Alternativer Kleinwohnungsbau im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Gronauer Waldsiedlung in Bergisch Gladbach


Magisterarbeit, 2006
131 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Zieltzung der Unterchung
1.2. Methodik der Arbeit
1.3. Aufbau der Arbeit

2. Die Wohntuation der Arbeiter im auehenden 19. Jahrhundert
2.1. Die tuation der Arbeiter und die ziale Frage
2.2. Die adtentwicklung im 19. Jahrhundert
2.3. Modelle deArbeiterwohnbau
2.3.1. Die Entehung de„wilhelminihen Wohngürtel in Berlin
2.3.2. Der Bau von Werkohnedlungen im Ruhrgebiet
2.4. Alternativen zum klaihen Arbeiterwohnbau
2.4.1. DaModell der Gartenadt
2.4.2. Die Gartenadtbewegung in Deuthland

3. Die Entwicklung der adt Bergih Gladbach
3.1. Die Entwicklung Bergih Gladbachvor 1856
3.2. Die Verleihung der adtrechte im Jahre 1856
3.2.1. Die rukturelle Entwicklung Bergih Gladbach
3.2.2. Die Herauildung deadtzentrumin Bergih Gladbach
3.2.3. Neue edlungeographihe Problemellungen
3.3. Die Papierfabrikantenfamilie Zander
3.4. Dakommunale Engagement Bergih Gladbacher Fabrikanten
3.5. Die Bauzonenordung in Bergih Gladbach
3.5.1. Die dreiufige Bauzonenordnung nach Richard Zander
3.5.2. Die modifizierte Bauzonenordnung deRegierungrädium
3.6. Die Förderung deKleinwohnungauin Bergih Gladbach
3.6.1. Darlehen der Landeercherungnalt Rheinprovinz
3.6.2. Die Wohnbauförderung der Firma J.W. Zander

4. Die Entehung der „Gartenedlung Gronauer Wald“
4.1. Die Idee der „Gartenedlung Gronauer Wald“
4.2. Konzeption der Einfamilienhauiedlung Gronauer Wald
4.3. Die Planungha der edlung
4.4. Die Verkaufedingungen für die Grundücke im Gronauer Wald
4.5. Die Planung der Wohnhäur
4.5.1. Die Architekten der Wohnhäur im „Gronauer Wald“
4.5.1.1. Architekt Ludwig Bopp
4.5.1.2. Architekt Oar Lindemann
4.5.1.3. Architekt Peter Will
4.6. Die ere Baupha im Gronauer Wald 1898 - 1906
4.7. DaJahr 1906: Die Zär in der Entwicklung der Wohnedlung
4.8. Die Gründung der „Gemeinnützigen Gartenedlungellhaft
4.8.1. Die ruktur der Gemeinnützigen Gartenedlungellhaft
4.8.2. Die „Gemeinnützige Anedlergenoenhaft Gronauer Wald“
4.9. Die Bautätigkeit im „Gronauer Wald“ nach der Neuorganition
4.10. Die „dritte Baupha“ nach dem Zweiten Weltkrieg
4.11. Allgemeine Renanz auf die „Gartenedlung Gronauer Wald“

5. Die Grund- und Aufrigealtung in der Gronauer Waldedlung
5.1. Die Bauphan in der Gronauer Waldedlung
5.2. Die ruktur der raßen und Wege
5.3. Der Zuand der Gebäude in der Gronauer Waldedlung

6. hutz und Erhaltung in der Gronauer Waldedlung
6.1. Die getzlichen Rahmenbedingungen deDenkmalhutze
6.1.1. Definition Denkmal
6.1.2. Definition Denkmalbereich
6.1.3. Der hutz von Orten und edlungen
6.2. hutz und Erhaltung der Wohngebäude im Gronauer Wald

7. tzung zur Erhaltung dehiorihen Erheinungilde

8. Vorhlag für einen Rundgang durch die Gronauerwaldedlung

9. Die Gartenedlung „Gronauer Wald“: Zummenfaung und Aulick

10. Anhang i

11. Literatur- und Quellenverzeichni xi

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: „Villa Klingner“, Richard-Zanderraße

Abb. 2: Türurz in der „Villa Klingner“

Abb. 3: Hauibliothek in der „Villa Klingner“

Abb. 4: Arbeiterwohnhau Talweg

Abb. 5: Reihenhaunmble „An der Eiche 1-7“

Abb. 6: „Unterlerbacher Hof“, Gronauer Waldweg

Abb. 7: „Villa Bopp“, Talweg 3

Abb. 8: Mehrfamilienwohnhäur, Talweg 5, 5a,

Abb. 9: Reihenhäur auder zweiten Baupha, Am Wäldchen

Abb. 10: Modernierteund erweiterteArbeiterwohnhau Talweg

Abb. 11: Arbeiterwohnhaumit erneuertem Dachaufbau, Talweg

Abb. 12: Arbeiterwohnhaumit Erweiterung, Gronauer Waldweg

Abb. 13: unnierte Doppelhauälfte, Kiefernweg 9

Abb. 14: benachbarte, nierte Doppelhauälfte, Kiefernweg

Abb. 15: Hiorihe Aufnahme „An der Eiche“

Abb. 16: Hiorihe Aufnahme „Gärten am Gronauer Waldweg“

Abb. 17: Hiorihe Aufnahme „Gronauer Waldweg“

Abb. 18: Hiorihe Aufnahme „Häurgruppe im Gronauer Wald“

Abb. 19: Hiorihe Aufnahme „Grüner Weg“

Abb. 20: Hiorihe Aufnahme „Villa Bopp“, Talweg

Abb. 21: izze und Bauplan deReihenhaunmble„An der Eiche“

Abb. 22: izze und Bauplan deUnterlerbacher Hof

Abb. 23: izze und Bauplan „Einfamilienhaufür Arbeiter“

Abb. 24: izze und Bauplan „Doppeleinfamilienhaufür Arbeiter“

Kartenverzeichnis

Karte 1: Bauzonenordnung Bergisch Gladbach

Karte 2: Gronauerwaldsiedlung, Auszug aus der Deutschen Grundkarte

Karte 3: Bebauung der Gronauer Waldsiedlung im Jahre 1906

Karte 4: Bebauung der Gronauer Waldsiedlung im Jahre 1914

Karte 5: Bebauung der Gronauer Waldsiedlung im Jahre 1937

Karte 6: Örtlicher Geltungsbereich der Denkmalbereichssatzung

Karte 7: Auszug aus dem Flurplan, Gemarkung Gronau, Flur 13

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Ein ganzes Stadtviertel ist besät mit den zierlichen Schöpfungen feinsinniger Architekten. Dieser „Gronauerwald“ ist eine mustergültige Anlage, vor der gar oft Fachleute des Städtebaus und der sozialen Fürsorge in stillem Staunen gestanden haben und durch die Wirklichkeit belehrt worden sind, dass das Einfamilienhaus mit Garten nicht nur eine mögliche, sondern eine glänzend lebensfähige Einrichtung ist.“ (Dr. Ferdinand Schmitz 19261

Ende Dezember 2005 zählte die Stadt Bergisch Gladbach eine Einwohnerzahl von 110.114 Bürgern.2 Bezogen auf die Höhe der Bewohner ist Bergisch Gladbach somit nach der Klassifizierung der amtlichen deutschen Statistik für Städtetypen eine Großstadt.3 Im Vergleich zu anderen Städten dieser Größenordnung verlief die Stadtentwicklung in Bergisch Gladbach jedoch untypisch. Im Jahre 1856, dem Jahr der Verleihung der Stadtrechte, lebten im Siedlungsgebiet der Kommune 5000 Menschen. Das Stadtgebiet setzte sich aus einer Vielzahl von Streusiedlungen und Kirchdörfern zusammen. An jener Stelle, an welcher sich heute das Stadtzentrum befindet, war im Jahre 1856 kein nennenswertes Dorf zu finden.

Die Ursprünge Bergisch Gladbachs liegen in einer Vielzahl von Mühlen, welche sich dicht hintereinander an den Bach „Strunde“ reihten. Einen enormen Aufschwung erlebte die Stadt im Zuge der Industrialisierung der Papierproduktion. Seitdem die Firma Zanders ab den 1850er Jahren das Papier maschinell fertigte, und mit der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 ein großer Absatzmarkt für Papier entstand, entwickelte sich die Stadt Bergisch Gladbach zur Industriestadt. Die Entwicklung der Stadt erfolgte in der Nähe der Fabrikgelände „Gohrsmühle“ und „Schnabelsmühle“, sowie in Sichtweite des Wohnsitzes der Fabrikantenfamilie, der „Villa Zanders“. Nicht selten griffen die Papierfabrikanten direkt in die Entwicklung der Stadt Bergisch Gladbach ein: Als bedingt durch die Industrialisierung immer mehr Arbeiter aus den umgebenden Regionen in die aufstrebende Industriestadt strömten, drohte das ländliche Erscheinungsbild der Stadt unterzugehen. Das klassische Einfamilienhaus drohte dem Massenmietshaus zu weichen. Im Jahre 1897 begann

der Papierfabrikant Richard Zanders, fünf Jahre vor der Gründung der Deutschen Gartenstadtgesellschaft4, mit der Planung eines beispielhaften Wohnbauprojektes: Unter Ausschluss der Bodenspekulation sollte bewiesen werden, dass weiterhin der Bau von Einfamilienarbeiterwohnhäusern in ländlicher Umgebung möglich ist. So entstand die Gartensiedlung „Gronauer Wald“ in Bergisch Gladbach, welche in einem Waldgelände zwischen den Ortsteilen Gronau und Heidkamp, fußläufig von der Papierfabrik zu erreichen, entstanden ist. Das Projekt der „Gronauer Waldsiedlung“ ist ein herausragendes Beispiel des sozial motivierten Wohnungsbaus im ausgehenden 19. Jahrhundert und wird in der Literatur vielfach als „mustergültig“ bezeichnet. Das Projekt der „Gronauer Waldsiedlung“ soll in der vorliegenden Arbeit näher betrachtet werden.

