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Die Relevanz der Ellipse in der alltäglichen Kommunikationspraxis

Das sprachökonomische Phänomen der Ellipse aus grammatisch-syntaktischer und pragmatisch-kommunikativer Perspektive

Title: Die Relevanz der Ellipse in der alltäglichen Kommunikationspraxis

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 53 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Andrea Elisabeth Schildgen (Author)

Speech Science / Linguistics
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Im Fokus dieser Hauptseminararbeit steht – mit Birgit Hausperger gesprochen - das "Nichts" . Interessanterweise möchte ich in dieser linguistischen Untersuchung einmal etwas behandeln, das durch bloße Abwesenheit glänzt.
Mit diesem ganz eigenen Untersuchungsgegenstand rekurriere ich auf nichts Geringeres als auf das facettenreiche linguistische Phänomen, das der deutsche Sprachpsychologe und – theoretiker Karl Bühler symptomatisch als die "zweimal tausendjährige Ellipsenplage" charakterisiert hat.
Mit dieser viel zitierten Sentenz verweist Bühler darauf, dass das sprachliche Phänomen der 'Ellipse' und die aus ihr resultierenden 'fragmentarischen Äußerungen' eine lange Forschungstradition aufweisen und in der aktuellen linguistischen Grundlagendiskussion eine exponierte Stellung einnehmen. In seinen sprachtheoretischen Überlegungen kritisiert Bühler die ursprüngliche Geringschätzung knapper Ausdrucksformate und befürwortet die "Hochkultur des Elliptischen", die in der gesprochenen und sekundär auch in der geschriebenen Sprache vorherrscht:

"Solch lautarmer Verkehr darf nicht summarisch und für alle Umstände als armseliges, primitives, unvollendetes Sprechen gekennzeichnet werden. Denn das wäre genau so falsch, wie wenn man z.B. den bargeldlosen und bargeldarmen Güterverkehr summarisch als den Ausdruck einer primitiven und unvollkommenen Wirtschaftsordnung betrachten wollte. […] [Ellipsen, Anakoluthe usw. ] erfüllen ihren Zweck vorzüglich; ein Dummkopf der sie ausrotten wollte."

Mit diesen pathetisch anklingenden Phrasen verweist Bühler implizit auf die sprachökonomischen Tendenzen, die das elliptische Sprechen als funktionales Stilmittel kausal bedingt und etabliert haben.

Die elliptische Sprache lässt sich in unserer alltäglichen Schreib- und Redepraxis als ein essentielles und allgegenwärtiges Phänomen entlarven, das in schriftlich fixierten Texten und im Verlauf von spontanen mündlichen Diskursen seine soziale Dimension entfaltet. Sowohl öffentliche als auch private Schrift- und Redepraktiken sind von einer Fülle von Ellipsen durchdrungen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITENDE GEDANKEN

