Funktionsweise des Goldstandards


Seminararbeit, 2002

19 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Erscheinungsformen
1.) Goldumlaufswährung
2.) einlösbare Goldkernwährung oder Goldbarrenwährung
3.) Golddevisenwährung

III. Theoretische Funktionsweisen und stabilisierende Mechanismen
1.) „Spielregeln“ des Goldstandards
2.) Goldarbitrage und Goldpunkte
3.) Preisstabilisierungsmechanismus
4.) Geldmengen-Preis-Mechanismus
5.) Geldmengen-Einkommens-Mechanismus
6.) Diskontpolitik im Goldstandard und Geldmengen-Zins-Mechanismus

IV. Bewertung des Goldstandards
1.) Vorteile der Goldwährung
2.) Nachteile der Goldwertung

V. Die Realität zur Zeit des klassischen Goldstandards

VI. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die Einführung des Euro war unter anderem damit begründet worden, dass eine Region, in der in immer größerem Maße Außenhandel stattfindet und deren Länder sich in einem Prozess der wirtschaftlichen Annährung befinden, eine gemeinsame Währung bekommen sollte. Für Außenhändler sollten Währungsrisiken, denen man die Eigenschaften einer Bremse für den Außenhandel zuschrieb, beseitigt werden, schließlich bedeutet prosperierender Außenhandel wachsenden wirtschaftlichen Wohlstand. Die Menschen in einer auch politisch zusammenwachsenden Gemeinschaft sollten in allen teilnehmenden Ländern mit der gleichen Währung zahlen können, da die Länder innerhalb der Gemeinschaft insgesamt einen derartig hohen Homogenitätsgrad aufweisen, dass sich eine gemeinsame Währung geradezu aufdrängte.

Zu fragen ist allerdings, ob die Lösung, wie sie mit dem Euro gewählt wurde, die einzig mögliche war, um feste Wechselkurse und eine Art supranationales Geld zu schaffen. Zwar mochten die Motive ganz andere gewesen sein, aber auch zu Zeiten des klassischen internationalen Goldstandards (1871-1913) war es gelungen, weitgehend fixe Wechselkurse zu schaffen, die den ihren Teil zu einem prosperierenden Außenhandel beitrugen, sowie ein „Weltgeld“ in Form des Goldes zu kreieren, ohne das nationale Geldpolitik oder gar die nationale Währungen aufgegeben werden mussten und die teilnehmenden Länder einen hohen Homogenitätsgrad aufweisen mussten und politisches Gerangel notwendig war.

Die vorliegende Arbeit zeigt die Erscheinungsformen und volkswirtschaftliche Ausgleichsmechanismen des Goldstandards auf, gefolgt von einer Bewertung und einer kurzen Analyse, wie die Wirklichkeit des Goldstandards im Vergleich zur Theorie aussah.

II. Erscheinungsformen

II. 1.) Goldumlaufswährung

Bei der Goldumlaufswährung in der reinen Form fungieren vollwertige Goldmünzen (sogenannte Kurantmünzen) als Tausch- und Zahlungsmittel. Die Notenbank verpflichtet sich hierbei, jede Menge Gold oder Münzen zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Folglich sind Nominal- und Metallwert der Münzen stets identisch und die Geldmenge ist nur über die in der Volkswirtschaft befindliche Goldmenge im Verhältnis 1:1 zu ändern. Als Unterform der reinen Goldumlaufswährung sei die gemischte Goldumlaufswährung genannt, bei der sich neben vollwertigen Goldmünzen auch Banknoten im Umlauf befinden, die ganz oder teilweise durch Goldreserven der Zentralbanken gesichert sind. (vgl. Adebahr 1978, S. 392f)

II. 2.) einlösbare Goldkernwährung oder Goldbarrenwährung

Die einlösbare Goldkernwährung ist dadurch charakterisiert, dass nicht nur Kurantmünzen existieren, sondern das umlaufende Geld auch oder ausschließlich aus Banknoten besteht, die bei der Zentralbank jederzeit gegen Gold eintauschbar sind und zwar, und das ist entscheidend, zu einem ein für alle Mal fixierten Kurs. Trotzdem ist in der Regel die umlaufende Geldmenge größer als die Goldmenge, da die Zentralbank damit rechnen kann, dass nicht alles umlaufende Geld gleichzeitig zum Eintausch präsentiert wird. Üblicherweise existieren rechtliche Vorschriften, welchen Prozentsatz des umlaufenden Bargeldes die Zentralbank durch Goldreserven zu decken hat.