1.1. Zielsetzung der Untersuchung

Die „Gronauer Waldsiedlung“ in Bergisch Gladbach wird in der Literatur als ein überregional bedeutsames Modellprojekt des reformorientierten Kleinwohnungsbaus bezeichnet.5 Bis in das Jubiläumsjahr der „Gemeinnützigen Gartensiedlungsgesellschaft Gronauer Wald m.b.H.“6 1983 wurden in der „Gronauer Waldsiedlung“ 690 Wohnhäuser mit 1378 Wohnungen errichtet. Die Anzahl der Wohngebäude untergliederte sich wiederum in 480 Eigenheime und 210 Mehrfamilienwohnhäuser. Während die Eigenheime sich zum damaligen Zeitpunkt fast ausnahmslos im Besitz von Privatpersonen befanden, waren die Mietswohnhäuser im Besitz von diversen Gesellschaften.7 Die kleinteilige Siedlungsstruktur des Wohngebietes konnte bis zum heutigen Tage erhalten werden. Trotzdem unterliegen die Wohngebäude einem ständigen Modernisierungs- und Umbauprozess. Da nur vereinzelte Gebäude in der „Gronauer Waldsiedlung“ dem Denkmalschutz unterliegen, besteht langfristig die Gefahr, dass durch Sanierungs- und Umbaumaßnahmen das historische Erscheinungsbild der Wohnsiedlung überformt werden könnte. Ohne ordnendes Instrument könnte der Charakter dieser

Wohnsiedlung langfristig verloren gehen. Nach Ansicht von Winfried Schenk und Klaus Fehn ist es eine essentielle Aufgabe der angewandten Historischen Geographie, Entwicklungsleitbilder für kulturlandschaftliche Strukturen, Muster und Elemente zu erarbeiten. Hierbei stünde jedoch nicht der Schutz isolierter Elemente im Vordergrund, sondern die Aufstellung kulturlandschaftlicher Pflege-, Nutzungs- und Gestaltungskonzepte.8 Ziel dieser Arbeit ist, es die heutige Grund- und Aufrissstruktur der Gronauer Waldsiedlung zu beschreiben, sowie die Handlungsinstrumente darzustellen und zu diskutieren, die für den Erhalt des historischen Siedlungsbildes Anwendung finden könnten. Zum Einen werden die Werkzeuge des Denkmalschutzes erläutert, zum Anderen soll dargelegt werden, wie effektiv diese Schutzmaßnahmen eingesetzt werden können. Letztlich soll ein Schutzkonzept erarbeitet werden, welches in der Gronauer Waldsiedlung Anwendung finden könnte. Im Verlauf dieser Magisterarbeit sollen somit nachfolgende Fragestellungen erörtert werden:

1.) Aus welcher Motivation wurde die Gronauer Waldsiedlung gegründet?
2.) Nach welchen Leitbildern und Plänen wurde die Gronauer Waldsiedlung errichtet?
3.) Wie ist der heutige Zustand der Wohngebäude im Gronauer Wald und wie ist das heutige Erscheinungsbild der Gronauer Waldsiedlung?
4.) Wie kann das historische Gesamtgefüge der Gronauer Waldsiedlung nachhaltig geschützt werden?

1.2. Methodik der Arbeit

Die vorliegende Arbeit beruht auf einer ausgedehnten Quellen-, Archiv- und Literaturanalyse. Ergänzt wurden die Studien durch zahlreiche Besichtigungen des Untersuchungsgebietes sowie durch Gespräche mit Bewohnern der Gronauer Waldsiedlung, Bergisch Gladbacher Heimatforschern und Bergisch Gladbacher Bürgern. Im Rahmen dieser Untersuchung erfolgt eine enge Verknüpfung von Theorie und Empirie. Die Abhandlung über die Situation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert sowie über den zeitgenössischen Arbeiterwohnungsbau wurde aus der Sekundärliteratur gespeist. Die Darstellung über die Entwicklung der Stadt Bergisch Gladbach erfolgt sowohl über Sekundärliteratur als auch über Archivquellen. Jener Abschnitt dieser Magisterarbeit, welcher sich detailliert mit der „Gronauer Waldsiedlung“ beschäftigt, wurde überwiegend durch Archivquellen, Festzeitschriften sowie Ortsbegehungen erarbeitet. Die lokalbezogenen Archivquellen, welche in diese Arbeit eingeflossen sind, beruhen auf Akteneinsichten im Stadtarchiv Bergisch Gladbach sowie im Archiv der Kulturstiftung Zanders. Aus den Beständen des Stadtarchivs entstammen die Dokumente zur Stadtgeschichte sowie Quellen zur Geschichte der Gronauer Waldsiedlung. Die Akten des Stadtarchivs Bergisch Gladbach beinhalten jedoch überwiegend Primärquellen aus „städtischer“ Perspektive: Hierzu gehören unter

anderem Rats- und Ausschussprotokolle sowie Protokolle der Arbeiterwohnbaukommission und der Bebauungskommission. Weiterhin sind im Stadtarchiv Kartenwerke zur „Gronauer Waldsiedlung“ wie Katasterkarten und Übersichtspläne einzusehen. Da die Stadt Bergisch Gladbach Teilhaberin der „Gemeinnützigen Gartensiedlungsgesellschaft Gronauer Wald“ war, befinden sich in den Unterlagen des Archivs der Schriftverkehr bezüglich des Siedlungsbaus in der „Gronauer Waldsiedlung“ sowie Geschäfts- und Revisionsberichte der Gartensiedlungsgesellschaft. Einige Akten des Stadtarchivs Bergisch Gladbach wurden als lose Sammelwerke vorgefunden. Eine nähere Spezifizierung der einzelnen Dokumente konnte daher leider nicht erfolgen.

Aus den Beständen der Kulturstiftung Zanders wurden die Quellen zur Familiengeschichte der Papierfabrikanten Zanders entnommen. In der Kulturstiftung Zanders ist auch die private Korrespondenz des Ehepaares Anna und Richard Zanders einzusehen. In beiden Archiven existieren zudem zahlreiche Broschüren und Jubiläumsschriften der „Gemeinnützigen Gartensiedlungsgesellschaft Gronauer Wald“, welche ausführlich den Fortschritt der Bautätigkeiten beschreiben sowie einen Überblick über die Historie der „Gronauer Waldsiedlung“ geben. Diese Schriftwerke sind in gewöhnlichen Bibliotheksbeständen nicht vorzufinden. Die Sekundärliteratur zur Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte entstammt der Bergischen Abteilung der Stadtbibliothek Bergisch Gladbach sowie den Beständen des Bergischen Geschichtsvereins, Abteilung Rhein-Berg. An dieser Stelle soll nicht vorenthalten werden, dass sich bereits im Jahre 2003 eine Untersuchung mit dem Komplex der „Gronauer Waldsiedlung“ beschäftigte. Frau Heike Ziskoven verfasste unter dem Titel „Die Fabrikantenfamilie Zanders und ihr Projekt der Gronauer Waldsiedlung“ eine Magisterarbeit im Fach mittlere und neuere Geschichte an der Universität Köln.

1.3. Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Magisterarbeit verfolgt das Ziel, einerseits die Entstehung und Entwicklung der Gronauer Waldsiedlung in Bergisch Gladbach zu erläutern, andererseits die Gründung dieser Wohnsiedlung in den zeithistorischen Kontext einzuordnen. Des Weiteren sollen die Bauphasen der Gronauer Siedlung sowie die heutige Gestalt näher betrachtet werden. Im abschließenden Teil dieser Arbeit wird der Komplex „Schutz und Erhaltung“ in der Gronauer Waldsiedlung abgehandelt, in welchem Schutzinstrumente, die den Erhalt des historischen Siedlungsbildes fördern könnten, erörtert werden. Die vorliegende Arbeit untergliedert sich in neun Kapitel.

Nach dieser Einleitung wird zunächst der zeithistorische Kontext im ausgehenden 19. Jahrhundert erläutert. Es wird dargestellt, aus welchem Grunde alternative Modelle des Arbeiterwohnbaus entwickelt wurden. So wird die Situation der Arbeiter im Zeitalter der Industrialisierung, die Stadtentwicklung und Urbanisierung, sowie die Wohnsituation der Arbeiter im 19. Jahrhundert geschildert. Ergänzt wird diese Abhandlung mit einer Darstellung des Arbeiterwohnbaus um die Jahrhundertwende. In vielen Großstädten kam es zum Bau von so genannten „Mietskasernenwohnhäusern“. Das Kapitel befasst sich mit den zeitgenössischen Alternativen zum Mehrfamilienwohnbau und beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit dem Modell der Gartenstadt (Kapitel 2).

Anschließend wird in Kapitel 3 die Siedlungsentwicklung der Stadt Bergisch Gladbach geschildert. Hierbei wird die Historie der Siedlungsgeographie in Bergisch Gladbach vor der Stadtwerdung im Jahre 1856 thematisiert, sowie die strukturelle Entwicklung Bergisch Gladbachs geschildert. Mit der Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1856 hatte die junge Kommune eine Vielzahl neuer siedlungsgeographischer Probleme zu bewältigen. Dieser Komplex soll zudem in einem weiteren Teil des dritten Kapitels beschrieben werden, da diese Angelegenheiten zum kommunal geförderten Kleinwohnungsbau sowie zur Entstehung der Gronauer Waldsiedlung führten. Mit der Bauzonenordnung, welche der Papierfabrikant Richard Zanders ausarbeitete, sollte der Stadtentwicklung Bergisch Gladbachs ein ordnender Rahmenplan gegeben werden. Diese Bauzonenordnung wird in einer weiteren Abhandlung des dritten Kapitels thematisiert. Abschließend werden in diesem Kapitel die Maßnahmen erörtert, welche in Bergisch Gladbach zur Förderung des Kleinwohnungsbaus eingeleitet wurden.

Das darauf folgende Kapitel 4 beschreibt die die Entstehung der Siedlung „Gronauer Wald“. Hierbei wird zunächst die Idee der Gartensiedlung „Gronauer Wald“ thematisiert, anschließend wird auf die Konzeption, das Gelände, sowie auf die Planung der Häuser eingegangen. Der Themenkomplex beschreibt explizit die Bauphasen im „Gronauer Waldviertel“ und schließt mit einer Zusammenstellung der diversen Rückmeldungen aus Forschung und Politik hinsichtlich des Modellprojektes der „Gronauer Waldsiedlung“.

In Kapitel 5 folgt eine Bestandsaufnahme der Siedlung, in welcher auf die Grund- und Aufrissgestaltung des Viertels eingegangen wird. Hierauf folgen eine Beschreibung der Bauphasen im Viertel, sowie eine Beschreibung der Straßen und Wege in der Gartensiedlung „Gronauer Wald“. In einem weiteren Abschnitt dieses Kapitels wird der gegenwärtige Zustand der Wohngebäude in der Siedlung dargestellt. Im Anschließenden Kapitel 6 werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen des Denkmalschutzes in Nordrhein-Westfalen beschrieben. So werden die verschiedenen Instrumente des Denkmalschutzes nach dem Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (DschG NW), des Baugesetzbuches (BauGB) sowie der Bauordnung NRW (BauO NW) diskutiert. Darauf folgt eine Abhandlung der Denkmalpflege in der Gronauer Waldsiedlung. Hierbei wird auf die bisherige Arbeit der Denkmalpflege in der Wohnsiedlung eingegangen, zudem soll erörtert werden, mit welchen Maßnahmen das Erscheinungsbild der Gronauer Waldsiedlung nachhaltig gesichert werden kann. Hierauf folgt in Kapitel 7 ein Vorschlag für eine Satzung zum Schutze des historischen Erscheinungsbildes. Es wird ein Statut vorgestellt, welches dazu beitragen soll, die historische Aussagekraft der „Gronauer Waldsiedlung“ zu bewahren. In Kapitel 8 wird ein Rundweg durch die Siedlung im „Gronauer Wald“ vorgeschlagen, in welchem die wichtigsten und interessantesten Aspekte dieser Modellwohnsiedlung vorgeführt werden sollen.

