Die Persönlichkeitskonstrukttheorie von George A. Kelly - Eine Abwägung von Kellys Theorie


Seminararbeit, 2005

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Persönlichkeitskonstrukttheorie
2.1 Kelly’ s Lebenslauf
2.2 Kelly’s Bild vom Menschen
2.3 Kelly’ s Sicht der Wissenschaft
2.4 Struktur der Persönlichkeitskonstrukttheorie
2.4.1 Fundamentales Postulat
2.4.2 Die Korrolarien
2.5 Forschungsmethoden
2.5.1 Der REP- Test
2.5.2 Die fixierte Rollentherapie

3. Kritische Abwägung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Drei Menschen stehen im Wald vor einer großen Eiche. Da staunt der Eine: „Was für ein Wunderwerk der Natur! Lebensraum für zahlreiche Waldbewohner!“ Der Andere sieht den Baum aus forstwirtschaftlichem Blickwinkel und berechnet sofort die Masse des Brennholzes, welches man aus dem Baum gewinnt. Der Dritte weist auf die besondere Symbolik des groß gewachsenen Baumes hin: „Was für eine männliche, kraftvoll, tief- verwurzelte Stärke! Eine echte deutsche Eiche!“

Wie kann es sein, dass drei Menschen ein und das selbe Ereignis verschieden wahrnehmen und interpretieren?

Mit der Beantwortung dieser Frage möchte ich mich in der folgenden Hausarbeit näher beschäftigen und mir hierbei die Persönlichkeitskonstrukttheorie von George A. Kelly zu Hilfe holen.

Kelly ging davon aus, dass jedes Individuum die Welt einzigartig wahrnimmt, interpretiert und in eigene Begriffe fasst. Er bedient sich dabei persönlicher Konstrukte. So konstruiert sich der Mensch mit einem ganzen System an Konstrukten eine Welt mit seinen ganz individuellen Wahrnehmungen. Kelly’ s Theorie und die dabei verwendeten Techniken sollen im Folgenden als Beitrag zur Einschätzung der Persönlichkeit dargestellt und erläutert werden:

Zu anfangs wird kurz das Leben Kelly’ s vorgestellt, um dann näher auf seine Theorie einzugehen. Hierbei wird mit seinem Bild vom Menschen begonnen und darauf seine Sicht der Wissenschaft dargestellt. Danach wird Kelly’ s Postulat und die daraus folgenden Korollarien dargestellt. Um seine Theorie auch in der Praxis vorzustellen, werden seine zwei gängigsten Forschungsmethoden präsentiert: der „Rollen- Konstrukt- Repertoire Test“ und die „fixierte Rollentherapie“ .Schlussendlich folgt eine kritische Abwägung Kelly’ s Theorie.

2.Die Persönlichkeitskonstrukttheorie

2.1 Kelly’s Biographie

George A. Kelly wird 1905 in Kansas geboren und wächst dort auf einer Farm als Sohn einer Lehrerin und eines presbyterianischen Priesters auf. Seine Kindheit verbringt er in ländlichen, sehr einfachen Verhältnissen. Nach seinem High- School- Abschluss hat er noch keine feste Richtung, auf die sein Interesse lenkt. Er studiert am Park College in Minnesota Physik und Mathematik. Nach seinem dortigen Bachelor- Abschluss, absolviert er seinen Master in Soziologie an der Universität von Kansas. Auch die Psychologie interessiert ihn zunehmend und er erhält wenig später den Bachelor der Erziehungswissenschaften an der Universität von Edinburgh. Seinen Doktortitel erhält Kelly 1931 an der State University in Iowa, im selben Jahr, in dem er auch Gladys Thompson heiratet, mit der einen Sohn und eine Tochter hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Von nun an arbeitet er am Fort Hays Kansas State College. Hier reift seine Theorie der persönlichen Konstrukte und ihre klinische Anwendung.

Während des zweiten Weltkrieges arbeitet er als Psychologe bei der amerikanischen Luftwaffe. Nach Beendigung des Krieges lehrt er 1946, kurz nach dem Abgang Carl Rogers als Professor an der Ohio State University, an der er seine Theorie weiterentwickelt und 1955 sein berühmtes zweibändiges Werk „“The psychologie of personal constructs“ schreibt.

Zehn Jahre später lehrt und forscht er an der Brandeis University, an der zuvor auch schon Maslow tätig war. Kurz darauf, am 6. März 1967, stirbt er (Pervin 1987, S. 241-242).

