Prävention von Lese-Rechtschreibstörungen bei Vorschulkindern mit Migrationshintergrund


Diplomarbeit, 2007

88 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1. Grundlagen
1.1 Umschreibung der Zielgruppe Kinder mit Migrationshintergrund
1.2 Definitionen und Symptomatik von Störungen der Lese-Rechtschreib-Fähigkeiten
1.3 Charakterisierung von Prävention
1.4 Bewertung/ Aussichten

2. Ausgewählte Erklärungsansätze zur Entstehung von Störungen der Lese-Rechtschreib-Fähigkeiten
2.1 Genetische Befunde
2.2 Störung der visuellen und akustischen Wahrnehmung
2.3 Kognitive Funktionen
2.4 Gedächtnis und Aufmerksamkeit
2.5 Psychosoziale Ansätze
2.6 Bewertung

3. Positionsbestimmung der schulischen Fähigkeiten von Kindern mit Migrationshintergrund
3.1 Migration in Deutschland
3.2 Bildungsbeteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund
3.3 Die Lese-Rechtschreib-Fähigkeiten von Kindern mit Migrationshintergrund
3.4 Bewertung

4. Präventive Interventionen gegenüber Störungen der Lese-Rechtschreib-Fähigkeiten
4.1 Diagnoseverfahren
4.1.1 Das Bielefelder Screening
4.1.2 Barth Gruppentest
4.2 Therapieverfahren / Förderprogramme
4.2.1 Würzburger Trainingsprogramm
4.2.2 Förderung der phonologischen Bewusstheit zur Vorbeugung von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten
4.3 Bewertung

5. Ergänzende Aspekte zu den präventiven Interventionen bezüglich Kindern mit Migrationshintergrund unter Einbeziehung der Sozialen Arbeit
5.1 Osnabrücker Sprachfördermaterialien
5.2 Bildungsorientierte Elternarbeit
5.2.1 home instruction program for preschool youngsters / HIPPY
5.2.2 Das Rucksack Projekt
5.3 Interventionen in den Praxisfeldern der Sozialen Arbeit
5.4 Bewertung

6. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Spätestens seit den ersten PISA-Ergebnissen aus dem Jahr 2000 sind Kinder mit Migrationshintergrund in den Fokus der deutschen Bildungsdebatte gerückt. Die prekären Leistungen der Migranten sorgten für anhaltend konträre Diskussionen. Nach dem PISA-Schock nahmen die Verantwortlichen stückweise Modifikationen im deutschen Schulsystem vor. So wurden u. a. Lernstandards verbreitet, vorschulische Sprachtests eingeführt und Leseprogramme entwickelt. Im März 2007 kam eine erneute Mahnung an das deutsche Bildungssystem, diesmal aus dem Hause der UN-Menschenrechtskommission. Der UNO-Inspektor Vernor Muñoz beanstandete die mangelnde schulische Chancengleichheit der in Deutschland lebenden Menschen. Das deutsche Bildungssystem schaffe es nicht, Migrantenkinder und Schüler aus sozial schwachen Familien gerecht zu fördern.

Mittlerweile ist einem Großteil der Öffentlichkeit bewusst, dass Migranten besondere Bildungsdefizite aufweisen. In der vorliegenden Diplomarbeit werden dabei ausgeprägte schulische Beeinträchtigungen bearbeitet, primär die Störungen der Lese-Rechtschreib-Fähigkeiten. Bei der Konzeption dieser Arbeit bestand zu Beginn die kausale Überlegung warum überproportional viele Kinder mit Migrationshintergrund von den Beeinträchtigungen der Lese-Rechtschreib-Fähigkeiten betroffen sind. Außerdem sollte überprüft werden ob diese überproportionale Betroffenheit anhand von statistischen Datensätzen bestätigt wird. Bei der weiteren Bearbeitung kristallisierte sich sukzessiv das Thema und beschränkte sich auf die starken Beeinträchtigungen, insbesondere die Störungen der Lese-Rechtschreib-Fähigkeiten bei Kindern mit Migrationshintergrund. Die nachfolgende thematische Eingrenzung auf Vorschulkinder resultierte aus den präventiven Interventionen gegenüber Störungen der Lese-Rechtschreib-Fähigkeiten. Die präventiven Verfahren finden im Wesentlichen vor dem eigentlichen Schriftspracherwerb statt, bevor die Kinder eingeschult werden.

