Eine Buchrezension zu „Anton - oder die Zeit unwerten Lebens“ von Elisabeth Zöller


Seminararbeit, 2007
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Inhaltsangabe

2. Textanalyse
2.1 Inhaltlich: „Ziviler Widerstand“
2.2 Sprachlich: Isotopieanalyse und Metaphorik
2.3 Erzählstruktur

3. Themenschwerpunkt „Euthanasie“: Kontextuelle und Intertextuelle Bezüge
3.1 Beginn der Euthanasie an Kindern
3.2 Intertextueller Bezug

4. Schlussbetrachtung

1. Inhaltsangabe

In dem Buch „Anton – oder die Zeit des unwerten Lebens“ von Elisabeth Zöller, geht es um die Kindheitsjahre von Anton, dem Protagonisten des Buches, zur Zeit des Nationalsozialismus. Anton hat auf Grund eines schweren Unfalls eine leichte geistige Behinderung, sowie motorische Einschränkungen. Auch sein Stottern ist auf den Unfall zurückzuführen. Das Buch beschreibt auf ergreifende Weise Antons Schulzeit und die damit verbundene Diskriminierung, die er, auf Grund seiner Behinderung, sowohl durch seine Mitschüler, aber besonders auch durch einige Lehrer erleiden muss. Sein einziger Lichtblick ist seine Familie, die alles tut, um Anton vor der grausamen Wahrheit des Nationalsozialismus zu schützen. Die sich darin äußert dass ein behinderter Mensch kein Recht zu leben hat. Anton ist ein kluger Junge, der weiß was es bedeutet behindert zu sein. Er bekommt dies auch immer wieder zu spüren, da den meisten seiner ehemaligen Freunden von den Eltern verboten wurde mit ihm zu spielen. So bleiben ihm in erster Linie seine älteren Geschwister und seine Eltern.

Als sich die Situation um Anton zuspitzt und es zu gefährlich wird ihn im eigenen Haus zu verstecken, sind die Eltern gezwungen Anton auf den Bauernhof von Tante Hedwig, die Schwägerin von Antons Mutter, zu bringen. Sie ist eine strenge Frau und lässt Anton den ganzen Tag auf ihren Hof schuften. Die Rettung kommt durch Hedwigs Schwester Annie, mit der Antons Familie zwar nicht verwand ist, ihnen aber trotzdem Unterschlupf anbietet. Bei Annie ist Anton sicher und kann wieder Kind sein. Zu dem kommt Annie auf die Idee, die Anton das Überleben sichert. Sie besorgt von ihrem Hausarzt einen Totenschein. Ab dem Zeitpunkt ist Anton offiziell tot, was ihm ermöglicht zu leben, da es zu der Zeit besser für einen Behinderten ist als tot zu gelten.

Dieses Buch beschreibt die wahre Geschichte von Elisabeth Zöllers Onkel. Der Name in dem Buch ist jedoch abgeändert. Den Wunsch, über ihren Onkel zu schreiben, hatte sie schon lange gehabt, es war jedoch eine lange Zeit zur Recherche von Nöten. Vieles konnte sie von ihrer Mutter und ihren Großeltern in Erfahrung bringen. Die Lücken die offen blieben wurden durch Briefe und Berichte ergänzt, oder auch durch Beschreibungen aus eigenem Ermessen, nach bester Glaubwürdigkeit.

Mit dem Schreiben von Kinder- und Jugendbüchern begann Elisabeth Zöller 1989, nachdem sie zuvor 17 Jahre als Gymnasiallehrerin tätig war.

Geboren wurde sie 1945 in Brilon und sie studierte Deutsch, Französisch, Kunstgeschichte und Pädagogik in Münster, München und Lausanne.

Neben Beiträgen für Zeitschriften und Anthologien hat sie einige Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht und gehört zu den bekanntesten deutschen Kinderbuchautorinnen. Sie erhielt 2005 für ihr Buch „Anton oder die Zeit des unwerten Lebens“ den Gustav-Heinemann Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher. Heute lebt Elisabeth Zöller mit ihrer Familie in Münster.

