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Die Bedeutung der Meinungsfreiheit nach John Stuart Mill und das Postulat der Meinungsvielfalt in Demokratien

Title: Die Bedeutung der Meinungsfreiheit nach John Stuart Mill und das Postulat der Meinungsvielfalt in Demokratien

Seminar Paper , 2006 , 27 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Eduard Drahomeretski (Author)

Communications - Theories, Models, Terms and Definitions
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Summary Excerpt Details

Ende letzten Jahres veröffentlichte eine dänische Zeitung mehrere Karikaturen, die den Propheten
Mohammed abbildeten. In der Folgezeit kam es zu den bekannten massiven, teils gewaltsamen
Protesten in der islamischen Welt, die die Karikaturen als grobe Beleidigung ihres Glaubens
auffassten. Dieser, in den Medien als „Karikaturenstreit“ bezeichnete Konflikt, eröffnete eine
öffentliche Wertediskussion über die Tragweite und den Umfang eines unseres
„vornehmlichsten“ Grundrechtes überhaupt: der Meinungsfreiheit.
Doch die Diskussion blieb – nach meiner subjektiven Beobachtung - an der Oberfläche haften,
zumindest in den Populärmedien, insbesondere in den „politischen“ TV-Talkshows.
Möglicherweise ist dies den Gesetzmäßigkeiten des Mediums Fernsehen in Rechnung zu stellen,
aber auch die Presseberichterstattung ging meines Erachtens nicht zufrieden stellend auf die sich
im besonderen Maße bietende Gelegenheit ein, den Sinn und Zweck der Meinungs- und
Pressefreiheit darzulegen. Wozu auch, könnte man fragen? Meinungs- und Pressefreiheit gehören
unstreitig zu unserem westlichen demokratischen Bekenntnis, sind Grundvoraussetzung für
unsere Gesellschaftsordnung und der Sinn dieser Grundrechte scheint ja auch hinreichend
bekannt zu sein. Eine Diskussion über die fest verankerten Werte unserer Ordnung, erscheint so
manchem als Eingeständnis der eigenen Schwäche.
So beschränkten sich die Ausführungen der selbsternannten Hüter der westlichen Grundrechte im „Karikaturenstreit“ auf mehr oder weniger plumpe Versuche, die andere Seite der Diskussion, namentlich die muslimische Seite, als fanatische Irrationalisten vorzuführen, die eine Gefahr für die westliche Meinungs- und Pressefreiheit darstellen.
In ähnlicher Weise werden nur allzu gerne jene, die es wagen das westliche Grundverständnis nicht als absolut stehen zu lassen, vorschnell als antiliberale, verfassungsfeindliche, die Demokratie angreifende Delinquenten gebrandmarkt. Es ist nicht meine Absicht gegen die Meinungs- und Pressefreiheit oder gegen die Demokratie an sich zu argumentieren. Als westlich sozialisierter Mensch erscheint mir ein solches Vorhaben auch aussichtslos. Es muss aber erlaubt sein, Meinungs- und Pressefreiheit nach ihrem Sinn kritisch zu prüfen. Denn: „Die eigenen Werte können nur geachtet und verteidigt werden, wenn man sie nicht a priori als absolut und universell begreift“ [Di Fabio: 6].

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Bedeutung der Meinungsfreiheit nach John Stuart Mill

2.1 Wahrheit gegen Irrtum

2.2 Vitales Erleben der Wahrheit

2.3 Die Mitte der Wahrheit

2.4 Schranken der Meinungsfreiheit

2.5 Zwischenfazit

3 Demokratie und das Vielfaltspostulat

3.1 Normativ-Theoretische Annahmen

3.2 Das Vielfaltsgebot

3.2.1 Pluralismus und die Autonomie der Bürger

3.2.2 Overnewsed but underinformed?

3.2.3 Informelle Meinungszensur?

4 Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Relevanz der Meinungsfreiheit nach John Stuart Mill für moderne Demokratien und analysiert kritisch das Postulat der Meinungsvielfalt in Bezug auf die Rolle der Massenmedien. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob das theoretische Ideal des mündigen Bürgers im Lichte empirischer Erkenntnisse und tatsächlicher medialer Mechanismen Bestand hat.

  • Die philosophische Begründung der Meinungsfreiheit bei John Stuart Mill.
  • Das Verhältnis von Demokratie und Pluralismus im Medienkontext.
  • Die Auswirkungen von Informationsüberfluss auf die Qualität der Meinungsbildung.
  • Die Analyse informeller Zensurmechanismen und medialer Konformität.
  • Die Diskrepanz zwischen dem normativen Ideal und der empirischen Medienrealität.

Auszug aus dem Buch

2.1 Wahrheit gegen Irrtum

Für Mill steht grundsätzlich fest: Es gibt keine Meinung, die für sich beanspruchen kann, durchweg und für alle Zeiten richtig zu sein. Dies zu behaupten und deshalb konträre Meinungen zu verbieten, wäre eine Anmaßung von Unfehlbarkeit [Mill: 26]. Da jede Meinung, die unterdrückt werden soll, wahr sein könnte und die etablierte Meinung dagegen falsch, nimmt man sich durch das vorherige Verhindern von Meinungsäußerungen die Gelegenheit, Wahrheit gegen Irrtum auszutauschen. Wahrheit ist für Mill, gerade in gesellschaftspolitischen Fragen, immer an den Zeitgeist gekoppelt. Was heute als allgemein wahr, richtig oder nützlich gilt, ist morgen vielleicht schon obsolet [Mill: 28]. Absolute Gewissheit, so Mill, gibt es nicht. Er räumt ein, dass sich die Menschen ihrer Fehlbarkeit in der Theorie durchaus bewusst sind, aber zeigt sich erstaunt, dass dieses Wissen um die Fehlbarkeit der Menschen, in der Praxis in vielen Fällen keine Anwendung findet [Mill: 27].

