Als Gary Snyder in den 1960er Jahren im Rahmen der gegenkulturellen Protestbewegungen eine alternative Lebensweise zur westlichen Kultur suchte, wandte er sich intensiv den Kulturen der nordamerikanischen Indianer zu, von denen seine poetische Arbeit wesentliche Impulse erhielt. Da dem Native American von Anthropologen generell die Eigenschaft attestiert wird, „ the true ecological man " zu sein, wird verständlich, dass Snyder, der auch Anthropologie studiert hat, den Indianer als Ökologen ansieht.
Snyder sieht also das indianische Verhältnis zur Natur als vorbildlich an und wertet den „ökologisch denkenden" Indianer zum Erhalter oder genauer zum Wärter der Natur auf. Eine Unterscheidung der Begriffe „Erhalter" (saver) und „Wärter" (keeper) erscheint in diesem Kontext angemessen, da sich Snyder in dem Essay The Rediscovery of Turtle Island ausdrücklich von einer bloßen Erhaltermentalität ("saver" mentality] distanziert hat. Es erscheint somit nahe liegend, dass er den Indianer als Ökologen nicht im Sinne eines passiven Naturerhalters versteht, der die Ursprünglichkeit der Natur frei von menschlichem Einfluss erhalten möchte, sondern als einen Wärter der Natur, der die natürliche Umwelt beschützt, aber auch in sie eingreifen kann. Dieses Eingreifen in die Natur bedeutet demnach jedoch kein Ausbeuten der Natur, sondern einen behutsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen.
Für Snyder zeigt sich die verantwortungsvolle Haltung der Indianer gegenüber der Umwelt primär an ihrer Einstellung zu Tieren, wobei der vorsichtige Umgang mit der Natur, nach Snyders Ansicht, in den indianischen Jagdmethoden seinen Ausdruck findet. Es erscheint deshalb sinnvoll, die Darstellung der Beziehung des Indianers zu Tieren in Snyders Gedicht This poem is for bear aus Myths & Texts zu analysieren. Hierfür ist es zunächst notwendig, auf anthropologische Erkenntnisse hinsichtlich der Beziehung des Indianers zu anderen Lebewesen einzugehen sowie auf Snyders Essays, in denen er die Lebenseinstellung des Indianers zu Tieren thematisiert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Bedeutung des Indianers als Wärter der Natur in Gary Snyders This poem is for bear aus Myths & Texts
1.1. Die Beziehung des Indianers zum Tier und Snyders Einstellung zum verantwortungsvollen Umgang des Indianers mit Tieren
1.2. Der Indianer als Wärter der Natur und seine Beziehung zum Tier in Snyders This poem is for bear
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Indianers als "Wärter der Natur" in Gary Snyders Gedicht "This poem is for bear" aus der Sammlung "Myths & Texts". Dabei wird analysiert, wie Snyder durch die indigene Weltsicht und insbesondere den respektvollen Umgang mit Tieren ein ökologisches Gegenmodell zur westlichen Zivilisation entwirft.
- Die philosophische Aufwertung des Indianers zum ökologisch denkenden Wärter der Natur.
- Die Analyse der anthropologischen und mythologischen Beziehung zwischen Mensch und Tier.
- Die Untersuchung der indianischen Jagdmethoden als Ausdruck eines verantwortungsvollen Naturumgangs.
- Die literarische Interpretation des Gedichts "This poem is for bear" unter Einbeziehung von Personifizierung und mythologischen Kontexten.
- Snyders Versuch, durch künstlerische Auseinandersetzung eine ökologische Lebensweise zu verwirklichen.