2. Textanalyse

Nachdem das erste und einleitende Kapitel zentrale inhaltliche Aspekte der zu diskutierenden Lektüre zusammenfasst, sowie einige Hintergrundinformationen bezüglich der Autorin Elisabeth Zöller und der Entstehung ihrer Erzählung Anton oder die Zeit des unwerten Lebens benennt, wird sich der nun folgende, zweite Teil mit der Textanalyse des genannten Buches befassen. Hierzu werden im Folgenden drei Teilaspekte zur inhaltlichen Strukturierung dieses Kapitels dienen. Der erste Punkt wird, anknüpfend an den vorangehenden Teil und mit Ausblick auf den folgenden, das Erzählmotiv des zivilen Widerstands, insbesondere aus der Perspektive selbst Betroffener, zur Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft herausgreifen, und im Hinblick auf die Figuren und dessen vermittelte Dispositionen innerhalb des vorliegenden narrativen Textes anhand von prägnanten Auszügen untersuchen. Nachfolgend soll die Kohärenz des Textes mithilfe einer charakteristischen Isotopie, sowie durch Kennzeichnung der Verwendung von Metaphorik, sprachanalytisch untersucht werden. Der dritte und letzte Teilaspekt beschäftigt sich abschließend mit der konkreten Struktur des vorliegenden Erzähltextes. An dieser Stelle werden deshalb Erzählsituation, Erzählperspektive, Zeitgestaltung sowie der Aspekt der Intertextualität näher erläutert und anhand von entsprechenden Belegen konkretisiert.

2.1 Inhaltliche Textanalyse

Elisabeth Zöllers Jugendbuch Anton oder die Zeit des unwerten Lebens thematisiert schwerpunktmäßig, wie im nachfolgenden dritten Teil dieser Analyse näher erläutert werden soll, Deutschlands nationalsozialistische Regierung in den 1930-er und -40er Jahren im Kontext ihrer Erzählung, wobei, hervorgehoben durch den Protagonisten Anton Brocke, weitere Erzählmotive wie die geistige und körperliche Behinderung von Individuen und die systematische Euthanasie bzw. Tötung eben dieser Menschen in den Vordergrund tritt. Im direkten Zusammenhang mit diesen Themen steht der Aspekt des zivilen Widerstands, welcher an dieser Stelle Gegenstand einer inhaltlichen Analyse werden soll.

