Denkt man an andere Länder, denkt man häufig gleichzeitig an deren Sitten und kulturelle Eigenheiten, aber man denkt dabei auch – und das nicht weniger häufig – ans Essen. Dann steigt einem der Duft exotischer Gewürze fast schon von ganz allein in die Nase und man ist erfüllt von dem Wunsch, einmal einen näheren Blick in ‚fremde’ Küchen werfen zu können. Will man speziell einen Einblick in die Welt der indischen Küche erlangen, stellt das weniger ein Problem dar, angesichts der gegenwärtigen Hochkonjunktur von Büchern über Essen in Indien. So erschien beispielsweise bereits 2004 im Verlag Penguin India das Buch “Rude Food”, herausgegeben von Restaurantkritiker Vir Sanghvi, und im März diesen Jahres wurde “Life and Food in Bengal” von Chitrita Banerji – fünfzehn Jahre nach seiner Ersterscheinung – neu aufgelegt.
“People like reading about food” , titelt V.K. Karthika von Penguin India und meint dabei nicht Kochbücher in ihrer eigentlichen Bedeutung. Kapish G. Mehra vom Rupa-Verlag fügt hinzu: “Food is not just something for filling a stomach; people want to read more about it.” Ganz in diesem Sinne ist das Buch “A Matter of Taste” zu verstehen, welches ebenfalls im vorigen Jahr im Verlag Penguin India erschien. Herausgegeben wurde es von Nilanjana S. Roy, einer auf Delhi und Umgebung fokussierten Kolumnistin für den Business Standard und den Telegraph. Aber auch “A Matter of Taste” ist nicht einfach nur ein Kochbuch, sondern eine Sammlung von insgesamt 41 Kurzgeschichten meist indischer Autorinnen und Autoren, die sich dem Motiv des Essens in unterschiedlicher Weise nähern. Der Fokus liegt dabei hauptsächlich auf dem Erzählen der Geschichten: “Those who have something to say about food do so with an anecdote, in a travelogue, a historical reference, a literary allusion or a regional context.” Jedoch werden dabei nicht ausschließlich nur kulinarische Genüsse untersucht; vielmehr transportieren die Autoren im Subtext der Geschichten vor allem zeitgenössische sozialkritische Probleme und setzen sich mit kulturellen Besonderheiten des eigenen Landes auseinander. ...
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. A Matter of Taste – Eine Frage des Geschmacks
2.1 Zum Aufbau des Buches
2.2 Interpretation der Geschichte “French Leave” von Purabi Basu
2.2.1 Inhaltsangabe und Gliederung
2.2.2 Handlungsort, Zeit, Figuren, Konstellation, Motive
2.2.3 Sprachliche Mittel
2.2.4 Handlungsrahmen und Erzählabsicht
3. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Essens in indischen Kurzgeschichten, insbesondere anhand der Anthologie „A Matter of Taste“. Dabei steht die Interpretation der Geschichte „French Leave“ von Purabi Basu im Fokus, um aufzuzeigen, wie das Motiv des Essens genutzt wird, um soziokulturelle Spannungsfelder zwischen Tradition und Moderne sowie die Stellung der Frau in indischen Familienstrukturen zu thematisieren.
- Analyse der Anthologie „A Matter of Taste“ und deren thematische Gliederung.
- Interpretation der Kurzgeschichte „French Leave“ hinsichtlich Figurenkonstellation und Symbolik.
- Untersuchung der Rolle der Frau innerhalb traditioneller indischer Familienverbände.
- Kritische Reflexion gesellschaftlicher Missstände in Indien.
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Handlungsort, Zeit, Figuren, Konstellation und Motive
Der Handlungsort und die Zeit, in der die Geschichte spielt, werden nicht näher erläutert. Es deutet sich aber alles so an, als ob sich das Geschehen im Haushalt einer traditionell indischen Familie auf dem Land abspielt. Anzeichen dafür sind z.B. dass Radhas Mann Ayan zum Einkaufen auf den Dorfmarkt gehen will, und darüber hinaus die ganze Situation der Familie, auf die ich später genauer eingehen möchte. Als Erzählperspektive wählt die Autorin Purabi Basu die Form des auktorialen Erzählers und berichtet – vorwiegend in der Vergangenheitsform – über die Begebenheiten eines Vormittages.