Die Schlussbetrachtung (in Kapitel 9) fasst die Ergebnisse dieser Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf die Entwicklungspotentiale der „Gronauer Waldsiedlung“.

2. Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert

Im folgenden Kapitel soll die Situation der Arbeiter im Zeitalter der Industrialisierung abgehandelt werden. Zudem soll der Fokus auf die Wohnsituation der Industriearbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert gerichtet werden. Durch die Darstellung dieser Sachverhalte lassen sich die Ideen der Papierfabrikantenfamilie Zanders hinsichtlich der Entstehung der Gartensiedlung „Gronauer Wald“ in Bergisch Gladbach in den zeithistorischen Kontext einordnen. Des Weiteren werden die im 19. Jahrhundert entwickelten alternativen Stadtmodelle abgehandelt.

2.1. Die Situation der Arbeiter und die soziale Frage

Die Lebensumstände der Arbeiter im 19. Jahrhundert, sowie die Diskussion bezüglich der „sozialen Frage“ sind eng verknüpft mit einem tief greifenden Strukturwandel, welcher sich innerhalb weniger Jahrzehnte vollzog. Als Ursache hierfür gilt eine Verknüpfung aus den Ereignissen der Industrialisierung, des Bevölkerungswachstums sowie der aus diesen beiden Ereignissen resultierenden Binnenwanderung. Es handelt sich hierbei um höchst komplexe Vorgänge, dessen Determinanten sich nur schwer isolieren lassen und ebenso exakt zu gewichten sind.9 Vor allem der technische Fortschritt beschleunigte die „industrielle Revolution“. Als Schlüsselerfindung ist die Dampfmaschine zu nennen, die bedingte, dass der mechanische den biologischen Geräteantrieb ersetzte. Produktionsprozesse konnten durch die Dampfmaschine automatisiert und optimiert werden.10 Diese Erfindung drängte den Standortfaktor „Wasser“ als Antriebs- und Transportmittel in den Hintergrund. Neue Standortfaktoren bestimmten den Produktionsort: Für die Ansiedlung und Entwicklung eines Industriegebietes war die Anbindung an das moderne Verkehrsnetz vonnöten. Durch die Erfindung der dampfbetriebenen Eisenbahn und den Ausbau des Schienennetzes ab den 1830er Jahren kam es zu einer steigenden Mobilität, welche den Rohstofftransport und den Warenabsatz erleichterte. Güter konnten im gesamten Land kostengünstig und schnell transportiert werden.11 Der Einsatz der neuen Techniken setzte eine größere Kapitalbasis der Unternehmen voraus, und bedingte zudem eine rationellere und konzentriertere Einordnung der menschlichen Arbeit in den Herstellungsprozess. Es kam zur Gründung zahlreicher industrieller Unternehmen, welche sich zum wirtschaftlichen Leitsektor entwickelten.12 Die für die Entwicklung der Industrialisierung notwendigen Arbeitskräfte stammten überwiegend aus den ländlichen Regionen, sie arbeiteten ursprünglich in handwerklichen und landwirtschaftlichen Betrieben.13

Die Hochindustrialisierungsphase war gleichzeitig die Epoche des größten Bevölkerungswachstums in der deutschen Geschichte, welches durch einen umfassenden Werte- und Systemwandel, sowie durch medizinische Fortschritte ausgelöst wurde.14 Die Gesellschaft im ländlichen Bereich war vor allem geprägt durch das Feudalsystem: Das Lehnswesen bedingte, dass Landwirte sowie ihre Familien in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Grundherren lebten.15 Im Feudalismus bestanden personenrechtliche und grundherrliche Abhängigkeitsverhältnisse sowie wirtschaftliche Verpflichtungen der bäuerlichen Bevölkerung gegenüber dem Grundherrn. Durch die Aufhebung der ständischen Gesellschaft fielen diese Restriktionen.16 Medizinische Fortschritte und Verbesserungen in der Hygiene ließen die Sterberate im Laufe des 18. Jahrhunderts sinken, die Anzahl der großen Epidemien und Seuchen ging zurück. Des Weiteren gab es für die Bevölkerung eine verbesserte Ernährungsgrundlage. Entgegen der Sterberate blieb die Geburtenrate weiterhin auf hohem Niveau, da das traditionelle generative Verhalten erhalten blieb.17

Eine Ursache, aus welchem Anlass die Landbewohner ihre Geburtsorte bzw. ihre Wohnsitze verließen und in die wachsenden Städten übersiedelten, konnte einerseits die Aussichtslosigkeit sein, im ländlichen Lebensumfeld ein dauerhaftes Auskommen zu finden, andererseits auch die Hoffnung, in den expandierenden Städten sowie in den Industrieagglomerationen den eigenen Lebensstandard zu verbessern.18 Die Ausbreitung der städtischen Bevölkerung sowie die Übernahme städtischer Verhaltensweisen durch die Landbewohner wird in der Literatur als „Urbanisierung“ definiert.19 Die Industriestädte wuchsen rasant an, ohne dass gleichzeitig die städtische Infrastruktur ausgebaut wurde.20 Durch die mangelnde Kanalisation, durch die Überbevölkerung und der Mehrfachbelegung von Wohnungen entstanden katastrophale hygienische Verhältnisse. Die Wohnungsnot der Industriearbeiter und ihrer Familienangehörigen wurde zum bedeutendsten sozialpolitischen Problemfeld im Industriezeitalter.21 Das enorme Wachstum der Städte sowie die größtenteils desolaten Lebensverhältnisse in den städtischen Wohnquartieren bedingten, dass sich die Stadtplaner der Metropolen mit der räumlichen Planung ihrer Kommunen auseinandersetzen mussten.22

2.2. Die Stadtentwicklung im 19. Jahrhundert

Die Flächenexpansion Deutscher Städte begann im Vergleich zur Entwicklung der Städte in Großbritannien spät:23 Nach einer Phase der „inneren Verstädterung“, welche die extensive Ausnutzung des vorhandenen Baubestandes beinhaltete, sowie einer Stadterweiterung, in welcher der Siedlungskörper über die traditionellen Bebauungsgrenzen in die „städtische Feldmark“ erweitert wurde, begannen die großen Städte ab den 1860er Jahren, das Umland und die Vororte außerhalb ihres Verwaltungsbereiches in ihre Raumplanungen mit einzubeziehen.24 Die Entschädigungszahlungen Frankreichs nach dem deutsch-französischen Krieg sowie die Reichsgründung im Jahre 1871 gaben einen weiteren ausschlaggebenden Impuls zur Expansion der Großstädte. Insbesondere in den Perioden des wirtschaftlichen Aufschwungs von 1871 bis 1873 und in der Zeitspanne zwischen 1890 und 1905 wurde eine Vielzahl neuer Industrieunternehmen gegründet, welche der Landbevölkerung Erwerbsmöglichkeiten boten. Die Stadtentwicklung, welche durch die Industrialisierung hervorgerufen wurde, beschränkte sich nicht nur auf die neuen Industriereviere: Auch Großstädte wie Berlin, Hamburg, München, Frankfurt etc., erlebten eine starke Wirtschaftsentfaltung, da ihnen zentrale Rollen als Verkehrsknotenpunkte im neuen Eisenbahnnetz zukamen. Durch das schnelle Wachstum der Städte, hatten die Kommunen eine Vielzahl neuer Aufgaben zu bewältigen: Die Infrastruktur musste den neuen Bedingungen angepasst werden, für die zugezogenen Industriearbeiter musste die Entwicklung des Wohnungsbaus ermöglicht und gesteuert werden.25 Die ungeklärte Wohnungsfrage entwickelte sich zum gesellschaftlichen Problem, an dessen Lösung sich unter anderem Terraingesellschaften, Investoren, Baugenossenschaften, Industrieunternehmen und zu einem späten Zeitpunkt auch die Kommunen beteiligten. Die diversen Gruppierungen unterstützten den Arbeiterwohnbau aus unterschiedlichen Motiven.26 Die Errichtung von Wohnraum war eine Existenzgrundlage für Wirtschaft und Industrie. Der Arbeiterwohnbau des 19. Jahrhunderts war ein Mittel im Konkurrenzkampf um die Ware Arbeitskraft.27 Im europäischen Vergleich entwickelte sich der Wohnbau unterschiedlich: Während in britischen Städten die wachsende Wohnungsnachfrage durch den Bau von „back to back“-Reihenhäusern28 befriedigt wurde, kam es in den kontinentaleuropäischen Großstädten zur Errichtung von gründerzeitlichen Massenmietshäusern.

Auch in Deutschland entfaltete sich der Arbeiterwohnbau regional unterschiedlich: Insbesondere in den bereits bestehenden Großstädten bildeten sich Wohnviertel in Mietskasernenbauweise29. In den Industrierevieren kam es neben der Entstehung von überfüllten und schlecht ausgestatteten Massenquartieren zur Errichtung von als mustergültig bezeichneten Industriewohnsiedlungen und Werkskolonien außerhalb der städtischen Gemarkungen.30 Das ökonomische Fundament dieser Siedlungen bildeten industrielle Großbetriebe, in deren direkter Umgebung innerhalb kurzer Zeitperioden Arbeiterwohnsiedlungen hochgezogen wurden. Zur dominanten Hausform entwickelte sich auch hier die Mietskasernenbebauung, bevor es zur Entstehung von Kleinwohnungssiedlungen kam.31

2.3. Modelle des Arbeiterwohnbaus

Die Frage nach dem „richtigen Wohnbautypen“ zur Unterbringung der erwerbstätigen Bevölkerung wurde viele Jahrzehnte diskutiert.32 In der nachstehenden Abhandlung sollen exemplarisch zwei regionale Modelle des Arbeiterwohnbaus im 19. Jahrhundert erläutert werden. Für den großstädtischen Bau von Mietswohnhäusern soll das Beispiel Berlin diskutiert werden. Rund um den historischen Stadtkern entstand durch den Bevölkerungszuzug der „wilhelminische Wohngürtel“.

Im Ruhrgebiet kam es durch den Aufstieg der Montanindustrie zu einem enormen Wachstum. Die traditionellen Dörfer wurden überformt, innerhalb weniger Jahre entstand eine Agglomeration von Städten. Der Bevölkerungsdruck der in das Ruhrgebiet ziehenden Arbeiter verlangte eine rasche Lösung der Wohnprobleme. Dieser Komplex wird im zweiten Teil dieser Abhandlung erörtert.

