Die Bedeutung der Autorerfahrung und der Referentialität in Paul Celans "Engführung" in Abgrenzung zum strukturalen Analyseansatz


Seminararbeit, 2001

19 Seiten, Note: 1, 0


Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1. Die Bedeutung der Autorerfahrung und der Referentialität in Paul Celans Engführung " in Abgrenzung zum strukturalen Analyseansatz
1.1. Die Grenzen der strukturalen Analyse : Peter Szondis Analyse des Gedichts
„ Engführung " von Celan
1.2. Autorerfahrung und Referentialität: Grundlegende Aspekte für die Erschließung einer Bedeutung des Gedichts „ Engführung " von Celan

Zusammenfassung

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Engführung = Paul Celan : Engführung. In : Paul Celan. Gesammelte Werke in fünf Bänden. Hrsg. von Beda Allemann, Rolf Bücher & Stefan Reichert. Frankfurt am Main 1986. Bd.I.

Behre = Maria Behre : Naturgeschichtliche Gänge mit Demokrit und Dante. Paul Celans Engführung. In : „ Der glühende Leertext". Annäherung an Paul Celans Dichtung. Hrsg. von Christoph Jamme & Otto Pöggeler. München 1993.

Buck = Theo Buck : Muttersprache, Mördersprache. Celan - Studien I. Aachen 1993.

Emmerich = Wolfgang Emmerich : Paul Celan. Rowohlts Monographien. 2.Aufl. Hrsg. von Wolfgang Müller & Uwe Naumann. Reinbek 1999.

Janz = Marlies Janz : Vom Engagement absoluter Poesie. Zur Lyrik und Ästhetik Paul Celans. Frankfurt am Main 1976.

Lyon = James K. Lyon : Der Holocaust und nicht - referentielle Sprache in der Lyrik Paul Celans. In : Celan - Jahrbuch 5 (1993 ).

Szondi = Peter Szondi : Durch die Enge geführt. Versuch über die Verständlichkeit des modernen Gedichts. In : Celan - Studien. Hrsg. von Jean Bollack u.a. . Frankfurt am Main 1972.

Einleitung

Paul Celans Lyrik ist von Kritikern generell als schwer zugänglich, hermetisch oder sogar als kryptisch beschrieben worden 1. Kritiker sind sich jedoch einig, dass Celans Gedichte nahezu immer ahnen lassen, dass ihnen eine gewichtige Erfahrung und eine Verstörung des Autors zugrunde liegt. Aus diesem Grund ist häufig betont worden, dass die Betrachtung der Autorerfahrung entscheidend für das Verständnis von Celans Lyrik ist, da Celans individuelle Lebensgeschichte und somit auch seine Gedichte von traumatischen Erfahrungen des Holocaust durchträngt sind 2. Dementsprechend fordern die Referentialisten, die biografisches und historisches Material zu Hilfe nehmen, um Celans Lyrik zu verstehen, dass Celans Gedichte nicht ohne den Horizont der Judenverfolgung gelesen werden können und dürfen. Die Referentialisten sind der Ansicht, dass die ausschließliche Betrachtung formaler oder linguistischer Phänomene ein unangemessener Akt der Abstraktion ist, der Celans Lyrik nicht gerecht wird 3. Hierbei sind es die Autonomisten, die im Gegensatz zu den Referentialisten, Celans Lyrik nicht - referentiell (d.h. ohne Berücksichtigung thematischer Bezüge zum Holocaust) lesen. In diesem Zusammenhang ist wichtig zu bemerken, dass Celan selbst widersprüchliche Ansichten zur Funktion der Sprache in seiner Lyrik hatte, so dass sowohl die referentielle als auch die autonomistische Interpretationsweise gerechtfertigt erscheint 4. Nichtsdestoweniger erscheint die Autorerfahrung sehr wichtig für das Verständnis von Celans Lyrik, da Hintergrundwissen erst ermöglicht, eine Bedeutung der Gedichte zu erfassen. Deshalb sei an dieser Stelle bereits angemerkt, dass ein strukturaler, autonomistischer Analyseansatz generell relativ eng gefasst ist, da alle biografischen und historischen Bezüge ausgeschlossen werden.

Auf die Problematik der autonomistischen und der referentiellen Interpretationsweise von Celans Gedichten ist somit hingewiesen worden. Im Folgenden soll die Bedeutung der Autorerfahrung und der Referentialität in Celans Gedicht „ Engführung " in Abgrenzung zum strukturalen Analyseansatz behandelt werden. Hierbei erscheint Peter Szondis strukturale Analyse des Gedichts „ Engführung“ sehr geeignet, um die Problematik und die Grenzen einer solchen strukturalen Analyse aufzuzeigen, zumal Szondi sein eigenes Verfahren durchbricht. Auf diese Weise greift er auf referentielle Annahmen zurück, um einen Sinn des Gedichts erfassen zu können. Darüber hinaus verweist Szondis Durchbrechung der strukturalen Analyse auf die Wichtigkeit der Autorerfahrung für das Verständnis von Celans Lyrik. Deshalb lässt sich daran auch illustrieren, dass Autorerfahrung und Referentialität in der Tat grundlegende Aspekte für die Erschließung einer Bedeutung des Gedichts „Engführung" sind. In einem weiteren Schritt soll dann die Erfahrung Celans für die Erfassung von „ Engführung " noch stärker herausgearbeitet werden. Dies soll vor allem mit Hilfe von markanten Gegenpolen zu Szondis strukturaler Analyse erreicht werden. Hierfür erscheinen insbesondere die referentiellen Interpretationsansätze von Maria Behre, Theo Buck und Marlies Janz geeignet.

