Virtuelle soziale Netzwerke gewinnen seit einiger Zeit auch im deutschsprachigen Raum zunehmend an Bedeutung. Beispielsweise konnte studiVZ nach eigenen Angaben innerhalb von nur einem Jahr ca. eine Million Nutzer anlocken. Aus den Interaktionen der Nutzer entstehende Phänomene können mit medien-, kommunikations-, und sozialpsychologischen Theorien erklärt werden. Die vorliegende Hausarbeit gibt einen Überblick über die wichtigsten wissenschaftlichen Theorien, führt entsprechende empirische Nachweise und subsumiert virtuelle soziale Netzwerke unter diese.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
2.1. Virtuelle soziale Netzwerke
2.2. Computervermittelte Individualkommunikation (CVIK)
2.3. Medium
2.4. Gruppe
2.5. Virtuelle Gemeinschaft
3. Phänomene bei der CVIK
4. Theorien zur Medienwahl
4.1. Rationale Medienwahl
4.2. Normative Medienwahl
4.3. Interpersonale Medienwahl
4.4. Kritik
5. Theorien zu Medieneigenschaften und Kommunikationsverhalten
5.1. Kanalreduktion
5.2. Filtertheorien
6. Deindividuation
7. Anwendung auf virtuelle soziale Netzwerke
8. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Phänomene der computervermittelten Kommunikation (CVIK) im Kontext virtueller sozialer Netzwerke unter Rückgriff auf medienpsychologische und sozialwissenschaftliche Theorien, um die Anwendbarkeit dieser Modelle auf moderne Web-2.0-Plattformen zu evaluieren.
- Begriffsbestimmung der computervermittelten Individualkommunikation
- Theoretische Modelle zur Medienwahl (rational, normativ, interpersonal)
- Theorien zu Medieneigenschaften (Kanalreduktion und Filtertheorien)
- Analyse des Deindividuation-Modells (SIDE-Theorie)
- Anwendung und kritische Reflexion der Theorien auf soziale Netzwerke
Auszug aus dem Buch
4.1. Rationale Medienwahl
Bei der rationalen Medienwahl wird unter objektiven Gesichtspunkten ein Medium für die jeweilige Kommunikationssituation ausgewählt. Dabei bilden im Wesentlichen die drei, mit Theorien hinterlegten Faktoren „soziale Präsenz“, „mediale Reichhaltigkeit“ sowie „Backchannel-Feedback“ die Bewertungs- und Entscheidungsgrundlage (vgl. [Dö03] S. 132 f.).
Die soziale Präsenz bezieht sich nach Short et. al. auf den Grad der persönlichen, warmen, sensiblen und geselligen Kommunikation, die über ein Medium möglich ist (vgl. [ShWiCh76] S. 64 ff.). Es ist jedoch kein objektives Medienmerkmal, sondern ein subjektiver Eindruck, welcher bei der Kommunikation entsteht. Der Grad ist von den jeweiligen Kommunikationspartnern abhängig. Motiviert ist die Beurteilung der sozialen Präsenz jedoch auch durch die Anzahl der vorhandenen Kommunikationskanäle, was eine objektive Medieneigenschaft darstellt. So ist die asynchrone, textbasierte Kommunikation auf den Textkanal reduziert, was mit der Reduktion möglicher sozialer Präsenz einhergeht. Im Gegensatz dazu bietet beispielsweise die Kommunikation mithilfe einer Videokonferenz deutlich mehr Kanäle, wie z.B. den auditiven und nonverbalen Kanal, weshalb eine höhere soziale Präsenz angenommen werden kann.
