Mobbing im Unternehmen

Eine Analyse aus der Sicht der Opfer


Seminararbeit, 2006

27 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Krieg am Arbeitsplatz ist keine Modeerscheinung

2 Definition des Begriffs Mobbing

3 Mobbing - Forschung

4 Ursachen von Mobbing
4.1 Konflikte
4.2 Eigenschaften des Opfers
4.3 Hierarchie und Führungsverhalten im Unternehmen
4.4 Wirtschaftliche Lage

5 Ablauf von Mobbing nach Leymann

6 Folgen für das Mobbingopfer
6.1 Gesundheitliche Folgen
6.2 Auswirkungen auf das Privatleben
6.3 Auswirkungen auf die Arbeitsleistung

7 Maßnahmen des Opfers gegen Mobbing

8 Gesamtbewertung und Handlungsempfehlungen

9 Anhang
9.1 Die 45 Mobbinghandlungen nach Leymann
9.2 Betriebsvereinbarung von VW

10 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Phasenmodell nach Leymann

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Mobbinghandlungen gestaffelt nach Häufigkeit des Auftretens

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mobbing im Unternehmen

Eine Analyse aus der Sicht der Opfer

1 Krieg am Arbeitsplatz ist keine Modeerscheinung

Mobbing findet in vielen Bereichen des Lebens statt. Meistens jedoch in Zwangsgemeinschaften, wie z.B. Schulen, Unternehmen oder der Bundeswehr, denn die Mitgliedschaft und die anderen Mitglieder sind hier nicht frei gewählt. Diese Gemeinschaften bestehen aus vielen Menschen verschiedener Charaktere, die alle ihre eigenen Meinungen, Vorstellungen, Ziele und Probleme haben. Durch ständige Kommunikation entsteht ein hohes Potential für Konflikte. Werden diese Konflikte nicht geklärt, können sie zu einer tickenden Zeitbombe werden und irgendwann in Mobbing eskalieren.

Mobbing am Arbeitsplatz zeichnet sich durch eine systematisch betriebene Boshaftigkeit, wie z. B. persönliche Angriffe, Intrigen und Schikanen durch Vorgesetzte oder Kollegen aus, meist mit dem Ziel das Opfer zur freiwilligen Aufgabe des Arbeitsplatzes zu bewegen. Mobbing ist keine Mode, die kommt und geht. Mobbing existiert schon seit Jahrhunderten, hat aber in den letzten Jahren einen immer größeren Stellenwert eingenommen. Die heutige Arbeitswelt im 21. Jahrhundert befindet sich im Wandel und wird immer mehr zu einer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft. Die Globalisierung und der rasante technologische Fortschritt führen zu einem starken Wettbewerbsdruck. Das Entstehen moderner Beschäftigungsverhältnisse (wie z.B. Zeitarbeit, Telearbeit, befristete Arbeitsverhältnisse, geringfügige Beschäftigung), die Verschärfung von Leistungsdruck sowie die schlechte Arbeitsmarktsituation können zu Leistungsblockaden, einem schlechten Betriebsklima und letztlich zu Mobbing führen.

Es stellt sich die Frage, ob Mobbing in Deutschland überhaupt möglich ist? In einem Land, in dem die Menschenwürde im Grundgesetz verankert ist und unzählige Gesetze, Arbeitsgerichte, Gewerkschaften und Betriebsräte existieren. Die Antwort muss leider bejaht werden. Im Jahr 2001 wurden in Deutschland 2,7% der Erwerbstätigen gemobbt; dies entspricht einer Zahl von 1,053 Mio. Menschen. Jeder neunte Erwerbstätige wurde in Deutschland schon mindestens einmal im Verlauf seiner gesamten Erwerbstätigkeit gemobbt (vgl. Meschkutat/Stackelbeck/Langenhoff 2005, S. 24).

