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Obligatorisierung von Pronomina im Französischen

Title: Obligatorisierung von Pronomina im Französischen

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Magistra (Phil.) Tina Rönz (Author)

French Studies - Linguistics
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Zu den auffälligsten Unterschieden zwischen dem Französischen, dem Rätoromanischen und den oberitalienischen Dialekten einerseits und dem Lateinischen und den anderen romanischen Sprachen andererseits gehört die Verwendung des Personalpronomens in Subjektfunktion. Während die anderen romanischen Sprachen - zumindest auf den ersten Blick- die Verhältnisse des Klassischen Latein (KL) fortsetzen, wo der Gebrauch der Subjektpronomina auf wenige definierte Fälle beschränkt ist, geht in den oben erwähnten Sprachen das Personalpronomen dem Verb in der Regel voran.
Wenn auch die heutige französische Form /tykur/ daher funktional, wenn auch nicht typologisch, dem klassisch lateinischen curris entspricht, so bietet das Altfranzösische ein völlig anderes Bild, da hier die Subjektpronomina auch dann gesetzt werden, wenn die Flexionssuffixe zur Kennzeichnung der Peronalität noch weitgehend erhalten sind. Ähnliche Verhältnisse herrschen im Rätoromanischen und in den norditalienischen Dialekten, wo bisweilen eine Doppel- und Dreifachmarkierung der Person beobachtet werden kann.
Die Gründe für diesen einschneidenden Wandel, der das Französische in markanter Weise von den anderen romanischen Sprachen trennt, werde ich versuchen in dieser Arbeit anhand von verschiedenen Thesen aufzuzeigen.
Zunächst wende ich mich jedoch der Markierung der Personalität im Lateinischen zu, um dann zur Entwicklung im Alt- und Mittelfranzösischen bis hin zum modernen Französisch überzugehen. Und schließlich werde ich auf einige Tendenzen und bereits fortgeschrittene Entwicklungen der Personalpronomina im informell gesprochenen Französisch eingehen.

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Person- und Zahlmarker am lateinischen Verb

2. Die Entstehung neuer Subjektmarker

2.1 Der Verlust emphatischer Bedeutung

2.2 Die Entwicklung neuer emphatischer Personalpronomen aus Akkusativ-Pronomen

2.3 Pronomina der 3. Person

3. Der Verlust der postverbalen Person/Zahl-Marker

4. Verschiedene Thesen zum obligatorischen Gebrauch der Subjektpronomen

5. Entwicklungen im modernen formell und informell gesprochenen Französisch

5.1 Synthetisierung bei „Subjekt-Klitikon + Verb“

5.2 Das semantische Bleichen von moi, toi, lui etc.

5.3 Die Verwendung von ça

Schlußbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen und sprachwissenschaftlichen Gründe für den Wandel der Personalpronomina im Französischen, insbesondere den Übergang von einer Sprache mit Flexionsendungen hin zu einer obligatorischen Subjektpronominalisierung. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie sich dieser Grammatikalisierungsprozess vom Klassischen Latein bis zum modernen informellen Französisch vollzogen hat und welche syntaktischen sowie semantischen Faktoren diesen Wandel beeinflussten.

  • Historische Entwicklung der lateinischen Person- und Zahlmarker.
  • Analyse des "verb-second"-Stadiums und dessen Einfluss auf die Subjektsetzung.
  • Kontrastierung von formellem und informellem gesprochenem Französisch.
  • Untersuchung der Entstehung von neuen emphatischen Personalpronomina.
  • Rolle der Sprachkontakte und typologischer Tendenzen im Sprachwandel.

Auszug aus dem Buch

2.1 Der Verlust emphatischer Bedeutung

Um ein Subjekt vor einer Aktion oder einem Zustand emphatisch hervorzuheben, hatten die lateinischen Sprecher Zugriff auf eine Reihe zusätzlicher optionaler Personenmarker, die sogenannten Subjektpronomina. Abgesehen von den Reflexivpronomina, verwendete man im KL diese Pronomen nur in der 1. und 2. Person singular und plural. Im Gegensatz zu den gebundenen Person- und Zahlmorphemen besaßen diese morphologisch freien Personalpronomen (PP), also ego, tu, nos und vos, einen semantischen Gehalt, sie waren unverschiebbar, invariabel und phonologisch unabhängig.

Als Pronomen der 3. Person konnte im KL im Nachdruck ein Demonstrativpronomen verwendet werden: hic, iste, ille und is. Die Volkssprache kreierte aus dieser Verwendung ein Pronomen für die 3. Person, indem sie vor allem das Demonstrativpronomen ille und in manchen Regionen ipse verwendete. Die ille-Formen unterschieden sich von den anderen Personalpronomen darin, daß sie in Genus und Numerus gebeugt wurden. Aus diesem Grund gingen die Personalpronomen der 3. Person als morphologisch komplexere und somit synthetischere Formen in die Romania ein.

Zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte der lateinischen Sprache muß ein Anstieg der semantischen Relevanz dieser Pronomen zu ihrer verstärkten Anwendung geführt haben. Durch den anschließenden übermäßigen Gebrauch begannen sie nun ihre eigentliche emphatische Funktion zu verlieren und die demonstrative Bedeutung, die ille einst innewohnte, sowie die emphatische Bedeutung der restlichen Personalpronomina trat in den Hintergrund.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Problematik der Subjektpronominalisierung im Französischen im Vergleich zu anderen romanischen Sprachen.

