Anwendbarkeit und Bedeutung von Rhetorik im Berufsfeld der Sozialpädagogik


Hausarbeit, 2007

37 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Rhetorik
1.1 Geschichtlicher Hintergrund
1.2 Begriffsdefinition
1.3 Funktion der Rhetorik
1.3.1 Die klassischen Gattungen
1.3.2 Die vier klassischen Redeteile
1.3.3 Redeformen
1.4 Figuren der Rhetorik

2. Pädagogik und Rhetorik
2.1 Geschichtlicher Hintergrund
2.2 Begriffsdefinition
2.3 Funktion von Pädagogik
2.3.1 Sozialpädagogik

3. Rhetorik im Berufsfeld der Sozialpädagogik
3.1 Soziale Gruppenarbeit
3.2 Fallgespräche
3.3 Außendarstellung/Gremienarbeit
3.3.1 Beispiel: Redevorbereitung
3.4 Dienstbesprechungen/Teamsitzungen
3.4.1 Beispiel: Vorbereitung eines kurzen Gesprächsbeitrages

4. Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Welche Gemeinsamkeiten haben Rhetorik und Pädagogik? Welche Bedeutung hat Rhetorik für das Berufsfeld der Sozialpädagogik?

In meiner wissenschaftlichen Arbeit werde ich mich mit diesen Fragen beschäftigen und mit dem Thema „Anwendbarkeit und Bedeutung von Rhetorik im Berufsfeld der Sozialpädagogik“ auseinander setzen. Dabei werde ich auf die Parallelen der beiden Begriffe Rhetorik und Pädagogik aufmerksam machen, die bis ins 5. Jh. v. Chr. zurückgreifen.

Mit einigen Praxisbeispielen soll später die Bedeutung der Rhetorik für die Praxis der Sozialpädagogik erläutert werden. Die Arbeit ist in vier Teile aufgegliedert.

Der erste Teil beschäftigt sich mit dem Begriff der Rhetorik und seiner Geschichte. Des Weiteren soll die Funktion von Rhetorik und die damit verbundenen klassischen Gattungen aufgezeigt werden.

Im zweiten Teil werde ich auf den Begriff Pädagogik eingehen und auf die Parallelen zwischen Rhetorik und Pädagogik hinweisen. Dabei soll herausgestellt werden, welche Aufgabe die Pädagogik hat und welche Rolle dabei die Rhetorik spielt.

Im dritten Teil soll der Praxisbezug hergestellt und einige Beispiele erläutert werden, wie man sich im Berufsfeld der Sozialpädagogik der Rhetorik bedienen kann.

Dabei werden klassische Beispiele aus der Arbeit der Sozialpädagogik analysiert. Es handelt sich hier unter anderem um die klassische Dienstbesprechung, die soziale Gruppenarbeit und die Außendarstellung, mit der damit verbundenen Gewinnung von Projektgeldern.

Im vierten und damit letzten Teil werde ich ein Fazit sowie eine kritische Betrachtung der Bedeutung und Anwendbarkeit von Rhetorik im Berufsfeld der Sozialpädagogik aufführen.

Mit Hilfe dieser wissenschaftlichen Arbeit sollen die Fragen, die am Anfang der Einleitung stehen, beantwortet werden.

1. Rhetorik

Kurz und knapp könnte man sagen, dass Rhetorik die Theorie und Praxis des menschlichen Redens ist. In der Literatur wird die Rhetorik als die Analyse von Theorie und Praxis der Argumentationstechniken in Bezug auf Hörer, auf Sprecher, auf Autoren und auf Leser beschrieben. Dabei untersucht sie im weitesten Sinne die Grundlagen sämtlicher Formen wirkungsvoller Kommunikation.

Dazu gehört nicht nur die Form der mündlichen Rede, sondern auch die schriftlichen Darstellungsformen, wie z.B. journalistische Texte oder Texte aus der Sach- und Fachliteratur. Mittlerweile gibt es eine dritte Form der Rhetorik, die durch die technischen Medien, wie z.B. das Fernsehen oder das Internet vermittelt wird.

