Der Zusammenhang von Religion und Staat. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Senegal


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

16 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

I – der Senegal

II – die Muriden

III – politischer Einfluss

IV – ökonomischer Einfluss

V – sozialer Einfluss

Abschluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Politiker haben schon immer die Wertesysteme und Götter ihrer Völker manipuliert, um ihre eigenen Interessen im Staat zu bedienen, wie man zuletzt durch das Taliban-Regime in Afghanistan (1996 – November 2001) sehen konnte.

Im Gegenzug dazu benutzen organisierte Religionen aller Typen schon immer ihre Autorität, um Druck auf die Regierungen auszuüben.

Dies kann man zum Beispiel an den Selbstopferungen der buddhistischen Mönche und Nonnen in Vietnam in den frühen Sechzigern des 20. Jahrhunderts sehen, welche die westlichen Beobachter so geschockt haben. Dies kann als eine lange Serie von Versuchen angesehen werden, eine säkulare Regierung, durch Druck der öffentlichen Meinung, zu Eingeständnissen zu zwingen.

Weniger dramatisch, aber dafür mit größerem Erfolg ist es der katholischen Kirsche gelungen, Einfluss in den verschiedenen italienischen Regierungen zu bekommen.1

Diese wenige Beispiele zeigen, wie komplex das Thema Religion und Politik ist, und wie schwer es auch ist Vergleiche anzustellen.

Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich den Versuch starten, am Beispiel des Senegals die Zusammenhänge zwischen Religion und Staat (Nation) im politischen, ökonomischen und sozialen Feld darzustellen. Dabei möchte ich die Sufi-Bruderschaft der Muriden darstellen.

Es sei von vornherein erwähnt, dass der Senegal nicht repräsentiv für die afrikanische Welt ist. Er ist den meisten Ländern des afrikanischen Kontinents um ca. 20/30 Jahre in der Entwicklung voraus, weshalb er auch als Experimentierfeld für die Wissenschaft dient.

Außerdem sind einige Dinge nur für den Senegal spezifisch, die noch später erwähnt werden.2

I – der Senegal

Der Senegal besitzt schon seit Jahrhunderten einen starken regionalen Zusammenhalt und eine ausgeprägte islamische Identität.

Er befindet sich am westlichsten Punkt der Sahara, wo die Islamische Republik Mauretanien endet. Senegal ist vom Bogen des Senegal Rivers umgeben, der im Gebirge von Futa Jalon im heutigen Guinea beginnt. Er fließt nordwärts bevor er sich immer mehr in Richtung Westen bewegt und schließlich nahe der Stadt St. Louis in den Atlantischen Ozean mündet. Der Gambia River entspringt im selben Gebirge und schneidet den südlichen Teil der Region.

Dies ist auch teilweise ein Grund dafür, dass die Region auch Senegambia genannt wird.

Es dominiert das Klima der Sahelzone, aber der größere Niederschlag im Süden führt zu einer dichteren Vegetation.

Die frühesten islamischen Gemeinschaften werden in Takrur ausgemacht, einem Gebiet und möglicherweise auch einer Stadt, die man im mittleren Tal des Senegal Rivers ausmachen kann.

Die Geschichte Senegals ist nachträglich von einzelnen Staaten geprägt, hauptsächlich dem Mali-Reich im 14. und 15. Jahrhundert und dem Jolof-Königreich im 15. und 16. Jahrhundert.

Jede dieser größeren Konföderationen, mit den kleineren Staaten, die sie umfassten, unterstützten die muslimischen Gemeinschaften auf den Königshöfen und den Handelszentren. Muslimische Identität war also schon früh mit dem Handel verbunden, und muslimische Gemeinschaften lebten hauptsächlich entlang den kommerziellen Routen und in den politischen Hauptstädten, wo sie am besten Einfluss auf die Königshöfe ausüben konnten.

Die Mitglieder der herrschenden Klassen beanspruchten oft für sich Muslime zu sein und ein paar wenige gingen sogar so weit mit ihrer Frömmigkeit, dass sie nach Mekka pilgerten.

Aber sie waren öfter ‚mixers’ von religiösen Praktiken, da sie ja komplexe Rollen in Relation zu ihren Wählerschaften spielen mussten.2

Mit der Zeit bekämpften einige muslimische Gelehrte jedoch die Koexistenz von muslimischen und nichtmuslimischen Praktiken und die generelle Schwäche der islamischen Identität. Manchmal zeigten sie ihre Unzufriedenheit in der Form von militärischen Bewegungen, die nach der Macht kämpften.