1. Die Bedeutung der Autorerfahrung und der Referentialität in Paul Celans „Engführung " in Abgrenzung zum strukturalen Analyseansatz

1.1. Die Grenzen der strukturalen Analyse : Peter Szondis Analyse des Gedichts „ Enqführung " von Celan

In der folgenden Ausführung soll es um die begrenzte Reichweite von Szondis strukturaler Analyse des Gedichts „ Engführung " gehen 5. Dabei soll illustriert werden, was eine strukturale Analyse zu leisten vermag, und inwiefern insbesondere Szondis Analyse zu kritisieren ist.

Es ist wichtig nochmals zu betonen, dass eine rein strukturale Analyse ziemlich eng gefasst ist, da es ihr nur darum geht, formale Aspekte und linguistische Phänomene in einem Text zu betrachten. Aus diesen Grund kann eine rein nicht - referentielle Analyse kaum zur Bedeutungserschließung eines Textes dienen. Deshalb ist es wichtig zu bemerken, dass Szondi in seiner strukturalen Analyse zwei Stränge verfolgt. Dabei betrachtet er das Gedicht auf einer rein strukturalen Ebene, indem er das Prinzip der musikalischen Engführung funktional als Titel annimmt und damit das Kompositionsprinzip des Gedichts erklärt. Da dies aber noch nicht ausreicht, um eine Bedeutung des Gedichts erfassen zu können, bricht Szondi seine strukturale Analyse und betrachtet das Gedicht auch auf einer referentiellen Ebene, indem er „ Engführung " als Name auffasst. In diesem Sinne wird der Leser durch Celans Erinnerung an die Vernichtungslager geführt. Zunächst soll die strukturale Ebene von Szondis Analyse betrachtet werden. Jedoch ist es zunächst notwendig, Szondis Grundannahmen kurz darzustellen, um sich zu vergegenwärtigen, von welchen Annahmen er ausgeht.

In der Annahme eines Leser - Text - Verhältnisses geht Szondi davon aus, dass der Leser zum Subjekt und somit zur Figur des Textes wird, da das lesende Subjekt ( Leser) mit dem Subjekt des gelesenen Gedichts (Gegenstand des Gedichts) zusammenfällt 6. Nun folgt aus der Voraussetzung, dass der Leser Subjekt des Textes wird, die Annahme, dass der Text Realität ist. Für Szondi schafft dabei das Gedicht eine textliche Realität, die jedoch keine Repräsentation der Wirklichkeit ist ( vgl. Szondi, S. 50). Szondi öffnet deshalb eine Realität, in der das „ Gelände " des Textes Realität ist. In diesem Sinne tritt neben die äußere Realität eine textliche Realität. Neben der textuellen Wirklichkeit gibt es für Szondi dennoch eine Realität als Weltbezug. Dabei schafft das Gedicht zwar eine eigene Realität, die aber nicht unabhängig von der Wirklichkeit als solcher ist ( vgl. Szondi, S. 52 ). Dabei ist das Leser -Text - Verhältnis jedoch zur „ Engführung " zu relationieren, da Szondi den Leser–Textbezug mit der Bedeutung der musikalischen Engführung zu einem strukturalen Gefüge verbindet. Außerdem ist wichtig zu bemerken, dass das doppeldeutige Wort „Engführung " bei Szondi als vermittelndes Element fungiert. „ Engführung " ist einerseits als Titel funktional für die Annäherungsstruktur Leser - Text und dient somit zur strukturalen Analyse. Andererseits stellt „ Engführung " als Name eine Verbindung zwischen Text und Realität her und dient deshalb als referentielles Element in der Analyse.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Autorerfahrung und der Referentialität in Paul Celans "Engführung" in Abgrenzung zum strukturalen Analyseansatz
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Germanistik II)
Veranstaltung
Einführung in das Studium der neueren deutschen Literatur
Note
1, 0
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V79805
ISBN (eBook)
9783638785006
ISBN (Buch)
9783638796033
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Autorerfahrung, Referentialität, Paul, Celans, Engführung, Abgrenzung, Analyseansatz, Einführung, Studium, Literatur
Arbeit zitieren
Sirinya Pakditawan (Autor), 2001, Die Bedeutung der Autorerfahrung und der Referentialität in Paul Celans "Engführung" in Abgrenzung zum strukturalen Analyseansatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79805

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