2.3.1. Die Entstehung des „wilhelminischen Wohngürtels“ in Berlin

Infolge der Industrialisierung und dem Zuzug von Arbeitern aus den ländlichen Regionen kam es in Berlin zu einem erheblichen Bevölkerungswachstum. Im Jahre 1800 betrug die Einwohnerzahl der Stadt Berlin 172.000 Einwohner, im Jahre 1872 lebten in Berlin bereits 774.000 Menschen. Das starke Bevölkerungswachstum machte eine Verbesserung der städtischen Lebensverhältnisse notwendig. Im Auftrag des preußischen Innenministeriums sollte ab 1858 eine Planungskommission des Königlichen Polizeipräsidiums einen Plan zu Verbesserung der Berliner Infrastruktur entwerfen. Vorsitzender der Kommission war Regierungsbaumeister James Hobrecht33. Ziel der Planungen war, in der Stadt ein leistungsfähiges Straßensystem zu installieren. Zu diesem Zwecke war geplant, die bestehenden Wege zu verbreitern. Des Weiteren sah der Plan vor, die Vorraussetzungen für eine Kanalisation sowie für Versorgungsleitungen zu schaffen. Für die schnell anwachsenden Eisenbahnstrecken und Bahnhöfe sollten zudem hinreichend große Flächen geschaffen werden. Im Jahre 1862 wurde der so genannte „Hobrecht“-Plan vorgestellt. Der Straßenfluchtlinienplan legte den Verlauf der Straßen sowie deren Grenzen fest, weitergehende Vorschriften zur Bebauung enthielt der Plan nicht. Der Fluchtlinienplan sollte die Entwicklung Berlins regulieren und war für einen Zeitraum von 100 Jahren ausgelegt. Der Plan sah eine Maximalbevölkerung von vier Millionen Einwohnern vor. Vorbild für die städtebaulichen Planungsprinzipien des „Hobrecht- Plans“ waren die Pläne des Barons Georges-Eugène Haussmann, der in Paris bedeutende Straßenbaumaßnahmen vornahm.34 Der Plan James Hobrechts sah zwei ringförmige Gürtelstraßen vor, die die Städte Berlin und Charlottenburg umgeben sollten. Die dazwischen liegenden noch unbebauten Flächen sollten durch Diagonalstraßen und Ausfallstraßen in Baublöcke aufgeteilt werden.35 Der wilhelminische Mietskasernengürtel konnte jedoch erst in Verbindung mit der Baupolizeiordnung aus dem Jahre 1853 entstehen. Dieses Regelwerk schrieb innerhalb der Baublöcke lediglich eine Mindestfläche der Innenhöfe von 5,34 auf 5,34 Metern vor, damit bei einem Notfall das Sprungtuch der Feuerwehr ausgebreitet werden konnte.36 Des Weiteren durfte die Bebauung maximal sechs Vollgeschosse bei einer Traufhöhe von 20 Metern umfassen. Das Fehlen vor weitergehenden Reglementierungen führte zu Immobilienspekulationen und dem rasanten Wachstum der Mietskasernen des „steinernen Berlins“.37

Für den Mietskasernenbau in den Großstädten der Gründerzeit gab es verschiedene Gründe: So hatten die Kommunen selten eigenes Bauland vorzuweisen, umfangreiche Bestände an Baugrundstücken befanden sich im Privateigentum. Durch die Bau- und Bodenspekulation, sowie durch eine optimierte Ausnutzung der Bauplätze konnten lukrative Gewinne erzielt werden. Die völlig unzureichenden Bauordnungen sowie die Entwicklung von Terraingesellschaften begünstigten die Bodenspekulation. Die Terraingesellschaften entstanden nach 1870 vornehmlich in Berlin und im östlichen Deutschland und traten als eigenständiges Gewerbe neben die Bauunternehmen. Ziel der Terraingesellschaften war unter anderem der Zwischenhandel mit Grundstücken, was wiederum das Bauland in den Städten verteuerte.38

Bedingt durch eine hohe Ausnutzung des Baugrundstückes schlossen sich an das repräsentativ gestaltete Vorderhaus oft mehrere aneinander gebaute Hinterhäuser an, so dass in den hinteren Bauabschnitten nur noch enge, meist rechteckige Höfe frei blieben. Die Hinterhöfe waren nur durch Durchfahrten unter den Häusern zugänglich. Die Gestaltung der Vorderhäuser lehnte sich an die Bürgerhäuser an und bot für Bewohner, Facharbeiter und Kleinbürger akzeptable Wohnverhältnisse. In den Wohnungen der Hinterhäuser mangelte es dagegen an Licht und Luft, sie boten oft unzureichenden Wohnkomfort.39 Durch die Überbelegung vieler Wohneinheiten entstanden die unwürdigen Wohnverhältnisse, die in der Literatur häufig bemängelt wurden. Oft wurden zusätzliche Räume der beengten Wohnungen untervermietet, sämtliche Wohnmöglichkeiten in Kellerräumen oder unter den nackten Ziegeln ungedämmter Dächer wurden ausgenutzt. Weit verbreitet war auch die Vermietung von Betten an Schlafgänger.40

2.3.2. Der Bau von Werkswohnsiedlungen im Ruhrgebiet

Der Landesteil Nordrhein-Westfalens, welcher als Ruhrgebiet bezeichnet wird, war Ende des 18. Jahrhunderts naturräumlich mit dem Münsterland oder dem Niederrhein vergleichbar. Das Ruhrgebiet bestand aus einzelnen Städten und Dörfern, die vor allem landwirtschaftlich geartet waren. Die größten Kommunen waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Orte Duisburg und Dortmund mit jeweils mehr als 5000 Einwohnern. Ansiedlungen wie Herne oder Gelsenkirchen, welche im nördlich gelegenen Emscherland liegen, hatten lediglich einige hundert Einwohner. Mit dem Beginn des wirtschaftlichen Abbaus der Steinkohle und der damit verbundenen Industrialisierung entstanden im Ruhrgebiet über 220 Zechen - in den Städten des Ruhrgebietes kam es durch den Bevölkerungszuwachs aus den Landregionen zu einem großen Anstieg der Einwohnerzahlen. Schnell musste daher Wohnraum für verheiratete Vorarbeiter und Meister geschaffen werden. Der Arbeiterwohnbau im Ruhrgebiet wurde vor allem durch den Werkswohnungsbau der einzelnen Unternehmen geprägt.41 In der Schrift des Landschaftsverbands Rheinland „Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland“, wird der Zeitraum zwischen 1850 und 1914 als Hochphase des Arbeitersiedlungsbaus beschrieben. Die Autoren des Werkes sehen vor allem ökonomische Ursachen als Grund für das Engagement der Unternehmer: In der Epoche der fortdauernden Wohnungsnot war die Bereitstellung von Wohnraum eine Notwendigkeit, um die Arbeiter zum Umzug an den Produktionsstandort zu bewegen und die Facharbeiter an das Unternehmen zu binden.42 Wohnungen, die zum Industriebetrieb gehörten, waren neben Unfall-, Kranken- und Altersversicherungen sowie Konsumvereinen, Sparkassen und Erholungsvereinen ein fester Bestandteil der betrieblichen Sozialleistungen.43 Mit der Kopplung von Miet- und Arbeitsverträgen beabsichtigten die Unternehmer, die Fluktuation von Arbeitskräften in ihrer Firma zu beschränken.44

Als einer der ersten Betriebe im Ruhrgebiet errichtete die „Gutehoffnungshütte“ in Oberhausen-Eisenheim ab 1844 eine Wohnsiedlung für Hüttenarbeiter und Hüttenbeamte. Der Grundriss der Wohnkolonie war geprägt durch ein einfaches Straßenraster, an welchem zweistöckige, verputzte Reihenhäuser entstanden. Die Gebäude beherbergten vier Wohnungen, welche so angeordnet waren, dass der Zugang durch separate Eingänge erfolgte.45 Hierdurch wurde in Anlehnung an die englische „Cottage-Architektur“ die Illusion eines freistehenden Einfamilienwohnhauses erzeugt.46

Bezogen auf die städtebaulich-architektonische Gestaltung untergliedert sich der Werkswohnungsbau im Ruhrgebiet in mehrere Zeitphasen: Bis ca. 1850 wurden ein- bis anderthalb-geschossige lang gestreckte Häuser mit einer Länge von 100 bis 200 Metern errichtet. In dieser Periode waren die Siedlungen geprägt von schematisch gerasterten, beliebig erweiterbaren Straßengrundrissen an denen einfache, gleichmäßig gereihte Wohnhäuser, verputzt er aus Backsteinmauerwerk, errichtet wurden.47 An die Tradition des Landarbeiterhauses knüpften von 1850-1870 kleine Wohnsiedlungen an, in welchen gereihte Einzelhäuser für zwei bis vier Familien entstanden. In diesen Kolonien wurden streng lineare oder rasterartige Baukörper errichtet. Die Wohnhäuser, häufig mit Backsteinen versehen, wiesen streng geometrische Bauformen auf, wie beispielsweise Wohngebäude im „Kreuz- Grundriss“. Die Gebäude hatten zwei Geschosse und beinhalteten vier Wohnungen. Zu den Häusern gehörte ein Garten, in welchem sich zudem ein Schuppen für Stall und Toilette befand. In der Periode ab 1871 wurden mit dieser Bauform größere zusammenhängende Siedlungskomplexe erbaut. Bedingt durch die verstärkte Wohnungsnachfrage wurden jedoch die Grundstücke mit einer höheren Baudichte versehen. In der Zeitspanne von 1890-1900 erhöhten sich die Ansprüche an die bauliche Gestaltung der Wohnhäuser. Es wurde verstärkt auf die Breite, Form, Farbe und Lage der Gebäude geachtet. Durch die vielschichtigere Planung der Häuser entstanden wechselvolle Straßenbilder.48 Im Zeitraum von 1900 bis 1906 besann man sich verstärkt auf das malerisch-schlichte Bild alter Städte und Dörfer. Man fügte die Hausreihen der Arbeiterwohnhäuer in das Gesamtbild der Siedlung ein.49 Ab ca. 1905 entstanden in der Ruhrregion gartenstadtähnliche Werkskolonien, welche sich als Gegenbewegung zur Mietskasernenbebauung sowie rasterförmigen Werkskolonien sahen. Es wurden zudem die topographischen Gegebenheiten berücksichtigt.50 Trotz der umfangreichen Baumaßnahmen konnten die Werkswohnsiedlungen in den Industrierevieren den massiven Zustrom an Arbeitskräften kaum auffangen, so dass sich viele Familien eine Wohnung teilen mussten oder auch Kostgänger aufnahmen. Beim Bau neuer Häuser wurde diese Entwicklung dadurch berücksichtigt, dass die Küche zur Wohnküche umfunktioniert wurde. Der Zugang zu den Wohn- und Schlafräumen wurde so geplant, dass der Untermieter die Zimmer erreichen konnten, ohne die Zimmer der Familie betreten zu müssen.

2.4. Alternativen zum klassischen Arbeiterwohnbau

Die Teils katastrophalen Lebensumstände in den Großstädten erklären, weswegen gerade im ausgehenden 19. Jahrhundert neue Siedlungskonzepte entwickelt wurden.51 Im folgenden Kapitel soll das Modell der Gartenstadt als alternatives Konzept des Arbeiterwohnbaus diskutiert werden. Darauf folgt eine Abhandlung über die Gartenstadtbewegung in Deutschland.