1. Person- und Zahlmarker am lateinischen Verb: Untersuchung der hochsynthetischen, fest am Verb gebundenen Person/Zahl-Marker des Lateinischen.

2. Die Entstehung neuer Subjektmarker: Analyse des Wandels von emphatischen Pronomen zu obligatorischen grammatikalischen Markern.

2.1 Der Verlust emphatischer Bedeutung: Erläuterung des semantischen Wandels der Pronomen durch übermäßigen Gebrauch und Verlust der ursprünglichen Emphase.

2.2 Die Entwicklung neuer emphatischer Personalpronomen aus Akkusativ-Pronomen: Beschreibung, wie Akkusativformen neue Funktionen als betonte Nominativ-Pronomen übernahmen.

2.3 Pronomina der 3. Person: Herleitung der 3. Person aus Demonstrativpronomina wie "ille" und deren Sonderrolle in der Sprachentwicklung.

3. Der Verlust der postverbalen Person/Zahl-Marker: Darstellung der phonologischen Prozesse, die zum Schwund der lateinischen Flexionsendungen führten.

4. Verschiedene Thesen zum obligatorischen Gebrauch der Subjektpronomen: Kritische Gegenüberstellung linguistischer Erklärungsansätze wie der positivistischen, Superstrat- und syntaktischen Thesen.

5. Entwicklungen im modernen formell und informell gesprochenen Französisch: Untersuchung der fortlaufenden Grammatikalisierung und Vereinfachung in aktuellen Sprachvarietäten.

5.1 Synthetisierung bei „Subjekt-Klitikon + Verb“: Analyse der Tendenz zur festen Verbindung von Subjektklitikon und Verb im informellen Sprachgebrauch.

5.2 Das semantische Bleichen von moi, toi, lui etc.: Betrachtung des aktuellen Verlusts der emphatischen Funktion bei traditionell betonten Pronomen.

5.3 Die Verwendung von ça: Aufzeigen der zunehmenden Nutzung des Demonstrativums "ça" als Ersatz für Personalpronomen der 3. Person.

Schlußbemerkung: Zusammenfassende Synthese der Ergebnisse über den historischen Weg von der synthetischen zur analytischen Struktur.

Schlüsselwörter

Personalpronomen, Subjektmarker, Grammatikalisierung, Französisch, Sprachwandel, Latein, Morphosyntax, Klitika, Emphase, historische Sprachwissenschaft, Altfranzösisch, Vulgärlatein, Syntax, Wortordnung, Synthetisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den diachronen Wandel der Verwendung von Personalpronomina im Französischen, ausgehend vom lateinischen Flexionssystem bis hin zum modernen, obligatorischen Gebrauch von Subjektpronomina.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der Verlust von Flexionsendungen, die Entwicklung neuer Subjektmarker, die Rolle der Emphase bei der Pronominalisierung und die Unterschiede zwischen formellem und informellem gesprochenem Französisch.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den Grammatikalisierungsprozess aufzuzeigen, der das Französische von anderen romanischen Sprachen unterscheidet, und zu klären, welche Faktoren den Zwang zur obligatorischen Setzung von Subjektpronomina verursachten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine diachrone sprachhistorische Untersuchung, die auf Basis bestehender theoretischer Modelle und linguistischer Analysen (u.a. nach Schwegler und Mair) die morphosyntaktische Entwicklung rekonstruiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die lateinischen Verbmarkierungen, die Genese der französischen Subjektpronomina, die verschiedenen linguistischen Thesen zu deren Obligatorisierung sowie spezifische Entwicklungen in der modernen informellen Sprache diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Grammatikalisierung, Person/Zahl-Marker, morphosyntaktische Synthese, Subjektklitika und der Einfluss von Substrat- oder Superstrateinflüssen auf den Sprachwandel.

Welche Rolle spielt die "verb-second"-Stellung im Altfranzösischen?

Sie wird als ein entscheidender syntaktischer Faktor angeführt, der die Notwendigkeit begründete, die erste Satzposition durch ein Subjektpronomen zu füllen, wenn kein anderes Element vorhanden war, was zur Verfestigung der Pronomen-Verb-Folge beitrug.

Inwiefern hat sich das Pronomen "ça" im modernen Französisch verändert?

Ursprünglich ein rein disjunktives Demonstrativpronomen, hat "ça" im informellen Französisch zunehmend konjunktive Funktionen übernommen und ersetzt teilweise traditionelle Personalpronomina der 3. Person, womit es eine neue, uniforme Ausdrucksweise ermöglicht.

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Details

Title
Obligatorisierung von Pronomina im Französischen
College
University of Freiburg  (Romanisches Seminar)
Course
HS: Grammatikalisierungsprozesse im Französischen und Spanischen
Grade
1,3
Author
Magistra (Phil.) Tina Rönz (Author)
Publication Year
2002
Pages
21
Catalog Number
V8004
ISBN (eBook)
9783638150934
Language
German
Tags
Obligatorisierung Pronomina Französischen Grammatikalisierungsprozesse Französischen Spanischen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magistra (Phil.) Tina Rönz (Author), 2002, Obligatorisierung von Pronomina im Französischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8004
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