9783638857260
ISBN (Buch)
9783638902793
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
4 Buchquellen - 14 Internetquellen
Schlagworte
Frauenstudium, Deutschland, Bezug, Justus-Liebig-Universität, Gießen, Geschlechterverhältnis, Weiterbildung, Gender
Arbeit zitieren
Jasmine Immerheiser (Autor), 2007, Frauenstudium in Deutschland mit besonderem Bezug zur Justus-Liebig-Universität Gießen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79303

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