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Jean-Jacques Rousseau als Kulturkritiker

Title: Jean-Jacques Rousseau als Kulturkritiker

Term Paper , 2003 , 23 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Miriam Reiling (Author)

Rhetoric / Elocution / Oratory
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Wenn wir den Namen ‚Jean-Jacques Rousseau’ hören, so verbinden wir damit sicherlich zuallererst den Mythos des edlen Wilden („bon sauvage“). Und wenn es sich auch nur um einen Mythos zu handeln scheint, so weiss Rousseau doch genau, worüber er schreibt, denn: er hat ihn gelebt.
Rousseau, der ja schliesslich auch in der zivilisierten Gesellschaft lebte, bekam auch diese Seite mit. Wer könnte also besser als er das Paradox, wie es in der Forschung heißt, zwischen dem „homme de la nature“ und dem „homme civilisé“ beschreiben?
Doch da scheint auch das Problem zu liegen: Wenn wir nämlich die Forschung anschauen, so gibt es unendlich viel Literatur über genau dieses Thema. Vor allem geht es in der Forschung darum, zu beweisen, dass Rousseau mit seinem edlen Wilden und seinem zivilisierten Menschen ein Paradox aufgestellt hat. Unter anderem findet sich ein Artikel darüber im ‘Dictionnaire de Rousseau’. Das Thema des Paradoxes scheint also zur Genüge diskutiert worden zu sein.
Trotzdem soll hier anhand der Konzepte des „homme de la nature“ und des „homme civilisé“ die Kritik Rousseaus an der Gesellschaft aufgezeigt werden. Dabei werden die beiden discours Rousseaus jedoch unter einem etwas anderen Gesichtspunkt miteinander verglichen: Es geht hier um die Frage, inwieweit sich vom ersten zum zweiten discours im Hinblick auf die Bilder der Gesellschaft eine Verschärfung der Kritik Rousseaus zeigt. Es werden sich sowohl Gemeinsamkeiten, wie aber auch Unterschiede in diesen beiden discours finden, was das Bild der Gesellschaft betrifft. Da in der Forschung eben oft der zweite discours hauptsächlich dazu herangezogen wird, um das Paradox zu erläutern, so soll hier eine Analyse des ersten discours zeigen, dass durchaus schon hier Vergleiche zwischen dem Naturmenschen und dem zivilisierten Menschen gemacht werden. Demnach beginnt auch schon hier die Kritik Rousseaus, die sich in drei zusammenhängende Hauptthesen gliedern läßt: „La nature avait fait l’homme bon, et la société l’a fait méchant ; la nature avait fait l’homme libre, et la société l’a fait esclave ; la nature a fait l’homme heureux, et la société l’a fait misérable.“ (Gustave Lanson: Histoire de la littérature française, Paris 1906, S. 770).


Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Rousseaus Arbeitsweise im Vergleich zu anderen Philosophen

2. Der erste Discours

2.1. Naturmensch und zivilisierter Mensch im Vergleich

2.2. Beitrag der Wissenschaften zur Verderbtheit der Sitten

2.3. Gibt es zwei Arten von Wissenschaften?

3. Der zweite Discours - die beiden Gesellschaftsbilder im Vergleich

4. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert Jean-Jacques Rousseaus Kulturkritik, indem sie die beiden Diskurse vergleicht und untersucht, inwieweit Rousseau vom ersten zum zweiten Werk eine Verschärfung seiner Gesellschaftskritik vornimmt und die Rolle von Wissenschaft, Luxus und Zivilisation für das menschliche Glück hinterfragt.

  • Kritische Analyse von Rousseaus Arbeitsweise und Philosophie.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Naturzustand und zivilisierter Gesellschaft.
  • Diskussion der Auswirkungen von Wissenschaft und Fortschritt auf die menschliche Moral.
  • Analyse der Entstehung von Ungleichheit durch Bedürfnisse und Luxus.
  • Vergleichende Betrachtung der beiden Diskurse im Hinblick auf das Menschenbild.

Auszug aus dem Buch

2. Der erste Discours

Der sogenannte erste discours „Discours sur les sciences et les arts“ aus dem Jahre 1750 geht der von der Académie de Dijon gestellten Frage nach, „Si le rétablissement des sciences et des arts a contribué a épurer les mœurs.“

Gleich der erste Satz des discours lässt die Verneinung der oben gestellten Frage keinesfalls vermuten. So schreibt Rousseau:

C’est un grand et beau spectacle de voir l’homme sortir en quelque manière du néant par ses propres efforts ; dissiper, par les lumières de sa raison, les ténèbres dans lesquelles la nature l’avait enveloppé ; s’élever au-dessus de lui-même ; s’élancer par l’esprit jusque dans les régions célestes ; parcourir à pas de géant, ainsi que le soleil, la vaste étendue de l’univers ; [...].

Gerade der Verstand, der Intellekt des Menschen ist es also, der ihn aus der Finsternis befreit, in die die Natur ihn versetzte. Ist das nicht positiv für den Menschen? Scheint es hier doch um die Freiheit zu gehen, die der Mensch mit Hilfe der Wissenschaften erlangt. Soll das heissen, je mehr der Mensch weiss, je mehr Wissenschaften er kennt, um so freier ist er? Nein. Und das ist es, was Rousseau auch wenig später sagt:

Tandis que le gouvernement et les lois pourvoient à la sûreté et au bien-être des hommes assemblés, les sciences, les lettres et les arts, moins despotiques et plus puissants peut-être, étendent des guirlandes de fleurs sur les chaînes de fer dont ils sont chargés, étouffent en eux le sentiment de cette liberté originelle pour laquelle ils semblaient être nés, leur font aimer leur esclavage, et en forment ce qu’on appelle des peuples policés.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Rousseaus Arbeitsweise im Vergleich zu anderen Philosophen: Das Kapitel erläutert Rousseaus Ansatz, seine Philosophie als gelebte Lebenswirklichkeit und „Geständnis“ gegenüber seinen zeitgenössischen Philosophen zu positionieren.

2. Der erste Discours: Hier wird analysiert, wie Rousseau den Widerspruch zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und der damit einhergehenden moralischen Degeneration sowie dem Verlust der ursprünglichen Freiheit des Menschen aufzeigt.

3. Der zweite Discours - die beiden Gesellschaftsbilder im Vergleich: Dieses Kapitel vergleicht die Ansätze aus dem zweiten Diskurs mit dem ersten, wobei insbesondere die Rolle von Eigentumsrecht, Bedürfnissen und Reichtum als Treiber der Ungleichheit hervorgehoben wird.

4. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Rousseau die Gesellschaft als Hauptursache für den Verlust des menschlichen Glücks und die Entfremdung vom Naturzustand betrachtet.

Schlüsselwörter

Jean-Jacques Rousseau, Kulturkritik, Diskurs, Naturzustand, Zivilisation, Wissenschaften, Fortschritt, Moral, Ungleichheit, Tugend, Bedürfnisse, Freiheit, Gesellschaft, Luxus, Menschenbild.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht Rousseaus fundamentale Kritik an der modernen Zivilisation und den Wissenschaften, basierend auf seinen beiden Diskursen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der Vergleich zwischen Naturmensch und zivilisiertem Menschen, die Auswirkungen von Luxus auf die Sitten sowie die Entstehung sozialer Ungleichheit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Entwicklung von Rousseaus Gesellschaftskritik vom ersten zum zweiten Diskurs nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie er den Fortschritt als paradoxe Bedrohung für das menschliche Glück darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Textanalyse der Primärquellen Rousseaus unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Argumentationsstruktur in beiden Diskursen, den Einfluss der Wissenschaften auf den Sittenverfall und die Rolle des Eigentums als Ausgangspunkt der Ungleichheit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rousseau, Kulturkritik, Naturzustand, Zivilisation, Moral, Ungleichheit und Freiheit charakterisiert.

Warum sieht Rousseau den wissenschaftlichen Fortschritt kritisch?

Er argumentiert, dass Wissenschaften Bedürfnisse wecken, die zur Verderbtheit der Sitten und zum Verlust der natürlichen Freiheit führen, da sie den Menschen in Konkurrenzkampf und künstliche Zwänge drängen.

Gibt es laut Rousseau einen Ausweg aus der gesellschaftlichen Krise?

Rousseau bietet in den untersuchten Texten keine eindeutige Lösung an; er deutet lediglich an, dass die Tugend im Einklang mit sich selbst ein Weg sein könnte, wobei er skeptisch gegenüber den zivilisatorischen Errungenschaften bleibt.

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Details

Title
Jean-Jacques Rousseau als Kulturkritiker
College
University of Tubingen  (Neuphilologie)
Course
Rhetorik der Kulturkritik
Grade
1,3
Author
Miriam Reiling (Author)
Publication Year
2003
Pages
23
Catalog Number
V80111
ISBN (eBook)
9783638863513
ISBN (Book)
9783638866231
Language
German
Tags
Jean-Jacques Rousseau Kulturkritiker Rhetorik Kulturkritik Thema Rousseau
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Miriam Reiling (Author), 2003, Jean-Jacques Rousseau als Kulturkritiker, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80111
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