Popular opinion of the European Union is becoming increasingly important for its legitimacy. This is due to the transfer of competencies from the member state to the European level, resulting in politicization. The purpose of this empirical study is to investigate citizens’ trust in the EU as a political entity. According to the theory of political support originally developed by David Easton, trust is a central orientation toward a political system. While rather diffuse in nature, it simultaneously depends considerably on specific attitudes. As for the research design, the position of trust – diffuse or specific – will first be identified with the instrument of the principal components analysis using the 1999 wave of the European Values Survey and the Eurobarometer 62 (2004). Secondly, twelve hypotheses on possible determinants of attitudes toward integration will be tested in a series of standardized multiple regressions run separately on fourteen countries.
As the results show, trust in the EU is not well internalized. In many countries, it is impossible to clearly attribute it to one of the factors of political support. However, in Western und Southern Europe the EU seems to be perceived as simply another regime institution, hence a part of the „domestic” political system. In contrast, in Britain and Eastern Europe, a „general European factor” emerges showing that respondents separate the national political system from the „foreign” European sphere. Across Europe, the three necessary factors shaping trust in the EU are as follows: trust in national parliament, satisfaction with EU democracy, and trust in the social security system. Support of the nation state and satisfaction with its systemic performance boost the respondents’ trust in the EU. Thus, the EU is not viewed as an alternative to the domestic regime because the later is ineffective. However, the citizens also base their support for the EU depending on their understanding of democracy. Ultimately, few variables other than their political attitudes determine citizens’ trust in the EU. When all plausible economic and political explanations are accounted for, identity and let alone religion have but minor additional influence. The implication is that neither culture, identity, nor religion poses a long term threat to the consolidation of popular support, and the level of trust can be elevated if Europe and the member states deliver.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Legitimität
