Die Beobachtung als grundlegende Methode der pädagogischen Diagnostik


Seminararbeit, 2006

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Betrachtung vs. Beobachtung

2. Wissenschaftliche Beobachtung
2.1 Arten der Beobachtung
2.2 Beobachtungssysteme
2.2.1 Merkmalssysteme
2.2.2 Kategoriensysteme
2.2.3 Schätzskalen

3. Kritische Abwägung

4. Literaturverzeichnis

1. Betrachtung vs. Beobachtung

In unserem alltäglichen Leben spielt Beobachtung eine wichtige Rolle: Wir beobachten ständig, nehmen so unsere Umwelt war, sammeln Erfahrungen und lernen aus dem Wahrgenommenen. Doch nicht nur im Alltag stellt Beobachtung eine zentrale Methode des Erkundens und Wahrnehmens dar. Auch in der Wissenschaft gilt die Beobachtung neben der Befragung als effektivster Weg zur diagnostischen Informationsgewinnung.

Gerade in der pädagogischen Diagnostik hat sich die Verhaltensbeobachtung als grundlegendes Messinstrument etabliert. Im Gegensatz zur reinen Betrachtung im Alltag unterliegt die wissenschaftliche Verhaltensbeobachtung jedoch bestimmten Vorgaben. Eine pädagogisch geführte Beobachtung geschieht nicht zufällig. Sie dient immer einem bestimmten Forschungszweck: Sie wird sorgfältig geplant, es werden Hypothesen aufgestellt, sie wird meist entweder mit Hilfe von Tonband oder Video aufgezeichnet und sie muss hinsichtlich Validität und Reliabilität ständig überprüft werden.

In den folgenden Kapiteln wird nun die wissenschaftliche Verhaltensbeobachtung näher erklärt und der Unterschied zur nicht- wissenschaftlichen Beobachtung klargemacht.Hierbei werden anfangs die verschiedenen Arten der Beobachtung beschrieben. Danach wird auf die verschiedenen Beobachtungssysteme eingegangen, wobei hier zuerst die unterschiedlichen Typen dargestellt werden und anschließend deren wichtigste Beispiele aufgeführt werden. Schlussendlich werden anhand einer kritischen Abwägung mögliche Fehler, die während einer Beobachtung auftreten können, auf gezeigt.

2. Wissenschaftliche Beobachtung

Wie schon oben erwähnt, unterscheidet sich die wissenschaftliche Beobachtung von der alltäglichen Betrachtung darin, dass sie einer bestimmten Theorie zugrunde liegt und bestimmten Regeln folgt. (Ingenkamp 1985, S.56) So wird eine objektivere und wissenschaftlich repräsentative Untersuchung gewährleistet.

Wissenschaftliche Beobachtung wird definiert als „…die planmäßige Erfassung sinnlich wahrnehmbarer Tatbestände, wobei der Forscher dem Untersuchungsobjekt gegenüber eine rezeptive Haltung einnimmt…“(Kleber 1992, S.199, zitiert nach König 1967, S.210).

Grundsätzlich kann man wissenschaftliche und alltägliche Beobachtung durch bestimmte Kriterien voneinander abgrenzen:

1. Kriterium der Gezieltheit: Der Beobachter beobachtet gezielt auf einen bestimmten Forschungszweck hin. Er will mit Hilfe seiner Beobachtung die zuvor aufgestellten Hypothesen prüfen.
2. Kriterium der Konstanz: Damit Beobachtungsergebnisse als repräsentativ angesehen werden können, ist es sinnvoll, die Beobachtung nach gleichen Kriterien in verschiedenen Situationen zu führen oder verschiedene Beobachter die gleiche Situation beobachten zu lassen.
3. Kriterium der Kontrolle: Es ist nicht nur sinnvoll, verschiedene Situationen und Beobachter heranzuziehen, auch unterschiedliche zu beobachtende Personen, beziehungsweise Gruppen in einer Beobachtung stellen ein repräsentativeres Ergebnis dar.

