William James' Emotionstheorie: Genial oder gescheitert?


Seminararbeit, 2006

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Sind wir traurig, weil wir weinen?

2. Emotionen
2.1 Bestimmungsmerkmale von Emotionen
2.2 Die einzelnen Emotionskomponenten

3. William James’ Emotionstheorie
3.1 James’ Psychologie
3.2 James’ Emotionstheorie
3.2.1 James’ Grundüberlegungen
3.2.2 Die eigentliche Theorie

4. Die Reaktionen der Fachwelt auf James’ Theorie
4.1 Würdigung und Bestätigung
4.1.1 Hohmanns Untersuchung und Worcesters falsche
Interpretationen
4.1.2 Facial-Feedback-Theorien
4.2 Kritik an James’ Theorie.
4.2.1 Cannons Kritik an James’ Theorie
4.2.2 Gehirnforschung und Schachters und Singers
Experiment

5. Zusammenhänge zwischen Emotionskomponenten
5.1 Gefühle und Ausdruckserscheinungen
5.2 Gefühle und physiologische Veränderungen

6. William James’ Emotionstheorie: Genial oder gescheitert?

7. Literatur

Anhang

1. Sind wir traurig, weil wir weinen?

Emotionen sind die wohl bedeutendsten Kommunikationsträger, die nicht auf jeglicher Form von Sprache beruhen. Unabhängig von Kultur, Rasse und Gesinnung entwickelten sie sich so, dass Darwins Begriff der „Universalität der Emotionen“ durch viele Studien (u.a. Ekman und Friesen) bestätigt werden konnte (Zimbardo, 2004). Emotionen dienen nicht nur der Kommunikation, sondern auch der Motivation, der sozialen Bindung und - aus evolutionsbiologischer Sicht – dem Überleben des Organismus und der Art, da man dank diesen angeborenen mentalen Zuständen mit wiederkehrenden Situationen besser umgehen kann (Ulich, 2003). Bereits hier wird deutlich, dass Emotionen nicht als bloße Gefühle definiert werden können. Der subjektive Erlebniszustand eines Individuums wird als Gefühl verstanden (Schmidt-Atzert, 1993). Dementsprechend ist eine Emotion also nicht nur „Ich bin glücklich“ oder „Ich bin traurig“, sondern vielmehr „ein komplexes Muster körperlicher und mentaler Veränderungen, darunter physiologische Erregung, Gefühle, kognitive Prozesse und Reaktionen im Verhalten als Antwort auf eine Situation.“ (Zimbardo, 2004, S. 554 f.).

In der Wissenschaft wird darüber gestritten, welche die korrekte Reihenfolge dieser Veränderungen ist. Diese Arbeit untersucht William James’ Theorie über das Entstehen von Emotionen. Der Leitsatz von James’ Theorie lautet: „Wir weinen nicht, weil wir traurig sind, sondern wir sind traurig, weil wir weinen.“ (James, 1950, Band II, S. 450). Diese Aussage wirkt auf den ersten Blick nicht nur außergewöhnlich, sondern beinahe provozierend, allerdings gab sie wichtige Impulse für weitere Untersuchungen in der Emotionsforschung. Die berühmte und wohl meistumstrittene Emotionstheorie des angesehenen Psychologen James Williams: Genial oder gescheitert?

2. Emotionen

2.1 Bestimmungsmerkmale von Emotionen

Der psychologische Begriff der Emotion ist etwas komplex, da zwischen Emotion und Motiv unterschieden werden muss. Die Grenze zwischen subjektiver Befindlichkeit und Zuständigkeit und dem reinen Handlungsimpuls ist nur schmal. Dennoch gibt es wichtige Unterscheidungsmerkmale: Emotionen können zwar als Handlungsimpulse dienen, sind dies allerdings – im Gegensatz zu Motiven – nicht zwingend. Zudem drücken sich Emotionen in persönlicher Betroffenheit und Anteilnahme aus. Daher ist ein qualitativ positiver emotionaler Bezug zur Umwelt Voraussetzung für die Entwicklung jeglicher Handlungsimpulse (Vogel, 1996). Ulich (1989) fasst die wichtigsten Emotionsmerkmale zusammen. Ihm zu folge sind Gefühlsregungen einzigartig, das bedeutet die leib-seelische Zuständigkeit einer Person steht im Zentrum des Bewusstseins. Zudem basieren Emotionen auf Selbstbetroffenheit und werden meist über nicht-verbale Kanäle, wie Mimik oder Herzfrequenz vermittelt. Sie entstehen innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen und sind seelische Zustände, also Inhalte eines auf den eigenen Zustand bezogenen Bewusstseins. Meist werden emotionale Regungen mit einem erhöhten Maß an Erregung erlebt und sie haben keine primäre Funktion außerhalb sich selbst (Ulich, 1989, S. 40).