Innerhalb des ersten Kapitels sind die grundlegenden Ausgangspunkte, Begriffe und Sachgebiete dieser Diplomarbeit beschrieben. Es werden zunächst die verschiedenen Termini Migration, Störungen der Lese-Rechtschreib-Leistungen und Prävention getrennt voneinander erklärt. Im weiteren Verlauf begründet sich eingehend die besondere Beziehung. Ohne Erkenntnisse über Ursachen und Entstehungsbedingungen von Störungen der Lese-Rechtschreib-Fähigkeiten können keine wirksamem Gegenmaßnahmen konzipiert werden. Aus diesem Grund betrachtet das zweite Kapitel unterschiedliche Erklärungsansätze zur Entstehung der Störungen.

Das dritte Kapitel verfolgt eine Positionsbestimmung der Kinder mit Migrationshintergrund. Im Zentrum der Positionsbestimmung sind die Störungen von Lese-Rechtschreib-Fähigkeiten. Hierbei werden vorhandene Datensätze zu den wesentlichen Fragestellungen dieser Diplomarbeit untersucht. Erkenntnisleitend sind Aussagen zu der Verbreitung und zu den Auswirkungen von Störungen der Lese-Rechtschreib-Fähigkeiten bei Migranten in Deutschland.

Innerhalb des vierten Kapitels werden präventive Interventionsformen dargestellt. Es inkludiert Tests und Screenings als diagnostische Methoden, ebenso Trainings bzw. Förderkonzepte zur Behebung von Beeinträchtigungen. Die Interventionen beziehen sich primär auf das vorschulische Alter. Es gibt bei den Verfahren partiell Überschneidungen zu Konzeptionen, die sekundär auch in Schulsettings eingesetzt werden. Diese Verfahren sind allgemein für gefährdete Kinder entworfen worden und nicht ausschließlich gesondert für Kinder mit Migrationshintergrund.

Im fünften Absatz werden ergänzende Aspekte und Interventionen betrachtet, die ihre Ausrichtung noch deutlicher auf Kinder mit Migrationshintergrund beziehen. Neben institutionellen Förderprozessen werden auch häusliche Trainingsmodelle dargestellt. An letzter Stelle dieses Kapitels soll die Soziale Arbeit in entsprechenden Praxisfeldern skizziert werden. Dieser Absatz betrifft die Verbreitung präventiver Interventionen in diversen Praxisfeldern der Sozialen Arbeit, sowie die Anwendung typischer Methoden etc.

Im Fazit der Diplomarbeit werden die Resultate der Kapitel zusammengetragen. Es erfolgen Rückschlüsse und eine Bilanz zu der Prävention von Störungen der Lese-Rechtschreib-Fähigkeiten bei Kindern mit Migrationshintergrund.

Bei den Begrifflichkeiten möchte ich anführen, dass ich anstelle der Termini Sozialpädagogik und Sozialarbeit den einheitlichen Begriff Soziale Arbeit setze. Für die hierin tätigen Personen benutze ich die Doppelnennung Sozialarbeiter/Sozialpädagogen.

Überdies bitte ich mir nachzusehen, die geschlechtsspezifischen Feinheiten in den Begrifflichkeiten zu Gunsten der Lesbarkeit vernachlässigt zu haben. Eine ständige Doppeldenomination erschien mir als zu lang und die Variante mit dem großen I als nur schwer lesbar.

1. Grundlagen

Der Zusammenhang von Migration und Störungen der Lese- Rechtschreib-Fähigkeiten bei Kindern ist relativ vielschichtig. Im nachstehenden Kapitel sollen daher die erforderlichen Ausgangspunkte und Abgrenzungen für die Prävention von Störungen der Lese-Rechtschreib-Fähigkeiten bei Kindern mit Migrationshintergrund gesetzt werden. Die Begriffe Migration und Prävention werden im wissenschaftlichen Diskursen häufig different besetzt. Dementsprechend werden zunächst die verschiedenen Termini Migration, Störungen der Lese-Rechtschreib-Fähigkeiten und Prävention getrennt voneinander betrachtet und erklärt.

Zu Beginn wird auf die Vielfältigkeit des Begriffes der Migration verwiesen, der die Zielgruppe dieser Diplomarbeit massiv prägt. Die Darstellung der Zielgruppe ist erforderlich um den weiteren Aufbau transparent und kohärent zu gestalten. Diese Veranschaulichung schafft den Übergang um die Störungen der schulischen Leistungen darzustellen, eine vorerst nicht differenzierte Darlegung unter Berücksichtigung der Kinder mit Migrationshintergrund. Im Anschluss soll erläutert werden, was Prävention bedeutet und was sie leisten kann.