1.1 FORSCHUNGSSTAND: DAS SPRACHWISSENSCHAFTLICHE PHÄNOMEN DER ELLIPSE IN DER ZEITGENÖSSISCHEN REZEPTION

1.2 ZIEL UND ZWECK DER ARBEIT

2. SPRACHÖKONOMISCHE TENDENZEN IN GRAMMATIK UND PRAGMATIK

2.1 DIE HANDLUNGSTHEORETISCHE SEMANTIK VON H. PAUL GRICE

2.2 ELLIPTIZITÄT IN DER ORALITÄT UND IN DER LITERALITÄT

3. SATZ UND ELLIPSE – DER VERSUCH EINER DEFINITORISCHEN BEGRIFFSBESTIMMUNG

3.1 KONKRETISIERUNG DES SATZBEGRIFFS

3.1.1 EINE DEFINITORISCHE ANNÄHERUNG AN DEN SATZBEGRIFF IM SPIEGEL DER LINGUISTISCHEN DISKUSSION

3.1.2 DER SATZBEGRIFF AUS GRAMMATISCH-SYNTAKTISCHER PERSPEKTIVE

3.1.3 DER SATZBEGRIFF AUS PRAGMATISCH-KOMMUNIKATIVER PERSPEKTIVE

3.2 DAS INTERDEPENDENZGEFÜGE ZWISCHEN SATZ UND ELLIPSE

3.3 PROBLEMATISIERUNG DES ELLIPSENBEGRIFFS

3.3.1 ETYMOLOGISCHE RECHTFERTIGUNG DES BEGRIFFS ELLIPSE

3.3.2 DER ELLIPSENBEGRIFF IN DER VORLIEGENDEN ARBEIT

3.4 EIN EXEMPLARISCHER BLICK AUF DIE ELLIPSE IN DER ALLTÄGLICHEN KOMMUNIKATIONSPRAXIS

4. DIE SPRACHÖKONOMISCHE DIMENSION DER ELLIPSE IN GRAMMATIK UND PRAGMATIK

4.1 DER GRAMMATISCH-SYNTAKTISCHE ASPEKT DER ELLIPSE

4.1.1 KOORDINATIONSELLIPSEN

4.1.2 KOMPARATIONSELLIPSEN

4.1.3 ADJAZENZELLIPSEN

4.2 DER PRAGMATISCH-KOMMUNIKATIVE ASPEKT DER ELLIPSE

4.2.1 EMPRAKTISCHE ELLIPSEN

4.2.2 SITUATIVE ELLIPSEN

5. ABSCHLIEßENDE GEDANKEN

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das in der linguistischen Diskussion kontrovers behandelte Phänomen der Sprachökonomie durch eine methodisch fundierte Analyse elliptischer Sprache zu erfassen und die unterschiedlichen Ausprägungen von Ellipsen sowohl aus grammatisch-syntaktischer als auch aus pragmatisch-kommunikativer Perspektive systematisch darzustellen.

  • Untersuchung der Sprachökonomie und Ellipsen in gesprochener und geschriebener Sprache.
  • Analyse des Interdependenzgefüges zwischen dem Satzbegriff und der Ellipse.
  • Abgrenzung grammatischer Ellipsen von pragmatisch motivierten Auslassungen.
  • Anwendung des Griceschen Kooperationsprinzips zur Erklärung elliptischer Diskursstrategien.
  • Kategorisierung von Ellipsenarten (Koordinations-, Komparations-, Adjazenz-, empraktische und situative Ellipsen).

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Der Satzbegriff aus grammatisch-syntaktischer Perspektive

Grammatikalisch lässt sich der 'Satz' (eigentlich "das Gesetzte") als eine formal begrenzte Bezugsgröße und Redeeinheit kennzeichnen, die nach dem Vorbild eines sprachspezifischen Regelapparates aus kleineren Einheiten zusammengesetzt wird. Die Wortfolge bzw. das Wortgefüge des Satzes wird als eine in sich geschlossene sprachliche Einheit charakterisiert, die aus mehreren komplementären Wortformen besteht. In einzelnen Applikationsfällen können bestimmte Satzbaupläne jedoch auch vorgeben, dass ein Satz lediglich aus einer einzelnen Wortform gebildet wird.

Die einzelnen Wörter und Wortgruppen fungieren als Bausteine des Satzes, die ihrerseits auch einen bestimmten Selbständigkeitsgrad aufweisen und sowohl bei der schriftlichen als auch bei der mündlichen Sprachverwendung in den komplexeren und abgeschlossenen sprachlichen Texteinheiten auftreten.

Im inkrementellen Sprachverarbeitungsmodell ist der Satz demnach eine komplexe, durch die Verkettung von Einzelzeichen gebildete Einheit ist, die unter inhaltlichen, grammatischen und intonatorischen Aspekten verhältnismäßig vollständig und autonom ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITENDE GEDANKEN: Einführung in das Thema der Ellipse als sprachliches Phänomen und Darlegung des Forschungsinteresses.

2. SPRACHÖKONOMISCHE TENDENZEN IN GRAMMATIK UND PRAGMATIK: Analyse des sprachökonomischen Handelns basierend auf H. Paul Grices Theorie der Diskursmaximen und der Unterschiede zwischen Oralität und Literalität.