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) schätzt den mobbingbedingten volkswirtschaftlichen Schaden auf jährlich 25 Milliarden € (vgl. Hirigoyen 2004, S. 371). Mobbing hat schwere negative Folgen für die Gesellschaft, die Unternehmen und besonders für die Mobbingopfer.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist, Mobbing als ein ernstzunehmendes Problem der Arbeitswelt zu verdeutlichen und insbesondere die Situation der Mobbingopfer zu veranschaulichen. Die in dieser Hausarbeit verwendeten Zahlen, entstammen aus „Der Mobbing-Report“, der aktuellen Repräsentativstudie für die Bundesrepublik Deutschland und bekräftigen die Aktualität dieser Arbeit.

Zu Beginn wird der Begriff Mobbing definiert und die aktuellen Forschungsergebnisse vorgestellt. Durch die Analyse der Hauptursachen, der Vorstellung des theoretischen Mobbingverlaufs nach Leymann sowie der sich daraus ergebenden Folgen für das Mobbingopfer soll das Phänomen Mobbing erklärt werden. Danach werden mögliche Gegenmaßnahmen, die das Opfer treffen kann, aufgezeigt und mit einer kritischen Gesamtbewertung die Arbeit abgeschlossen.

2 Definition des Begriffs Mobbing

Viele Menschen benutzen den Begriff „Mobbing“ ohne wirklich genau zu wissen, was er bedeutet. Die Folge ist, dass das Wort schon bei einem kleinen Streit oder kurzweiligen Gerüchten gebraucht wird. Dies führt zu einer Verwässerung des Begriffs. Im Folgenden werden die geläufigsten Mobbingdefinitionen vorgestellt.

Erst im Jahre 1996 wurde das Wort in den Duden aufgenommen:

„Mob, der; -s (engl.) (Pöbel, randalierender Haufen); mob|ben (Arbeitskolleg[inn]en ständig schikanieren [mit der Absicht, sie von ihrem Arbeitsplatz zu vertreiben]);Mob|bing, das; -s“ (Duden 2001, S. 659).

In der wissenschaftlichen Literatur hat der Mobbingbegriff unzählige Definitionen. Die allgemeine Definition lautet wie folgt:

„Der Begriff Mobbing beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen“ (Leymann 2000, S. 21).

Eine weitgehende Präzisierung bezogen auf die Häufigkeit von Mobbingattacken, lautet:

„Mobbing ist dann gegeben, wenn eine oder mehrere von 45 genau beschriebenen Handlungen über ein halbes Jahr oder länger mindestens einmal pro Woche vorkommen“ (Leymann 2000, S. 22).

Die 45 Mobbing-Handlungen wurden von Leymann aufgestellt und können im Anhang dieser Arbeit nachgelesen werden.

Die Gesellschaft für psychosozialen Stress und Mobbing e.V. (GpsM) erarbeitete mit Heinz Leymann folgende offizielle Definition, die sich speziell auf Mobbing am Arbeitsplatz richtet:

“Mobbing ist

- eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen,
- bei der die angegriffene Person unterlegen ist und
- von einer oder mehreren anderen Personen systematisch und während längerer Zeit direkt oder indirekt angegriffen wird
- mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes und
- die angegriffene Person dies als Diskriminierung erlebt” (DGB, 13.01.2006, http://www.dgb.de/themen/mobbing/was_ist_mobbing.htm).

Wenn z.B. qualifizierte Ingenieure dazu abkommandiert werden, Akten im Archiv einzusortieren, dann hat diese Handlung zwar das Ziel zu verletzen. Mobbing ist es jedoch nur dann, wenn solche beleidigenden Handlungen systematisch ausgeübt werden, denn eine einmalige “Strafaktion” ist noch kein Mobbing.

