In den letzten Monaten und Jahren ist es verstärkt zu einer politischen Diskussion um den Wirtschaftsstandort Deutschland gekommen. Dabei prallen die unterschiedlichsten Meinungen aufeinander. Die einen fordern einen Staat, der sich zum größten Teil aus der Wirtschaft und den Wirtschaftsabläufen heraushält; die anderen sehen gerade in der Lenkung der Wirtschaftsabläufe, d.h. in einer gezielten Wirtschaftspolitik, das non plus ultra. Nur allzu oft bleiben aber diejenigen in der öffentlichen Diskussion außen vor, die durch ihre eigentliche Arbeitsleistung erheblichen Einfluss auf die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes haben, eben die arbeitende Bevölkerung. Volkswirtschaftlich spricht man vom sogenannten Humankapital. Dabei handelt es sich um ,,das einer Volkswirtschaft zur Verfügung stehende menschliche Leistungs- potential einschließlich Leistungsreserven und zukünftigen Leistungspotentialen. Es umfasst sowohl die Personen mit ihren angeborenen und/oder durch Investitionen in Schul- und Berufsausbildung geschaffenen Fertigkeiten und Kenntnissen als auch die personelle Zusammensetzung einer Volkswirtschaft."1 In dieser Definition taucht immer wieder das Wort ,,Leistung" auf. Diese Leistung, ausgedrückt in den Fertigkeiten und Kenntnissen, wird in einer Volkswirtschaft auf vielfältige Weise erbracht und ist, wie oben erwähnt, entweder angeboren oder muss erst erworben werden. Was aber verbirgt sich hinter dem Begriff der Leistung ? Dies muss zunächst in einem ersten Schritt geklärt werden.
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1 Knaur, Universallexikon 1991,1992, Bd. 7, S. 2580
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Chancengleichheit im deutschen Bildungswesen
2.1 Geschichtliche Verortung
2.2 Die Bedeutung der Chancengleichheit für die Wissenschaft
3. Festlegung der Untersuchungsindikatoren
4. Darstellung und Interpretation des Datenmaterials
4.1 Untersuchung der einzelnen Indikatoren
4.1.1 Bildungstradition im Elternhaus
4.1.2 Berufliche Stellung der Eltern
4.1.3 Elterliches Einkommen
4.2 Die wirtschaftliche Lage der Studierenden
5. Zusammenfassung
6. Fazit und Ausblick
7. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht kritisch, ob in der deutschen Leistungsgesellschaft tatsächlich gleiche Möglichkeiten zur Bildungsaneignung bestehen oder ob soziale Herkunft und ökonomische Faktoren die Chancengleichheit zu einer Ideologie degradieren.
- Analyse des Zusammenhangs zwischen Leistungsprinzip und Bildungschancen.
- Untersuchung des Einflusses der Bildungstradition im Elternhaus auf den Bildungsweg der Kinder.
- Evaluation der Auswirkungen der beruflichen Stellung der Eltern auf den Hochschulzugang.
- Analyse der finanziellen Situation von Studierenden und deren Abhängigkeit von der sozialen Herkunft.
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Berufliche Stellung der Eltern
Bei der beruflichen Stellung der Eltern der Studierenden fällt auf, dass der größte Anteil auf die Angestellten enfällt. Hierbei überwiegen die weiblichen Angestellten, also die Mütter, in beiden Untersuchungszeiträumen. Der Anteil steigt von 50 % auf 55 %. In allen anderen Berufssparten, Arbeiter, Beamte und Selbständige, überwiegen die Anteile der Väter. Dass das Niveau der beruflichen Stellung der Väter insgesamt höher als das der Mütter ist, lässt sich aus obiger Tabelle zunächst nicht entnehmen. Unterteilt man jedoch die berufliche Stellung beider Elternteile, so wie in den beiden Sozialerhebungen geschehen, „in eine(r) nach Qualifikationsanforderungen drei- oder vierfach gestufte(n) Hierarchie“, so fällt ein deutliches Übergewicht des beruflichen Niveaus der Väter auf.
