Sternsingen. Geschichte, Kriterien und Spenden


Seminararbeit, 2000

26 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Geschichtliche Entwicklung
Auszug aus dem Evangelium nach Matthäus

Die ersten Sternsinger

Beginn des Sternsingens in Österreich

Kriterien für die Projektarbeit

Warum spenden?

Was passiert mit den Spenden?
- Organisation
- Projektzusammenarbeit
Unvorhergesehene Situationen oder Probleme beim Sternsingen
Traditionelle Sternsingertexte
Mundarttext
Längerer Text

Anhang/ Literaturangaben

Geschichtliche Entwicklung (vgl. www.gzg.fn.bw.schule.de):

Dreikönigsumzüge, Dreikönigsspiele und auch das Dreikönigssingen bereicherten das christliche Brauchtum über die Jahrhunderte hinweg. Lediglich das „Dreikönigssingen“ , besser bekannt als Sternsingen, ist von diesen Bräuchen bis in die Gegenwart erhalten geblieben. Es hat heute nach wie vor einen hohen Stellenwert im weihnachtlichen Festkreis.

In Österreich ist das Sternsingen seit den 50er Jahren eng mit der DKA (Dreikönigsaktion) der katholischen Jungschar verbunden. In seiner langjährigen Geschichte war Sternsingen aber nicht immer so erwünscht.

Jetzt zu den Anfängen des Sternsingens. Um die Bedeutung und Langlebigkeit des Sternsingens erklärlich zu machen, ist es notwendig, die Geschichte der Heiligen Drei Könige näher zu betrachten.

Nur zwei der vier Evangelisten thematisieren die Geschichte der Geburt Jesu. Im Lukasevangelium wird über die Verkündigung der „Ankunft des Erlösers“ an die Hirten berichtet. Das Matthäusevangelium erzählt vom Besuch und von der Huldigung von Magiern aus dem Osten und richtet sich dabei an jüdisches Publikum. Es soll nachweisen, daß sich die Verheißungen des Alten Bundes erfüllt haben.

Auszug aus dem Evangelium nach Matthäus:

„Die Huldigung der Sterndeuter: Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem, in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem 2und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. 3Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. 4Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. 5Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa: denn so steht es bei dem Propheten:

6Du, Betlehem im Gebiet von Juda,

bist keineswegs die unbedeutendste

unter den führenden Städten von Juda;

denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen,

der Hirt meines Volkes Israel.

7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. 8Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit ich auch ich hingehe und ihn huldige. 9Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. 10Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. 11Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. 12Weil ihnen aber im Traum geboten worden war, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Wegheim in ihr Land.“

Die Geburt Christi wurde von den Christen ursprünglich am 6. Jänner gefeiert. Im Jahre 254 nach Chr. erklärte Liberius, Bischof von Rom, den 25. Dezember zum Geburtstag des Herrn. Ab dem Jahre 376 war dieser neue Termin für die ganze Westkirche verpflichtend. Die Ostkirche feiert bis heute die Geburt des Gottessohnes am 6. Jänner. Dieser Tag wird auch heute noch in der Liturgie der Ostkirche als Epiphanias- Fest bezeichnet.

Das Wort „Epiphanias“ kommt aus dem griechischen und bedeutet soviel wie Erscheinung, gemeint ist damit die Erscheinung des Herrn.

Auch in der Westkirche war der 6. Jänner ein kultisch sehr bedeutsamer Tag und konnte daher nicht aufgegeben werden. Fortan sollte an diesem Tag die Geburtserzählung Matthäus verdeutlichen, daß sich die Herrlichkeit Gottes den Heiden- in Gestalt der Magier- offenbart hat.

Die Heiligen Drei Könige waren aber weder heilig noch handelte es sich um drei Könige. Das Evangelium spricht sehr neutral von „Magiern aus dem Morgenland“ oder „Sterndeuter aus dem Osten“, die einem Stern folgend den Erlöser suchten.. Das mit Sterndeuter oder Magier übersetzte, griechische Wort (mágoi) bezeichnet zunächst die Mitglieder einer persischen Priesterkaste, die sich mit Sternkunde und Astrologie befassten, sodann allgemein babylonische und sonstige Astrologen. Sie wirkten oft als Berater von Königen, Fürsten und reichen Leuten.

Es gibt jedoch keine Auskunft über ihre Herkunft und Anzahl. In den ersten frühchristlichen Kunstwerken, welche die Erzählung aufnahmen, wurden zwischen zwei und zwölf Personen dargestellt. Papst Leo der Große meinte, jeder, der einen gesunden Menschenverstand besäße, würde durch die drei Gaben auf drei Überbringer hingewiesen . Von dort an blieb man bei der Zahl drei.