Die Theorie und die Praxis der Rhetorik sind wechselseitig und untrennbar miteinander verbunden. Die Theorie der Rhetorik ist einerseits aus der Praxis hervorgegangen und anderseits soll sie die Praxis verbessern. Die Theorie soll sowohl eine Anleitung zum „guten“ Reden und Schreiben liefern, als auch ein Mittel und Verfahren verfügbar machen, Reden und Texte zu analysieren und auf ihre Wirkung hin zu untersuchen. (vgl. Ottmers Clemens 1996, S. 9)

Aufgrund dieses Doppelcharakters kommt es dazu, dass die Mittel gegen den möglichen Missbrauch der Rhetorik von der Rhetorik sozusagen gleich mitgeliefert werden. „Rhetorik ist eine Sozialtechnik, die aus sich heraus weder gut noch schlecht ist, sondern ihren Sinn erst aus der Entscheidung dessen empfängt, der sie gebraucht oder missbraucht.“ (Ottmers Clemens 1996, S. 12)

1.1 geschichtlicher Hintergrund

„Rhetorice ars est bene dicendi. Als der römische Rhetoriklehrer Quinilian die Rhetorik gegen Ende des ersten Jahrhunderts mit diesem Satz definiert, Rhetorik sei die Kunst, gut zu reden, blickt diese Diziplin bereits auf eine fünfhundertjährige Theoriegeschichte zurück.“ (Ottmers Clemens 1996, S.5)

Die Rhetorik ist im 5. Jh. v. Chr. nach der Beseitigung der Tyrannenherrschaft[1] in Syrakus und Athen entstanden, als Interessengegensätze auf ökonomischem, politischem und rechtlichem Gebiet öffentlich ausgetragen werden konnten. Rhetorik erlebte die ersten Schritte in der sophistischen[2] Aufklärung (Protagoras[3], Gorgias[4] ), welche die Sprache endgültig aus dem mythischen Denken befreite und die menschliche Rede zu einem rational brauchbaren und universell einsetzbaren Instrument des gesellschaftlichen Lebens machte. In Platon[5], dessen Zerrbild der Sophistik[6] bis heute nachwirkt, erwuchs der Rhetorik ein wirkungsmächtiger Gegner, der sie als Überredung, Scheinkunst und Schmeichelei kritisierte und zur Wahrheitskenntnis für untauglich erklärte. Nachdem Platon mit seiner „Rhetorik“ das Lehrbuch einer rhetorischen Argumentationstheorie schrieb und ihre Aufgabe darin bestimmte, nicht zu überreden, sondern zu untersuchen, was an jeder Sache Glaubwürdiges vorhanden ist, wurde von den römischen Rednern und Redetheoretikern die Rhetorik dann endgültig zu dem neben der Philosophie wirkungsmächtigsten Bildungssystem der europäischen Geschichte umgestaltet. (vgl. Udeing G., Steinbrink B. 1994, S.3)

Die beiden ersten römischen Rhetoriker waren der „Auctor ad Herennius“, wie man den anonymen Verfasser nennt und Cicero. Der erstere widmete sich dem gesamten rhetorischen Lehrgebiet. Darin geht es um die Arbeitsstadien des Redners (siehe Abb.1).

Auctor ad Herennius

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Während die nur anonym überlieferte „Rhetorik an Herennius“, das älteste erhaltene Lehrbuch nur die Produktionsstadien und Hauptgattungen der Rede behandelt, ging Cicero[7] in seinen rhetorischen Lehrschriften von einem wesentlich weiteren Rhetorikbegriff aus. Cicero behandelte den Regelstoff nach den Anforderungen rhetorischer Kunstprosa[8] und größere stellte gedankliche Ansprüche an den Leser. Dabei thematisiert er immer wieder den Zusammenhang von Politik und Rhetorik. Außerdem rückt bei Cicero die Person des Redners ganz in den Vordergrund der rhetorischen Lehre, während Aristoteles[9] weitergehend das Prinzip und das Funktionieren der rhetorischen Argumentation untersuchte.