Zusammenfassend lässt sich somit sagen, dass der größte Anteil der Eltern, deren Kinder studieren, im Angestelltenbereich zu finden ist. Hierbei überwiegen vorwiegend die leitenden und gehobenen Positionen der Väter. Weiterhin überwiegen die Studierenden, deren Väter bei den Beamten entweder im höheren oder gehobenen Dienst stehen. Kinder aus Arbeiterfamilien sind im Studium unterrepräsentiert. Obwohl hier ein Übergewicht des väterlichen Facharbeiters zu finden ist, ist der Anteil der Eltern, die zur Kategorie der Arbeiter zu zählen sind, an den Studenten im Vergleich zu allen anderen Kategorien gering.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Diskussion um den Wirtschaftsstandort Deutschland und die Definition von Leistung sowie die zentrale Forschungsfrage zur Realität der Chancengleichheit.
2. Chancengleichheit im deutschen Bildungswesen: Historische Herleitung des Begriffs der Chancengleichheit aus der Leistungsgesellschaft und Darstellung der Bildungsreformen der 1960er Jahre.
3. Festlegung der Untersuchungsindikatoren: Vorstellung der Kriterien Bildungshintergrund, berufliche Stellung, Elterneinkommen und wirtschaftliche Lage zur sozialen Einordnung der Studierenden.
4. Darstellung und Interpretation des Datenmaterials: Detaillierte empirische Analyse der sozialen Herkunft und finanziellen Situation von Studierenden anhand von Sozialerhebungsdaten.
5. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die eine Diskrepanz zwischen dem Postulat der Chancengleichheit und der empirischen Realität im deutschen Bildungswesen aufzeigt.
6. Fazit und Ausblick: Kritische Schlussbetrachtung über die Wirksamkeit bildungspolitischer Maßnahmen und den Fortbestand von Bildungsprivilegien.
7. Literatur- und Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Literatur und Datenquellen.
Schlüsselwörter
Chancengleichheit, Leistungsgesellschaft, Bildungsexpansion, soziale Herkunft, Bildungsreform, Studium, Studienfinanzierung, Humankapital, Bildungsnotstand, Arbeiterkinder, BAföG, soziale Ungleichheit, Bildungschancen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, inwieweit das Versprechen der Chancengleichheit in der deutschen Leistungsgesellschaft realisiert ist oder ob es sich dabei um eine Ideologie handelt, die soziale Ungleichheit maskiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung konzentriert sich auf den Zusammenhang zwischen der sozialen und ökonomischen Herkunft der Eltern und dem Bildungserfolg bzw. dem Hochschulzugang ihrer Kinder.
Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Analyse?
Das Ziel ist es, durch die Analyse der 15. und 16. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes Disparitäten beim Hochschulzugang und der Finanzierung des Studiums aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine empirische Analyse unter Verwendung von Zeitreihendaten und Grafiken aus offiziellen Sozialerhebungen angewandt, um Trends in der Bildungsbeteiligung sozialer Gruppen zu identifizieren.
Was steht im inhaltlichen Mittelpunkt der Arbeit?
Der Mittelpunkt ist die empirische Untersuchung der Indikatoren Bildungstradition, berufliche Stellung der Eltern, elterliches Einkommen und die wirtschaftliche Finanzierungslage der Studierenden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bildungsexpansion, soziale Herkunftsgruppen, Chancengleichheit und das Spannungsfeld zwischen staatlicher Förderung und Eigenverdienst charakterisiert.
Welchen Einfluss hat das BAföG laut der Analyse auf die Chancengleichheit?
Die Analyse zeigt, dass der Staat seine Förderung für Studierende aus einkommensschwachen Familien reduziert hat, was diese Studierenden zunehmend zur Selbstfinanzierung und damit zu längeren Studienzeiten zwingt.
Welches Fazit zieht der Autor zur Wirkung der Bildungsreformen?
Der Autor schlussfolgert, dass die Bildungsreformen der 1960er Jahre den Abbau von Chancenunterschieden zwischen den sozialen Schichten nicht erreicht haben und das Bildungssystem weiterhin stark durch die soziale Herkunft determiniert ist.
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- David Wolf (Author), 2001, Chancengleichheit in der Leistungsgesellschaft - Eine Ideologie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8009