Probleme und Möglichkeiten der Kalkulation von Kuppelprodukten


Hausarbeit, 2006

16 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Der Begriff der Kuppelprodukte

3 Probleme der Kalkulation von Kuppelprodukten
3.1 Die Kosten- und Ergebnisrechnung und Kuppelprodukte
3.2 Die Geeignetheit von Divisions- und Zuschlagskalkulation
3.3 Die Anwendbarkeit der Teil- und Vollkostenrechnung

4 Kalkulationsmethoden
4.1 Traditionelle Verfahren
4.1.1 Restwertmethode und Bewertung
4.1.2 Verteilungsrechnung und Bewertungen
4.1.2.1 Verteilung nach Mengenanteilen der Produkte
4.1.2.2 Verteilung nach physikalischen Schlüsseln
4.1.2.3 Verteilung nach den Marktpreisen oder Verwertungsüberschüssen
4.1.2.4 Verteilung nach den Grenzkosten
4.1.2.5 Verteilung nach den Kosten bei isolierter Herstellung anhand anderer Verfahren
4.2 Moderne Verfahren
4.2.1 Päckchen- und Bündelrechnung und Beurteilung
4.2.2 Resteinzel- (-proportional-) kosten- und Restbeitragsrechnung und Bewertung

5 Schlusswort

Literaturverzeichnis

1 Problemstellung

Die Kuppelproduktion findet statt in fast allen Bereichen der Massenfabrikation und des Gewerbes, in Agrarwesen, Forstwirtschaft, Bergbau, Fischerei, in diversen Bereichen des Dienstleistungs- und des Handelsgewerbes, sowie auch bei der Haushaltsführung.[1]

Den Fachausdruck Kuppelproduktion als Oberbegriff für den Produktionsprozess oder für alle zwangsläufig entstehenden Erzeugnisse, hat das erste Mal Schmalenbach eingeführt. Dieser Fachausdruck hat sich in Theorie und Praxis durchgesetzt, obwohl das Problem der Kuppelproduktion schon früher unter anderen Bezeichnungen bekannt war.[2] Kuppelprodukte wurden und werden in der Literatur immer noch unterschiedlich bezeichnet, wie z.B. als Spaltprodukte, Zwangsanfallsprodukte, gekoppelte Produkte sowie als naturgesetzlich oder primär verbundene Produkte usw.[3] Die früheste wissenschaftliche Untersuchung der Besonderheit der Kuppelproduktion hat ein britischer Philosoph und Volkswirtschaftler John Stuart Mill im 18. Jahrhundert in seiner Werttheorie unternommen.[4]

Am Anfang dieser Arbeit werden die wichtigsten von den allgemein anerkannten Definitionen des Begriffes Kuppelproduktion dargestellt. Diese Definitionen ermöglichen es, das Phänomen im Hinblick auf seine Vielseitigkeit genau zu umschreiben, um sich dadurch mit dem Problem der Kalkulation von Kuppelprodukten auseinandersetzen zu können. In dieser Arbeit werden die wichtigsten Kalkulationsmethoden behandelt und bewertet.

2 Der Begriff der Kuppelprodukte

Art, Güte und Mengenverhältnis der gekoppelten Produkte sind kaum steuerungsfähig.[5] Bei der Kuppelproduktion entstehen meist ein Hauptprodukt und zwangsläufige Nebenprodukte oder Abfälle. Das Hauptprodukt ist das faktische Produktionsziel. Bei den Betrieben mit der Kuppelproduktion, die identische Produkte erzeugen, können unterschiedliche Produkte Haupt- und Nebenprodukte sein, wenn das Produktionsziel auf ein jeweils anderes Produkt hinausgeht. So z.B. produzieren ein Gaswerk und eine Kokerei identische Produkte, jedoch sind normalerweise bei diesen Betrieben jeweils unterschiedliche Haupt- und Nebenprodukte.[6]

Zu den Abfallprodukten zählen auch die Kuppelprodukte. Die Abfallprodukte sind wertlos, weil ihre Inanspruchnahme höhere Kosten erzeugt als Profit aus ihnen gewonnen werden kann. Die Abfallprodukte bestehen häufig aus demselben Material wie das Hauptprodukt.[7]

Es gibt keine einheitliche Definition für Kuppelproduktion.[8] Eine klassische Definition liefert Paul Riebel: Kuppelprodukte sind zwei oder mehr ungleichartige Erzeugnisse oder Leistungen, die aufgrund eines Naturgesetzes oder der Produktionstechnik zwangsläufig aus gleichem Produktionsprozess gleichzeitig entstehen.[9] Bei diesem Produktionsprozess entsteht außer dem gewollten Erzeugnis zwangsläufig noch ein weiteres Output, wie z.B. Stoff, Energie oder andere Leistungen. Diese Outputs können nur zum Teil effizient verwendet werden. Allerdings können sie auch einen negativen Nutzen haben, wenn sie unerwünschte oder gefährliche Produkte sind und interne oder externe Eliminierungskosten verursachen.[10]

