Als Sigmund Freud im Jahr 1900 seine erste größere und bis heute einflussreichste Schrift „Die Traumdeutung“ veröffentlicht hatte, waren es Wiener Jung-Autoren wie Hugo von Hofmannsthal, Herrmann Bahr und Schnitzler, die – unter dem Einfluss des Machschen Empiriokritizismus dem allzu positivistischen Naturalismus trotzend – Josef Breuers und Sigmund Freuds „Studien über Hysterie“ (1895) zum Anlass nahmen, die Analyse des Unterbewussten zum Selbststudium und ihre neue Ausrichtung auf psychopathologische Phänomene für die literarische Tätigkeit zu nutzen.
Wie stark also war der Einfluss der Freudschen Traumdeutung, die Thomas Mann 1929 in einer großen Lobesrede auf den Wiener Nervenarzt den Auftakt einer „Weltbewegung“ nennen sollte zur Bildung einer „befreiten und wissenden Menschheit“ [4], auf die Entwicklung der literarischen Wiener Moderne und worin äußerte er sich im Konkreten? Mit dieser Fragestellung möchte ich mich in der vorliegenden Arbeit umfassend auseinandersetzen. Hierfür werde ich zunächst einige Ausführungen zu Inhalt, Methodik, Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der „Traumdeutung“ darlegen, anschließend eine Charakteristik der literarischen Epoche der Wiener Moderne anhand wesentlicher Stilmerkmale, historischer Hintergründe, wichtigster Autoren und ihrer Werke sowie gesellschaftlicher Auswirkungen vornehmen, um schließlich die Wirkung der Traumdeutung auf die Wiener Moderne a) allgemein und b) anhand des beispielhaften Prosawerkes „Traumnovelle“ von Arthur Schnitzler aus dem Jahr 1926 aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sigmund Freuds „Die Traumdeutung“ (1900)
2.1. Hauptthesen
2.2. Methodik
3. Die Literatur der Wiener Moderne
3.1. Literaturhistorischer Hintergrund
3.2. Stilmerkmale
3.3. Wichtigste Autoren und ihre Werke
4. Einfluss der „Traumdeutung“ auf die Wiener Moderne
4.1. Allgemein
4.2. Schnitzlers „Traumnovelle“ (1926)
4.2.1. Freud und Schnitzler
4.2.2. Inhaltsangabe
4.2.3. Interpretationsansätze
5. Schlussbemerkung und Ausblick
6. Anhang
Anmerkungen, Bilder und Grafiken
6.2. Quellenverzeichnis
6.3 Dokumente
6.3.1 Materialien aus Printquellen
6.3.2 Materialien aus dem Internet
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss von Sigmund Freuds Werk „Die Traumdeutung“ auf die literarische Wiener Moderne um die Jahrhundertwende. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie psychoanalytische Konzepte des Unbewussten, der Traumdeutung und der Selbstanalyse die Erzähltechniken und Weltanschauungen prominenter Autoren wie Arthur Schnitzler und Hugo von Hofmannsthal prägten.
- Grundlagen der Freudschen Traumtheorie und Methodik.
- Geistesgeschichtlicher Kontext der literarischen Wiener Moderne.
- Stilistische Entwicklungen (innerer Monolog, Bewusstseinsstrom).
- Analyse von Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ als literarisches Fallbeispiel.
- Die Wechselwirkung zwischen Psychoanalyse und Dichtung.
Auszug aus dem Buch
2.1. Hauptthesen
Auf den ersten einhundert Seiten seines Werkes befasst sich Freud mit den Theorien und Praktiken seiner Vorgänger, insbesondere Beschreibungen von Traumphänomenen durch K. F. Burdach und Alfred Maurys, um anschließend – immer wieder anhand von Fallbeispielen – die Traumbildung als ein Produkt von „zweierlei Anlässe[n]“ zu bezeichnen: 1. während des Schlafes hat eine im Alltag und im öffentlichen Leben stets unterdrückte Triebregung, ein unbewusster Wunsch also, „die Stärke gefunden, sich im Ich geltend zu machen“ [7] (folglich förmlich in das Bewusstsein einzubrechen) oder 2. ein aus dem Wachleben reflektiertes Bestreben hat durch die Vielzahl der damit zusammenhängenden „Konfliktregungen“ oder durch ein „unbewusstes Element“ [8] gegenüber dem Ich eine Verstärkung erfahren.
