Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Communications - Media History

Die Schallplatte als Faktor des mediengeschichtlichen Wandels

Demokratisierung und Mutation als sozio-kulturelle Folgewirkungen der Schallplatte

Title: Die Schallplatte als Faktor des mediengeschichtlichen Wandels

Seminar Paper , 2007 , 38 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Andrea Elisabeth Schildgen (Author)

Communications - Media History
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

1887 erzielte der Amerikaner Emil Berliner mit der Erfindung des Grammophons und des ersten scheibenförmigen Tonträgers einen ähnlichen Durchbruch wie Johannes Gutenberg mit der Erfindung und Entwicklung des modernen Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Möglichkeit der Klangkonservierung und die damit verbundene Reproduzierbarkeit gespeicherter, akustischer Information eröffneten einen neuen, kulturellen Zeitabschnitt der Medienentwicklung. Dementsprechend hat die tontechnische Innovation der Schallplatte in der Mediengeschichte eine „ähnlich umwälzende Bedeutung“ wie die Gutenberg-Revolution . Die technischen Innovationen im Bereich der Schallaufzeichnung und die immanenten Reproduzierbarkeitspotentiale haben im ausgehenden 19. Jahrhundert die Voraussetzungen für einen dynamischen, sozio-kulturellen Transformationsprozess geschaffen, der die Relevanz des Tonträgers Schallplatte als Faktor des mediengeschichtlichen Wandels deutlich herausstellt .
Der deutsche Philosoph und Gesellschaftstheoretiker Walter Benjamin hat die Schallplatte bereits 1936 in seinem viel diskutierten Beitrag „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ als einen bedeutenden Demokratisierungsfaktor der Kunst bezeichnet. Zugleich weist Benjamin jedoch auch darauf hin, dass das originär einzigartige Kunstwerk durch die Schallplatte und die anderen, modernen Reproduktionsmedien sukzessiv seine Anziehungskraft verliert und dass die technische Reproduzierbarkeit gleichsam zu der Herausbildung völlig neuer Kunstformen beiträgt.
Benjamin macht insbesondere auf die sozio-kulturellen Folgewirkungen der technischen Reproduzierbarkeit aufmerksam, die langfristig eine Demokratisierung und eine Mutation der Kunst bewirkten .
Doch wie lässt sich der Stellenwert der Schallplatte als Faktor des mediengeschichtlichen Wandels belegen? Welche sozio-kulturellen Implikationen hatte die tontechnische Invention der Schallplatte? An welchen Phänomenen lassen sich die Demokratisierung der Musikkultur und die Mutation der Musikkommunikation als sozio-kulturelle Folgewirkungen der Schallplatte festmachen? Ist die Schallplatte innerhalb der Kulturforschung bisher angemessen berücksichtigt worden? Die Beantwortung dieses Fragenkomplexes soll das zentrale Ziel dieser Arbeit sein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

1.1 FRAGESTELLUNG UND AUFBAU

1.2 QUELLENLAGE

1.3 FORSCHUNGSSTAND

2. DIE SOZIO-KULTURELLEN FOLGEN DER SCHALLPLATTE

2.1 DIE DEMOKRATISIERUNG DER MUSIKKULTUR

2.1.1 DER DEMONSTRATIVE KONSUM – DIE DEMOKRATISIERUNG AUS KONSUMSOZIOLOGISCHER PERSPEKTIVE

2.1.2 DIE SCHALLPLATTE IN DER KULTURSTATISTIK: EIN SYNOPTISCHER VERGLEICH DES KULTURBUDGETS VERSCHIEDENER PRIVATHAUSHALTE

2.2 DIE MUTATION MUSIKALISCHER KOMMUNIKATION

2.2.1 DIE HERAUSBILDUNG EINER NEUEN, MEDIENSPEZIFISCHEN ÄSTHETIK - DIE DICHOTOMIE VON LIVE- UND TONTRÄGER-MUSIK

2.2.2 DAS PHÄNOMEN DES KULTURKONSUMS

2.3 DIE MUTATION MUSIKALISCHER KOMMUNIKATION AUS DER PERSPEKTIVE DER 1970ER JAHRE: „MUSIK AUF TONTRÄGERN ZWISCHEN WELTKLANG UND STUDIO SOUND – PRODUKTION ALS EIGENSTÄNDIGE KUNSTFORM?“

3. ZUSAMMENFASSUNG

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Das zentrale Ziel dieser Arbeit ist es, die sozio-kulturelle Bedeutung der Schallplatte als Faktor des mediengeschichtlichen Wandels zu belegen und die damit verbundenen Transformationsprozesse, insbesondere die Demokratisierung der Musikkultur und die Mutation der Musikkommunikation, zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.

  • Historische Einordnung der Schallplatte als mediale Innovation.
  • Analyse der Demokratisierung von Musik durch industrielle Massenproduktion und demonstrativen Konsum.
  • Untersuchung der Mutation musikalischer Kommunikation durch die Dichotomie von Live- und Tonträgermusik.
  • Evaluation von Fachquellen aus den 1970er Jahren zur Eigenständigkeit der Studioproduktion.
  • Diskussion über den Forschungsrückstand bei der Analyse von Tonträger-Daten.

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Die Herausbildung einer neuen, medienspezifischen Ästhetik - Die Dichotomie von Live- und Tonträger-Musik

Die mit der Schallplatte verbundenen Innovationen im Bereich der Tonaufzeichnungs- und -wiedergabegeräte haben die traditionellen Formen der Musikvermittlung sukzessiv zurückgedrängt. Die Dichotomie von Live- und Tonträger-Musik hat die Herausbildung einer neuen, medienspezifischen Ästhetik begünstigt. In diesem Sinn hat die stetig steigende, gesellschaftliche Akzeptanz technisch reproduzierter Musik bewirkt, dass das „Live-Konzert“ als die ursprüngliche Art der musikalischen Performanz in der historischen Entwicklung verstärkt einen komplementären Stellenwert eingenommen hat. Im Zeitalter der Schallplatte hat sich das musikalische Kenntnissystem der Rezipienten zunehmend auf der Basis technisch vermittelter Musik herausgebildet, so dass das eigentliche Konzerterlebnis im Kontrast zu früher lediglich dazu diente, den durch die Schallplatte vermittelten, musikalischen Eindruck „live“ wahrzunehmen und mit dem vertrauten 'Tonträger-Erlebnis' abzugleichen.

Auf diese Weise hat sich das originäre, an den Künstler und an Zeit und Ort gebundene Konzerterlebnis lediglich als der „zweite[...] Weg“ der Musikkommunikation durchgesetzt. Mit der tontechnischen Innovation der Schallplatte hat sich das durch Tonträger vermittelte Klangerlebnis ganz oben auf der Präferenzliste der Musikkonsumenten festgesetzt und wesentlich dazu beigetragen, dass ein ganz anderer, medienspezifischer Anforderungskatalog und völlig neue Formen des Rezipientenverhaltens entstanden sind, die sich ganz deutlich von denen eines Live-Konzerterlebnisses abgesetzt haben.

Vor diesem Hintergrund hat die Schallplatte als autonomes Medium die Entwicklung einer ganz neuen, medienspezifischen Ästhetik begünstigt, die sich an anderen Gesetzmäßigkeiten künstlerischer Produktion und Rezeption orientierte und deutlich mehr als eine einfache, technische Reproduktion des Originalmusikwerks erforderte. Auf diese Weise änderte sich das Anforderungsprofil, das an den Tonträger Schallplatte gestellt wurde, substanziell: Während die Schallplatte in ihren Anfängen primär dazu dienen sollte, die Klanggestalten des Konzerterlebnisse „naturgetreu[...]“ zu konservieren (Musik als "Konserve"), stand schon bald eine qualitative, klangliche Aufwertung des Musikwerks im Vordergrund aufnahmetechnischer Erfordernisse.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Dieses Kapitel stellt die Fragestellung und den Aufbau der Arbeit vor und erläutert die verwendete Quellenlage sowie den aktuellen Forschungsstand.

2. DIE SOZIO-KULTURELLEN FOLGEN DER SCHALLPLATTE: Hier werden die Demokratisierung der Musikkultur sowie die Mutation musikalischer Kommunikation durch den Einfluss der Schallplatte detailliert analysiert.

3. ZUSAMMENFASSUNG: Dieses Kapitel fasst die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Rolle der Schallplatte als mediengeschichtlichen Wandlungsfaktor.

Schlüsselwörter

Schallplatte, Tonträger, Mediengeschichte, Demokratisierung, Musikkultur, Musikkommunikation, Konsumsoziologie, Studioproduktion, Live-Musik, Kulturkonsum, Technikfolgen, Klangreproduktion, Musikindustrie, Musiksoziologie, Tonträgerstatistik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die sozio-kulturellen Auswirkungen der Schallplatte auf die Musikkultur und die Art und Weise, wie Musik kommuniziert und konsumiert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die Demokratisierung des Musikzugangs, die veränderte Ästhetik durch Studioproduktion, die Dichotomie zwischen Live- und Tonträgermusik sowie die wirtschaftliche Bedeutung von Tonträgern.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Stellenwert der Schallplatte als Faktor des mediengeschichtlichen Wandels zu belegen und zu zeigen, an welchen Phänomenen sich Demokratisierung und Mutation der Musikkommunikation festmachen lassen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es wird eine historische und kultursoziologische Analyse angewandt, die durch die Auswertung von Statistiken, Fachliteratur und historischen Quellen aus den 1970er Jahren gestützt wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Demokratisierung der Musikkultur, die Mutation musikalischer Kommunikation und die kritische Analyse der Studioproduktion als eigenständige Kunstform.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Schallplatte, Tonträger, Demokratisierung, Musikkommunikation, Live- versus Tonträgermusik und sozio-kulturelle Transformationsprozesse.

Warum bezieht sich die Autorin insbesondere auf Quellen aus den 1970er Jahren?

Da eine intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den sozio-kulturellen Implikationen der Schallplatte erstmals in den 1970er Jahren stattfand, bieten diese Quellen ein authentisches Bild des damaligen Forschungsstandes.

Welche Rolle spielt die „Theorie der feinen Leute“ von Thorstein Veblen in der Arbeit?

Sie dient zur konsumsoziologischen Erklärung des „demonstrativen Konsums“, durch den untere Schichten ihren Status durch den Erwerb von Tonträgern und Abspielgeräten zu erhöhen versuchten.

Excerpt out of 38 pages  - scroll top

Details

Title
Die Schallplatte als Faktor des mediengeschichtlichen Wandels
Subtitle
Demokratisierung und Mutation als sozio-kulturelle Folgewirkungen der Schallplatte
College
RWTH Aachen University  (Historisches Institut)
Course
Seminar
Grade
2,3
Author
Andrea Elisabeth Schildgen (Author)
Publication Year
2007
Pages
38
Catalog Number
V79981
ISBN (eBook)
9783638857642
ISBN (Book)
9783638854252
Language
German
Tags
Schallplatte Faktor Wandels Seminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Elisabeth Schildgen (Author), 2007, Die Schallplatte als Faktor des mediengeschichtlichen Wandels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79981
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  38  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint