Die Darstellung der "immigrant community" in Hanif Kureishis "The Black Album"


Seminararbeit, 2006

24 Seiten, Note: 2,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinition und Theoriegebäude

3. Autor und Werk

4. Protagonisten in The Black Album
4.1 Die Hauptfigur: Shahid Hasan
4.1.1 Shahids Familie
4.1.2 Shahids „Freunde“
4.1.3 Deedee Osgood

5. Die Darstellung der immigrant community
5.1 immigrant community
5.2 Shahid Hasan: Zwischen Individuum und Kollektiv?
- Auf der Suche nach Identität und Zugehörigkeit -
5.3 Konzeptuelle Aspekte der Darstellung
5.4 Exkurs: Popkultur und der Künstler Prince

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Zuge des postkolonialen Diskurses spielen Begrifflichkeiten wie Multikulturalität, Identität und Hybridität eine zentrale Rolle. Immigration ist, wie sie in Hanif Kureishis The Black Album entworfen wird, eng mit diesem Diskurs verknüpft. Anhand des Romans soll aufgezeigt werden, wie die immigrant community vom Autor repräsentiert wird.

Die vorliegende Seminararbeit gliedert sich in zwei Teilbereiche:

Zunächst wird eine kurze Begriffsdefinition sowie dessen Theoriegebäude vorgestellt. Nach einem kurzen Abriss über den Autor Hanif Kureishi und den von ihm in seinen Werken thematisierten Inhalten wird das Augenmerk auf die Darstellung einer Einwanderergemeinschaft, die den Korpus der Seminararbeit ausmacht, gelegt.

Der erste Teil konzentriert sich auf eine detaillierte Analyse des Protagonisten Shahid Hasan sowie dessen Umfeld. Die Vorgehensweise der Analyse gründet sich auf die enge Verknüpfung zwischen Identitätskonstruktion und Herkunft, wobei dem Merkmal der Immigration eine entscheidende Rolle zukommt.

Der zweite Teil untersucht detailliert die Art der Darstellung der im Roman konzipierten immigrant community. Im Mittelpunkt stehen hier zwei konträre Ansatzpunke: zum einen die Formation einer immigrant community aufgrund der Herkunft der Protagonisten, zum anderen die Bildung einer Gruppengemeinschaft hinsichtlich der praktizierten Glaubensrichtung, dem Islam.

Die Hauptfigur steht zwischen Individuum und Kollektiv, sie ist auf der Suche nach Identität und Zugehörigkeit. Auf Basis der vorgenannten Untersuchungen lässt sich dann die zentrale Frage nach der konzeptuellen Darstellung einer immigrant community innerhalb des Romans beantworten.

In einer detaillierten Schlussbetrachtung sollen ferner die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst werden, um eine Gesamtdarstellung der von Hanif Kureishi in The Black Album entworfenen immigrant community zu statuieren.

2. Begriffsdefinition und Theoriegebäude

Der Begriff der immigrant community ist weitaus kein leichter. Nicht umsonst sind die Diskurse über Herkunft, Identität, Kulturalität, Migration u.s.w. in wissenschaftlichen Disziplinen wie Soziologie, Anthropologie, Ethnologie, Geschichte und Literaturwissenschaften derart vielschichtig.

Betrachtet man den Begriff auf den ersten Blick, so kommt man zunächst zur Übersetzungen wie Einwanderergemeischaft oder Einwanderergruppe. Separiert man jedoch die Worte, fällt die Definition weitaus vielseitiger aus.

Unter Immigration versteht man die Einwanderung aus verschiedenen Gründen (politische oder religiöse Verfolgung, Arbeitslosigkeit, Lebensstandardverbesserung, u.s.w.) in ein Land, nachdem sich eine Auswanderung aus dem Herkunftsland vollzogen hat. Migration kann sich interkontinental oder intrakontinental vollziehen, d.h. entweder von einem Kontinent auf einen anderen, oder innerhalb eines Kontinents.