II. 3.) Golddevisenwährung

Bei der Golddevisenwährung sind die umlaufenden Zahlungsmittel nicht nur durch Goldreserven der heimischen Zentralbank, sondern auch durch Devisenreserven gedeckt, die im Ausland in Gold umtauschbar sind. Es ist der Zentralbank eines Golddevisenwährungslandes also gestattet, ihre Goldreserven teilweise in goldkonvertiblen Devisen zu halten. Das kann zum Beispiel dadurch geschehen, dass die einheimische Zentralbank Dollardepositen am New Yorker Geldmarkt hält. Allerdings begibt man sich natürlich in die Abhängigkeit des Goldkernwährungslandes. Wertet dieses seinen Währung aus irgendwelchen Gründen ab, so wurde das Golddevisenwährungsland mit ins Unglück gestürzt (vgl. Herr 1988, S. 48).

III. Theoretische Funktionsweisen und stabilisierende Mechanismen

III. 1.) Spielregeln des Goldstandards

Damit die im folgenden beschriebenen Mechanismen ihre Wirkung entfalten können eine Modellvoraussetzung, dass sich alle am Goldstandard beteiligten Länder bzw. deren Zentralbanken an die „Rules of the Game“ halten. Die Spielregeln leiten sich aus dem im Goldstandard vorherrschenden Ziel der Geldpolitik ab, jederzeit die Goldkonvertibilität der eigenen Währung zu einem fixen Kurs zu gewährleisten. Herr (vgl. 1988, S.46) interpretiert diese Spielregeln dahingehend, dass die Politik der Notenbank darauf ausgerichtet sein muss, Goldbewegungen zu vermeiden, da eine Goldwährung nicht dadurch gekennzeichnet ist, dass eine feste Relation zwischen Goldbestand und Geldvolumen besteht, sondern durch ein variables Verhalten beider Größen bestimmt ist. Gold war also durch die „Spielregeln“ in einer Rolle eines Koordinators und Disziplinators für die Geldpolitik der Zentralbank. Besonders ein Goldabfluss ist wegen deflatorischer Wirkung höchst unangenehm. Spahn (vgl. 2001, S. 99) nennt neben der freien Konvertierbarkeit des Goldes in Geld und umgekehrt zu fixen Kursen sowie des freien Goldverkehrs zwischen Ländern noch weitere Regeln, die den Goldstandard von 1879-1913 bestimmten : So darf der Anstieg des Buchgeldes nur in dem Umfang erfolgen, wie langfristig auch die Goldreserven wachsen (können), so dass schließlich auch das Buchgeld durch Gold gedeckt ist. Des weiteren erwähnt er die Bagehot’s Rule, die besagt, dass in kurzfristigen Liquiditätskrisen hervorgerufen durch Goldabflüsse die Zinsen der Zentralbank, mit deren die Liquidität der Geschäftsbanken gesteuert werden kann, erhöht werden sollten, die Zentralbank aber als „lender of last resort“ auftreten darf, d.h. den Geschäftsbanken Liquidität zur Verfügung stellen darf, um Liquiditätsengpässe und damit Vertrauensverluste zu verhindern. In Zeiten des Goldstandards wurde diese Funktion von der Reichsbank hauptsächlich durch Lombardkredite und durch Rediskontierung von Wechseln erfüllt (vgl. Jarchow 1995, S.18) Zudem sollte das Preisniveau nur durch die weltweite Nachfrage und das weltweite Angebot an Gold bestimmt sein. Das Preisniveau wird also rein exogen vom Weltmarktpreis für Gold bestimmt. Auch muss, wenn die vorübergehende freie Goldkonvertibilität aus irgendwelchen Gründen ausgesetzt wurde, möglichst schnell zur freien Konvertibilität zurückgekehrt werden, falls nötig über eine Deflationspolitik der Zentralbank.

Man darf sich diese „Spielregeln“ allerdings nicht so vorstellen, dass diese von einer internationalen Konferenz schriftlich fixiert wurden und die Zentralbanken zu deren Einhaltung verpflichtet wurden. Vielmehr wurde dieser Begriff erst durch J.M. Keynes geprägt, der ihn 1925 zum ersten mal erwähnt hat. Allerdings fand Bloomfield in einer Untersuchung 1959 heraus, dass Regelverstöße auch schon vor dem ersten Weltkrieg nicht selten waren (vgl. Eichengreen 2000, S. 48f). Vielmehr trafen die Zentralbanken ihre Entscheidungen, vor allem in der Diskontpolitik unter Rentabilitätsgesichtspunkten und nicht unter stabilitätspolitischen Gesichtspunkten, geschweige dann an vollbeschäftigungspolitischen Zielen, wie Eichengreen (a.a.O.) bemerkt.