3. SATZ UND ELLIPSE – DER VERSUCH EINER DEFINITORISCHEN BEGRIFFSBESTIMMUNG: Kritische Auseinandersetzung mit dem Satzbegriff und den Schwierigkeiten einer exakten Definition, eingebettet in die Diskussion zur Ellipse.

4. DIE SPRACHÖKONOMISCHE DIMENSION DER ELLIPSE IN GRAMMATIK UND PRAGMATIK: Detaillierte Untersuchung spezifischer Ellipsentypen in grammatischer und pragmatischer Hinsicht, wie Koordinations-, Komparations- und Adjazenzellipsen.

5. ABSCHLIEßENDE GEDANKEN: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung der Ellipse als essentielles Instrumentarium der Sprachökonomie.

Schlüsselwörter

Ellipse, Sprachökonomie, Syntax, Pragmatik, Satzbegriff, Oralität, Literalität, H. Paul Grice, Diskursmaximen, Koordinationsellipse, Komparationsellipse, Adjazenzellipse, Empraktische Ellipsen, Situative Ellipsen, Sprecherkompetenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das sprachliche Phänomen der Ellipse vor dem Hintergrund der Sprachökonomie und analysiert, wie elliptische Strukturen in alltäglichen Kommunikationsprozessen funktional genutzt werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen das Verhältnis von Grammatik und Pragmatik, die Dichotomie zwischen gesprochener und geschriebener Sprache sowie die definitorische Problematik des Satzbegriffs im Kontext von Auslassungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine systematische und methodisch stringente Analyse der elliptischen Sprache, um deren ökonomische Gebrauchsfunktion sowohl aus grammatisch-syntaktischer als auch aus pragmatisch-kommunikativer Sicht zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt deskriptive und analysierende Ansätze der Linguistik, wobei theoretische Modelle wie die handlungstheoretische Semantik von H. Paul Grice und Konzepte der Diskursanalyse zur Anwendung kommen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der definitorischen Bestimmung von Satz und Ellipse sowie einer detaillierten Kategorisierung verschiedener Ellipsentypen, unterteilt in ihre grammatische und pragmatische Dimension.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Ellipse, Sprachökonomie, Syntax, Pragmatik, Oralität/Literalität, Diskursmaximen, Koordinations-, Komparations- und Adjazenzellipsen sowie Handlungs- und situative Ellipsen.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen Oralität und Literalität eine Rolle?

Die Arbeit zeigt auf, dass Ellipsen in der gesprochenen Sprache oft als konversationelle Regularität akzeptiert werden, während sie in der geschriebenen Sprache häufiger als Normverstoß wahrgenommen werden, was unterschiedliche Gelingenskriterien erfordert.

Was ist der Unterschied zwischen einer empraktischen und einer situativen Ellipse?

Eine empraktische Ellipse ist an einen konkreten Handlungszusammenhang gebunden, in dem das situative Umfeld die Interpretation ermöglicht, während die situative Ellipse stärker auf der Sprechererfahrung und dem situativen Kontextwissen basiert, um Äußerungsbedeutungen in bestimmten Sprechsituationen zu erschließen.

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Details

Title
Die Relevanz der Ellipse in der alltäglichen Kommunikationspraxis
Subtitle
Das sprachökonomische Phänomen der Ellipse aus grammatisch-syntaktischer und pragmatisch-kommunikativer Perspektive
College
RWTH Aachen University  (Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft der RWTH Aachen)
Course
Ellipsen und Fragmente
Grade
1,0
Author
Andrea Elisabeth Schildgen (Author)
Publication Year
2007
Pages
53
Catalog Number
V79978
ISBN (eBook)
9783638857635
ISBN (Book)
9783638855129
Language
German
Tags
Relevanz Ellipse Kommunikationspraxis Ellipsen Fragmente
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Elisabeth Schildgen (Author), 2007, Die Relevanz der Ellipse in der alltäglichen Kommunikationspraxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79978
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