Für Dyckhoff ist die Kuppelproduktion ein relativer Begriff. Hinsichtlich eines Produktionssystems ist gemäß seiner Definition die Kuppelproduktion gegeben, wenn bei Verwirklichung eines Systemzwecks zumindest ein beachteter Output zwangsläufig und zeitgleich entsteht, das einer anderen Art ist als dieser Systemzweck. Der Output eines Input/Output-Systems, welcher dem Zweck entspricht, ist Hauptprodukt und wird ebenfalls als Zweck- oder Zielprodukt bezeichnet. Unter Nebenprodukt versteht man sämtliche sonstige beachtete Outputs. Das Haupt- und das Nebenprodukt sind jeweils Kuppelprodukte des Produktionssystems.[11]

Im Gegensatz zu Riebel stellt also Dyckhoff eine weite Definition der Kuppelproduktion auf. Dyckhoff bezieht sich in seiner Definition auf ein Produktionssystem. Dadurch können außer Produktionsprozessen auch alle Stufen vom grundlegenden Prozess bis zur gesamten Volkswirtschaft beurteilt werden. Außerdem führt er den Begriff Systemzweck ein. Demzufolge können ebenfalls Systeme mit einem anderen Zweck als die Güterproduktion erforscht werden, z.B. dem Zweck der Verringerung von Schadstoffen. Dank der Einführung von beachteten Outputs erfolgt die Anerkennung des Problems der Nichtberücksichtigung etlicher Stoffströme.[12]

Die Kuppelprodukte entstehen nicht in den Mengen- und Qualitätsverhältnissen, die der Verwertung oder der Nachfrage genügen. Deshalb treten zusätzliche Spannungsverhältnisse auf, die das grundlegende gesamtwirtschaftliche Problem der Kuppelproduktion ausdrücken.[13]

3 Probleme der Kalkulation von Kuppelprodukten

3.1 Die Kosten- und Ergebnisrechnung und Kuppelprodukte

Die wesentliche Aufgabe der Kosten- und Ergebnisrechnung ist die Preisstellung sowie die Anleitung und die Kontrolle des Betriebs.[14] Der Zweck der Kosten- und Ergebnisrechnung besteht darin, dass alle in Bezug auf die Leistungserstellung anfallenden Kosten auf die Leistungsarten und Leistungseinheiten oder auf Aufträge verteilt werden.[15]

Es ist unproblematisch, die Gesamtkosten aller aus einer Kuppelproduktion entstammenden Produkte zu ermitteln. Die gesamten Kosten einer Rechnungsperiode können auch als der Ausgangspunkt der Kontrolle des kompletten Unternehmens sein, wenngleich Beschäftigungs- und Preisschwankungen der Kostengüter berücksichtigt werden. Bestandteil der Erfolgsrechnung des Unternehmens im Ganzen kann ebenfalls die Gesamtkostenrechnung der Kuppelproduktion sein. Problematisch ist es, falls erforderlich, die Kosten des jeweiligen Kuppelproduktes oder sogar lediglich eines oder einiger dieser Produkte zu ermitteln. Die Kenntnis dieser Kosten ist notwendig, um beispielsweise eine Grundlage für die Preisstellung eines Produktes zu bekommen oder den Gewinn an einem von diesen Produkten zu bestimmen. Es ist unmöglich, die Kosten einzelner Kuppelprodukte zu berechnen, weil alle Kuppelprodukte simultan anfallen. Es ist nicht möglich, dem einzelnen Produkt die Einzelkosten oder alle darauf entfallenden Ausgaben zuzurechnen.[16]

Die Kostenverrechnungspreise für die Kuppelprodukte werden mit oder ohne Einbeziehung ihrer Gesamtkosten gebildet, wenn es notwendig ist, für die Kuppelprodukte Einzelselbstkosten zu bekommen. Die Kostenverrechnungspreise sind je nach dem Rechnungszweck unterschiedlich und ersetzen die Einzelkosten. Die Kostenverrechnungspreise ersetzen die Preise, die nicht feststellbar sind, für die einzelnen Kuppelprodukte. Diese Kostenverrechnungspreise werden im einzelwirtschaftlichen Handel verrechnet.[17]