Die Figuren der Geschichte werden nicht als außergewöhnliche, sondern eher als normale, einfache Leute beschrieben, was ein Merkmal der naí kahání (‚neue Erzählung’) ist. Die Protagonistin ist Radha, die Hausfrau der Familie, während die Personen aus ihrer Familie – ihr Mann Ayan, mitsamt Schwiegermutter und Schwägerin – als Antagonisten der Geschichte fungieren. Radhas Sohn Sadhan nimmt hierbei eine Sonderstellung ein, jedoch möchte ich darauf ebenfalls erst später zurückkommen.
Alle handelnden Figuren werden bereits in der Einleitung vorgestellt, allerdings treten ihre spezifischen Charakterzüge erst nach und nach zutage. Das bedeutet, dass die Charaktereigenschaften der einzelnen Figuren nicht direkt von der Autorin beschrieben werden, sondern sich im Verlauf der Handlung durch das Verhalten der Figuren äußern. Auf diese Weise wird z.B. Radhas impulsive Art zwar schon am Anfang angedeutet, während sie ihre aufrührerische bzw. rebellische Entscheidung trifft: “She was absolutely determined not to cook today.”
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz von Büchern über das Thema Essen in Indien und führt in die Anthologie „A Matter of Taste“ sowie das Ziel der vorliegenden Analyse ein.
2. A Matter of Taste – Eine Frage des Geschmacks: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Aufbau der Anthologie in sieben thematische Abschnitte und widmet sich der detaillierten Interpretation der Kurzgeschichte „French Leave“ von Purabi Basu.
3. Schlussbemerkungen: Die Schlussbetrachtungen reflektieren die gesellschaftliche Stellung der Frau in Indien anhand kritischer Fakten und ordnen die Bedeutung von literarischen Werken wie „A Matter of Taste“ als Medium zur Thematisierung dieser Missstände ein.
Schlüsselwörter
Essen, Indische Literatur, Kurzgeschichten, Nayi Kahani, Purabi Basu, French Leave, Tradition, Moderne, Frauenrolle, Familienstruktur, Mitgift, Soziale Missstände, Indien, Anthologie, Kultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie indische Autorinnen und Autoren das Motiv des Essens in Kurzgeschichten einsetzen, um sozialkritische Themen und kulturelle Gegebenheiten zu verarbeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der indischen Esskultur, der Rolle der Frau in traditionellen Familien, dem Konflikt zwischen Tradition und Moderne sowie der Unterdrückung im familiären Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, am Beispiel der Geschichte „French Leave“ von Purabi Basu aufzuzeigen, wie literarische Texte genutzt werden, um Kritik an veralteten gesellschaftlichen Strukturen in Indien zu üben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse und Interpretation der Kurzgeschichte unter Einbeziehung soziologischer und kultureller Hintergrundinformationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturelle Vorstellung der Anthologie „A Matter of Taste“ sowie eine tiefgehende Interpretation der Geschichte „French Leave“, einschließlich Inhaltsangabe, Analyse der Figuren und sprachlicher Mittel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem indische Literatur, Frauenrolle, Tradition vs. Moderne, soziale Missstände, Familienstruktur und das Motiv des Essens.
Warum spielt das Essen für die Protagonistin Radha eine so zentrale Rolle?
Das Essen symbolisiert in der Geschichte die tägliche Verpflichtung und Unterwürfigkeit der Frau gegenüber ihrer Familie; durch die Verweigerung des Kochens bricht Radha symbolisch aus ihrer gesellschaftlichen Rolle aus.
Was bedeutet der Titel „French Leave“ im Kontext der Erzählung?
Der Titel bezieht sich auf die impulsive Entscheidung der Protagonistin, ihre häuslichen Pflichten eigenmächtig zu vernachlässigen und sich für einen Tag aus ihrer traditionellen Rolle zu befreien.
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- Diana Bryg (Author), 2006, Essen und Trinken in der Nayi Kahani, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79947