2.4.1. Das Modell der Gartenstadt

Die „Idee der Gartenstadt“ wurde im Jahre 1898 vom Briten Ebenezer Howard52 als Reaktion auf die unwürdigen Wohnverhältnisse in den stark angewachsenen Städten veröffentlicht.53 Ziel war es, die Entwicklung der in der Industrialisierung rasant angewachsenen Städte zu steuern, das unkontrollierte Wachstum neuer Stadtviertel am Rande der Stadt sowie die drohende Verdichtung im Stadtinneren zu verhindern. Stattdessen schlug Ebenezer Howard Siedlungsneugründungen im Umland der historischen Kernstadt vor. Diese neu errichteten Großsiedlungen waren als selbständige Einheiten am Rande der Städte mit einem effektiven Transportsystem zur Verbindung des Trabanten mit der Kernstadt geplant.54 Eine Gartenstadt sollte nach den Plänen Howards maximal 32000 Einwohner und einen „gewissen Abstand“ zur „Zentralstadt“ haben. Gartenstädte und Zentralstädte waren durch einen geschützten Grüngürtel getrennt geplant, welche unbebautes Land und Grünflächen enthielten. Das Modell der Gartenstadt sah zudem die so genannte „Gartenstadtdichte“ vor: Es wurde auf eine geringe Wohndichte geachtet, als Idealdichte wurden zwölf Häuser pro „acre“55 angegeben. Des Weiteren sollte die Gartenstadt durch vom Zentrum abgehende Radialstraßen in Nachbarschaften gegliedert werden. Im Zentrum der Gartenstadt sahen die Pläne Ebenezer Howards zentrale Einrichtungen wie Theater, Bücherei, Krankenhaus und Kommunalverwaltung vor.56 Die Gartenstadt sollte mit allen erforderlichen Arbeitsplätzen ausgestattet sein. Die kreisförmige Gartenstadt wurde tangential durch eine Eisenbahn erschlossen, die die Verbindung zu anderen Städten sicherstellte. Nach der Errichtung der Gartenstadt plante man, die Siedlung nicht weiter auszubauen. Ebenezer Howard sah den Aufbau weiterer Gartenstädte vor, die ebenfalls eigenständige Einheiten bildeten. Im Umfeld einer Zentralstadt konnte so ein Ring von Gartenstädten entstehen, die sowohl von der Kernstadt als auch von den Tochtergartenstädten durch Grüngürtel getrennt waren.57

In Howards Plänen hatte auch die Finanzbasis der Stadt eine erhebliche Bedeutung: Der gesamte Grund und Boden war als öffentliches oder genossenschaftliches Eigentum vorgesehen. Es sollte eine gemeinnützige, kapitalkräftige Gesellschaft gegründet werden, die im Interesse der Wohnungsreform und der gewerblichen Tätigkeit ein großes Gelände ersteht und nach zweckmäßiger Aufschließung die Planung der Gartenstadt organisiert. Die Überschüsse aus den potentiellen Bodenrenten sollten dazu genutzt werden, die Infrastruktur der Gartenstadt zu erhalten. Die Planer der Gartenstadt sollten sich von den nachstehenden Grundgedanken leiten lassen: Von Beginn an auf die Gesundheit, auf die planmäßige Erschließung des Geländes, sowie die räumliche und zahlenmäßige Größenbeschränkung der Stadt Rücksicht zu nehmen.58

Nach Ebenezer Howards Plänen wurden die beiden Gartenstädte Letchworth59 und „Welwyn Garden City“60 errichtet, die in ihren Grundrissstrukturen zwar von dem kreisförmigen Idealmodell abweichen, trotzdem jedoch wesentliche Merkmale der Gartenstadt aufweisen. Jene Städte waren zunächst die einzigen Siedlungen, welche als „reine“ Gartenstädte verwirklicht wurden. Die Ideen Ebenezer Howards führten zur Gründung von 100 neuen Städten in Großbritannien, die nach dem Gartenstadtideal gebaut wurden. Es entstanden jedoch keine reinen Gartenstädte - vielmehr wurden Wohnsiedlungen mit gartenstadtähnlicher Bebauung errichtet. Von den Gestaltungsprinzipien der Howardschen Gartenstadt wurden in den „Gartenvorstädten“ nur grundsätzliche Kriterien niedergelegt: Dazu gehörte die Gartenstadtdichte mit überwiegender Doppelhaus-Bauweise sowie die starke Auflockerung der Siedlung durch Grünflächen.61

2.4.2. Die Gartenstadtbewegung in Deutschland

Das Modell der Gartenstadt des Briten Ebenezer Howards fand auch in Deutschland Zustimmung. Im Jahre 1902 wurde die „Deutsche Gartensiedlungsgesellschaft“ gegründet.62 In der Publikation „von der Kleinstadt zur Gartenstadt“ aus dem Jahre 1908 bezeichnet sich die Deutsche Gartenstadtgesellschaft als eine reichsweit agierende „Propagandagesellschaft“. Ihr Ziel sieht die Vereinigung darin, das Volk zur Gründung von Gartenstädten zu sensibilisieren. In der Gartenstadt sieht die Gesellschaft eine planmäßig gestaltete Siedlung, die sich im Eigentum der Gemeinschaft befindet und eine Spekulation mit dem Grund und Boden dauerhaft unterbindet. Die Gartenstadt wird als neuer Stadttypus gesehen, welcher eine umfassende Wohnreform zulässt. Für Industrie und Handwerk würden in der Gartenstadt vorteilhafte Produktionsbedingungen gewährleistet, große Teile des Gebietes würden dauerhaft für Garten- und Ackerbau gesichert.63

Eine fortschreitende Gartenstadtbewegung hatte nach der Broschüre der Deutschen Gartenstadtgesellschaft das Endziel einer „Innenkolonisation“: Durch die planmäßige Gründung von Gartenstädten sollte die Industrie dezentralisiert werden und damit eine ebenmäßige Verteilung des Gewerbelebens in der Region bewirkt werden. Die Gesellschaft vertrat den Standpunkt, dass diese Siedlungskörper das städtische Leben gesünder und vielseitiger gestalten würden. Die benachbarte Landwirtschaft würde vom Kulturwerte, dem technischen Rüstzeug der Stadt und dem direkten Absatzmarkt in der Stadt profitieren. Die Deutsche Gartenstadtgesellschaft sah es als ihr Ziel, derartige Siedlungen durch besondere Gründungsgesellschaften zu bilden. Öffentliche Körperschaften sollten zudem für die Idee der Gartenstadt gewonnen und gefördert werden. So begünstigte die Deutsche Gartenstadtgesellschaft vor allem die Begründung von Wohnsiedlungen, Gartenvorstädten und Industriekolonien im Großraum bestehender Städte.64

In Deutschland fand die Gartenstadtbewegung Niederschlag in einer Reihe von Wohnsiedlungen, die vom Gartenstadtgedanken beeinflusst wurden. Nach einer Auflistung aus dem Jahre 1915 gab es im Rheinland drei Anlagen im Sinne der Gartenstadtbewegung: Dies war die Siedlung Margarethenhöhe in Essen, die Gartenstadt Wedau in Duisburg und die Siedlung Gronauer Wald in Bergisch Gladbach.65 Auch wenn die theoretischen Grundgedanken bekannt waren, wurde die Idee der Gartenstadt in Deutschland lediglich rudimentär verwirklicht.66 Es entwickelten sich lediglich „gartenumgebene Kleinhaus- oder Villensiedlungen“ oder Gartenvorstädte, die am Rande bestehender Großstädte errichtet wurden.67 Diese gartenstadtähnlichen Wohnsiedlungen hatten keine zugeordneten Arbeitsstätten, keine funktionale Selbständigkeit und keine eigenen Versorgungszentren - wesentliche Merkmale der Howardschen Gartenstadt wurden in diesen Siedlungen nicht realisiert. Viele Siedlungen jedoch verdanken dem Gartenstadtgedanken ihre vergleichsweise abseitige Lage, ihre Größe und Ausstattung.68

Auch wenn vom ursprünglichen Gartenstadtgedanken Ebenezer Howards in der Praxis nur wenige Grundsätze realisiert worden sind, so sind wichtige Gestaltungsprinzipien aus dem Modell der Gartenstadt in den Siedlungsbau mit eingeflossen: Insbesondere die Planmäßigkeit der Wohnungssiedlungsanlagen, die Offenheit und Durchgrünung der Bebauung und die räumliche Entflechtung wichtiger Funktionen (Wohnen, Arbeiten, Erholung) sind als positiv zu bezeichnen. Sie stehen im Gegensatz zu der bis dahin in Deutschland üblichen Mietskasernenbebauung.69

3. Die Entwicklung der Stadt Bergisch Gladbach

„Herrenhöfe mit eigener Gerichtsbarkeit, selbstbewusst aufschauend aus sonnbeglänzter, von der Strunde durchschlängelter Au, in den Kämpen verstreute zinsende Lehnhöfe und Kotten höriger Bauern, die sich unterwürfig in die rotleuchtende Heide duckten, Rodungen die die Weitekraft der Hohenstaufenzeit in den bunten herbstlichen Hochwald kaiserlicher Jagdgründe schlug; rumpelnde, klapppernde, kreischende Mühlen, die am Bachrande klebten: das sind die Urzellen, aus denen sich das Gewebe des heutigen Bergisch Gladbach zusammenfügte.“ (Dr. Ferdinand Schmitz 192670

Ziel dieses Kapitel ist es, die historische und geographische Entwicklung der Stadt Bergisch Gladbach zu skizzieren und somit zu verdeutlichen, aus welcher Motivation der kommunal geförderte Kleinwohnungsbau entstanden ist. Bergisch Gladbach liegt im Osten des Rheinisch-Bergischen-Kreises und ist mit 110.114 Einwohnern71 die größte Stadt des Kreises. Bergisch Gladbach erstreckt sich über eine Fläche von 83,1 Quadratkilometern. 38,5 % des Stadtgebietes sind Waldfläche, 27,1 % Gebäude- und Freifläche, 23,5 % landwirtschaftlich genutzte Fläche, 7,2 % Verkehrsfläche und 3,7 % sonstige Fläche.72 Im Westen grenzt Bergisch Gladbach an die Großstadt Köln, mit welcher enge wirtschaftliche und infrastrukturelle Verflechtungen bestehen. Zahlreiche Bürger der Stadt Bergisch Gladbach sind in der benachbarten Großstadt erwerbstätig oder nutzen das kulturelle Angebot Kölns. Für die umliegenden Städte und Gemeinden des Rheinisch-Bergischen-Kreises ist Bergisch Gladbach das Verwaltungszentrum73 und nimmt zudem die Versorgungsfunktionen eines Mittelzentrums wahr. Die Stadt Bergisch Gladbach in ihrer heutigen Struktur besteht erst seit der kommunalen Neugliederung der Raumordnungsregion Köln vom 1. Januar 1975. Die bis dahin eigenständigen Städte Bergisch Gladbach und Bensberg wurden nach § 2 des „Köln-Gesetzes“74 zur neuen Stadt Bergisch Gladbach zusammengelegt.75 Wenn in der folgenden Abhandlung von der Stadt Bergisch Gladbach die Rede ist, so ist hiermit die Stadt

Bergisch Gladbach in den „alten“ Grenzen vor der kommunalen Gebietsreform gemeint. Die historische Entwicklung der Stadt Bensberg76 verlief in wesentlichen Punkten abweichend zur Entwicklung Bergisch Gladbachs und kann aus diesem Grunde in dieser Arbeit nicht berücksichtigt werden.