III. 2.) Goldarbitrage und Goldpunkte

Werden die Spielregeln eingehalten, so können zwischen Goldstandardländern keine großen Wechselkursschwankungen eintreten, weil beim Fallen oder Steigen des Wechselkurses Arbitragemöglichkeiten bestehen, welche über die Devisenmärkte für die Wiederangleichung der Wechselkurse sorgen. Dieser Mechanismus arbeitet also unabhängig ohne weitergehende Vereinbarungen, sondern beruht allein auf die Marktkräfte, wie Spahn (vgl. 2001, S. 97) feststellt.

Dieser Mechanismus lässt sich anhand eines Beispiels verdeutlichen : Bei Richter (vgl. 1987, S. 245f) finden sich folgende Werte, die vor 1914 Gültigkeit hatten :

Für die deutsche Mark war ein Münzfuß (d.h. der Gegenwert in Gold für eine Recheneinheit der betreffenden Währung) von

1 Mark = 0.355842g Feingold festgelegt; für den US-Dollar galt :1 USD = 1.50463g Feingold[1]

Die Münzparität (der rechnerische Wechselkurs zwischen Mark und USD) betrug also :

4.19792 Mark/USD

Fällt der Dollarkurs nun unter diesen Parikurs (z.B. aufgrund eines Zahlungsbilanzdefizits der USA), so lohnt es sich für Arbitrageure Dollar am Devisenmarkt zu kaufen, diese bei der amerikanischen Zentralbank in Gold zu tauschen, dieses Gold an die deutsche Zentralbank zu verkaufen und sich dafür Mark geben zu lassen. So kann ein risikoloser Gewinn eingefahren werden[2].Damit bei der Transaktion noch ein Gewinn verbleibt, müssen Transport-, Versicherungs- und sonstige Transaktionskosten (etwa entgangene Zinsgewinne) einberechnet werden, es ergibt sich also ein Punkt, ab dem sich Arbitragegeschäfte erst lohnen. Dieser Punkt wird als Goldimportpunkt bezeichnet, und zwar deswegen, weil ja wie oben beschrieben Gold ins Inland fließt. Umgekehrtes gilt, wenn der Dollarkurs über den Parikurs steigt. Weil hier Gold aus dem Inland abfließt, bezeichnet man den Punkt, auf den der Dollarkurs steigen muss, damit Arbitragegewinne möglich werden, als Goldexportpunkt.

Bei Richter finden sich (vgl. 1987, S.246) folgende Werte für die Goldpunkte (von New York aus gesehen) :

Goldexportpunkt : 4.1680 Mark/Dollar

Goldimportpunkt : 4.2185 Mark/Dollar

Allerdings weißt er berechtigterweise darauf hin, dass diese Punkte eigentlich nicht fix sein könne, da sie von variablen Zinsverlusten und dem Umfang der Goldtransaktionen abhängen.

Da alle Akteure am Finanzmarkt wissen, dass diese Arbitragemöglichkeiten bestehen und auch genutzt werden, kann der Kurs einer Währung unter normalen Umständen (kein Land droht der Verlust aller Goldreserven oder ein Land setzt die Konvertibilität aus) nicht unter einen bestimmten Punkt fallen oder über einen bestimmten Punkt steigen. Die Kenntnis der möglichen Goldarbitrage auf allen Seiten sorgte dafür, dass oftmals gar keine Goldbewegungen nötig waren, da Anleger am Devisenmarkt die unterbewertete Währung kauften, um später Gewinne einzufahren. Somit konnte die Wechselkursanpassung auch nur über den Devisenmarkt erfolgen, weil jeder vom anderen dachte, er würde die Goldarbitragemöglichkeiten nutzen und sich der Wechselkurs damit angleichen. Stadermann (vgl. 1996, S.169) stellt fest, dass Goldbewegungen eher die Ausnahme als die Regel waren und diese nur als Möglichkeit, als „Schwert des Damokles“ über der Bandbreite schwebten. Er schreibt die Wechselkursänderungen vielmehr ausschließlich den Arbitragevorgängen der Außenhandelsbanken, also den Devisenmarkttransaktionen zu.

[...]


[1] Diese Werte wurden beim „Einstieg“ der Länder in den Goldstandard ein für alle mal fixiert (siehe Kap. II. 2.)).

[2] Die folgende Betrachtung bezieht sich auf die Sicht von Inländern in Deutschland

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Funktionsweise des Goldstandards
Hochschule
Universität Hohenheim  (Wirtschaftspolitik)
Veranstaltung
Ausgewählte Aspekte der Stabilitätspolitik
Note
1.7
Autor
Jahr
2002
Seiten
19
Katalognummer
V7961
ISBN (eBook)
9783638150538
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktionsweise, Goldstandards, Ausgewählte, Aspekte, Stabilitätspolitik
Arbeit zitieren
Chris Sebastian Heidrich (Autor), 2002, Funktionsweise des Goldstandards, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7961

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