Das Ziel der Kosten- und Ergebnisrechnung besteht darin, für die Kuppelproduktverrechnung solche Preisbildungsverfahren herauszuarbeiten, die für das Erreichen der verfolgten Ziele richtig und nötig sind. Dabei sollen die zwangsläufigen Erzeugnisse bei der Kuppelproduktion, die in bestimmten Mengenverhältnissen entstehen, berücksichtigt werden. Es ist unmöglich, die Kosten unmittelbar zu bestimmen. Nur wenn die Verrechnungspreise bestimmt sind, können die Kuppelprodukte in die Rechnungsverfahren aufgenommen werden. Lediglich auf dieser Weise können die Rechnungsziele erreicht werden.[18]

3.2 Die Geeignetheit von Divisions- und Zuschlagskalkulation

Die Divisionskalkulation und die Zuschlagskalkulation sind die wichtigsten Formen der Kostenträgerstückrechnung.[19] Es gibt verschiedene Formen der Divisionskalkulation. Alle diese Formen unterliegen einem einheitlichen Grundprinzip. Bei allen Formen der Divisionskalkulation werden die Gesamtkosten der Kuppelproduktion einer Rechnungsperiode durch die gesamte Menge der Kuppelprodukte in demselben Zeitraum dividiert. So können die Stückkosten unmittelbar aus den Periodenkosten ermittelt werden.[20] Die Zuschlagskalkulation setzt eine Differenzierung der Gesamtkosten in Kostenträgereinzelkosten und Kostenträgergemeinkosten voraus. Dabei werden die Einzelkosten direkt den Kostenträgern zugeordnet. Dagegen werden die Gemeinkosten den einzelnen Erzeugnissen mittels Zuschlagssätzen aufgebürdet.[21]

In dieser Arbeit wird die Kuppelproduktion lediglich bis zu ihrer Entstehung aus dem gekoppelten Produktionsprozess analysiert. Die Weiterverrechnung bei einer Weiterverarbeitung wird nicht behandelt. Somit verbleibt die Form einer einheitlichen Massenproduktion. Alle Kuppelprodukte entstehen aus dem gleichen Rohstoff. Dadurch ergibt sich ein Ausgangspunkt für eine einheitliche Kostenberechnung. Die unterschiedlichen Kuppelprodukte sind als Teilleistungen in sich gleichartig. Die oben dargelegten Fakten sprechen für die Anwendung der Divisionskalkulation. Die Anwendung der Zuschlagskalkulation im Bereich der Kuppelproduktion ist untauglich. Die dichte produktionstechnische Koppelung der Kuppelprodukte macht die Bestimmung der direkten Kosten unmöglich. Bei der Zuschlagskalkulation wird jede einzelne Leistung eines Unternehmens autonom von anderen Leistungen des Unternehmens beurteilt. Diese Kalkulationsart kann die Spezialität des Leistungsanfalls bei Kuppelproduktion nicht berücksichtigen.[22]

[...]


[1] Vgl. Riebel, P. (1955), S. 11.

[2] Vgl. Kaufhold, K. H. (1993), S. 27; Vgl. Riebel, P. (1955), S. 12.

[3] Vgl. Riebel, P. (1983), S. 875.

[4] Vgl. Ders. (1955), S. 13.

[5] Vgl. Ders. (MCMLXX), S. 994.

[6] Vgl. Beste, T. (MCMLX), S. 3629.

[7] Vgl. Beste, T. (MCMLX), S. 3629.

[8] Vgl. Kaufhold, K. H. (1993), S. 27.

[9] Vgl. Baumgärtner, S./Schiller, J. (1999), S. 5 f.

[10] Vgl. Kaufhold, K. H. (1993), S. 27.

[11] Vgl. Baumgärtner, S./Schiller, J. (1999), S. 6 f.

[12] Vgl. Dies. (1999), S. 7.

[13] Vgl. Kaufhold, K. H. (1993), S. 28.

[14] Vgl. Merian, R. (1931), S. 5.

[15] Vgl. Riebel, P. (1972), S. 16.

[16] Vgl. Beste, T. (MCMLX), S. 3630.

[17] Vgl. Merian, R. (1931), S. 5.

[18] Vgl. Merian, R. (1931), S. 6.

[19] Vgl. Zimmermann, G. (2001), S. 116.

[20] Vgl. Hummel, S./Männel, W. (1986), S. 268.

[21] Vgl. Dies. (1986), S. 283.

[22] Vgl. Merian, R. (1931), S. 6.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Probleme und Möglichkeiten der Kalkulation von Kuppelprodukten
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Produktionswirtschaft)
Veranstaltung
Fallstudie Kosten- und Erlösrechnung
Note
2,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V79718
ISBN (eBook)
9783638804455
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Probleme, Möglichkeiten, Kalkulation, Kuppelprodukten, Fallstudie, Kosten-, Erlösrechnung
Arbeit zitieren
Dennis Tomurko (Autor), 2006, Probleme und Möglichkeiten der Kalkulation von Kuppelprodukten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79718

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