Durch die Begriffserklärungen entsteht das Fundament, auf dem diese Arbeit aufbaut. Ferner sollen die Zusammenhänge der Begrifflichkeiten offensichtlich werden.

1.1 Umschreibung der Zielgruppe Kinder mit Migrationshintergrund

Der Ausdruck Migration leitet sich aus den lateinischen Wörtern „migrare, migratio“ ab, welche für wandern, wegziehen und Wanderung stehen. In den letzten Jahren hat sich der Begriff Migration sowohl in den Sozialwissenschaften als auch in der deutschen Alltagssprache zunehmend etabliert.[1] In älteren wissenschaftlichen Studien und anderen Werken wird noch häufig der Begriff Wanderung verwendet. Innerhalb dieser Arbeit macht der Begriff der Migration den Prozess der Wanderung deutlicher. Er wird verwendet aufgrund der angesprochenen Aktualität.

„In den Sozialwissenschaften werden unter den Begriff der Migration allgemein solche Bewegungen von Personen und Personengruppen im Raum (spatial movement) verstanden, die einen dauerhaften Wohnortwechsel (permanent change of residence) bedingen.“[2]

Die Dauerhaftigkeit der Migration ist eine konstituierende Größe für die Begriffsbestimmung. Das Merkmal der Dauerhaftigkeit gilt innerhalb deutscher Statistiken bereits als erfüllt, wenn die Migration mit einem tatsächlichen Wohnortswechsel verbunden ist. Wohnortswechsel meint hierbei den Übertritt von der politischen Gemeinde A zu einer anderen politischen Gemeinde B. Die UN hingegen erfasst Migration erst, wenn ein Wohnortswechsel länger als fünf Jahre anhält. Einwandern zu einem neuen Wohnort wird gemeinhin als Immigration bezeichnet, dass Auswandern vom alten Wohnort als Emigration.[3] Mit der Überschreitung einer Ländergrenze wird die Migration als internationale Migration bezeichnet. Findet die Verlegung des Wohnsitzes nur innerhalb eines Landes statt spricht man von Binnenmigration.[4] Eine Differenzierung zwischen Binnenmigration und internationaler Migration ist relativ. Die Unterscheidung dient vorwiegend rechtlichen Kategorien, wie Aufenthaltsstatus etc. Die psychosozialen oder wirtschaftlichen Folgen sind bei der Binnenmigration teilweise analog zu denen der internationalen Migration. Dies gilt besonders in Ländern wie der GUS, wo eine Binnenmigration erhebliche räumliche Dimensionen haben kann. Unsere Zielgruppe ist häufig von internationaler Migration betroffen.[5] Bei dieser Form der Migration kommt erfahrungsgemäß eine sprachliche Veränderung hinzu, welche sich signifikant auf die Fähigkeiten von Kindern auswirken kann, die schulischen Anforderungen zu erfüllen.

Migration ist selten ein monokausaler Prozess. Zahlreiche Faktoren spielen eine Rolle. Sie können von gesellschaftlicher Art sein oder beim Individuum persönlich verortet liegen. Die Faktoren bedingen sich gegenseitig. Es kann nur schwer zwischen einer freiwilligen und einer unfreiwilligen Migration differenziert werden. Die auslösenden Motive für die Migrationsentscheidung bestehen aus einem komplexen Konglomerat von objektiv zwingenden exogenen Faktoren und subjektiven Entscheidungen.[6]

[...]


[1] Vgl. Han, Petrus: Soziologie der Migration. Stuttgart 2000, 7.

[2] Han, P., ebd.

[3] Vgl. Han, P., 4 – 7.

[4] Vgl. Han, P., 7 – 9.

[5] Vgl. Han, P., ebd.

[6] Vgl. Han, P., 13.

Ende der Leseprobe aus 88 Seiten

Details

Titel
Prävention von Lese-Rechtschreibstörungen bei Vorschulkindern mit Migrationshintergrund
Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
88
Katalognummer
V79471
ISBN (eBook)
9783638808255
ISBN (Buch)
9783638845557
Dateigröße
4164 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prävention, Lese-Rechtschreibstörungen, Vorschulkindern, Migrationshintergrund
Arbeit zitieren
Michaela Schmieding (Autor), 2007, Prävention von Lese-Rechtschreibstörungen bei Vorschulkindern mit Migrationshintergrund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79471

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