Freud entwirft damit einen Zustand von „Konflikt und Aufruhr“ [9] zwischen dem Ich und dem Es, die er zum ersten Mal zusammen mit dem Über-Ich als Teile seines Instanzenmodells aufführt. Seiner Ansicht nach sind es lediglich Szenarien, in denen der Inhalt des Es in das Ich einzudringen vermag und das Ich sich gegen diesen Einbruch zu Wehr setzt, die Freud als den nächtlichen Schlaf definiert. Das Ziel des Es ist es stets, verdrängt infantile oder aus der Erfahrung des Tages übrig gebliebenen Wünschen zur Verstärkung zu dienen; das Ich will dagegen peinliche, unangenehme Zustände vermeiden; seine Abwehrkraft bezeichnet Freud als Zensur.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung von Freuds „Traumdeutung“ für die Wiener Moderne ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2. Sigmund Freuds „Die Traumdeutung“ (1900): In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundpfeiler des Instanzenmodells und die Methode der freien Assoziation erläutert.
3. Die Literatur der Wiener Moderne: Hier wird der literaturhistorische Hintergrund der „Wiener Moderne“ skizziert und die Abkehr vom Naturalismus sowie neue Stilmittel wie der innere Monolog beschrieben.
4. Einfluss der „Traumdeutung“ auf die Wiener Moderne: Dieses Kapitel analysiert die direkte Wirkung psychoanalytischer Konzepte auf das literarische Schaffen, fokussiert auf Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“.
5. Schlussbemerkung und Ausblick: Diese Zusammenfassung reflektiert die wechselseitige Beziehung zwischen Psychoanalyse und Literatur und bewertet die anhaltende Relevanz dieses Einflusses.
6. Anhang: Der Anhang enthält Bildmaterial, Anmerkungen, ein Quellenverzeichnis sowie eine Liste verwendeter Dokumente.
Schlüsselwörter
Wiener Moderne, Sigmund Freud, Traumdeutung, Psychoanalyse, Arthur Schnitzler, Traumnovelle, Fin de Siècle, Unbewusstes, innerer Monolog, Bewusstseinsstrom, Triebregung, Instanzenmodell, literarische Moderne, Selbstanalyse, Wunschtraum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den ideengeschichtlichen und literarischen Einfluss der psychoanalytischen Theorien Sigmund Freuds, insbesondere seines Werkes „Die Traumdeutung“, auf die Schriftsteller der Wiener Moderne.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehungsgeschichte der Psychoanalyse, die literarische Krise der Sprache um 1900 sowie die Verknüpfung von Traumsymbolik und literarischem Erzählen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit möchte aufzeigen, inwiefern Freudsche Denkmodelle die literarische Ästhetik der Zeit prägten und wie diese Konzepte in konkreten Prosawerken verarbeitet wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Texte von Freud mit literarischen Werken von Autoren wie Schnitzler und Hofmannsthal korreliert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Psychoanalyse, eine Charakterisierung der Wiener Moderne und eine detaillierte Untersuchung von Schnitzlers „Traumnovelle“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wiener Moderne, Psychoanalyse, Traumsymbolik, innerer Monolog und Schnitzlers „Traumnovelle“ definiert.
Wie unterscheidet sich die „Traumnovelle“ von anderen Werken der Zeit?
Sie gilt als herausragendes Beispiel für die literarische Umsetzung psychoanalytischer Symbole und zeigt den Entfremdungsprozess eines Ehepaares unter dem Einfluss ihrer unbewussten Wünsche.
Inwiefern hat Freud die Autoren der Wiener Moderne beeinflusst?
Freud bot ein neues Vokabular und eine Analyse-Struktur, die es den Autoren ermöglichte, die Krise der Identität und das "Innenleben" ihrer Figuren jenseits traditioneller Erzählweisen abzubilden.
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- Danny Michelsen (Author), 2007, Der Einfluss der freudschen Traumdeutung auf die literarische Wiener Moderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79523