(Ingenkamp 1985, S.56)

2.1 Arten der Beobachtung

Um den Unterschied zwischen beiden Beobachtungsformen genauer darzustellen, sollen im Folgenden die verschiedenen Arten von Beobachtung beschrieben werden:

1. Unsystematisch – systematisch:

Bei der unsystematischen Beobachtung, die meist auch freie oder Gelegenheitsbeobachtung genannt wird, hat der Beobachter wenig Einschränkungen. Es geht rein um die subjektive Wahrnehmung von Ereignissen. Wertungen und Gefühle fließen in die eher ungenaue Beobachtung mit ein.Sie ist oft eine Vorstufe zur systematischen Beobachtung, da aus ihren Ergebnissen Hypothesen für die Forschung gebildet werden können (Lukesch 1998, S.120)

Bei der systematischen Beobachtung, bei der man auch von kontrollierter oder standardisierter Beobachtung spricht, nimmt der Beobachter ein eingeschränkteres Feld wahr. Der Beobachtungsvorgang ist genau geplant und durchstrukturiert und das Ziel klar vorgeschrieben (Lukesch 1998, S.120-121).

2. Teilnehmend – nicht teilnehmend:

Bei der teilnehmenden Beobachtung, die einen hohen Partizipationsgrad aufweist, nimmt der Beobachter selbst an der Interaktion teil. Diese Art der Informationsgewinnung ist vor allem durch die Polizeiarbeit bekannt geworden, bei der gerne „Undercoveragenten“ vor allem in der Drogenszene eingesetzt werden. Hier entsteht jedoch das Problem, dass „der Beobachter seinen „objektiven“ Status verliert und als Gruppenmitglied den Einflüssen unterliegt, über die er Aussagen machen will.“ (Lukesch 1998, S.122) Außerdem ist es dem Beobachter erst spät möglich, seine Beobachtungen festzuhalten. Er muss meist aus dem Gedächtnis heraus seine Erfahrungen aufzeichnen, was oft zu Verfälschungen führen kann. (Lukesch 1998, S.123)

Im Gegensatz dazu herrscht bei der nicht teilnehmenden Beobachtung ein sehr geringer Partizipationsgrad des Beobachters am Geschehen. Er ist nicht in die Handlung integriert und will so eine Beeinflussung vermeiden. Doch auch hier kann es zu verfälschter Protokollierung kommen, da der Beobachter wegen seiner Distanz zum Geschehen manche Handlungen eventuell nicht verstehen beziehungsweise nachvollziehen kann. (Ingenkamp 1985, S.58)

3. Verdeckt – offen:

Bei der verdeckten Beobachtung bleibt die Identität des Beobachters geheim, um das Geschehen nicht zu beeinflussen. Hierbei wird angenommen, dass sich Menschen, die nicht wissen, dass sie beobachtet werden, natürlicher verhalten, als in einer bewussten Beobachtungssituation.

Hier ist bei wissenschaftlicher Beobachtung allerdings der ethische Aspekt zu beachten. Es ist in jedem Fall notwendig, bei einer verdeckten Beobachtung im Nachhinein den Probanden um sein Einverständnis zu fragen.

Bei der offenen Beobachtung hingegen ist dem Probanden klar, dass er beobachtet wird. Der Beobachter wird bekannt gemacht. Hierbei ist es jedoch fraglich, inwiefern sich der Proband natürlich verhält, zumeist „…wird der Beobachter sozial unerwünschtes Verhalten meiden.“ (Lukesch 1998, S.123)

4. Technisch vermittelt – technisch unvermittelt:

Manchmal ist es nicht möglich, beobachtetes Verhalten auch gleichzeitig zu protokollieren, wie es beispielsweise bei der teilnehmenden Beobachtung der Fall ist. Hier ist es üblich, technische Hilfsmittel einzusetzen, wie zum Beispiel Tonband- oder Videogerät. Diese Aufzeichnungen haben den Vorteil, dass sie den Beobachter entlasten, da er das Material beliebig oft anhören, beziehungsweise ansehen kann und die Auswertung zu einem späteren Zeitpunkt vornehmen kann. Hierbei muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Qualität der Aufzeichnungen für eine spätere Auswertung akzeptabel ist. (Lukesch 1998, S.124-125)

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Beobachtung als grundlegende Methode der pädagogischen Diagnostik
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V79545
ISBN (eBook)
9783638868518
ISBN (Buch)
9783638869072
Dateigröße
722 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beobachtung, Methode, Diagnostik
Arbeit zitieren
Iris Strobel (Autor), 2006, Die Beobachtung als grundlegende Methode der pädagogischen Diagnostik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79545

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Beobachtung als grundlegende Methode der pädagogischen Diagnostik



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden