Die Einführung des Euro war unter anderem damit begründet worden, dass eine Region, in der in immer größerem Maße Außenhandel stattfindet und deren Länder sich in einem Prozess der wirtschaftlichen Annährung befinden, eine gemeinsame Währung bekommen sollte. Für Außenhändler sollten Währungsrisiken, denen man die Eigenschaften einer Bremse für den Außenhandel zuschrieb, beseitigt werden, schließlich bedeutet prosperierender Außenhandel wachsenden wirtschaftlichen Wohlstand. Die Menschen in einer auch politisch zusammenwachsenden Gemeinschaft sollten in allen teilnehmenden Ländern mit der gleichen Währung zahlen können, da die Länder innerhalb der Gemeinschaft insgesamt einen derartig hohen Homogenitätsgrad aufweisen, dass sich eine gemeinsame Währung geradezu aufdrängte.
Zu fragen ist allerdings, ob die Lösung, wie sie mit dem Euro gewählt wurde, die einzig mögliche war, um feste Wechselkurse und eine Art supranationales Geld zu schaffen. Zwar mochten die Motive ganz andere gewesen sein, aber auch zu Zeiten des klassischen internationalen Goldstandards (1871-1913) war es gelungen, weitgehend fixe Wechselkurse zu schaffen, die den ihren Teil zu einem prosperierenden Außenhandel beitrugen, sowie ein "Weltgeld" in Form des Goldes zu kreieren, ohne das nationale Geldpolitik oder gar die nationale Währungen aufgegeben werden mussten und die teilnehmenden Länder einen hohen Homogenitätsgrad aufweisen mussten und politisches Gerangel notwendig war.
Die vorliegende Arbeit zeigt die Erscheinungsformen und volkswirtschaftliche Ausgleichsmechanismen des Goldstandards auf, gefolgt von einer Bewertung und einer kurzen Analyse, wie die Wirklichkeit des Goldstandards im Vergleich zur Theorie aussah.
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Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Erscheinungsformen
1.) Goldumlaufswährung
2.) einlösbare Goldkernwährung oder Goldbarrenwährung
3.) Golddevisenwährung
III. Theoretische Funktionsweisen und stabilisierende Mechanismen
1.) „Spielregeln“ des Goldstandards
2.) Goldarbitrage und Goldpunkte
3.) Preisstabilisierungsmechanismus
4.) Geldmengen-Preis-Mechanismus
5.) Geldmengen-Einkommens-Mechanismus
6.) Diskontpolitik im Goldstandard und Geldmengen-Zins-Mechanismus
IV. Bewertung des Goldstandards
1.) Vorteile der Goldwährung
2.) Nachteile der Goldwertung
V. Die Realität zur Zeit des klassischen Goldstandards
VI. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Erscheinungsformen, volkswirtschaftlichen Ausgleichsmechanismen sowie die theoretische und praktische Funktionsweise des klassischen internationalen Goldstandards (1871-1913), um dessen Rolle für den Außenhandel und die Geldpolitik kritisch zu bewerten.
- Systematik der Goldwährungsformen (Umlauf-, Kern- und Devisenwährung)
- Die theoretischen „Spielregeln“ und Mechanismen der Zahlungsbilanzanpassung
- Vorteile und systemische Nachteile des Goldstandards
- Die historische Realität als Pfundstandard und der Vergleich zu modernen Währungssystemen
Auszug aus dem Buch
III. 2.) Goldarbitrage und Goldpunkte
Werden die Spielregeln eingehalten, so können zwischen Goldstandardländern keine großen Wechselkursschwankungen eintreten, weil beim Fallen oder Steigen des Wechselkurses Arbitragemöglichkeiten bestehen, welche über die Devisenmärkte für die Wiederangleichung der Wechselkurse sorgen. Dieser Mechanismus arbeitet also unabhängig ohne weitergehende Vereinbarungen, sondern beruht allein auf die Marktkräfte, wie Spahn (vgl. 2001, S. 97) feststellt.
Dieser Mechanismus lässt sich anhand eines Beispiels verdeutlichen : Bei Richter (vgl. 1987, S. 245f) finden sich folgende Werte, die vor 1914 Gültigkeit hatten :
Für die deutsche Mark war ein Münzfuß (d.h. der Gegenwert in Gold für eine Recheneinheit der betreffenden Währung) von 1 Mark = 0.355842g Feingold festgelegt; für den US-Dollar galt :1 USD = 1.50463g Feingold. Die Münzparität (der rechnerische Wechselkurs zwischen Mark und USD) betrug also : 4.19792 Mark/USD.