2.2 Die einzelnen Emotionskomponenten

Wie bereits angesprochen, sind Emotionen Gefüge aus mehreren Komponenten: Die körperlichen Veränderungen (Erregung), Ausdruckserscheinungen (Gedanken, Gefühle) und das Erleben bilden das Gesamtbild der Emotionen (Schmidt-Atzert, 1996; Zimbardo, 2004). Nicht nur bei William James’ Theorie, sondern auch bei den Emotionstheorien seiner Widersprecher sind die Zusammenhänge zwischen den Komponenten Erleben, physiologische Veränderung und Verhalten von Bedeutung. Jedoch ist es schwierig, jene Zusammenhänge empirisch zu untersuchen, da zum Einen Emotionen in einer Laborsituation nur schwer nachgebildet werden können. Zum Anderen kann nicht auf alle den Organismus beeinflussende äußeren Einwirkungen eingegangen werden (Schmidt-Atzert, 1996). So kann beispielsweise ein Proband aufgefordert werden, sich in eine bestimmte Situation zu versetzen, um eine bestimmte Emotion hervorzurufen. Dabei würde seine Herzfrequenz gemessen werden, um den Zusammenhang zwischen Herzfrequenz und Gefühl zu untersuchen. Der Proband hätte jedoch davor Kaffee getrunken und deshalb eine erhöhte Herzfrequenz. Die Untersuchungsergebnisse wären verfälscht. Dieses Beispiel soll verdeutlichen, wie schnell die Untersuchungen ungewollt manipuliert werden können, da eben nicht alle Eventualitäten (Hat der Proband vor dem Versuch Kaffee getrunken?) berücksichtigt werden können.

3. William James’ Emotionstheorie

3.1 James’ Psychologie

William James veröffentlichte 1890 sein zweibändiges Werk „Grundzüge der Psychologie“ (engl.: Principles of Psychology). Hier definiert er die Psychologie als „(...) die Wissenschaft vom geistigen Leben, seiner Phänomene und seiner Bedingungen“. Als jene Phänomene betrachtet er „solche Dinge, die wir Gefühle nennen, Wünsche, Kognitionen“ (James, 1950, Band I, S. 348). James war der Überzeugung, dass die physischen Hirnprozesse die Voraussetzung für alle geistigen Phänomene sind: „Niemals tritt eine Veränderung auf, ohne daß sie von einer körperlichen Veränderung begleitet wird oder dass eine solche ihr folgt“ (James, 1950, Band I, S. 349; Atkinson, 1975). Dieser rote Faden, der sich durch James` gesamtes Psychologie-Verständnis zieht, bildet auch den Kerngedanken seiner Emotionstheorie.

William James wollte bewusst keine Katalogisierung von Emotionen durchführen, vielmehr lag ihm daran, grundlegende Prozesse und die Funktion geistiger Aktivitäten – in diesem Fall der Emotionen – zu untersuchen (Atkinson, 1975). Allerdings betonte James, seine Theorie habe nur für die gröberen Emotionen, also jene, die mit recht starken körperlichen Rückwirkungen verbunden sind , Gültigkeit. Daher soll seine Theorie nicht für feinere Emotionen, wie moralische, intellektuelle und ästhetische Gefühle, gelten (Meyer, 2001, Band I).

3.2 James’ Emotionstheorie

Neben William James kam der Däne Carl Lange etwa zeitgleich auf eine beinahe gleiche Theorie. Daher ist diese Emotionstheorie als James-Lange-Theorie bekannt. Die Außer-Acht-Lassung von Carl Langes Forschung ist jedoch durch die räumlichen Kapazitäten dieser Arbeit begründet und soll keinesfalls als fehlende Wertschätzung für die Arbeit von Carl Lange aufgefasst werden. Vor der eigentlichen Vorstellung von William James’ berühmter Emotionstheorie müssen zum besseren Verständnis einige seiner Grundüberlegungen angeführt werden.

3.2.1 James’ Grundüberlegungen

Zunächst unterscheidet James zwischen Gefühl und Instinkt: Im Sinne der Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts bestimmt er Gefühle als abgeschwächtes Wiederaufleben von Reaktionen, die einst bei Auseinandersetzungen mit dem Objekt, welches sie verursachte, nützlich waren (Atkinson, 1975). Außerdem ist William James, wie Descartes, der Überzeugung, körperliche Prozesse könnten stattfinden, ohne die Bewusstseinsschwelle zu erreichen (de Sousa, 1997). Seine Theorie versucht, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie Menschen Gefühle bei sich wahrnehmen und woher sie wissen, was sie fühlen. Das zentrale Anliegen von James’ Emotionstheorie ist es, zu erklären, durch welche Merkmale sich emotionales von nichtemotionalem Erleben unterscheidet. Die Kernannahme seiner Theorie besagt, dass Emotionen mit dem bewussten Erleben körperlicher Emotionen identisch sind (Meyer, 2001, Band I).

[...]

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Details

Titel
William James' Emotionstheorie: Genial oder gescheitert?
Hochschule
Universität Augsburg  (Phil.-Soz. Fakultät)
Veranstaltung
Psychologie II
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V79570
ISBN (eBook)
9783638868617
ISBN (Buch)
9783638868709
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
William, James, Emotionstheorie, Genial, Psychologie
Arbeit zitieren
Nina Schleifer (Autor), 2006, William James' Emotionstheorie: Genial oder gescheitert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79570

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