Unter community, also Gemeinschaft, findet man im einfachsten Sinne Definitionen wie

a) a community is a group of people who are alike in some way,
b) community is all the people who live in different area or place,
c) community is friendship between different people or groups and a sense of having something in common[1].

Es gibt also spezifische Merkmale wie beispielsweise Zugehörigkeit, Dauer der Gemeinschaft, Solidarität, Bindungskräfte oder Abgrenzung zum “Anderen”, die eine Gemeinschaft ausmachen. Der Soziologe Ferdinand Tönnies stellt die Begrifflichkeiten Gemeinschaft und Gesellschaft in der gleichnamigen Abhandlung (1887) gegenüber und konstituiert die Definition durch den Unterschied der Inhalte[2].

An dieser Stelle soll jedoch anstatt einer ausführlichen Begriffsdefinition der Fokus auf die Formation ethnischer Gruppen gelegt werden. Die Darstellung einer immigrant community, also der Gesellschaft der Ein- bzw. Zuwanderer, bildet den zentralen Gegenstand in Hanif Kureishis The Black Album, den es differenzierter zu untersuchen gilt.

3. Autor und Werk

Hanif Kureishi wurde 1954 in Kent als Sohn einer Britin und eines Pakistaners in Kent geboren. Seine Werke (Kurzgeschichten, Romane, Theaterstücke, Drehbücher, wissenschaftliche Abhandlungen) thematisieren nicht nur Multikulturalität, Nationalität, Rassismus und Fundamentalismus, sondern auch Identität, Herkunft, Selbstfindung oder Liebe. Kureishi schreibt hauptsächlich über Personen, die von Pakistan nach Großbritannien ausgewandert sind. Aufgrund der Herkunft Kureishis, der in zweiter Generation[3] der Einwanderung in England aufgewachsen ist, werden seinen Werken autobiografische Züge nachgesagt. Hierzu nimmt der Autor wie folgt Stellung: “People think that I’m caught between two cultures, but I’m not. I’m British; I can make it in England. It’s my father who’s caught. He can’t make it.”[4]

Die Auseinandersetzung mit Nationalität, Multikulturalismus und Hybridität wird immer wieder thematisiert. Besondere Aufmerksamkeit wird England, insbesondere der Metropole London gewidmet und wie in Großbritannien mit diesen Phänomenen umgegangen wird. Der Autor formuliert:

“It’s the British, the white British, who have to learn that being British isn’t what it was. Now it is a more complex thing involving new elements. So there must be a fresh way of seeing Britain and the choices it faces: and a new way of being British after all this time.”[5]

4. Protagonisten in The Black Album

Immigration ist ein zentrales Thema in den Werken Hanif Kureishis, besonders in seinem zweiten Roman The Black Album. Um zu einer Darstellung der immigrant community und ihrer Ausprägung zu gelangen, sollen im Folgenden die einzelnen Charaktere in The Black Album näher analysiert werden.[6]

4.1 Die Hauptfigur: Shahid Hasan

Der Pakistaner Shahid Hasan wurde in Kent, einem Vorort von London geboren. Er träumt davon, Schriftsteller zu werden. Nachdem er seine Freundin geschwängert und diese das Kind hat abtreiben lassen müssen, zwingen ihn seine Eltern, im Reisebüro mitzuarbeiten. Doch Shahid hat den tiefen Wunsch, Schriftsteller zu werden, er liest leidenschaftlich gerne und beschließt, nach London auf ein College zu gehen. Dort hat er zunächst Probleme, Anschluss zu finden. Er wird von einem Kommilitonen namens Riaz angesprochen und berichtet im von seiner Vergangenheit. Innerhalb des Gespräches wird deutlich, dass Shahid auf der Suche nach seiner Identität ist:

“You are searching for something?”

