Erlebnispädagogik ist ein unausschöpfliches Gebiet, das allein schon durch seine Vielfältigkeit und Aktualität einen großen Anreiz beinhaltet. Es geht hier aber keinesfalls um eine Definitionsfindung, sondern um den Versuch, ein umfangreiches pädagogisches Konzept darzustellen.
Rudern wird in diesem Text als eine nicht leistungsorientierte Sportart erarbeitet, sondern vielmehr als ein mögliches Medium der Erlebnispädagogik. Es wird auf einzelne erlebnispädagogische Elemente eingegangen, die über den Wassersport in der Natur erfahren werden können. Insgesamt wird dabei auf ein umfangreiches und durchaus idealisiertes Gesamtkonzept hingearbeitet, dieses auch kritisch beleuchtet, was eine mögliche Umsetzung in unserem gesellschaftlichen Rahmen betrifft. Das Erlebnis des Miteinanders rückt in den Mittelpunkt.
Der Text entstand ursprünglich für die "Zeitschrift für Erlebnispädagogik" der Universität Lüneburg auf der Basis einer 5-monatigen Examensarbeit an der Universität Hannover. Die Examensarbeit beinhaltete darüber hinaus einen praktischen/empirischen Teil in Form einer erlebnispädagogisch orientierten Ruderfreizeit. Durch einen engen Bezug zur praktischen Umsetzung der beschriebenen offensiven pädagogischen Herangehensweise an integrative Jugendarbeit lebt dieser Text zusätzlich auf und erhält Bezug zur Realität. Auch eine kritische Perspektive klingt an.
Inhaltsverzeichnis
Erlebnis
Gemeinschaft
Rudern im Verein als erlebnispädagogisches Lernfeld und Gesamtkonzept
Erlebnispädagogische Momente im Rudersport
Aktualität, Transfer und kritische Auseinandersetzung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial des Rudersports als ganzheitliches erlebnispädagogisches Gesamtkonzept. Dabei wird analysiert, wie durch die Verknüpfung von Mensch, Natur und Technik sowie durch die soziale Struktur im Verein Lernprozesse initiiert werden können, die über rein sportliche Leistungen hinausgehen und zur Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen beitragen.
- Historische Einordnung der Erlebnispädagogik und ihre Relevanz in der heutigen Gesellschaft.
- Die Bedeutung von Begriffen wie „Erlebnis“ und „Gemeinschaft“ im pädagogischen Kontext.
- Rudern als Methode zur Förderung von Sozialkompetenz, Selbstvertrauen und Körperwahrnehmung.
- Die Rolle des Sportvereins als soziales Lernfeld und dessen Verantwortung in der modernen Pädagogik.
- Kritische Reflexion über Transfermöglichkeiten und die Herausforderungen pädagogischer Interventionen.
Auszug aus dem Buch
Erlebnispädagogische Momente im Rudersport
Speziell im Renneiner (Skiff) können Kinder eine direkte Rückmeldung der Körpererfahrung gewinnen. Es ist sehr wichtig, im sehr schmal gebauten Skiff das Gleichgewicht zu halten und es ist beeindruckend, wie gerne sich Kinder dieser Herausforderung stellen und selbst wenn es einmal in einem „Reinfall“ endet, geben sie nicht auf, suchen so schnell wie möglich erneut die Herausforderung. Sie lernen dabei direkt und an den Konsequenzen ihres eigenen Handelns, anstatt durch reizarm vermittelten Erfahrungen. Der Grundzug dieses Erfahrungsverständnisses ist sehr gut in den Alltag übertragbar auf die verschiedensten Bereiche.
Das Bedürfnis, „sich selbst zu spüren“ kann auch sehr gut im Rudersport erfahren werden. Der Ruderschlag besteht aus zwei Phasen, der Phase der Anspannung während des Durchzugs und der Phase der Entspannung beim nach vorne Rollen, während das Boot unter dem Körper der die Balance hält, entlang gleitet.