Naturräumlich betrachtet erstreckt sich das Siedlungsgebiet Bergisch Gladbachs über zwei Hauptlandschaftsformen. Die östlichen Stadtteile befinden sich auf einem Taleinschnitt der Strunde sowie denen im Stadtgebiet beginnenden bergischen Hochflächen, welche in westlicher Richtung durch stark abfallende Hänge geprägt sind.77 Die westlichen Stadtteile liegen auf den auslaufenden Mittelterrassen des Rheines am östlichen Rand der Kölner Bucht und gehören bereits zum Ballungsraum der benachbarten Großstadt. Die Mittelterrasse ist der größere und für Bergisch Gladbach bedeutendere Siedlungsraum. Prägend für die wirtschaftliche Entwicklung sowie für das Erscheinungsbild Bergisch Gladbachs ist der Fluss „Strunde“, welcher die Stadt in ostwestlicher Richtung durchfließt.78 In den folgenden Abschnitten soll die historische Stadtentwicklung Bergisch Gladbachs vertiefend darlegt werden.

3.1. Die Entwicklung Bergisch Gladbachs vor 1856

Wie für viele Städte in der Umgebung Kölns gilt auch für die Stadt Bergisch Gladbach, dass ursprünglich vielerorts Straßensiedlungen vorzufinden waren, die erst durch späteren Ausbau größere Siedlungen geworden sind. In der Mitte des 19. Jahrhunderts bestand der Bereich der späteren Stadt Bergisch Gladbach aus vielen Ortschaften und Einzelgehöften.79 Dies wird auch heute noch im Stadtbild sichtbar: Um die eigentliche Stadtzone schließt sich eine Reihe von Vororten und Weilern. Der Siedlungsraum der heutigen Stadt Bergisch Gladbach bestand im 19. Jahrhundert aus mehr als 150 einzelnen Siedlungen in typisch bergischer Streuweise. Für die Ursprünge Bergisch Gladbachs ist zu beachten, dass nicht etwa der Fluss „Strunde“ siedlungsbildend gewirkt hat, sondern dass sich zunächst die alten Siedlungskerne entwickelt haben, die heute teilweise außerhalb des Bergisch Gladbacher Stadtzentrums liegen.80 Die Ursprünge der alten dörflichen Siedlungen im Bergisch Gladbacher Stadtgebiet haben ihre Wurzeln wahrscheinlich in der Merowingerzeit. Vom Westen her wurden die Fronhöfe in Paffrath und in Gladbach angelegt. Der Hof in Paffrath hatte eine herausragende Stellung: Er lag in der Nähe der Heerstraße zwischen Mülheim und Wipperfürth81, über welche der Handelsverkehr bis nach Westfalen abgewickelt wurde. Paffrath wurde zum ersten Pfarrort für die umliegenden Dörfer und wurde Sitz eines kaiserlichen Sendgerichts und Hofgerichts. Später wurden die Fronhöfe in Sand und Gladbach gegründet. Um diese „Keimzellen“ bildeten sich bald weitere Höfe in Hebborn, Romaney, Gronau, Katterbach und Strundorf. Die Fronhöfe waren schon sehr früh an Kirchen angebunden. Aus den Hofzellen und den benachbarten Kirchen bildeten sich kleinere Hofgruppen sowie Siedlungen in Streuweise.82 Die frühere Eigenständigkeit der Siedlungen wird auch heute noch im Erscheinungsbild der Stadt deutlich. Selbst in den Ortschaften, in welchen der Siedlungskörper zusammengewachsen ist, und kein eigenständiges Dorf mehr erkennbar ist, hat sich der Geist des alten Eigenlebens emotional gehalten. Das Bewusstsein der einzelnen Stadtteile überlagert vielerorts den städtischen Bürgersinn.83

In der zweiten Wachstumsphase der heutigen Stadt Bergisch Gladbach setzte sich das an der Strunde gelegene Gladbach84 gegenüber den anderen dörflichen Siedlungen durch. Die Lage an der Strunde entwickelte sich zum Standortfaktor und überlagerte die Vorteile der übrigen Siedlungen, insbesondere das bis dahin bedeutsamere Paffrath. Der Fluss Strunde wurde zur Lebensader des Ortes Gladbach und begünstigte die gewerbliche Entwicklung im Tal der Strunde. Die Etablierung des produzierenden Gewerbes in Bergisch Gladbach ist vor allem auf äußere Einflüsse zurückzuführen. Kölner Kaufleute nutzten als erste die Wasserkraft der Strunde und leiteten die Entwicklung des Mühlgewerbes ein. Um der strengen katholisch geprägten dogmatischen Stadtverfassung Kölns zu entgehen, die für andersgläubige Hindernisse beinhaltete, waren es vor allem Protestanten, die sich an der Strunde niederließen und Mühlen anlegten. Die Kaufleute investierten in den Um- und Ausbau der bestehenden Mühlen an der Strunde, organisierten die Produktion durch die Beschaffung von Arbeitskräften und Rohstoffen und verkauften die Waren auf dem Markt der Stadt Köln.85

Von großer Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung im Tal der Strunde wurden die Papiermühlen, welche langfristig die Entwicklung der Stadt Bergisch Gladbach prägten. In der „freien Reichsstadt“ Köln konnten die reformierten Papiermacher ihr Handwerk nicht ausüben. Ende des 16. Jahrhunderts wurde deswegen dieser Gewerbezweig an die Strunde verlagert. 1582 errichtete Kaufmann Philipp von Fürth die erste Papiermühle Gladbachs, die Schnabelsmühle.86 Es folgte die Errichtung der Dombacher-, Kieppe- und Kradepohlsmühle. Die Papierindustrie wurde zum wichtigsten Wirtschaftszweig in Bergisch Gladbach. Durch die wirtschaftliche Konzentration am Bachlauf der Strunde wurde der Grundstein für die dominierende Rolle des Ortes Gladbach im Stadtgebiet gelegt.87 In dieser Wachstumsphase hat es im siedlungsstrukturellen Sinne keine wesentlichen Veränderungen auf dem Gebiet der Kommune gegeben. Bergisch Gladbach war weiterhin von vielen dörflichen Streusiedlungen geprägt, welche wiederum von Einzelhöfen und Weilern umgeben waren.88 Nach einem Bericht von 1846 war im gesamten Bereich der Bürgermeisterei Gladbach kein richtiges Dorf vorzufinden.89

Bedingt durch die moderne Industrieentwicklung kam es ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Fortentwicklung des gewerblichen Lebens in Bergisch Gladbach. Entscheidend für die Weiterentwicklung des Industriestandortes war die Umstellung der Papierproduktion vom handwerklichen auf das industrielle Herstellungsverfahren im Jahre 1851. Die mühsame Handfabrikation wurde durch Industrieanlagen verdrängt, die ehemals kleinen Papiermühlen entwickelten sich zu bedeutenden, modernen Fabrikanlagen.90

3.2. Die Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1856

Am 15. Mai 1856 wurde der preußischen Rheinprovinz eine Städteordnung verliehen. Diese städtische Kommunalverfassung stärkte die Selbstverwaltungsrechte der Städte und sollte zudem das bürgerliche Engagement fördern. Als neues Gremium wurde die Stadtverordnetenversammlung eingeführt, die von den Bürgern der Kommunen in freier und geheimer Wahl gewählt wurden.91

Die Rheinische Städteordnung konnte denen auf dem Provinziallandtage im Stande der Städte vertretenen Städte von mehr als 10000 Einwohnern verliehen werden. Städten mit geringerer Einwohnerzahl konnte die Rheinische Städteordnung übertragen werden, wenn in den Kommunen zur Zeit der Verkündigung der Gemeindeordnung vom 11. März 1850 die revidierte Städteordnung von 1831 gegolten hatte. Weiterhin konnte die Rheinische Städteordnung „durch Königliche Verordnung nach Befinden auch anderen auf dem Provinziallandtage im Stande der Städte vertretenden Gemeinden“ auf Antrag verliehen werden.92 In seinem Erlass vom 15. Mai 1856 betonte der preußische König ausdrücklich, dass die übergeordneten Behörden solche Gesuche fördern mögen. Im Jahr der Verleihung der „Rheinischen Städteordnung“ war Bergisch Gladbach ein Industriedorf. Die Gemeinde war überwiegend ländlich geprägt, nur die Papierfabriken entlang der Strunde gaben dem Ort einen industriellen Charakter.93

Am 2. Juli forderte der Landrat des Landkreises Mülheim den Bürgermeister Bergisch Gladbachs auf, unverzüglich den Gemeinderat einzuberufen und darüber zu beraten, ob dem Ort die „Rheinische Städteordnung“ verliehen werden soll, oder ob der Gemeinderat die Gemeindeverfassung der Rheinprovinz vorziehen würde.94 Der Bergisch Gladbacher Gemeinderat beschloss am 7. Juli 1856 einstimmig, die Verleihung der Stadtrechte nach der Rheinischen Städteordnung zu beantragen.95

Noch am gleichen Tag beantragte Bürgermeister Jakob Herweg „die Verleihung der Städteordnung vom 15. Mai […]“. In dem Antrag schrieb Herweg den übergeordneten Behörden: „Wenn bei der zerstreut liegenden Lage der letzteren die augenfälligen Merkmale der Stadt auch gänzlich fehlen, so spricht doch der umfangreiche gewerbliche Verkehr, wozu insbesondere die Papierfabriken, die Hütten, die Kalkfabrikation, die Pulverfabrikation, Spinnerei- und Weberei gehören, für das Dasein städtischer Verhältnisse in einem Umfange, wie er in manchen kleineren Städten übertreffend nicht gefunden wird.“96 Gemeinsam mit dem Antrag der Kommune Mülheim am Rhein, leitete der Landrat des Kreises die Anträge beider Städte weiter. Die Kölner Bezirksregierung betonte in einer Stellungnahme vom 12. Juli an den Oberpräsidenten in Koblenz, von Kleist-Retzow, dass die Gemeinde Bergisch Gladbach weder unter einer historischen Betrachtungsweise, durch städtische Einrichtungen oder durch ihr äußeres Erscheinungsbild dem Status einer Stadt entsprechen würde.97 Als erste Anträge rheinischer Gemeinden, trafen die Gesuche am 15. Juli 1856 mit den Bewertungen der Kölner Bezirksregierung in Koblenz ein. Die Anträge Mülheims und Bergisch Gladbachs auf die Verleihung der rheinischen Städteordnung wurden am 29. Juli an das Berliner Innenministerium weitergeleitet. Entgegen den negativen Bewertungen der Kölner Bezirksregierung hinsichtlich des Bergisch Gladbacher Antrages hatten die Berliner Behörden wohl wenig Interesse, die Serie der Verleihungen der Städteordnung gleich mit einem ablehnenden Bescheid zu beginnen.98

Am 9. August 1856 wurde durch König Friedrich Wilhelm IV. die Urkunde ausgefertigt, welche Bergisch Gladbach die Rheinische Städteordnung verlieh. Die damals 4947 Einwohner zählende Kommune wurde damit zur Stadt erhoben.99 Bergisch Gladbach bekam die Rheinische Städteordnung verliehen, obwohl es im Gladbacher Siedlungsgebiet keine städtische Ansiedlung gab. Die Verleihung der Stadtrechte erfolgte nicht aufgrund der städtebaulichen oder aufgrund der Bevölkerungsentwicklung. Bergisch Gladbach wurde allein wegen der einsetzenden Industrialisierung zur Stadt erhoben.100 Die Stadt galt mit ihren Mühlen, Kalkbrennereien und Hüttenbetrieben als „industrielles Entwicklungsgebiet“. Im verwaltungstechnischen Sinne sollte der Stadt mit der Verleihung der Rheinischen Städteordnung mehr Unabhängigkeit gegeben werden.101 Ein nicht-städtisches Gemeinwesen hätte die Auswirkungen der Industrialisierung nicht bewältigen können.