Fällt der Dollarkurs nun unter diesen Parikurs (z.B. aufgrund eines Zahlungsbilanzdefizits der USA), so lohnt es sich für Arbitrageure Dollar am Devisenmarkt zu kaufen, diese bei der amerikanischen Zentralbank in Gold zu tauschen, dieses Gold an die deutsche Zentralbank zu verkaufen und sich dafür Mark geben zu lassen. So kann ein risikoloser Gewinn eingefahren werden. Damit bei der Transaktion noch ein Gewinn verbleibt, müssen Transport-, Versicherungs- und sonstige Transaktionskosten (etwa entgangene Zinsgewinne) einberechnet werden, es ergibt sich also ein Punkt, ab dem sich Arbitragegeschäfte erst lohnen. Dieser Punkt wird als Goldimportpunkt bezeichnet, und zwar deswegen, weil ja wie oben beschrieben Gold ins Inland fließt. Umgekehrtes gilt, wenn der Dollarkurs über den Parikurs steigt. Weil hier Gold aus dem Inland abfließt, bezeichnet man den Punkt, auf den der Dollarkurs steigen muss, damit Arbitragegewinne möglich werden, als Goldexportpunkt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Relevanz fester Wechselkurse ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, den Goldstandard als historisches Referenzsystem für moderne Währungsunionen zu untersuchen.
II. Erscheinungsformen: Hier werden die verschiedenen technischen Ausprägungen des Goldstandards differenziert, insbesondere Goldumlauf-, Goldkern- und Golddevisenwährungen.
III. Theoretische Funktionsweisen und stabilisierende Mechanismen: Das Kapitel erläutert die „Spielregeln“ des Goldstandards und analysiert detailliert die verschiedenen automatischen Anpassungsmechanismen bei Zahlungsbilanzungleichgewichten.
IV. Bewertung des Goldstandards: Es erfolgt eine kritische Abwägung der ökonomischen Vor- und Nachteile, wobei insbesondere die Auswirkungen auf Inflation, Beschäftigung und geldpolitischen Spielraum beleuchtet werden.
V. Die Realität zur Zeit des klassischen Goldstandards: Dieses Kapitel hinterfragt die Theorie anhand der historischen Praxis und zeigt auf, dass der Goldstandard faktisch als Pfundstandard unter Führung der Bank of England funktionierte.
VI. Schlussbemerkung: Der abschließende Teil fasst das Scheitern des Goldstandards zusammen und zieht Parallelen zu den Herausforderungen späterer Systeme wie Bretton-Woods und der heutigen Währungsunion.
Schlüsselwörter
Goldstandard, Weltwährung, Zahlungsbilanz, Geldmenge, Goldarbitrage, Goldpunkte, Wechselkurse, Zentralbank, Diskontpolitik, Preisniveau, Pfundstandard, Bretton-Woods, Währungsunion, Kapitalverkehr, Deflation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Funktionsweise des klassischen internationalen Goldstandards zwischen 1871 und 1913 und analysiert, wie in diesem System automatische wirtschaftliche Ausgleichsmechanismen funktionierten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Systematik der Goldwährungen, der theoretischen Zahlungsbilanzanpassung, der Bewertung des Goldstandards und dem historischen Vergleich mit späteren Währungsordnungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob der Goldstandard tatsächlich automatisch funktionierte, wie es die Theorie nahelegt, oder ob er auf politischer Verantwortung und einer stabilen Leitwährung basierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine theoretische Literaturanalyse und historische Fallbetrachtungen, um die Wirkmechanismen des Goldstandards und seine reale Anwendung durch die Zentralbanken darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Goldwährungsformen, die Erläuterung der Anpassungsmechanismen (wie den Geldmengen-Preis- oder Geldmengen-Zins-Mechanismus) sowie eine Bewertung der Vor- und Nachteile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Goldstandard, Zahlungsbilanz, Geldmenge, Goldarbitrage, Wechselkursstabilität und Leitwährungsfunktion.
Was unterscheidet den Goldimportpunkt vom Goldexportpunkt?
Der Goldimportpunkt markiert den Wechselkurs, bei dem Goldzuflüsse ins Inland aufgrund von Arbitragemöglichkeiten lohnenswert werden, während der Goldexportpunkt den Schwellenwert bei Goldabflüssen darstellt.
Warum wird der Goldstandard historisch auch als Pfundstandard bezeichnet?
Aufgrund der Vormachtstellung Englands und der Rolle der Bank of England als Ankerpunkt für das Weltfinanzsystem agierte das britische Pfund in der Praxis als stabilisierendes Weltgeld, an dem sich andere Länder orientierten.
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- Chris Sebastian Heidrich (Author), 2002, Funktionsweise des Goldstandards, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7961