Auszug aus dem Buch
1.2. Der Indianer als Wärter der Natur und seine Beziehung zum Tier in Snyders This poem is for bear
Snyder greift in dem Gedicht This poem is for bear auf die neolithische Gesellschaft zurück und demonstriert im Allgemeinen eine sehr enge Verbindung zwischen Mensch (Indianer) und Tier. Die Ähnlichkeit zwischen Mensch und Tier wird in den ersten beiden Strophen des Gedichts bereits dadurch ausgedrückt, dass sich Indianer und Bären gleichermaßen auf Nahrungssuche begeben, um sich auf den herannahenden Winter vorzubereiten. Dabei wird der Winterschlaf des Bären erwähnt: „ Soon it will snow, and she / Or maybe he [the bear], will crawl into a hole / And sleep " (M & T., S. 23, Z. 5 - 7). Hierbei scheint der Bär auch ein Wettstreiter des Menschen auf der Suche nach Nahrung zu sein, denn es wird ausgedrückt, dass sowohl die Indianer als auch die Bären nach Heidelbeeren („huckleberries") und Brombeeren („blackberries") suchen (vgl. M & T., S. 23f, Z. 3, 8, 13). Die Tatsache, dass Mensch und Tier nach der gleichen Nahrung suchen, verstärkt ihre Ähnlichkeit zueinander 14. Auffällig ist auch, dass der Bär in der ersten Strophe personifiziert wird, indem er als „she" und „he" bezeichnet wird, anstatt mit dem für Tieren (zumindest im Englischen) gebräuchlicheren „it". Der Dichter beginnt hier bereits, einen mythologischen Kontext herzustellen, in dessen psychische Struktur er eindringen möchte, wie es der Verlauf des Gedichts zeigt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Forschungsfrage nach der Bedeutung des Indianers als ökologisches Vorbild in Snyders Werk dargelegt, wobei der Begriff des "Wärters der Natur" zentral definiert wird.
1. Die Bedeutung des Indianers als Wärter der Natur in Gary Snyders This poem is for bear aus Myths & Texts: Dieses Hauptkapitel analysiert zunächst das soziale Verhältnis zu Tieren im indianischen Weltbild und untersucht anschließend detailliert die symbolische Bärenjagd sowie den mythologischen Kontext im konkreten Gedicht.
Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Erkenntnis zusammen, dass Snyder durch das Gedicht eine enge, respektvolle Verbindung zwischen Mensch und Tier aufzeigt und versucht, die eigene psychische Struktur im Sinne dieser ökologischen Geisteshaltung zu schulen.
Schlüsselwörter
Gary Snyder, Indianer, Wärter der Natur, Ökologie, Myths & Texts, This poem is for bear, Naturverhältnis, Indianische Mythologie, Jagdmethoden, Mensch-Tier-Beziehung, Anthropomorphismus, Gegenkultur, indigene Lebensweise, ökologisches Bewusstsein, Naturlyrik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Indianers als ökologisches Vorbild im Werk von Gary Snyder, insbesondere anhand seines Gedichts "This poem is for bear".
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen das ökologische Naturbild, die mythische Verbundenheit zwischen Mensch und Tier sowie die Kritik an westlichen, anthropozentrischen Werten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Snyders Konzept des "Wärters der Natur" zu konkretisieren und aufzuzeigen, wie er indigene Jagd- und Lebensweisen als alternative, ökologische Modelle nutzt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch anthropologische und mythologische Erkenntnisse über nordamerikanische Indianerkulturen gestützt wird.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Betrachtung indianischer Tierbeziehungen und eine detaillierte textimmanente Analyse von Snyders Gedicht.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind "Wärter der Natur", "Ökologie", "Mythologie", "Jagdmethoden" und "Respektvoller Umgang".
Wie unterscheidet Snyder zwischen einem "Erhalter" und einem "Wärter" der Natur?
Snyder distanziert sich von einer passiven "Erhaltermentalität", da der "Wärter" aktiv in die Natur eingreift, dabei jedoch respektvoll handelt, anstatt Ressourcen auszubeuten.
Warum wird der Bär im Gedicht kaum als "Bär" bezeichnet?
Nach indianischem Verständnis gilt das Tier als übernatürliches Wesen, weshalb eine direkte, profane Bezeichnung tabuisiert ist und durch respektvolle Umschreibungen ersetzt wird.
Welche Rolle spielt Snyders persönliches "Ich" im Gedicht?
Snyder bringt sich selbst ein, um aufzuzeigen, dass er den ursprünglichen Geisteszustand der Indianer anstrebt, gleichzeitig aber reflektiert, dass ihm die notwendigen Voraussetzungen für diese tiefe Naturintegration noch fehlen.
- Quote paper
- Sirinya Pakditawan (Author), 2002, Die Bedeutung des Indianers als Wärter der Natur in Gary Snyders "This poem is for bear" aus "Myths & Texts", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79932