Der antike Theoretiker Quinilian[10] lieferte 95 n. Chr. nicht nur ein umfassendes pädagogisches Konzept zur Verwirklichung des Rednerideals ab, sondern steigerte dies noch zum vir bonus, zum gebildeten, sittlichen und rhetorisch geschulten Menschen in seinem Lehrbuch „Instititio oratoria“ (Ausbildung des Redners). (vgl. Ottmers Clemens 1996, S.3)

Das christliche Mittelalter übertrug die Rhetorik nach anfänglichem Zögern und eignete sich das rhetorische Wissen für die Bibelauslegung und Predigtlehre an. Das rhetorische Wissen und die Grundlagen der Rhetorik wurden im Mittelalter unter anderem durch die Enzyklopädisten[11] sicher gestellt.

Aufgrund der antiken Autoren und deren Schriften, welche immer wieder studiert und analysiert wurden, sind bis zum Jahr 1600 über 5.000 Schriften zur Rhetorik entstanden.

Die Stellung der Rhetorik blieb im 17. und in einigen Teilen des 18. Jahrhunderts unverändert. Ein Grund dafür ist auch der Cartesianismus[12], der eine scharfe Trennung zwischen Denken und Sprechen durchsetzte und damit der Rhetorik die Existenzberechtigung absprach.

Im 20. Jahrhundert kam es wieder zu einer Renaissance der Rhetorik, in den 30er Jahren im angloamerikanischen[13] Kulturraum, in den 50er Jahren im französischen und in den 60er Jahren im deutschsprachigen Raum. (vgl. Ottmers Clemens 1996, S.5)

1.2 Begriffsdefinition

Bis ins 17. Jahrhundert erfolgte eine Differenzierung des Begriffes Rhetorik, zum einen in die „rhetorica“ oder „rhetorica docens“ als Bezeichnung für die Theorie, zum anderen in die „oratoria“, „eloquentia“ oder „rhetorica utens“ für die Praxis.

Die Wissenschaft unterteilt den Begriff Rhetorik in die Allgemeine Rhetorik und in die Angewandte Rhetorik. Die Angewandte Rhetorik beschreibt die praktische Rede. Dabei macht jemand bewusst oder unbewusst Gebrauch von den Regeln und Techniken, die im historisch entstandenen System der „Allgemeinen Rhetorik“ formuliert sind. Als konkrete Anleitung zur verbalen und schriftlichen Kommunikation, umfasst sie Ausbildung und Übung des wirkungsorientierten Sprechens, Verhaltens und Schreibens. Die Angewandte Rhetorik bezieht sich vor allem auf die Redepraxis in der Wirtschaft, in der Politik und vor Gericht. (vgl. Internet)[14]

„Rhetorik: (von techne rhetorike, griech., und rhetorica, oratoria, lat.; Redekunst), die Kunst des Redens und Schreibens, die auf formalen Fertigkeiten des situationsbezogenen, wirkungsvollen Ausdrucks beruht und moralische Qualitäten des Redners voraussetzt. Wissenschaftliches System und rednerische Praxis (Eloquenz) zielen auf die Verwirklichung eines umfassenden Bildungsprogramms.“ (Harenberg Bodo u.a. 1994, S.2434)

„Rhetorik die; a) (ohne Plural) Wissenschaft von der kunstmäßigen Gestaltung öffentlicher Reden; vgl. Silistik (1); b) (ohne Plural) Redebegabung, Redekunst; c) Lehrbuch der Redekunst.“ (Scholze-Stubenrecht Werner 1999, S. 710)

[...]


[1] Tyrann (v. lat.: tyrannus aus gleichbed. gr. τυ�?αννoς týrannos) ist ein, in dem antiken Griechenland geprägter Begriff, der eine Person mit uneingeschränkter Macht (Alleinherscher) bezeichnet. (http://tyrann.know-libarary.net 31.12.2006)

[2] sophistisch; (gr.-lat.): 1. den oder die Sophisten betreffend. 2. spitzfindig, wortklauberisch. (Scholz- Stubenrecht, Werner 1999, S. 757)

[3] Protagoras; griech. Philosoph, Abdera um 485 v. Chr.† um 415 v. Chr., lebte lange Zeit in Athen, unternahm Vortragsreisen und wurde 444 v. Chr. mit der Ausarbeitung der Verfassung für das neugegründete Thurioi in Unteritalien betraut. Protagoras war einer der ältesten und erfolgreichsten Sophisten. ( Harenberg, Bodo 1994, S. 2359)