Die Zahl drei wurde oftmals auch anders gedeutet. Die drei Könige wurden als Vertreter der drei Lebensalter (Jüngling, Mannesalter, Greis) oder für die drei damals bekannten Rassen und Erdteile (Europa, Asien, Afrika) gebraucht. Bei den meisten Darstellungen ist es der Greis- ihm selbst würde die meiste Ehre gebühren – der sich am tiefsten neigt, um seine Demut und Ererbietung zu zeigen.

Im sechsten Jahrhundert wurden die drei Könige erstmals mit Namen versehen. Gebräuchlich sind seither die Namen: Caspar (Kaspar), Melchior und Balthasar. Sie haben wiederum symbolische Bedeutung. Caspar hat seinen Ursprung im Persischen und bedeutet „Schatzmeister“ (= der Glänzende). Melchior kommt aus dem Hebräischen und heißt „Mein König ist Licht“ (= der Lichtkönig). „Balthasar“, das babylonische „Balatsu-ucur“ heißt übersetzt „Beschütze sein Leben“ (= der Kühne). (vgl.www.kath.de/kurs/litjahr/lj000200.htm)

Schreiben die heutigen Sternsinger die Buchstaben C+M+B an die Haustüre, müssen damit aber nicht unbedingt die Anfangsbuchstaben der Namen der drei Könige gemeint sein, vielmehr handelt es sich hierbei um einen frommen Segenswunsch: „Christus Mansionem Benedicat, was soviel heißt wie: Christus segne dieses Haus.

Im 10. Jahrhundert wurden die Sterndeuter erstmals auf Bildern als Könige mit Kronen dargestellt.

Der Kontakt zum Orient machte im 16. Jahrhundert Kaspar, den jüngsten König zum Mohren. Dies fand in unseren Breiten leicht Eingang in das Brauchtum, da eine „Schwarzmaskierung“ in den Jahresanfangsbräuchen durchwegs üblich war. Es ist aber nicht völlig eindeutig zuzuordnen, wer der schwarze König ist.

Im Matthäusevangelium finden wir außerdem Angaben über die Geschenke der Sterndeuter, Gold, Weihrauch und Myrrhe. Dies waren zur damaligen Zeit Geschenke für einen König. Über die Bedeutung dieser Gaben gibt es zahlreiche Angaben. Aus der „Legenda aurea“ von Jakobus a Voragine (Mittelalterliche Sammlung der beliebtesten Heiligenlegenden) sind einige Hinweise über die Bedeutung der königlichen Geschenke herauszulesen: St. Bernhard spricht davon, daß die Könige Gold opferten, weil Maria und Josef so arm waren, Weihrauch, um den Geruch des Stalles zu vertreiben, und Myrrhe, um die Glieder des Kindes zu stärken und um Würmern vorzubeugen.

Eine andere Bedeutung: Gold, weil Christus der oberste König ist, Weihrauch als Opfer, weil er Gott ist und Myrrhe für ein Begräbnis, weil er ein sterblicher Mensch ist.

Nicht nur um die drei Gaben ranken sich zahlreiche Legenden, auch um den Stern, der die Drei Könige nach Betlehem geführt haben soll. Wenn man der Übersetzung des Matthäusevangeliums Glauben schenkt, waren die drei Heiligen keine Könige sondern Sterndeuter[1]. Verschiedenste Theorien wurden aufgestellt, manche Forscher waren der Meinung es handle sich hierbei nicht um einen einzelnen Stern sondern um eine besondere Sternkonstellation. Andere Astrologen vermuten hinter dem Bethlehemstern wiederum das Verglühen eines Kometen, worauf der Schweif in vielen Bildern hindeuten soll. Ganz anderer Meinung sind hier jene, die an eine Engelschar glauben. Ihrer Meinung nach wird die Engelschar in der Bibel im übertragenen Sinn als besonderer Stern dargestellt, der den Menschen das wunderbare Ereignis verkündet.

Da bekannt ist, dass die Menschen zu dieser Zeit an die Mächtigkeit der Sterne geglaubt haben und ihnen sogar überirdische Kräfte zugeschrieben haben, findet die wissenschaftliche Theorie wesentlich mehr Anhänger unter den Gläubigen.