3 Mobbing - Forschung

Prof. Leymann führte Anfang der achtziger Jahre ein umfangreiches Forschungsprojekt in Schweden durch und ist der Vorreiter in der Erforschung von Mobbing gewesen. Die meisten großen Untersuchungen stammen bisher aus dem skandinavischen Raum. In Deutschland wurde der Begriff zum ersten Mal 1990 in der Öffentlichkeit erläutert (vgl. Kraus/Kraus 2000, S. 7). Seit Leymanns Buchveröffentlichung 1993 findet Mobbing auch in Deutschland großen Anklang in der Öffentlichkeit und der Wissenschaft, trotzdem wurden bis 2001 nur kleine Untersuchungen durchgeführt. Der Mobbing Report, ein Forschungsprojekt der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin im Jahre 2001, ist die erste repräsentative bundesweit angelegte Untersuchung in Deutschland.

Schild/Herren (2003, S. 181) stellen fest, dass sich Mobbing in einem jungen Forschungsbereich befindet und dadurch gekennzeichnet ist, „dass ein umfassendes, theoretisch fundiertes und empirisch evaluiertes Konzept zur Erklärung des Mobbinggeschehens und seiner Ursachen und Folgen derzeit noch aussteht“.

4 Ursachen von Mobbing

Die Ursachen für Mobbing sind sehr vielfältig und treten meist in Kombination miteinander auf. Viele Untersuchungen belegen, dass es keinen mobbingfreien Bereich gibt und jedes Unternehmen betroffen sein könnte (vgl. Meschkutat/Stackelbeck/Langenhoff 2005, S. 128). Die Hauptursachen von Mobbing sind ungelöste Konflikte, schlechte Arbeitsorganisation und autoritärer Führungsstil.

4.1 Konflikte

Am Anfang eines Mobbingprozesses steht ein unbearbeiteter Konflikt und bildet somit den Auslöser für den anschließenden Psychoterror (vgl. Leymann 2000, S. 59). Mobbing ist demnach eine Folge von misslungenen Konfliktlösungsversuchen (Brinkmann 2002, S. 62). Konflikte können in der Arbeitswelt nicht vermieden werden, dies ist aber auch nicht wünschenswert, weil sie durchaus positive Auswirkungen für das Unternehmen haben können. Sie führen zu Diskussionen und geben den Anstoß für vorteilhafte Innovationen für das Unternehmen. Werden Konflikte nicht geklärt und wuchern weiter, besteht die Gefahr, dass aus diesem Zustand Mobbing entsteht.

Die Wurzeln für zwischenmenschliche Konflikte liegen oft in unterschiedlichen Interessen und Wertvorstellungen der Mitarbeiter, wobei Neid und Missgunst die stärksten Motive darstellen (vgl. Kraus/Kraus 2000, S. 16f.). In der Literatur werden unzählige Definitionen sowie Arten von Konflikten aufgezeigt (vgl. Grünwald/Hille 2003, S. 21). „Konflikte entwickeln sich, wenn die Kommunikation gestört ist“ (Grünwald/Hille 2003, S. 19). Deshalb sollte jede Führungskraft über genügend soziale Kompetenz verfügen um Konflikte schnell klären zu können, denn „Mobbing ist eine Zeitbombe, die nicht explodieren darf, sondern frühzeitig entschärft werden muss, damit sie keinen Schaden anrichten kann“ (Kratz 2003, S. 20).

4.2 Eigenschaften des Opfers

Besondere Merkmale einer Person können den Mobbing-Prozess auslösen. Das heißt aber keineswegs, dass der Mobbingbetroffene "selbst schuld" ist. Viele Forscher sind sich heute einig, dass jeder ein Mobbingopfer werden kann und das typische Mobbingopfer gar nicht existiert (vgl. Kratz 2003, S. 17; Goldfuß 2002, S. 11). Eine Person kann in einer bestimmten Gruppe aufgrund ihrer Persönlichkeit, ihres Geschlechts, Hautfarbe, kulturellen oder nationalen Identität zum Mobbingopfer werden. Die gleiche Person kann in einer anderen Gruppe akzeptiert und sehr beliebt sein.

Ein erhöhtes Risiko zum Mobbingopfer zu werden liegt bei Frauen, behinderten, neuen, jungen oder ausländischen Mitarbeitern sowie Außenseitern, Aufsteigern und Kritikäußerer (vgl. Goldfuß 2002, S. 12).

