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Was darf Kunst? Über die (feministische) Rezeption pornographischer Inhalte in der Literatur am Beispiel der „Geschichte der O“

Title: Was darf Kunst? Über die (feministische) Rezeption pornographischer Inhalte in der Literatur am Beispiel der „Geschichte der O“

Diploma Thesis , 2007 , 122 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Mag. phil Simone Krainer (Author)

German Studies - Modern German Literature
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In der vorliegenden Arbeit möchte ich darauf eingehen, welche verschiedenen Positionen es besonders innerhalb der feministischen Bewegung zu den Fragen "Was ist Kunst?" und "Was darf Kunst?" im Bezug auf Erotisches und Pornografisches gibt. Nach einem kurzen Blick auf Pornografie im Allgemeinen werde ich mich im Weiteren lediglich mit der Pornografie in Form von Texten – also pornografischen Romanen und Kurzgeschichten befassen. Hier möchte ich zum einen zeigen, wie der pornografische Text im literaturwissenschaftlichen Zusammenhang behandelt wird und welche Schwierigkeiten der pornografische Text haben kann, wenn er Literatur sein möchte; Schwierigkeiten, die bei Texten mit anderem Inhalt vielleicht nicht auftauchen. Und schließlich soll dann der Fokus darauf gelegt werden, herauszuarbeiten, welche Aspekte des pornografischen Textes von Feminismus und Literaturwissenschaft als besonders verachtenswert oder zumindest als problematisch empfunden werden und wie diese sich in verschiedenen Werken zeigen.

Nachdem sich dieser erste Teil der Arbeit eher mit allgemeinen und theoretischen Aspekten befasst, sollen diese theoretischen Erkenntnisse im zweiten Teil konkret an einem einzigen Werk, nämlich der "Geschichte der O" (einem Buch, das zweifellos als skandalös empfunden wurde und noch immer wird und bei dessen Lektüre sich durchaus immer wieder die Frage "Darf man das?" aufdrängen kann) erörtert und untersucht werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Pornografie als kulturwissenschaftlicher Randbereich

2.1. Was ist Pornografie?

2.1.1. Rechtslage in Deutschland und Österreich

2.1.2. Zur Geschichte der Pornografie

2.1.3. Der Begriff „Pornografie“

2.2. Pornografie & die Frauenbewegung

2.2.1. PorNO Feminismus

2.2.2. Diskussion der Gesetzeslage innerhalb feministischer Kreise

2.2.3. Feministinnen verteidigen Pornografie

2.2.4. Exkurs: Beispiele für eine manipulative/subjektive Berichterstattung im Bezug auf Pornografie in der EMMA

2.3. Pornografie als Teilbereich der Kunst/Literatur?

2.3.1. Pornografie als Phantasie/Inszenierung

2.3.2. Die Darstellungsweise als Richtschnur

2.3.3. Das Verhältnis von Künstler/in und Kunstwerk

2.3.4. Kunst, Pornografie & Frauen

2.4. Kritische Aspekte in der Pornografie

2.4.1. Zweckorientierung

2.4.2. Beschränkung des Geschehens auf den Sexualakt

2.4.3. Reproduktion von Klischees und Stereotypen

2.4.4. Die Frau als Objekt

2.4.5. Gewaltverherrlichung (speziell Gewalt gegen Frauen betreffend)

2.4.6. Exkurs: Hagiografie als Ursprung des SM-Pornos?

3. Die „Geschichte der O“ als Beispiel für „Porno-Literatur“

3.1. Grundzüge der Handlung und allgemeine Analyse

3.1.1. Die Liebenden von Roissy

3.1.2. Sir Stephen

3.1.3. Annemarie und die Ringe

3.1.4. Das Käuzchen

3.1.5. Nachfolgeband: Rückkehr nach Roissy

3.2. Analyse unter den Gesichtspunkten der problematischen Aspekte in der Pornografie

3.2.1. Zweckorientierung und Beschränkung des Geschehens auf den Sexualakt in der „Geschichte der O“

3.2.2. Reproduktion von Klischees und Stereotypen in der „Geschichte der O“

3.2.3. Die Frau als Objekt in der „Geschichte der O“

3.2.4. Gewaltverherrlichung in der „Geschichte der O“

3.2.5. Exkurs: Das Heilige in der „Geschichte der O“

3.3. Hintergründe und Reaktionen

3.3.1. Zweifel an der weiblichen Autorenschaft

3.3.2. Über das Verhältnis von weiblicher Autorenschaft und männlich dominierten Vorstellungen

3.3.3. Unmittelbare Reaktionen

3.3.4. Längerfristige Reaktionen

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Pornografie, Literatur und Feminismus, mit dem primären Ziel, zu ergründen, wie pornografische Texte kulturwissenschaftlich sowie feministisch bewertet werden und welche Rolle dabei die Inszenierung von Gewalt und Unterdrückung spielt. Dabei wird analysiert, ob und inwieweit pornografische Literatur als künstlerisch wertvoll eingestuft werden kann oder ob sie lediglich zur Reproduktion patriarchaler Strukturen dient.