Die Einsicht, dass menschliches Handeln immer auf relative Ungewissheit beruht, kann aber nicht dazu führen, dass staatliches Handeln generell ausbleiben muss, weil sich die Regierung niemals sicher sein kann, was wahr und was falsch ist. So ist der Staat, sowie jeder einzelne, verpflichtet, auf Grundlage seiner sorgfältig und bestmöglich gebildeten Meinung, Handlungen vorzunehmen. Der Einwand der Gegner der allgemeinen Meinungsfreiheit lautet folglich, dass in diese staatliche Handlungskompetenz nicht nur das Recht, sondern die Pflicht der Regierung gehöre, bestimmte Meinungen zu verbieten, die dem Gemeinwohl schaden, den Zusammenhalt oder die Identität der Gesellschaft gefährden [Mill: 28 f.].

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Diese Einleitung beleuchtet die öffentliche Debatte um Meinungsfreiheit anhand aktueller Konflikte und führt in die zentrale Fragestellung der Arbeit ein.

2 Bedeutung der Meinungsfreiheit nach John Stuart Mill: In diesem Kapitel werden Mills theoretische Argumente für eine weitgehende Meinungsfreiheit sowie die Grenzen dieser Freiheit detailliert dargelegt.

3 Demokratie und das Vielfaltspostulat: Dieses Kapitel prüft die Verbindung zwischen demokratischer Theorie und dem Vielfaltsgebot der Medien anhand von drei zentralen Thesen auf ihre Praxistauglichkeit.

4 Schlussbetrachtungen: Hier werden die Ergebnisse zusammengeführt und die Diskrepanz zwischen idealistischen Anforderungen an Medien und den empirischen Realitäten reflektiert.

Schlüsselwörter

Meinungsfreiheit, John Stuart Mill, Demokratie, Meinungsvielfalt, Massenmedien, Pluralismus, Öffentliche Meinung, Wissenskluft, Informationsgesellschaft, Medienkompetenz, Zensur, Konformitätsdruck, Diskurs, Meinungsmarkt, Politische Partizipation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen der Meinungsfreiheit nach John Stuart Mill und hinterfragt, inwiefern das Postulat der Meinungsvielfalt in modernen Demokratien durch mediale Bedingungen tatsächlich eingelöst werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die philosophische Begründung der Meinungsfreiheit, die Rolle von Medien als Vermittlungsinstanzen in der Demokratie, die Auswirkungen von Informationsüberfluss sowie Mechanismen medialer Konformität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine kritische Prüfung des demokratischen Idealbildes vom mündigen Bürger, der durch Medien vielfältige Informationen erhält und auf dieser Basis eigenständige, rationale Entscheidungen trifft.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftlich-publizistische Analyse, die sowohl theoretische Konzepte (vor allem von J.S. Mill) als auch sozialpsychologische und medienwissenschaftliche Befunde verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Auseinandersetzung mit Mills Thesen und eine empirisch gestützte Untersuchung der Medienwirkung, unterteilt in die Themen Pluralismus, Informationsüberfluss und informelle Zensur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Meinungsfreiheit, Meinungsvielfalt, Pluralismus, Massenmedien, Diskurs, Konformitätsdruck und Medienkompetenz.

Welche Rolle spielt der Begriff "Außenpluralismus" in der Analyse?

Der Außenpluralismus beschreibt ein Modell, bei dem Meinungsvielfalt durch die Gesamtheit verschiedener Medienangebote am Markt sichergestellt werden soll; die Arbeit zeigt jedoch auf, dass Rezipienten dieses Ideal in der Praxis oft nicht umsetzen können.

Wie definiert die Arbeit das Problem der "informellen Meinungszensur"?

Hierunter fallen soziale und psychologische Mechanismen sowie journalistische Konformität, die dazu führen, dass abweichende Meinungen unterdrückt oder ignoriert werden, selbst ohne gesetzliche Verbote.

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Details

Title
Die Bedeutung der Meinungsfreiheit nach John Stuart Mill und das Postulat der Meinungsvielfalt in Demokratien
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Publizistik)
Course
Die Rolle der Medien in der Demokratie. Theoretische Annahmen und empirische Befunde.
Grade
1,7
Author
Eduard Drahomeretski (Author)
Publication Year
2006
Pages
27
Catalog Number
V80027
ISBN (eBook)
9783638862981
Language
German
Tags
Bedeutung Meinungsfreiheit John Stuart Mill Postulat Meinungsvielfalt Demokratien Rolle Medien Demokratie Theoretische Annahmen Befunde
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Eduard Drahomeretski (Author), 2006, Die Bedeutung der Meinungsfreiheit nach John Stuart Mill und das Postulat der Meinungsvielfalt in Demokratien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80027
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