Es schult stark das Gleichgewichtsgefühl, man spürt durch den engen Boots- und Wasserkontakt das eigene Gleichgewicht und das des Bootes. Jede noch so kleine Veränderung der Handhaltung hat direkte Auswirkungen auf die ausgeglichene Lage des Bootes auf dem Wasser.
Zusammenfassung der Kapitel
Erlebnis: Dieses Kapitel definiert das Erlebnis als pädagogischen Anspruch, der durch starke Gefühlsbeteiligung und Reflexion soziale Lernprozesse und Identitätsbildung ermöglicht.
Gemeinschaft: Der Fokus liegt hier auf der Bedeutung der Gruppe als sozialen Kontext, in dem durch gemeinsames Handeln und authentische Interaktion Eigeninitiative sowie Kooperationsfähigkeit gestärkt werden.
Rudern im Verein als erlebnispädagogisches Lernfeld und Gesamtkonzept: Das Rudern wird als Methode vorgestellt, die durch die Verknüpfung von Mensch, Natur und Technik ein ganzheitliches Lernumfeld schafft, wobei die Vereinsstruktur kritisch als soziale Institution hinterfragt wird.
Erlebnispädagogische Momente im Rudersport: Hier wird anhand konkreter Praxisbeispiele, wie dem Skiffrudern, illustriert, wie Kinder durch körperliche Herausforderungen und unmittelbare Rückmeldungen ihre Selbstwahrnehmung und Kompetenzen schulen.
Aktualität, Transfer und kritische Auseinandersetzung: Das abschließende Kapitel beleuchtet die Problematik der Übertragbarkeit erlernter Kompetenzen auf den Alltag und diskutiert den Anspruch der Pädagogik in einer zunehmend komplexen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Erlebnispädagogik, Rudersport, Sozialkompetenz, Persönlichkeitsentwicklung, Ganzheitlichkeit, Gemeinschaft, Naturerfahrung, Körperwahrnehmung, Transfer, Verein, Pädagogik, Lernfeld, Selbstvertrauen, Sozialsystem, Reflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Nutzung des Rudersports als erlebnispädagogisches Gesamtkonzept, um Kinder und Jugendliche in ihrer sozialen und persönlichen Entwicklung zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die pädagogische Bedeutung von Erlebnis und Gemeinschaft, die Integration von Rudern als Lernmethode sowie die kritische Reflexion von Sozialisationsprozessen im Sportverein.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Rudersport nicht nur als leistungsorientierte Sportart zu betrachten, sondern sein Potenzial als ganzheitliches Instrument der Erlebnispädagogik aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Herleitung unter Einbeziehung erlebnispädagogischer Fachliteratur, systemischer Sichtweisen und einer reflektierten Auseinandersetzung mit der eigenen Praxiserfahrung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Elemente „Erlebnis“ und „Gemeinschaft“, überträgt diese auf die Sportart Rudern und diskutiert die notwendigen Rahmenbedingungen im Sportverein.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Erlebnispädagogik, Rudersport, Gemeinschaft, Ganzheitlichkeit, Sozialkompetenz und das Prinzip des „Sich-selbst-spürens“.
Wie trägt das Skiffrudern konkret zur Entwicklung bei?
Das Skiffrudern erfordert eine unmittelbare Rückmeldung durch das Boot und das Medium Wasser, was die Konzentration, Koordination und das Gleichgewichtsgefühl der Kinder schult.
Inwieweit ist der Sportverein eine ideale Institution?
Der Autor stellt fest, dass Sportvereine nicht automatisch soziale Lernräume sind, sondern durch gezielte pädagogische Herangehensweisen und Offenheit erst dazu entwickelt werden müssen.
Warum ist das Element Wasser so bedeutend?
Das Wasser bietet eine natürliche, nicht künstlich vorgefertigte Umgebung, die Herausforderungen stellt und zugleich einen Rückzugsraum bietet, der die kindliche Natürlichkeit und das Körpergefühl fördert.
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- Harald Krüger (Author), 2007, Rudern als erlebnispädagogisches Gesamtkonzept einer offensiven Pädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79689