[4] Gorgias; griech. Philosoph und Rhetoriker, Leontinoi/Sizillien um 483 v. Chr. † Larissa/Thessalien um 380 v. Chr.. Als Westgrieche kam G. 427 v. Chr. mit einer Gesandtschaft nach Athen. Hier erregte er mit seiner rhetorisch durchgeformten Redeweise größtes Aufsehen. (Harenberg, Bodo 1994, S. 1151)

[5] Platon; griech. Philosoph, Athen 427 v. Chr. † ebd. 347 v. Chr. – Platon kam aus einer wohlhabenden alten athenischen Familie. Sein poetisches Naturell brachte den jungen P. dazu sich als Tragödiendichter zu versuchen. (Harenberg, Bodo 1994, S. 2306)

[6] Sophistik; die;-1. Lehre der Sophisten. 2. scheinbare, spitzfindige Weisheit; Spitzfindigkeit. (Scholz- Stubenrecht, Werner 1999, S. 757)

[7] Cicero, Marcus Tullius, röm. Redner, Politiker und Schriftsteller, Arpinum/Latium 3.1.106 v. Chr., † (ermordet) bei Caieta 7.12.43 v. Chr. – Wenige Autoren lassen eine so enge Wechselwirkung zwischen Leben und Werk erkennen wie C.. Den Weg zum Erfolg bahnten dem jungen Provinzler seine rhetorischen Leistungen. (Harenberg, Bodo 1994, S. 628)

[8] Kunstprosa, jede Art Prosatext mit eigenem Kunstcharakter und oder Kunstanspruch im Unterschied zur Versdichtung aber auch zu einfachen Formen und argumentativer oder informativer Wissenschafts- und Sachprosa. (Harenberg, Bodo 1994, S. 1702)

[9] Aristoteles, griech. Philosoph und Gelehrter, Stagira 384 v. Chr. † Chalkis 322 v. Chr. – A., Sohn des Leibarztes am makedonischen Königshof, kam mit 18 Jahren nach Athen und war hier 20 Jahre Mitglied der Akademie Platons. (Harenberg, Bodo 1994, S. 198)

[10] Quintillian (us), Marcus Fabius, röm. Schriftsteller, Calagurrix/Spanien um 30. n. Chr., †Rom 96 n. Chr. – Der Spanier, der seit 68 n. Chr. in Rom als Rechtsanwalt und Rhetoriklehrer wirkte, besaß ein besonderes Priveleg, der erste staatlich honorierte Professor Europas zu sein. (Harenberg, Bodo 1994, S. 2380)

[11] Enzyklopädiker; der; -s, -: Verfasser einer Enzyklopädie. (Scholz-Stubenrecht, Werner 1999, S.229) Enzyklopädie oder Methodisches Sachwörterbuch der Wissenschaft, Künste und Berufe herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten, erschienen zwischen 1751 und 1772 in 17 Folio- und 11 Kupferstichbänden, bis 1781 folgten 5 Supplement- und 2 Registerbände. (Harenberg Bodo 1994, S. 688)

[12] Der Cartesianismus bezeichnet die Lehre von Rene Descartes und ihre Weiterführung im 17. und 18. Jahrhundert. (http://de.wikipedia.org/wiki/Cartesianismus 28.12.2006)

[13] angloamerikanischen Kulturraum, die Bevölkerung in Nordamerika, welche überwiegend Englisch spricht und durch die englische Kultur (im weitesten Sinne) geprägt wurde.

[14] http://de.wikipedia.org/wiki/Rhetorik 11.11.2006

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Details

Titel
Anwendbarkeit und Bedeutung von Rhetorik im Berufsfeld der Sozialpädagogik
Hochschule
Universität Lüneburg  (Sozialmanagement)
Veranstaltung
Selbstmanagement
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
37
Katalognummer
V80178
ISBN (eBook)
9783638865036
ISBN (Buch)
9783638865081
Dateigröße
642 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anwendbarkeit, Bedeutung, Rhetorik, Berufsfeld, Sozialpädagogik, Selbstmanagement
Arbeit zitieren
Diplom Sozialpädagoge Maik Peyko (Autor), 2007, Anwendbarkeit und Bedeutung von Rhetorik im Berufsfeld der Sozialpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80178

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