Trotz allgemeiner Faszination und Euphorie für anfängliche politische und militärische Erfolge des NS Regimes Mitte des 20. Jahrhunderts und der daraus resultierenden, meist bedingungslosen Gefolgschaft des deutschen Volkes, wurden Stimmen des Protestes dennoch immer wieder hörbar. Der vorliegende Erzähltext greift genau diesen Aspekt der Geschichte des Dritten Reiches heraus, indem er seine Hauptcharaktere repräsentativ für diese oft im Verborgenen gebliebene Widerstandshaltung denken und handeln lässt. Neben zahlreichen Nebenfiguren stehen Antons Eltern im Mittelpunkt dieses inhaltlichen Teilbereichs, da ihre dargestellten politischen und moralischen Einstellungen die damalige Herrschaft, deren Anhängerschaft und die damit verbundenen Ideologien eindeutig kontrastieren. Bereits der erste Satz zu Beginn des Buches macht auf dies aufmerksam: „Wir müssen uns wehren“ (Zöller 2006: 11), als emphatische Aussage des Vaters. Unmittelbar daraufhin wird deutlich, dass der Protagonist Anton aufgrund seiner Behinderung einer Gefahr durch die nationalsozialistische Regierung ausgesetzt ist, indem die Mutter verzweifelt auf die Äußerung ihres Mannes reagiert: „Was ist das für eine Welt, in der es ein Unrecht ist, ein krankes, leicht behindertes Kind im Schoß der Familie aufwachsen zu lassen“ (Zöller 2006: 11). Der weitere Verlauf der Erzählung stellt heraus, dass die elterliche Abneigung des Systems nicht lediglich auf das eigene familiäre Schicksal zurückzuführen ist. So wird vielmehr illustriert, dass weitaus mehr Faktoren zu einer solchen Haltung beitrugen. Demzufolge erfährt der Leser, dass Antons Eltern generell keinerlei Verständnis für das aufkommende Hochgefühl im Bezug auf die nationalsozialistische Machtergreifung aufbringen, da „die breite Masse [...] in ihrer Treue zum Führer [wohl] jedes Gefühl für menschlichen Anstand verloren [hatte]“ (Zöller 2006: 17). Dieser Verlust menschlichen Anstands auf Seiten der zivilen Gefolgschaft des Dritten Reiches kann durch die Erzählung hindurch als zentrales Kriterium für die Distanzhaltung der Eltern identifiziert werden. So wird nicht nur die durch das Regime praktizierte Verfolgung von körperlich oder geistig behinderten Menschen zum Beweggrund elterlichen Widerstands, sondern gleichermaßen auch die ‚Jagd’ auf andere ‚gesellschaftliche Minderheiten’ wie die in Deutschland lebenden Juden. „Einige glauben, dass es Menschen gibt, die weniger Wert haben“ (Zöller 2006: 44), erklärt Antons Mutter ihrem Jungen, und vermittelt im direkten Anschluss daran ihre entgegengesetzte persönliche Auffassung: „Alle Menschen sind gleich wert“ (Zöller 2006: 44). Folglich wird eine sich progressiv stärker entwickelnde Abneigungshaltung gegen, und Verständnislosigkeit für das vorherrschende Wertesystem und Rassenprinzip dieser Diktatur deutlich. Während propagandistische Plakate und Bilder die Straßen, Klassenräume und privaten Wohnungen der Gefolgschaft zieren, betont Antons Vater: „Für den Hitler kaufe ich keinen extra Bilderrahmen [...] der Führer wird nur ausgeklappt, wenn der Ortsgruppenleiter oder der Blockwart kommt [...]“ (Zöller 2006: 13). Der Handlungsverlauf verdeutlicht jedoch auch, dass die als besonders moralisch und menschlich hervorgehobene Haltung der Eltern diese immer wieder auf sowohl familiäre, als auch gesellschaftlich öffentliche Konfliktsituationen stoßen lässt. Zum einen wird deshalb die stellenweise als zunehmend geschilderte Neugier und Begeisterung der Kinder für die Nazi-Ideologie zum Konfliktpunkt innerhalb der Familie. So zum Beispiel „[...] macht sich [der Vater] Sorgen um [seinen ältesten] Sohn Bernhard, “ da dieser „[...] immer mehr HJ- und kriegsbegeistert ist“ (Zöller 2006: 125). Ferner erweist sich der vom nationalsozialistischen Gedankengut unweigerlich determinierte Unterrichtsstoff in den Schulen als unvereinbar mit den elterlichen Vorstellungen von Recht und Gesetz: „Wenn Margarete Rassenkunde abgehört haben wollte, ging der Vater hinaus“ (Zöller 2006: 21), und auch die Mutter, die