Gemäß Mobbing Report haben Frauen ein 75 % höheres Mobbingrisiko. Besonders hoch ist die Betroffenheitsquote bei unter 25jährigen und Auszubildenden; diese beträgt 3,7% bzw. 4,4% (vgl. Meschkutat/Stackelbeck/Langenhoff 2005, S. 128). Beschäftigte in sozialen Berufen und der Verkaufspersonal unterliegen ebenfalls einem besonders hohen Risiko (vgl. Meschkutat/Stackelbeck/Langenhoff 2005, S. 30).

4.3 Hierarchie und Führungsverhalten im Unternehmen

Konflikte im Unternehmen entstehen nicht nur aufgrund individueller Probleme; sie werden oft durch strukturelle Mängel in der Arbeitsorganisation und dem Führungsverhalten verursacht.

Typische Mängel in der Arbeitsorganisation, die als Auslöser für Mobbing wirken können, sind z.B.

- unterbesetzte Stellen,
- hoher Zeitdruck,
- starre Hierarchie mit unsinnigen Anweisungen,
- fehlende geistige Beanspruchung oder
- unklare bzw. hohe Verantwortung bei geringem Handlungsspielraum.

Die Mängel in der Arbeitsorganisation sowie der Aufgabengestaltung führen zu einer Über- oder Unterforderung der Mitarbeiter. Dies ist eine gute Basis für Konflikte oder Langeweile und ein Nährboden für Mobbing (vgl. Leymann 2000, S. 136).

Ein Fehlverhalten der Vorgesetzten ist dann gegeben, wenn der Vorgesetzte die Mobbingentwicklungen ignoriert oder fördert. Der autoritäre Führungsstil begünstigt zusätzlich die Entstehung von Mobbing, da die Mitarbeiter als Untergebene unter hohem Druck arbeiten müssen (vgl. Goldfuß 2002, S. 33). Um Mobbing keine Chance zu geben, sollte ein kooperativer Führungsstil mit einer hohen sozialen Kompetenz des Vorgesetzten gewählt werden, bei dem Offenheit und Mitsprache Konflikte nicht ausufern lassen. Denn Mobbing ist nur dort möglich, wo es auch zugelassen wird.

4.4 Wirtschaftliche Lage

Die derzeitige wirtschaftliche Lage ist in Deutschland von hoher Arbeitslosigkeit und einem ausbleibenden Wirtschaftsaufschwung geprägt. Dies setzt Arbeitnehmer und Unternehmen unter Druck. Die Globalisierung führt zu einem starken Wettbewerbsdruck und verursacht Zeitdruck, Leistungsverdichtungen und Personaleinsparungen. Diese Faktoren können Erschöpfung und Überforderung hervorrufen, die wiederum einen Nährboden für Konflikte und somit auch für Mobbing darstellen.

In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit können die Unternehmen die Arbeitskräfte schnell ersetzten. Die umfangreichen Kündigungsschutzgesetze behindern aber die schnelle Freisetzung einiger Arbeitnehmer wie z.B. Schwangere, Schwerbehinderte oder Betriebsratsmitglieder. Diese Personengruppen können somit schnell zu Mobbingopfern werden (vgl. Hirigoyen 2004, S. 240). Denn aus der Sicht einiger Unternehmen ist es billiger einen unliebsamen Mitarbeiter weg zu mobben, als den gesetzlich vorgeschriebenen Weg zu gehen (vgl. Grünwald/Hille 2003, S. 49).

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Mobbing im Unternehmen
Untertitel
Eine Analyse aus der Sicht der Opfer
Hochschule
Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg
Veranstaltung
Kommunikation und Führung (Schwerpunktfach Personalmanagement)
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
27
Katalognummer
V79336
ISBN (eBook)
9783638867535
ISBN (Buch)
9783638867665
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mobbing, Unternehmen, Kommunikation, Führung, Personalmanagement)
Arbeit zitieren
Maria Kasemir (Autor), 2006, Mobbing im Unternehmen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79336

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Mobbing im Unternehmen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden