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Die Dissoziative Identitätsstörung als sozialpädagogisches Problem

Titel: Die Dissoziative Identitätsstörung als sozialpädagogisches Problem

Diplomarbeit , 2006 , 123 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Diplom-Pädagogin Melanie Schöpcke (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Fachliteratur bezeichnet die „Welt der multiplen Persönlichkeiten“ heute vorwiegend mit dem Begriff Dissoziative Identitätsstörung (DIS). Es handelt sich um eine klinisch anerkannte, psychische Störung, bei der sich nicht etwa reale Personen einen gemeinsamen Körper teilen, sondern verschiedene Anteile eines Menschen sich als so sehr voneinander getrennt erleben, daß sie jeweils über eine eigene Identität verfügen...

Die Diplomarbeit soll zum einen wichtiges Grundwissen über DIS vermitteln.
Im Besonderen wird der Zusammenhang zwischen dem Erleben extremster Gewalt und der psychischen Verarbeitung durch Dissoziation hergestellt sowie das Störungsbild selbst und daraus resultierende (störungs-)spezifische Probleme aufgezeigt. Menschen mit DIS wurden bereits in frühester Kindheit physischer und/oder psychischer und/oder sexueller Mißhandlung ausgesetzt, die über das Maß menschlicher Vorstellungskraft hinausreicht. Um das physische, wie psychische Überleben zu sichern, wurden sie gezwungen ihre intimsten Körpergrenzen aufzugeben und dissoziative Mechanismen als einzige Möglichkeit zu nutzen, um ihre überwältigenden Ängste und Schmerzen zu bewältigen.
Im Erwachsenenalter sind die „Überlebenskünstler“ allerdings mit einer Vielzahl an Problemen konfrontiert, die ihr Überleben erneut gefährden, so daß diese Arbeit auch den Umgang und die Behandlungsmöglichkeiten Betroffener aufzeigt. Beachtung finden sowohl der psychologisch- therapeutische, wie auch der sozialpädagogische Unterstützungsrahmen...
Im 2. Kapitel stehen das Konzept der Dissoziation, dissoziative Phänomene und Störungen, einschließlich der DIS, im Vordergrund. Begriffe, das dissoziative Kontinuum und Diagnosekriterien der Störungen werden vorgestellt. Anschließend erfolgt neben einem geschichtlichen Rückblick, die Hinwendung zur Prävalenz und der kontrovers geführten Diskussion über das Phänomen DIS.
Das 3. Kapitel beschäftigt sich mit den ätiologischen Bedingungen. Es wird der Zusammenhang zwischen Dissoziation, Mißbrauch und Trauma dargestellt, Formen und TäterInnen zu Missbrauch beschrieben sowie die DIS- Entstehung als Strategie der Bewältigung dargelegt. Im Anschluß daran, erhält der Leser einen Einblick in Diagnostik, Symptomatologie und Komorbidität des Störungsbildes sowie in das „normal- verrückte Leben eines multiplen Systems“...
Möglichkeiten und Grenzen, die Psychologie und Sozialpädagogik für die Behandlung Betroffener anbieten, stellt das abschließende, 4. Kapitel heraus...

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Konzept der Dissoziativen Identitätsstörung

2.1 Dissoziation als psychischer Prozess

2.1.1 Begriffsdefinition

2.1.2 Dissoziationsfähigkeit als Grundvoraussetzung

2.1.3 Das Dissoziative Kontinuum

2.2 Klassifikationen dissoziativer Störungen nach DSM-IV-TR

2.2.1 Diagnosekriterien der Dissoziativen Amnesie

2.2.2 Diagnosekriterien der Dissoziativen Fugue

2.2.3 Diagnosekriterien der Depersonalisationsstörung

2.2.4 Diagnosekriterien der nicht- näher bezeichneten dissoziativen Störungen

2.3 Kriterien der Dissoziativen Identitätsstörung

2.4 Geschichtlicher Rückblick

2.5 Epidemiologische und demographische Daten

2.6 Kontroverse: Diskussion zur Iatrogenität

3 Dissoziation als Strategie der Trauma- Bewältigung und die Dissoziative Identitätsstörung als deren Folgestörung

3.1 Der Zusammenhang von Trauma, Missbrauch und Dissoziation

3.1.1 Kindesmisshandlung

3.1.1.1 Körperliche Misshandlung

3.1.1.2 Vernachlässigung

3.1.1.3 Emotionaler Missbrauch

3.1.1.4 Sexueller Missbrauch

3.1.2 Der Täterkreis

3.1.2.1 Der Familienkreis

3.1.2.2 Der Bekanntenkreis

3.1.2.3 Frauen als Täterinnen und Mittäterinnen

3.1.2.4 Organisiertes Verbrechen

3.1.2.5 Satanische Kulte und ritueller Missbrauch

3.2 Ätiologische Überlegungen

3.2.1 Weibliches Geschlecht

3.2.2 Das Trauma

3.2.3 Dissoziationsfähigkeit

3.2.4 Niemand hilft

3.3 Diagnose Dissoziative Identitätsstörung

3.3.1 Diagnostische Kriterien und Hinweise

3.3.1.1 Spezifische Merkmale zur Bestimmung von DIS

3.3.1.2 Unspezifische diagnostische Hinweise zum Vorliegen einer DIS

3.3.1.2.1 Psychiatrische Symptome

3.3.1.2.2 Psychosomatische Symptome

3.3.1.2.3 Zusätzliche Kriterien

3.3.2 Komorbidität und Differenzialdiagnose

3.3.3 Diagnoseinstrumente

3.4 Phänomenologie oder „Das normal- verrückte Leben DIS- Betroffener“

3.4.1 Das subjektive Ereben Betroffener

3.4.2 Die „alter- Persönlichkeiten“

3.4.2.1 Alltags- Persönlichkeit

3.4.2.2 Kinder- Persönlichkeiten

3.4.2.3 Verfolger- Persönlichkeiten

3.4.2.4 Beschützer- und Helfer- Persönlichkeiten

3.4.2.5 Weitere Persönlichkeitszustände

3.4.3 Das Persönlichkeits- System

3.4.4 Switchen

4 Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten

4.1 Möglichkeiten und Grenzen der Psychotherapie

4.1.1 Überblick zu den Behandlungsrichtlinien nach ISSD (1997)

4.1.2 Psychodynamisch- Imaginative Trauma- Therapie

4.1.2.1 Stabilisierung und Symptomreduktion

4.1.2.2 Arbeit mit Imaginationen und die Bearbeitung traumatischer Erfahrungen

4.1.2.3 Integrationsarbeit

4.1.2.4 Postintegrative Therapie und Rehabilitation

4.1.3 Ergänzende Therapien

4.1.3.1 Gruppentherapie

4.1.3.2 Stationäre Behandlung

4.1.3.3 Pharmakotherapie

4.1.3.4 Nonverbale Therapieansätze

4.2 Möglichkeiten und Grenzen der Sozialpädagogik/ Sozialen Arbeit

4.2.1 Sozialpädagogische Prinzipien und Angebote

4.2.1.1 Mögliche Kontaktbereiche und Anlaufstellen

4.2.1.2 Qualifikationsmerkmale, Grundhaltungen und Anforderung an SozialpädagogInnen im Umgang mit DIS

4.2.2 Sozialpädagogischer Handlungsbereich

4.2.2.1 Prävention

4.2.2.1.1 Primarprävention zur Kindesmisshandlung

4.2.2.1.2 Sekundäre und tertiäre Prävention zur Kindesmisshandlung

4.2.2.2 Öffentlichkeitsarbeit

4.2.2.3 Beratung und Begleitung

4.2.2.3.1 Beziehungsarbeit und soziales Netzwerk

4.2.2.3.2 Sicherheit und Stabilisierung

4.2.2.4 Krisenintervention

4.2.2.5 Begleitung im betreuten Wohnen

4.2.2.6 Bereich der Selbsthilfe und Selbsthilfegruppen

5 Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) als schwerwiegendes sozialpädagogisches Problem, das aus frühkindlichen Traumatisierungserfahrungen resultiert. Ziel ist es, ein Verständnis für das Störungsbild als Bewältigungsstrategie zu vermitteln und konkrete sozialpädagogische sowie psychotherapeutische Handlungsansätze für die Begleitung Betroffener aufzuzeigen.

  • Konzeptionelle Grundlagen der Dissoziation und DIS nach DSM-IV-TR.
  • Ätiologische Bedingungen und der Zusammenhang von Trauma und Persönlichkeitsspaltung.
  • Phänomenologie des Alltagslebens und der Persönlichkeitssysteme DIS-Betroffener.
  • Interdisziplinäre Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten (Psychotherapie und Sozialpädagogik).
  • Anforderungen an professionelle Helfer und Präventionsstrategien bei Kindesmisshandlung.

Auszug aus dem Buch

3.1.2.5 Satanische Kulte und ritueller Missbrauch

Sehr viele DIS- Betroffene waren auch satanisch- rituellem beziehungsweise sadistisch- rituellem Missbrauch ausgesetzt, der nicht allein in organisierten Sekten, Kulten, satanischen Gruppierungen und in Bezug zu Satanismus (als Gegenbewegung zum Christentum eine Art „Antireligion“) stattfindet. Auch der Vater, der sich stets im gleichen Zimmer, zur gleichen Zeit und mit den selben Folterinstrumenten am Kind vergeht, übt laut Becker und Felsner (1997) Gewalt im Rahmen eines Rituals (pseudo- rituell bzw. „ritualisiert“) aus.

Sekten und Satanistengruppen wählen für ihre Rituale und Opferungen spezielle Orte, wie zum Beispiel Kellerräume, Kirchen oder Scheunen sowie „Kultstätten“ unter freiem Himmel (Friedhöfe und Opferstellen) aus. Mit schwarzen Kränzen, umgekehrten Kreuzen, Fackeln, offenem Feuer und Seilen, Ketten, Dolchen und Schwertern an den Wänden richten sie die Stätten für ihre Zwecke her. Als Gestalten in Masken und Umhängen, mit lauter Musik, rituellen Gesängen und Tänzen, magischen Symbolen, Sprüchen und Flüchen schüchtern sie ihre Opfer ein und versetzen sie in Todesangst. Das Szenario wirkt zudem besonders bedrohlich, da die Opfer glauben an einer Art heiligen Handlung teilzunehmen, für die sie speziell ausgewählt wurden und der sie völlig hilflos ausgeliefert sind (vgl. Becker/ Felsner 1997).

Die Rituale selbst sind von extremster Folter geprägt und enden nicht selten mit dem Opfertod. In Orgien und schwarzen Messen werden den Opfern Alkohol und Drogen verabreicht, auf unterschiedliche Weise schlimmste Verletzungen zugefügt und meist von allen Gruppenmitgliedern in jeglicher Form sexuell missbraucht. In der Regel werden die Opfer selbst zu Gewalttaten und Morden gezwungen und machen sich so zu MittäterInnen, was ihr oft jahrelanges Schweigen begründet (vgl. Huber 2004, S.86).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Verfasserin erläutert ihr persönliches Interesse an der Thematik und skizziert das Störungsbild als eine Form der Identitätsspaltung, die eine besondere Herausforderung für die soziale Arbeit darstellt.

2 Konzept der Dissoziativen Identitätsstörung: Dieses Kapitel führt in die theoretischen Grundlagen der Dissoziation ein, behandelt Klassifikationen nach dem DSM-IV-TR und diskutiert die geschichtliche Entwicklung sowie die wissenschaftliche Kontroverse um die Iatrogenität.