3.2.1. Die strukturelle Entwicklung Bergisch Gladbachs

Bedeutend für die städtische Entwicklung Bergisch Gladbachs waren infrastrukturelle Baumaßnahmen, insbesondere im Verkehrswesen. Durch das Strundetal wurde im Jahre 1843 die neue Landstraße von Mülheim nach Gladbach gebaut, welche später über Herrenstrunden, Spitze bis nach Wipperfürth weitergeführt wurde.102 Der Hauptverkehrsstrom, welcher bisher über die alte Heerstraße von Mülheim nach Wipperfürth abgewickelt wurde verlagerte sich ins Tal.103 Durch die Fertigstellung der Landstraße bekam Gladbach zudem ein Postamt. Durch den Bau der Straße und die Errichtung des Postamtes wurde die Bedeutung des Ortes Gladbach gegenüber den anderen Siedlungen noch weiter herausgehoben. Der Ausbau der Straße von Bensberg nach Bergisch Gladbach, sowie der Straße nach Dabringhausen eröffneten dem Gewerbe in Gladbach neue Absatzwege in das Bergische Hinterland.104 Neben der neuen Landstraße Mülheim- Wipperfürth war der im Jahre 1868 erfolgte Anschluss Bergisch Gladbachs an das überregionale Eisenbahnnetz von immenser Bedeutung. Der Schienenstrang führte von Mülheim nach Bergisch Gladbach und wurde im Jahre 1870 nach Bensberg verlängert. Von Bensberg aus folgte später die Verlängerung der Bahntrasse nach Hoffnungstal, Immekeppel und Lindlar.105 Im Bereich des Kopfbahnhofes in Bergisch Gladbach-Stadtmitte bildete sich ein Güterbahnhof, an den sich viele Industriebetriebe ansiedelten. Durch einen Gleisanschluss erhielten die Betriebe Zugang zum überregionalen Warenverkehr.

Aufgrund dieses Standortvorteils, bildete sich um den Bahnhof ein neues Industriegelände, welches durch die günstigen Grundstückspreise gefördert wurde. Die Industriebetriebe um den Bahnhof herum hatten ihren Schwerpunkt in der Metallverarbeitung.106 Der Wachstum Bergisch Gladbachs aus dem dörflichen Landschaftsbilde heraus war nach der Verleihung der Stadtrechte eng verknüpft mit der Ausweitung der Industrie.107 Der Zuzug vieler Arbeitskräfte aus dem Bergischen Land infolge der Industrialisierungsprozesse verursachte eine verstärkte Bautätigkeit. Die bestehende Bebauung in Bergisch Gladbach verdichtete sich, neue Straßenzüge entstanden.108

3.2.2. Die Herausbildung des Stadtzentrums in Bergisch Gladbach

Die ursprüngliche Siedlungsstruktur Bergisch Gladbachs lässt sich auch heute vielerorts im Stadtbild erkennen: Die Kommune entstand aus einer Vielzahl offener, bäuerlicher Streusiedlungen. Zugleich ist auffallend, dass die Stadt, obwohl sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus unzähligen Orten bestand, als Ergebnis des Ausbaus ein geschlossenes Stadtzentrum herausbilden konnte.109 Im Bereich des späteren Stadtkerns, dem heutigen Areal rund um den „Konrad-Adenauer-Platz“ und dem Geschäftszentrum in der Hauptstraße, existierte zu Beginn des 19. Jahrhunderts keine nennenswerte Ansiedlung.110 Mit dem Bau der neuen Landstraße nach Wipperfürth und dem Bau der Bahnstrecke von Köln-Mülheim nach Bergisch Gladbach setzte eine Zentrenbildung ein. Nachdem im Jahre 1868 die Eisenbahntrasse eröffnet wurde, entstand zwischen dem Bahnhofsgebäude und dem Marktplatz die erste städtische Konzentration entlang der „Wilhelmstraße“111. Die meisten Grundstücke in diesem Bereich waren im Besitz der katholischen Pfarrgemeinde und wurden von dieser veräußert. In den Gründerjahren ab 1870 entstand der Wilhelmstraße der erste städtisch bebaute Straßenzug mit dreigeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern. Infolge dieser Entwicklung entstanden im Innenstadtbereich immer mehr Etagenhäuser.112 Mit dem Anwachsen des gewerblichen Lebens war auch eine Zunahme der Bevölkerung zu verzeichnen. Gegenüber 1809 hat sich die Bevölkerungszahl in Bergisch Gladbach von 2500 auf 5000 verdoppelt. Von 1855 bis 1871 wuchs die Einwohnerzahl von 3142 auf 6192 Bürger.113 Der Verleihung der Stadtrechte folgten diverse infrastrukturelle Maßnahmen Bergisch Gladbachs, um den neuen Anforderungen als Stadt gerecht zu werden. So wurde im Jahre 1895 das Krankenhaus „Maria Hilf“ eingeweiht, 1894 die städtische Gasanstalt erbaut, sowie eine höhere Knaben- und eine höhere Mädchenschule eingerichtet.114 Des Weiteren wurde das Wegenetz ausgebessert, eine zentrale Wasserversorgung, ein Schlachthaus und eine Badeanstalt gebaut.115

Die Zentrenbildung im Bereich des Marktplatzes wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zusätzlich dadurch bestärkt, dass das Ensemble um den Marktplatz durch den Bau eines Bürgerhauses (1904), den Umbau des Gasthauses „am Bock“ (1904) und den Bau eines neuen Rathauses (1906) erweitert wurde.

3.2.3. Neue siedlungsgeographische Problemstellungen

Mit dem Anwachsen des Fabrikgewerbes und der damit verbundenen Zunahme der Bevölkerung, welche insbesondere aus dem bergischen Hinterland zuströmte, kam es zu einem verstärkten Wohnraumbedarf in der Stadt Bergisch Gladbach. Viele der auswärtigen Arbeiter siedelten sich im neuen Arbeitsort an. Die Zahl der Wohnhausneubauten stieg von 15 Gebäuden im Jahr 1896 auf 46 Häuser im Jahr 1900. Die Entwicklung des Wohnungsbaus entwickelte sich jedoch für die Planer der Stadt unerfreulich, da verstärkt Mehrfamilienmietswohnhäuser errichtet wurden.116

Zunächst glich die Entwicklung des Wohnungswesens in Bergisch Gladbach der Wohnungsproduktion in anderen Industriestädten, etwa im benachbarten Mülheim am Rhein. In den Städten erfolgte der Wohnungsbau vorwiegend nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten unter Aufgabe jeglicher ästhetischer Gestaltung.

[...]


1 SCHMITZ, Ferdinand (1926): Bergisch Gladbach. Der Aufbau, o.O., S. 16-20.

2 Vgl.: www.bergischgladbach.de (24.04.2006; 21:02)

3 Vgl.: HEINEBERG, Heinz (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, Paderborn, S. 26.

4 Die Gründung der Deutschen Gartenstadtgesellschaft erfolgte im Jahre 1902.

5 Vgl.: KISTEMANN, Eva (2000): Gewerblich-industrielle Kulturlandschaft in Schutz- und Planungskonzepten Bergisch Gladbach 1820-1999, Essen, S. 327.

6 Die Privatstiftung der Eheleute Anna und Richard Zanders wurde im Jahr 1913 durch die neu gegründete Gemeinnützige Gartensiedlungsgesellschaft Gronauer Wald ersetzt.

7 Vgl.: Gemeinnützige Gartensiedlungsgesellschaft Gronauer Wald (1983): Festschrift Gemeinnützige Gartensiedlungsgesellschaft Gronauerwald mbH 1983, Wiesbaden, S. 5.

8 FEHN, Klaus; SCHENK, Winfried (1993): Das historisch-geographische Kulturlandschaftskataster - eine Aufgabe der geographischen Landeskunde, in: Berichte zur deutschen Landeskunde, 67, 1993, H.2, S. 481.

9 REULECKE, Jürgen (1985): Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, Frankfurt am Main, S. 68.

10 Vgl.: HENNING, Friedrich-Wilhelm (1979): Die Industrialisierung in Deutschland 1800 bis 1914, Paderborn, S. 112.

11 Vgl.: HENNING (1979): Die Industrialisierung in Deutschland, S. 163.

12 FASSMANN, Heinz (2005): Stadtgeographie 1, Braunschweig, S. 81.

13 Vgl.: GEURTS, Gerhard(2000): Karren, Kessel und Granaten. Geschichte der Metallindustrie in Bergisch Gladbach, Bergisch Gladbach, S. 9.

14 REULECKE (1985): Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, S. 69.

15 Vgl.: HENNING (1979): Die Industrialisierung in Deutschland, S. 37.

16 Vgl.: Ebenda, S. 37-41.

17 Vgl.: BÄHR, Jürgen (1997): Bevölkerungsgeographie. Verteilung und Dynamik der Bevölkerung in globaler, nationaler und regionaler Sicht, Stuttgart, S. 200.

18 Vgl.: REULECKE (1985): Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, S. 71.

19 Vgl.: FASSMANN (2005): Stadtgeographie 1, S. 51.

20 Vgl.: HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 212.

21 Vgl.: FASSMANN (2005): Stadtgeographie 1, S. 81.

22 Vgl.: Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland. Eine Zwischenbilanz aus denkmalpflegerischer Sicht (= Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 67), Worms, S. 28.