2.2 Das Konzept politischer Unterstützung
2.3 Anwendung des Konzepts auf die Europäische Union
3. Zum Begriff Vertrauen
3.1 Politisches und soziales Vertrauen
3.2 Abgrenzung des Vertrauens innerhalb des Konzepts politischer Unterstützung
4. Das Unterstützungsobjekt: Die Europäische Union
4.1 Das politische System der Europäischen Union
4.2 Legitimitätsbedarf
4.3 Demokratische politische Kultur in der EU?
4.4 Die politische Gemeinschaft der EU und die europäische Identität
4.5. Vertrauen in die EU
5. Die Entstehung von Einstellungen zur Europäischen Union. Interessen oder Identität?
5.1 Zweckrational
5.2 Wertrational
5.3 National
5.4 Europäisch
5.5 Schlussbemerkungen
5.6 Thesen
6. Empirische Fragen, Hypothesen und Vorgehen
6.1 Dimensionen
6.2 Empirische Hypothesen zu den einzelnen Determinanten.
6.2.1 ökonomische Determinanten
6.2.2 Politische und kulturelle Determinanten
6.3 Länderauswahl
7. Empirische Umsetzung
7.1 Vorgehen
7.2 Das Vertrauen in die Europäische Union in Zahlen
7.3 Die inhaltliche Bestimmung des Vertrauens. Ergebnisse der Faktoranalyse.
7.4 Das Regressionsmodell
7.4.1 Auswahl der erklärenden Variablen
7.4.2 Ergebnisse der Regressionsanalyse: Die Determinanten des Vertrauens
8. Länderprofile
8.1 Westdeutschland
8.1.1 Verteilungen
8.1.2 Dimensionen
8.1.3 Determinanten
8.2 Ostdeutschland
8.2.1 Verteilungen
8.2.2 Dimensionen
8.2.3 Determinanten
8.3 Belgien
8.3.1 Verteilungen
8.3.2 Dimensionen
8.3.3 Determinanten
8.4 Luxemburg
8.4.1 Verteilungen
8.4.2 Dimensionen
8.4.3 Determinanten
8.5 Österreich
8.5.1 Verteilungen
8.5.2 Dimensionen
8.5.3 Determinanten
8.6 Frankreich
8.7.1 Verteilungen
8.7.2 Dimensionen
8.7.3 Determinanten
8.7 Großbritannien
8.8.1 Verteilungen
8.8.2 Dimensionen
8.8.3 Determinanten
8.8 Schweden
8.9.1 Verteilungen
8.9.2 Dimensionen
8.9.3 Determinanten
8.9 Griechenland
8.6.1 Verteilungen
8.6.2 Dimensionen
8.6.3 Determinanten
8.10 Portugal
8.10.1 Verteilungen
8.10.2 Dimensionen
8.10.3 Determinanten
8.11 Tschechien
8.11.1 Verteilungen
8.11.2 Dimensionen
8.11.3 Determinanten
8.12 Ungarn
8.12.1 Verteilungen
8.12.2 Dimensionen
8.12.3 Determinanten
8.13 Slowakei
8.13.1 Verteilungen
8.13.2 Dimensionen
8.13.2 Determinanten
8.14 Polen
8.14.1 Verteilungen
8.14.2 Dimensionen
8.14.3 Determinanten
9. Beantwortung der Hypothesen
10. Quelle des Vertrauens: Werte oder Kalkül?
11. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Vertrauen der Bürger in die Europäische Union als politisches System. Dabei liegt der Fokus auf der Bestimmung der Determinanten dieses Vertrauens und der Frage, ob es sich um eine zweckrationale oder wertrationale Einstellung handelt, die aus der Identifikation mit der europäischen Gemeinschaft resultiert.
- Analyse des Konzepts politischer Unterstützung nach David Easton im Kontext der EU.
- Untersuchung von ökonomischen Determinanten (z.B. Nutzenkalkül) im Vergleich zu politisch-kulturellen Faktoren.
- Empirische Testung von Hypothesen mittels Regressionsanalysen für 14 verschiedene Länder.
- Vergleichende Untersuchung alter und neuer Mitgliedsstaaten hinsichtlich ihrer Vertrauensniveaus.
- Identifikation der Rolle von Identität und Demokratiezufriedenheit für die Stabilität des Regimevertrauens.
Auszug aus dem Buch
4.1 Das politische System der Europäischen Union
Die Europäische Union ist ein junges, supranationales politisches System, dessen Klassifikation nicht nur Politikwissenschaftlern Kopfzerbrechen bereitet. Um eine Erklärung wetteifern seit Jahrzehnten verschiedene Integrationsschulen. Stellvertretend genannt seien, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, 1. der Funktionalismus und der Neofunktionalismus bzw. supranationale Institutionalismus (Haas, 1958, 1964; Lindberg/Scheingold, 1970), berühmt für die Entdeckung der sog. still oder Effekts14; 2. der Intergouvernmentalismus (Hoffmann, 1966) und der liberale Intergouvernmentalismus (Hoffmann/Keohane, 1991; Moravcsik, 1993, 1998, 1999); 3. Der Mehrebenenansatz (Eising/Kohler-Koch, 1999; Grande/Jachtenfuchs, 2000) sowie 4. der Neo-Institutionalismus (Scharpf, 1999).
Schlagwortartig wird zumeist vom „dynamischen Mehrebenensystem”15 mit „variabler Geometrie”16 gesprochen. Davor war schlicht vom ominösen „Gebäude sui generis” die Rede (Kohler-Koch 1992, Jachtenfuchs/Kohler-Koch 1996, Bach 2000). Manche entdecken in der EU konsoziative oder konkordanzdemokratische Züge17. Begrifflichkeiten dieser Art sind alle nur einer engeren Gruppe von Experten geläufig. Die Bevölkerung kann sich keinen Reim darauf machen, und die populären Vorstellungen, was die Europäische Union nun eigentlich ist (und sein soll) sind vage gehalten und wohl sehr differenziert. Sie wird gewiss mit offenen Grenzen, Reisefreiheit, Frieden, dem Binnenmarkt oder dem Euro assoziiert, die Struktur und Wirkungsweise des politischen Systems bleiben aber im Dunkeln, und auch das Interesse daran lässt zu wünschen übrig, im Vergleich zur gewohnten nationalen Ebene (anders z.B. Ray, 2003:273).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in die zunehmende Politisierung der EU ein und hinterfragt, ob dem institutionellen Wandel ein politisch-kultureller Wandel in Form von Regimevertrauen folgt.
2.Theoretischer Hintergrund: Hier wird das Konzept der politischen Unterstützung nach David Easton vorgestellt, um es auf das europäische Mehrebenensystem anzuwenden.
3. Zum Begriff Vertrauen: Es erfolgt eine Differenzierung zwischen sozialem und politischem Vertrauen, wobei das Regimevertrauen als abhängige Variable für die weitere Untersuchung festgelegt wird.