3 Dissoziation als Strategie der Trauma- Bewältigung und die Dissoziative Identitätsstörung als deren Folgestörung: Der Hauptteil analysiert den Zusammenhang zwischen Traumata und der Ausbildung dissoziativer Strukturen, beschreibt verschiedene Formen von Missbrauch sowie die Phänomenologie des Alltagslebens Betroffener.

4 Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten: Hier werden psychotherapeutische Ansätze und die sozialpädagogischen Handlungsfelder bei der Begleitung von DIS-Betroffenen detailliert vorgestellt, einschließlich Prävention, Krisenintervention und Selbsthilfe.

5 Schlusswort: Das Fazit fasst die Relevanz einer interdisziplinären Zusammenarbeit zusammen und betont die Notwendigkeit weiterer Forschung sowie fachlicher Qualifizierung im psychosozialen Bereich.

Schlüsselwörter

Dissoziative Identitätsstörung, DIS, Dissoziation, Traumata, Kindesmisshandlung, Persönlichkeitsspaltung, Persönlichkeitszustände, Switching, Psychotherapie, Sozialpädagogik, Iatrogenität, Posttraumatische Belastungsstörung, Krisenintervention, Identität, Überlebensstrategie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) aus einer sozialpädagogischen Perspektive und betrachtet sie als notwendige, wenn auch dysfunktional gewordene Überlebensstrategie nach schwerer frühkindlicher Traumatisierung.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung des Dissoziationskonzepts, die ätiologische Bedeutung von Missbrauchserfahrungen, die Phänomenologie des multiplen Systems sowie konkrete Unterstützungs- und Therapiemöglichkeiten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Sensibilisierung professioneller Helfer für die komplexen Bedürfnisse von DIS-Betroffenen, um eine kompetente und professionelle Begleitung in Alltag und Krise zu ermöglichen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender psychiatrischer, klinischer und sozialpädagogischer Fachpublikationen und stellt die Forschungsergebnisse in den Kontext der praktischen sozialen Arbeit.

Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Ursachen (Trauma/Missbrauch), die Analyse der Persönlichkeitsstrukturen (alter-Persönlichkeiten) sowie die detaillierte Beschreibung therapeutischer und sozialpädagogischer Interventionsformen.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Dissoziation, Trauma, Multiple Persönlichkeit, Schutzmechanismen, Kooperation, Integration und sozialpädagogische Begleitung.

Wie unterscheidet sich die DIS von einer Schizophrenie?

Im Gegensatz zu Schizophrenen, die sich meist fremdbestimmt fühlen und Stimmen externen Ursprungs wahrnehmen, erleben DIS-Betroffene ihre verschiedenen Persönlichkeitsanteile als „innere“ Identitäten, die jeweils eigene Lebensgeschichten und Funktionen besitzen.

Welche Rolle spielt die Sozialpädagogik bei DIS?

Die Sozialpädagogik übernimmt eine ergänzende, stabilisierende Funktion zur Therapie, indem sie äußere Lebensbedingungen strukturiert, Sicherheit fördert, präventive Aufgaben wahrnimmt und die Teilhabe am Alltag unterstützt.

Ende der Leseprobe aus 123 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Dissoziative Identitätsstörung als sozialpädagogisches Problem
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Pädagogik (Fachbereich Erziehungswissenschaften))
Note
2,0
Autor
Diplom-Pädagogin Melanie Schöpcke (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
123
Katalognummer
V79609
ISBN (eBook)
9783638799898
ISBN (Buch)
9783638803779
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dissoziative Identitätsstörung Problem
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Diplom-Pädagogin Melanie Schöpcke (Autor:in), 2006, Die Dissoziative Identitätsstörung als sozialpädagogisches Problem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79609
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