“I’m not sure”, Shahid said pensively. “But you could be right.”[7]

Shahid erwähnt gegenüber Riaz, nachdem er diesen fragte, woher er komme: “That „originally“ is a quite big thing.” worauf sein gegenüber antwortet: “The very biggest thing of all. You recognize that, eh?“[8] Shahid ist sich seiner Zugehörigkeit nicht sicher. Er erzählt von den Schwierigkeiten in seiner Kindheit:

“I began to feel [...] in that part of the country, more off a freak than I did normally.

I had been kicked around and chased a lot, you know. It made me terrifying sensitive. I kept thinking there was something I lacked.“[9]

Nicht nur die Frage nach seiner Identität macht ihn verrückt, “I thought I was going mad“[10], er reflektiert auch über seine Hautfarbe und die von ihm gefühlte Reaktion seiner Umwelt auf ihn: „Everywhere I went I was the only dark-skinned person. How did this make people see me?”[11] Shahids Reflexion über seine Vergangenheit gipfelt in Rassismus und Abscheu: “I wanted to be a racist”[12], “[...] My mind was invaded by killing-nigger fantasies“[13], [...] going around abusing Pakis, niggers, Chinks, Irish, any foreign scum.”[14]

Durch Shahids Bemerkungen wird deutlich, in welcher Krise er sich befindet. Er fühlt sich nirgends zuhause, ist sich nicht im Klaren über seine Identität, Herkunft und Zugehörigkeit. Dennoch weisen seine selbstkritischen Überlegungen auf ein hohes Maß an Reflexionsvermögen. Er denkt viel über sich und seine Umwelt nach, möchte Wissen erlangen und bemüht sich um eine Ausbildung an einem College. Sein Interesse an Literatur spiegelt sowohl seinen Wissensdurst als auch das Interesse an Austausch und Erfahrung, was im Verlauf des Romans häufig zum Ausdruck kommt.

Kenneth C. Kaleta schreibt in seinem Buch über Hanif Kureishi: “Kureishis immigrant characters grapple with the disillusionment, alienation, and loss of identity.“[15]

[...]


[1] Collins Cobuild English Dictionary. Great Britain: HarperCollins Publishers Ltd., 1995, S. 323.

[2] Informationen entnommen aus: www.soziologie.ch/resources/texts/docs/Toennies.pdf (zuletzt am 16.02.2006). Weitere Informationen zum Gemeinschaftsbegriff: Tönnies, Ferdinand. Grundbegriffe der reinen Soziologie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2005.

[3] Kureishis Vater immigrierte 1947 von Pakistan nach England, nachdem seine Familie von Indien nach Pakistan gewandert war. Kaleta, S. 19.

[4] Nasta, S. 176.

[5] Nasta, S. 173.

[6] An dieser Stelle ist interessant, dass Kureishi in The Black Album mit nur wenigen Figuren auskommt; Shahid bewegt sich zwischen seiner Familie, dazu gehören seine Eltern, die jedoch nur in Rückblendungen und Erinnerungen auftauchen, sowie sein Bruder Chili, und seinem Freundeskreis, der aus Collegestudenten besteht; hinzu kommen Deedee Osgood und ihr Ex-Mann Brownlow; andere Personen (Studentenschaft der Universität, Personen aus der Gesellschaft Englands, u.s.w.) werden ausgeblendet.

[7] Kureishi, S. 5.

[8] Ebd., S. 6.

[9] Ebd., S. 10.

[10] Ebd., S. 9.

[11] Ebd., S. 10.

[12] Ebd.

[13] Ebd., S.11.

[14] Ebd.

[15] Kaleta, S. 195.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung der "immigrant community" in Hanif Kureishis "The Black Album"
Hochschule
Universität zu Köln  (Englisches Seminar)
Note
2,8
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V79588
ISBN (eBook)
9783638868754
ISBN (Buch)
9783640319657
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellung, Hanif, Kureishis, Black, Album
Arbeit zitieren
Stefanie Udema (Autor), 2006, Die Darstellung der "immigrant community" in Hanif Kureishis "The Black Album", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79588

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