2.2. Kelly’s Menschenbild

Kelly’s Theorie versucht, wie die psychodynamische Theorie Freud’s und die phänomenologische Theorie Roger’s, die individuelle Persönlichkeit einzuschätzen und besser zu verstehen. Während Freud und Rogers jedoch versuchen, den Menschen und sein Verhalten in einzelne Teilbereiche zu zerlegen, um so sein Verhalten untersuchen und systematisieren zu können, postuliert Kelly, alle Dimensionen des menschlichen Verhaltens gleichzeitig zu berücksichtigen.(Pervin 1987, S.240)

George Kelly benützt die Metapher vom Menschen als Wissenschaftler, der ständig versucht, seine Welt und die Dinge, die auf ihr passieren, zu verstehen und zu analysieren. Er erhofft sich so, eine Kontrolle über die Welt und ihre Phänomene zu bekommen.

Der Mensch versucht deshalb, mit Hilfe von aufgestellten Hypothesen, bestimmte Ereignisse auf die Wahrscheinlichkeit und Häufigkeit ihres Auftretens hin zu überprüfen und sie so vorhersagen zu können,(Laux 2003, S.101 ) so wie Wissenschaftler, die Theorien zusammenstellen.

Je nach dem, ob sich Erfahrungen ähneln, oder unterscheiden, baut sich der Mensch eine Art Konzept auf, mit dem er versucht, diese Erfahrungen zu ordnen. Solch ein Konzept bezeichnet Kelly als sogenanntes Konstrukt, als „…eine bestimmte Art und Weise, die Welt wahrzunehmen und zu interpretieren bzw. eine Abbildung von der Welt zu schaffen…“ (Laux 2003, S.101) Kelly beschreibt dies folgendermaßen: „Der Mensch sieht seine Welt durch Schablonen, die er selbst entwirft und versucht dann, die Realität diesen Schablonen anzupassen…Nennen wir diese Schablonen, die der Mensch versuchsweise anwendet, Konstrukte. So entwirft er ein Bild von der Welt, in der er lebt.“ (Pervin 1987,S.239, zitiert nach Kelly 1955, 8-9)Bewährt sich nun sein System bei zukünftigen Ereignissen, bleibt der Mensch bei seinem Konstrukt, treffen die Vorhersagen jedoch nicht zu, greift er in Zukunft auf andere, bessere Konstrukte zurück (Laux 2003, S.101). Entweder er formt sich ein neues Konstrukt, oder er greift auf eine Alternative zurück, da jeder Mensch ist in der Lage, verschiedene, alternative Konstrukte zu entwerfen, zwischen denen er in einer Situation wählen kann (→ alternativer Konstruktivismus) (Laux 2003, S.101)

So baut sich jeder Mensch sein individuelles Konstruktsystem mit einzigartigem Inhalt und individueller Struktur auf, das die Persönlichkeit eines Individuums zum Ausdruck bringt.

Es besitzt nun jeder Mensch zum einen die Freiheit, Ereignisse selbst zu interpretieren und zu konstruieren, zum Anderen jedoch die Einschränkung, sich an sein Konstruktsystem zu halten.(Pervin 1987, S.244) Der Mensch ist also bei Kelly, im Gegensatz zu Freud’s Abhängigkeit von der Vergangenheit, „…stark zukunfts- und veränderungsorientiert…“.(Laux 2003, S.103)

Die Persönlichkeiten der Menschen unterscheiden sich also nach Kelly in der Anzahl und der Komplexität ihrer Konstruktsysteme. Menschen ähneln sich also andersherum, wenn sie ähnliche Konstrukte verwenden.

Um eine Person besser verstehen zu können, ist es wichtig, heraus zu finden, wie sein Konstruktsystem funktioniert. Jemanden zu kennen, bedeutet also, zu wissen, wie er die Welt konstruiert. (Pervin 1987,S.249)

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Persönlichkeitskonstrukttheorie von George A. Kelly - Eine Abwägung von Kellys Theorie
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V79547
ISBN (eBook)
9783638868525
ISBN (Buch)
9783638869089
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Persönlichkeitskonstrukttheorie, George, Kelly, Eine, Abwägung, Kellys, Theorie
Arbeit zitieren
Iris Strobel (Autor:in), 2005, Die Persönlichkeitskonstrukttheorie von George A. Kelly - Eine Abwägung von Kellys Theorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79547

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