23 Vgl.: BÄHR (1997): Bevölkerungsgeographie, S. 82.

24 Vgl.: REULECKE (1985): Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, S. 78.

25 Vgl.: HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 210.

26 Vgl.: Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland, S.

27 Ebenda, S. 20.

28 Bei diesem Haustyp wurden die Reihenhäuser Rückseite an Rückseite gebaut, so dass das Wohnhaus nur eine „offene“ Seite aufwies.

29 Die Literatur definiert Mietskasernen mehrstöckige Mehrfamilienhäuser aus dem Zeitalter der Industrialisierung, welche für die unteren Bevölkerungsschichten gebaut wurden. Da die Hausanordnung dem Stil des Kasernenbaus glich, sprach man umgangssprachlich von Mietskasernen.

30 Vgl.: REULECKE (1985): Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, S. 98.

31 Vgl.: ZEHNER, Klaus (2001): Stadtgeographie, Gotha, S. 122.

32 FASSMANN (2005): Stadtgeographie 1, S. 51.

33 Regierungsbaumeister James Hobrecht lebte von 1825 bis 1902.

34 Vgl.: ZEHNER (2001): Stadtgeographie, S. 119.

35 Vgl.: HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 214.

36 Vgl.: ZEHNER (2001): Stadtgeographie, S. 119.

37 Vgl.: HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 215.

38 Vgl.: REULECKE (1985): Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, S. 79.

39 Vgl.: HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 213.

40 Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland, S. 20.

41 Vgl.: HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 216.

42 Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland, S. 20.

43 Ebenda, S. 14.

44 Vgl.: HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 216.

45 Vgl.: Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland, S.

46 Ebenda, S. 27.

47 Ebenda, S. 36.

48 Vgl.: HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 217.

49 Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland, S. 26.

50 HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 217-218.

51 Vgl.: ZEHNER (2001): Stadtgeographie, S. 122.

52 Ebenezer Howard wurde 1850 geboren und starb im Jahre 1928. Howard erlebte schon in jungen Jahren die Verschmutzung, räumliche Verdichtung sowie die katastrophalen sozialen Verhältnisse in den modernen Industriemetropolen.

53 Vgl.: HOWARD, Ebenezer (1898): „Author’s Introduction and „The town-Country Magnet“: From Garden Cities of tomorrow, in: LEGATES, R.T.; STOUT, F. (Hg.): The City Reader, London, New, York 1996, S. 345-353.

54 Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland, S. 30.

55 Ein „acre“ entspricht der Größe von 0,4 Hektar.

56 Vgl.: ZEHNER (2001): Stadtgeographie, S. 125.

57 HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 117.

58 Vgl.: KAMPFFMEYER, Bernhard (1908): Von der Kleinstadt zur Gartenstadt, Berlin-Nikolassee, S. 5.

59 Letchworth wurde ab 1903 50 km nördlich von London gebaut.

60 „Welwyn Garden City“ wurde ab 1920 auf halbem Wege zwischen London und Letchworth errichtet.

61 Vgl.: HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 118.

62 Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland, S. 55.

63 Vgl.: KAMPFFMEYER (1908): Von der Kleinstadt zur Gartenstadt, S. 18.

64 Vgl.: Ebenda, S. 18.

65 Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland, S. 55.

66 Vgl.: Ebenda, S. 30.

67 Vgl.: NOVY, Klaus (Hg.) (1986):Wohnreform in Köln. Geschichte der Baugenossenschaften. Zur Ausstellung „Anders Leben“, Kölnisches Stadtmuseum, Köln, S. 38.

68 Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland, S. 30.

69 Vgl.: Ebenda, S. 218.

70 SCHMITZ, Ferdinand (1926): Bergisch Gladbach. Der Aufbau, S. 16.

71 Vgl.: Stadt Bergisch Gladbach: www.bergischgladbach.de (29.04.06: 21:13)

72 Vgl.: Stadt Bergisch Gladbach: www.bergischgladbach.de/datenfakten.aspx (01.05.06; 12:07)

73 Seit 1933 ist Bergisch Gladbach Kreisstadt des Rheinisch-Bergischen Kreises.

74 Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Köln.

75 Vgl.: Stadt Bergisch Gladbach (Hg.) (1989): Bergisch Gladbach. Strukturen. Überblick und Einblick, Reken, S. 6.

76 Die Verleihung der Stadtrechte erfolgte im Jahr 1947.

77 Die Stadtteile auf den bergischen Hochflächen gehören bereits zum „Naturpark Bergisches Land“.

78 WEGNER, Manfred (1970): Wachstum und Planung in den Städten des Bergischen Landes. Bergisch Gladbach, Bensberg, Bergneustadt und Gummersbach, Wiesbaden (= Kölner Forschungen zur Wirtschafts- und Sozialgeographie), S. 38.

79 Vgl.: Stadt Bergisch Gladbach (Hg.) (1906): Festschrift zur Feier des fünfzigjährigen Stadtjubiläums und der Einweihung des Rathauses, Bergisch Gladbach, S. 3.

80 Vgl.: WEGNER (1970): Wachstum und Planung in den Städten des Bergischen Landes, S. 37.

81 Die alte „Heerstraße“ in Teilen identisch mit der heutigen Bundesstraße 506 nach Wipperfürth („Handstraße“ bzw. „Alte Wipperführter Straße“).

82 WEGNER (1970): Wachstum und Planung in den Städten des Bergischen Landes, S. 38.

83 Vgl.: Ebenda, S. 39.

84 In Abgrenzung zum Ort „Mönchengladbach“ am Niederrhein führte die Post die Bezeichnung Bergisch Gladbach ein. Die Ortsbezeichnung Bergisch Gladbach konnte erstmalig am 6. März 1848 nachgewiesen werden.

85 Vgl.: KISTEMANN (2000): Gewerblich-industrielle Kulturlandschaft Bergisch Gladbach, S. 84.

86 Vgl.: Stadtarchiv Bergisch Gladbach: D 696 (unpag.): Schmidt, Franz: Die Siedlung Gronauer Wald bei Bergisch-Gladbach, S. 6.

87 Vgl.: WEGNER, (1970): Wachstum und Planung in den Städten des Bergischen Landes, S. 40.

88 Vgl.: Ebenda, S. 41.

89 Vgl.: JUX, Anton (1964): Das Bergische Botenamt Gladbach. Die Geschichte Bergisch Gladbachs bis in die Preussische Zeit, Bergisch Gladbach, S. 7.

90 Vgl.: Stadtarchiv Bergisch Gladbach: D 696 (unpag.): Schmidt, Franz: Die Siedlung Gronauer Wald bei Bergisch-Gladbach, S. 6.

91 Vgl.: WURMBACH, Sabine (2005): 15.Mai 1856:Die Rheinische Städteordnung. Bergisch Gladbach, Burscheid, Leichlingen: 150 Jahre Stadtrechte, in: Rheinisch-Bergischer Kreis (Hg.) (2006): Rheinisch Bergischer Kalender 2006. Heimatjahrbuch für das Bergische Land, Bergisch Gladbach, S. 22-24.

92 Stadtarchiv Bergisch Gladbach E 2/1156(unpag.)

93 Vgl.: JUX, Anton (1956): Die Verleihung der Rheinischen Städteordnung an Mülheim am Rhein, Bergisch Gladbach und Wipperfürth 1856, in: Rheinisch-Bergischer Kreis (Hg.) (1956): Rheinisch Bergischer Kalender 1956. Heimatjahrbuch für das Bergische Land, Bergisch Gladbach, S. 18.

94 Vgl.: Stadtarchiv Bergisch Gladbach E 2/1156 (unpag.)

95 Vgl.: Ebenda (unpag.)

96 Ebenda (unpag.)

97 Vgl.: JUX (1956): Die Verleihung der Rheinischen Städteordnung, S. 21-22.

98 Vgl.: Ebenda, S. 23.

99 Vgl.: JUX, Anton (1956): Bergisch Gladbach im Wandel der Zeiten, in: Stadt Bergisch Gladbach (1956): 100 Jahre Stadt Bergisch Gladbach 1856-1956, S. 16.

100 Vgl.: KISTEMANN (2000): Gewerblich-industrielle Kulturlandschaft in Bergisch Gladbach, S. 15.

101 Vgl.: BRENNER, Hans-Leonhard (1996): Von Schwaben ins Bergische Land. Ludwig Bopp, der Architekt des Bergisch Gladbacher Rathauses, in: Bergischer Geschichtsverein Abt. Rhein- Berg e.V. (Hg.) (1996): Heimat zwischen Sülz und Dhünn. Geschichte und Volkskunde in Bergisch Gladbach und Umgebung, Bergisch Gladbach, S. 28.

102 Die Vollendung der Strecke nach Wipperfürth erfolgte im Jahre 1853.

103 Vgl.: WEGNER (1970): Wachstum und Planung in den Städten des Bergischen Landes, S. 42.

104 Vgl.: Stadt Bergisch Gladbach (Hg.) (1906): Festschrift zur Feier des fünfzigjährigen Stadtjubiläums und der Einweihung des Rathauses, S. 5.

105 Vgl.: WEGNER (1970): Wachstum und Planung in den Städten des Bergischen Landes, S. 42.

106 Vgl.: Ebenda, S. 42.

107 Vgl.: JUX, Anton (1956): Bergisch Gladbach im Wandel der Zeiten, Seite 16.

108 Vgl.: GEURTS (2000): Karren, Kessel und Granaten, Seite 20.

109 Vgl.: WEGNER (1970): Wachstum und Planung in den Städten des Bergischen Landes, S. 50.

110 Die Stadt Bergisch Gladbach hatte im Jahr 1856 lediglich 5000 Einwohner.

111 Heutige Straßenbezeichnung: „Hauptstraße“.

112 Vgl.: Gemeinnützige Gartensiedlungsgesellschaft Gronauer Wald (1914): Entwicklung des Bau und Wohnungswesens in Bergisch Gladbach 1914, Bergisch Gladbach, S. 8.

113 Vgl.: Stadtarchiv Bergisch Gladbach E2/1156 (unpag.)

114 Vgl.: Ebenda (unpag.)

115 Vgl.: Stadtarchiv Bergisch Gladbach: D 696 (unpag.): Schmidt, Franz: Die Siedlung Gronauer Wald bei Bergisch-Gladbach, S. 9.

116 Vgl.: Stadtarchiv Bergisch Gladbach: D 696: Gronauerwald Bergisch-Gladbach, S. 1.

Ende der Leseprobe aus 131 Seiten

Details

Titel
Alternativer Kleinwohnungsbau im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Gronauer Waldsiedlung in Bergisch Gladbach
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Geographisches Institut der Universität Bonn)
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
131
Katalognummer
V79425
ISBN (eBook)
9783638800693
ISBN (Buch)
9783638803762
Dateigröße
14666 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Modelle, Kleinwohnungsbaus, Jahrhundert, Beispiel, Gronauer, Waldsiedlung, Bergisch, Gladbach
Arbeit zitieren
Andreas Kaul (Autor), 2006, Alternativer Kleinwohnungsbau im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Gronauer Waldsiedlung in Bergisch Gladbach, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79425

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