Heiligenverehrung im Mittelalter (5./ 6.– 15. Jahrhundert):

Die intensive Dreikönigsverehrung erfasste die Menschen im Mittelalter. Alleine die Namensgebung im 6. Jahrhundert oder die Ernennung zu Königen im 10. Jahrhundert deutet auf eine eingehende Beschäftigung mit den Magiern hin. Weiters beeinflusst wurde sie wahrscheinlich durch das Auftauchen der wahrscheinlichen Reliquien der Magier. Alsbald entwickelte sich ein reger Reliquienkult. Menschen pilgerten wieder vermehrt zu den Wirkungsstätten und Gräbern verehrter Heiliger.

Die mutmaßlichen Gebeine der Sterndeuter wurden von der römischen Kaiserin Mutter Helena gefunden. Im 6. Jahrhundert wurden sie von Byzanz (dem heutigen Istanbul) nach Mailand gebracht, das dadurch zu einem bedeutenden Wallfahrtsort wurde. Als Mailand von Friedrich I. Barbarossa zerstört wurde, wurden die Gebeine nach Köln gebracht, wo sie nun in einem kostbaren Schrein von Nicolas von Verdun ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. 1904 wurden aber Teile der Reliquien wieder nach Mailand übersiedelt, wo man sie heute in einer Bronze- Urne unter dem Altar von San Enstorgio aufbewahrt. (vgl. http://members.tripod.de/HansJoachimSchaefer/BiographienB/Balthasar.htm)

Auch wenn die Heiligen Drei Könige niemals offiziell heilig gesprochen wurden, so hatten sie doch in der Volksfrömmigkeit ein herausragende Bedeutung. Sie wurden als mächtige Patrone bei Krankheit, Feuer oder Diebstahl angerufen. Ihrer langen, beschwerlichen Reise nach Bethlehem wegen gelten sie als Patrone der Reisenden und Gastwirte. Von letzterem leitet sich wahrscheinlich auch das Patronat der Heiligen Drei Könige für Spielkarten-hersteller und Kürschner ab.

Die ersten Sternsinger (vgl.www.dialog.at/archiv/d0198/0198credo.htlm ):

Da es im Mittelalter üblich war, den Gottesdienst mit dramatischen Szenen zu beleben, um den Menschen die Heilsgeschichte plastisch vor Augen zu führen, wurden des öfteren kleine Theaterstücke aufgeführt. Nach dem Vorbild der bereits etablierten Osterspiele entwickelten sich auch Weihnachtsspiele, hierzu zählten auch Dreikönigsspiele.

In der Literatur herrscht Uneinigkeit darüber, ob das Dreikönigssingen seinen Ausgang im 15. /16. Jahrhundert nahm, also ein eigenständiger Brauch war oder ob es eine Fortführung der mittelalterlichen Spiele war.

Zumindest aber wurde das Sternsingen von den alten Bräuchen inspiriert.

Schüler und Studenten waren die ersten Sternsinger. Da sie meist materielle Not litten, erhielten sie von den Stadtvätern und Landesherren Sonderprivilegien. Dazu zählte das Singen auf der Gasse an Sonn- und Feiertagen und zu gegebenem Anlass. Der Dreikönigstag war ein solcher Anlass. Wahrscheinlich wurde das schon früher übliche Neujahrs- Ansingen umfunktioniert.

Drei als Könige verkleidete Schüler, meist in Begleitung ihres Lehrers, zogen durch die Gassen und baten um eine Gabe. Die wichtigste Requisite, der Stern, durfte nie fehlen. Die Texte und Lieder hatten überregional eine einheitliche Form. Diese erstaunliche Tatsache ist auf den „Flugblattdruck“ zurückzuführen.

In manchen Stadtarchiven findet man noch alte Notizen und Belege, die auf die Sternsingerei hinweisen: „Die Stadt Eggenburg erlaubt dem Schulmeister und seinen Assistenten mit dem Stern zu gehen, doch soll er selbst mitsingen und verhüten, dass Unfug, Rumor oder andere Unzucht vorkomme; er solle auch zeitlich zur Bierglockenzeit aufhören.“[2]

Doch schon bald waren es nicht nur Schüler, die diesen Brauch pflegten. In den Dörfern und Märkten waren es vor allem die Handwerker, die Sternsingen gingen.

[...]


[1] mágoi = Sterndeuter

[2] Erlass der Stadt Eggenburg/ Niederösterreich, 1552

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Sternsingen. Geschichte, Kriterien und Spenden
Hochschule
Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz  (Theologiedidaktik)
Veranstaltung
Religionspädagogik
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
26
Katalognummer
V7993
ISBN (eBook)
9783638150835
Dateigröße
840 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religionspädagogik, Religion, sozial, Entwicklung des Sternsingens
Arbeit zitieren
Berta Wieländer (Autor), 2000, Sternsingen. Geschichte, Kriterien und Spenden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7993

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