4. Das Unterstützungsobjekt: Die Europäische Union: Dieses Kapitel analysiert die EU als politisches System und beleuchtet den Legitimitätsbedarf sowie die Rolle der europäischen Identität.
5. Die Entstehung von Einstellungen zur Europäischen Union. Interessen oder Identität?: Eine Auseinandersetzung mit den theoretischen Ansätzen, ob Einstellungen eher zweckrational (ökonomisch) oder wertrational (identitätsbasiert) begründet sind.
6. Empirische Fragen, Hypothesen und Vorgehen: Das Kapitel leitet die Forschungsfragen ab, stellt konkrete Hypothesen zu Determinanten auf und begründet die Länderauswahl für die empirische Analyse.
7. Empirische Umsetzung: Hier wird das methodische Vorgehen (Faktoranalyse, Regressionsmodell) dargelegt und die empirische Basis aus Eurobarometer- und EVS-Daten beschrieben.
8. Länderprofile: Detaillierte Analyse der Ergebnisse für die einzelnen untersuchten Länder, unterteilt in Verteilungen, Dimensionen und Determinanten.
9. Beantwortung der Hypothesen: Systematische Auswertung der aufgestellten Hypothesen auf Basis der erhobenen Daten.
10. Quelle des Vertrauens: Werte oder Kalkül?: Ein zusammenfassendes Fazit über das Verhältnis von ökonomischen und politischen Faktoren für das Vertrauen in die EU.
11. Schlusswort: Abschließende Reflexion über die Stabilität der europäischen politischen Ordnung und die Bedeutung der Performanz für die Zukunft der EU.
Schlüsselwörter
Europäische Union, Vertrauen, Politische Unterstützung, Legitimität, Politische Kultur, Europäische Identität, Demokratiezufriedenheit, Regressionsanalyse, Eurobarometer, European Values Survey, Politische Ökonomie, Mehrebenensystem, Regimevertrauen, Politische Partizipation, Institutionenvertrauen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, warum Menschen der Europäischen Union vertrauen oder ihr misstrauen, und welche Faktoren – seien es wirtschaftliche Vorteile oder politische Einstellungen – dabei die entscheidende Rolle spielen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Untersuchung deckt die theoretischen Grundlagen der politischen Unterstützung, die Rolle der europäischen Identität, die Bedeutung nationaler politischer Kulturen und die empirische Analyse von Vertrauensdeterminanten in verschiedenen EU-Staaten ab.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, die Determinanten des Vertrauens in die EU zu identifizieren und empirisch zu belegen, in welchem Maße dieses Vertrauen auf rationalen Nutzenkalkulationen oder auf tiefer verankerten politischen und kulturellen Einstellungen basiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet eine quantitative Sekundäranalyse von Eurobarometer- und European Values Survey (EVS)-Daten. Methodisch kommen Faktoranalysen zur Dimensionenprüfung und multiple Regressionsanalysen zur Identifikation der Determinanten zum Einsatz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Vertrauensbegriffs und der EU als politisches System, die Aufstellung empirischer Hypothesen, die Beschreibung des Vorgehens und eine detaillierte Analyse der Ergebnisse für verschiedene Länderprofile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Vertrauen, Politische Unterstützung, Europäische Union, Legitimität, Politische Kultur, Europäische Identität und Determinantenanalyse.
Inwieweit spielt die nationale Identität eine Rolle für das Vertrauen in die EU?
Die Ergebnisse zeigen, dass exklusive nationale Identitäten eher negativ mit dem Vertrauen in die EU korrelieren. Die Identifikation mit der politischen Gemeinschaft der EU ist oft schwach ausgeprägt und den nationalen Loyalitäten untergeordnet.
Warum schneiden manche Länder bei der Unterstützung der EU deutlich besser ab als andere?
Dies hängt stark vom nationalen Kontext ab. Länder, in denen das nationale politische System als leistungsfähig wahrgenommen wird, zeigen oft ein stabileres Vertrauen in die europäischen Institutionen, während in anderen Regionen das Vertrauen stärker von der direkten wirtschaftlichen Performanz abhängig ist.
- Quote paper
- Jacek Biernat (Author), 2007, Das Vertrauen in die Europäische Union - Determinanten und Dimensionen im Vergleich alter und neuer Mitgliedsstaaten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79432