  • Feministische Debatten und Gesetzesinitiativen gegen Pornografie
  • Die Abgrenzung zwischen Erotik, Pornografie und Literatur
  • Darstellungsweisen von Geschlechterrollen und Objekthaftigkeit in der Pornografie
  • Kritische Analyse von Gewaltverherrlichung und deren Rezeption
  • Fallstudie: "Geschichte der O" als komplexes literarisches Beispiel für sadomasochistische Pornografie

Auszug aus dem Buch

2.4.1. Zweckorientierung

„Pornographie ist das arme Waisenkind unter den Künsten. Ihre Zweckhaftigkeit läßt sie fragwürdig, mehr als Kunstgewerbe denn als reine Kunst erscheinen, so daß selbst diejenigen, die sie schaffen, sie kaum ernst nehmen.“80

Gerade im Zusammenhang mit Literatur wird an der Pornografie kritisiert, dass die rigorose Beschränkung der Pornografie auf ein einziges Ziel hin – nämlich die sexuelle Erregung der Leserin/des Lesers zu wecken – im Gegensatz stehe zur sehr komplexen und vielfältigen Funktion die Literatur normalerweise haben sollte. Die meisten pornografischen Romane geben diesen Umstand aber an sich nicht zu. Fanny Hill versucht sich beispielsweise dahinter zu verstecken, dass all die schlüpfrigen Begebenheiten, die geschildert werden, nur deshalb mit dieser Detailliebe ausformuliert werden müssen, um die geneigte Leserschaft zu läutern und vor der Untugend zu warnen. De Sade dagegen bekennt sich in den „120 Tagen von Sodom“ eindeutig zu dieser Zweckorientierung: „Ohne Zweifel … werden dir viele Abirrungen, die du beschreiben finden wirst, mißfallen – das weiß ich; es werden sich jedoch welche finden, die dich so erhitzen, daß sie dich Samen kosten; und das ist alles, was wir beabsichtigen.“81 – dabei kann man getrost davon ausgehen, dass gerade de Sade zu den Autoren gehört, die diesen erwünschten Effekt vermutlich nur bei einem sehr kleinen Publikum erreichen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, was Kunst darf, und stellt die Forschungsfragen bezüglich Pornografie und Literatur.

2. Pornografie als kulturwissenschaftlicher Randbereich: Dieses Kapitel definiert Pornografie, beleuchtet die Geschichte sowie die Kontroverse innerhalb der Frauenbewegung und diskutiert kritische Aspekte.

3. Die „Geschichte der O“ als Beispiel für „Porno-Literatur“: Dieser Hauptteil analysiert den Roman konkret anhand der zuvor erarbeiteten theoretischen Kriterien und beleuchtet Hintergründe sowie Reaktionen.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über das Scheitern des Gedankenexperiments im Roman sowie die Unmöglichkeit, Pornografie generell als destruktiv abzuwerten.

Schlüsselwörter

Pornografie, Literatur, Feminismus, "Geschichte der O", Sadomasochismus, Kunstfreiheit, Geschlechterverhältnis, Gewaltverherrlichung, Inszenierung, Frauenbewegung, Rezeption, Kulturwissenschaft, Sexualität, Unterdrückung, Machtstrukturen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Pornografie als literarisches und kulturelles Phänomen, wobei ein besonderer Fokus auf die feministische Kritik und die Frage der Kunstfreiheit liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Definition von Pornografie, ihre Abgrenzung zur Erotik und Kunst, die Geschichte der feministischen Anti-Porno-Kampagnen sowie die kritische Analyse von Gewaltmotiven.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Aspekte der Pornografie-Debatte anhand des Romans „Geschichte der O“ konkret zu erörtern und zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Untersuchung, die auf der Analyse von Fachliteratur sowie der interpretativen Auseinandersetzung mit dem Primärtext basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der „Geschichte der O“ hinsichtlich der Themen Objektwerdung, Gewalt, Machtverhältnisse und deren Wahrnehmung durch Literaturkritik und Subkultur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlüsselwörter umfassen Pornografie, Feminismus, Sadomasochismus, Machtstrukturen, "Geschichte der O" und Literaturkritik.

Warum wird die „Geschichte der O“ als Beispiel gewählt?

Sie bietet eine besondere Komplexität, da sie sowohl explizite sadomasochistische Inhalte aufweist als auch einen hohen literarischen Anspruch besitzt, was eine differenzierte Auseinandersetzung ermöglicht.

Wie bewertet die Autorin die Gewaltverherrlichung in der „Geschichte der O“?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Gewaltdarstellung in diesem Werk hochgradig ästhetisiert ist und eher als Mittel zur Unterwerfung fungiert, wobei sie die absolute Unzerstörbarkeit der Protagonistin kritisch als unrealistische Fiktion entlarvt.

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Details

Title
Was darf Kunst? Über die (feministische) Rezeption pornographischer Inhalte in der Literatur am Beispiel der „Geschichte der O“
College
Klagenfurt University  (Institut für Germanistik)
Grade
1,0
Author
Mag. phil Simone Krainer (Author)
Publication Year
2007
Pages
122
Catalog Number
V79315
ISBN (eBook)
9783638799812
ISBN (Book)
9783638803724
Language
German
Tags
Kunst Rezeption Inhalte Literatur Beispiel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mag. phil Simone Krainer (Author), 2007, Was darf Kunst? Über die (feministische) Rezeption pornographischer Inhalte in der Literatur am Beispiel der „Geschichte der O“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79315
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