Die mediale Reichhaltigkeit adressiert die Mehrdeutigkeiten, die währen der Kommunikation entstehen. Je besser ein Medium die Bearbeitung und den Umgang mit mehrdeutigen Informationen unterstützt, desto reichhaltiger ist es (vgl. [DaLe84], [DaLe86]). Reinen Informationsdefiziten kann mit medial armen Medien, bspw. einer Rundmail mit einer Benachrichtigung über eine Terminverschiebung, entgegen gewirkt werden. Geht es jedoch um komplizierte Kommunikationsinhalte, bei denen nicht klar ist welche Inhalte relevant und wie diese zu bewerten sind, ist ein medial reichhaltiges Medium notwendig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema soziale Netzwerke und Zielsetzung der wissenschaftlichen Betrachtung mittels kommunikationswissenschaftlicher Theorien.
2. Begriffsbestimmung: Definition zentraler Begriffe wie virtuelle soziale Netzwerke, CVIK, Medium, Gruppe und virtuelle Gemeinschaft.
3. Phänomene bei der CVIK: Beschreibung von Kommunikationsphänomenen wie Zeitaufwand, Flaming und Akzeptanzproblemen.
4. Theorien zur Medienwahl: Analyse der rationalen, normativen und interpersonalen Medienwahl sowie kritische Einordnung der Modelle.
5. Theorien zu Medieneigenschaften und Kommunikationsverhalten: Untersuchung der Kanalreduktionstheorie und der Filtertheorien im Hinblick auf die CVIK.
6. Deindividuation: Darstellung des SIDE-Modells zur Erklärung der Gruppenpolarisation und Konformität in anonymen digitalen Umgebungen.
7. Anwendung auf virtuelle soziale Netzwerke: Synthese und Anwendung der theoretischen Modelle auf die spezifischen Strukturen und Funktionen sozialer Netzwerke.
8. Zusammenfassung: Fazit zur weitgehenden Anwendbarkeit der Theorien auf soziale Netzwerke bei gleichzeitiger Identifikation von Grenzen.
Schlüsselwörter
Computervermittelte Kommunikation, CVIK, soziale Netzwerke, Medienwahl, soziale Präsenz, mediale Reichhaltigkeit, Kanalreduktion, Filtertheorien, Deindividuation, SIDE-Modell, Gruppenpolarisation, virtuelle Gemeinschaft, Web 2.0, Medienkompetenz, Kommunikationstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einordnung und Analyse von Phänomenen innerhalb der computervermittelten Kommunikation (CVIK) in modernen virtuellen sozialen Netzwerken.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Medienwahlprozesse, die Auswirkungen von Medieneigenschaften auf das Kommunikationsverhalten und sozialpsychologische Gruppenphänomene wie die Deindividuation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, klassische medien- und sozialpsychologische Theorien auf die spezifischen Bedingungen virtueller sozialer Netzwerke anzuwenden und deren Erklärungskraft zu prüfen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die eine fundierte Literaturanalyse bekannter Theorien zur Medienwahl und Kommunikation mit der Analyse aktueller Phänomene in Netzwerken verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Medienwahl, Kanalreduktion, Filtertheorien) und die darauf aufbauende SIDE-Theorie, gefolgt von einer praktischen Anwendung dieser Konzepte auf Plattformen wie studiVZ oder XING.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie CVIK, Medienreichhaltigkeit, SIDE-Modell und soziale Netzwerke geprägt.
Wie unterscheidet sich die interpersonale von der rationalen Medienwahl?
Während die rationale Medienwahl objektive Kriterien wie Effizienz und Medieneigenschaften betont, fokussiert die interpersonale Medienwahl auf die spezifische Beziehung und Abstimmung zwischen den beteiligten Kommunikationspartnern.
Welche Rolle spielt die Anonymität in sozialen Netzwerken laut dieser Arbeit?
Obwohl soziale Netzwerke oft durch einen Mangel an Anonymität gekennzeichnet sind (durch Klarnamen und Fotos), zeigt die Arbeit auf, dass dies enthemmte Verhaltensweisen wie Flaming oder "Massengruscheln" nicht vollständig unterbindet.
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- Arthur Kaiser (Author), 2007, Computervermittelte Kommunikation im Kontext virtueller sozialer Netze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79307