ihre Tochter zunächst unterstützt, muss nach einer Weile aus Verzweiflung aufgeben (vgl. Zöller 2006: 72). Besonders hervorgehoben scheint allerdings der Konflikt der beschriebenen elterlichen Einstellung mit der allgemeinen Pflicht zur Befolgung von Verhaltensregeln und Gesetzen im Kontext der öffentlichen Gesellschaft des Dritten Reiches. Während sich die eigene Meinung in Form von drastischer Kritik am System im häuslichen Umfeld noch relativ frei äußern lässt: „Im Angstmachen und Terrorisieren sind sie Spezialisten […]“ (Zöller 2006: 172); „Wer innerlich tot ist, braucht Macht, Faust und Befehl […]“ (Zöller 2006: 180), wird sie jedoch außerhalb dieser Privatsphäre nicht im geringsten toleriert oder akzeptiert. Dies stellt eine Situation dar, die unfreiwillige Anpassung an die Vorgaben des nationalsozialistischen Systems von Antons Eltern verlangt. So sind sie sich bewusst, dass sowohl offenkundiger, als auch verdeckter Widerstand von ihrer Seite eine nicht zu unterschätzende Gefahr und Bedrohung für sich selbst und ihre Familie nach sich ziehen würde. Häufig wird in diesem Kontext Antons Wahrnehmung an den Leser vermittelt. So scheint dieser zum Beispiel eine gewisse Sensibilität hinsichtlich der gesellschaftlichen Akzeptanz vom Gedankengut seiner Eltern zu entwickeln: „Was die Eltern da gesprochen haben, darf eigentlich keiner sagen. Das weiß Anton“ (Zöller 2006: 101). Dennoch erweist sich die gefühlte Antipathie der Eltern gegen das Regime oftmals als schwer unterdrückbar, und somit tun sich Probleme auf, den äußeren Anschein der Anhängerschaft zu bewahren: „Die anderen Lehrerkollegen an der Josephschule sagen mit Überzeugung ‚Heil Hitler’ [...] der Vater sagt es hastig und schnell“ (Zöller 2006: 15, Betonung hinzugefügt). In diesem Bezug ist auch die Benennung von Antons Onkel Franz als weiteren Repräsentanten für den Widerstand von Bedeutung. Analog zum beschriebenen Verhalten von Antons Eltern, fällt es auch dieser Figur merkbar schwer, seine Abneigung hinsichtlich täglich wiederkehrender menschenverachtender Maßnahmen, insbesondere von Seiten der zivilen Bevölkerung, zu unterdrücken. In der Funktion des Schullehrers äußert dieser folglich sogar öffentlich: „Auch Juden sind Menschen“ (Zöller 2006: 63), und begibt sich somit wissentlich in Gefahr. Den Protagonisten Anton in seiner Schule und Klasse unter ständiger Aufsicht zu haben, um ihm bei Bedarf Schutz und Zuflucht vor zunehmender Gewalt der gleichaltrigen Kinder zu gewähren - „Onkel Franz hilft ihm […] Onkel Franz nimmt ihn an die Hand, als sie ihn wieder schubsen […]“ (Zöller 2006: 52) - bedeutet deshalb ein zunehmendes Risiko der Offenbarung politischer Ansichten. Abschließend lässt sich sagen, dass das in der Erzählung dargestellte Motiv des Widerstandes und Achtung der Menschenrechte und Freiheit vor dem Hintergrund nationalsozialistischer Machtergreifung sehr authentisch und nachvollziehbar im Rahmen eines Jugendbuches geschildert wird. Die angeführten Textstellen sind hier lediglich als ein kleiner Ausschnitt des Gesamtkonzeptes der Erzählung zu betrachten, sollen aber dennoch die Thematik des Widerstands als eine von zahlreichen inhaltlichen Schwerpunkten des Textes verdeutlichen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Eine Buchrezension zu „Anton - oder die Zeit unwerten Lebens“ von Elisabeth Zöller
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Institut für deutsche Sprache & Literatur)
Veranstaltung
Kinder- und Jugendliteratur
Note
1,0
Autoren
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V79961
ISBN (eBook)
9783638857550
ISBN (Buch)
9783638872911
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eine, Buchrezension, Zeit, Lebens“, Elisabeth, Zöller, Kinder-, Jugendliteratur
Arbeit zitieren
Matias Esser (Autor)Dennis Kieserling (Autor), 2007, Eine Buchrezension zu „Anton - oder die Zeit unwerten Lebens“ von Elisabeth Zöller, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79961

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