So zum Beispiel die Almoravids (Haupteinflussgebiet im Norden und Osten) im 11. Jahrhundert und die Toubenan (Muslime mit Ursprung aus Berber, nördliche Sahara und Dynastien der ‚schwarzen’ Regime aus Nord-West-Senegal), die einen islamischen Staat in Opposition zu den beiden ‚Arab Macqil lineages’ forderten. Sie hatten zwar nicht viel Erfolg, aber das letztere breitete militante muslimische Gemeinschaften in Senegal aus legte den Grundstein für den zukünftigen Protest im Land.

Es kamen noch einige Reformer der Fulbe-Bewegung im 18. und 19. Jahrhundert zum Zug.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der Islam in vielen Regionen ein Synonym für den Protest gegen die Gewalt und die Forderungen der traditionellen Herrscherhöfe und das wachsende Einmischen der Franzosen in das Erdnuss-Geschäft in West-Zentral-Senegal, wo die meisten Wolof und Serer leben.

Gegen 1890 hatten die Franzosen (Kolonialpolitik bis 1960) den größten Teil Senegals erobert und die Briten ihre Dominanz am ‚Slender River Valley’ (Kolonie Gambia) etabliert.

Religion war jedoch schon immer ein fester Bestandteil des Landes und fest etabliert.

Die Entwicklung islamischer Bewegungen ist also nicht eine Erscheinung der Gegenwart, sondern schon sehr alt. Sie hatten sich etwa zeitgleich in der gesamten islamischen Ökumene entwickelt.

II – die Muriden

Die meist bekannte Sufi-Bruderschaft in Senegal, innerhalb und außerhalb des Landes, ist die

Murīdīyah (im folgenden die Muriden). Der Name kommt von mūrīd, dem Postulant, der den Pfad des spirituellen Wissens sucht. Das Wort wurde schon benutzt, als die Franzosen und die Anhänger des Gründers der Ordnung, Amadu Bamba M’Backe, in einen Konflikt in West-Senegal gerieten.

Amadu Bamba (1850 – 1927) wurde in eine Familie von reisenden Gelehrten geboren, die durch die Wolof Königreiche von Baol, Cayor und Jolof zogen.3

Sein Vater Momar Antasali hatte enge Beziehungen zu der königlichen Dynastie von Cayor und teilweise auch zum Herrscher Lat Dior. Es war letztendlich eine Kombination von höfischen Begebenheiten und ländlichen Zuflüchten, dass Amadu Bamba seinen Abschluss in Islam und Senegalesischer Politik machte.

[...]


1 Lucy C. Behrman, Muslim Brotherhoods and Politics in Senegal, Cambridge, Massachusetts 1970, 1

2 wie zum Beispiel die ‚Gesetzmäßigkeit’, dass der Säkularisierungsprozess zur Abwahl der Regierung führt; aus

Seminaraufzeichnungen

2 David Robinson, Senegal, aus: John L. Esposito (ed.), The Oxford Encyclopedia of the Modern Islamic World,

3 Staaten, die sich sehr rapide im späten 19. Jahrhundert unter der Einwirkung der verheerenden Kriege, der französischen Penetration und der Gelegenheit der Erdnuss-Kultivierung in der sandigen Erde der Wüste, auflösten

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang von Religion und Staat. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Senegal
Hochschule
Universität Leipzig  (Religionswissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Islamische Gesellschaften (Afrikas) zwischen lokalen Lehrtraditionen und translokalen (globalen) Rechtsleitungsansprüchen
Note
3,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V7971
ISBN (eBook)
9783638150637
ISBN (Buch)
9783656826934
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Gesellschaft Senegals ist von der Existenz der beiden großen Sufi-Bruderschaften der Muriden und der Tijaniyya geprägt. Anhand der Muriden soll dargestellt werden warum Sufi-Bruderschaften einen so bedeutenden Einfluss auf die nationale (ökonomische, politische, soziale) Entwicklung des Senegals gewinnen konnten.
Schlagworte
Senegal, Islamische, Gesellschaften, Lehrtraditionen, Rechtsleitungsansprüchen
Arbeit zitieren
Eric Maes (Autor), 2002, Der Zusammenhang von Religion und Staat. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Senegal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7971

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