Vergleichende Untersuchung der beiden Dorfgeschichten 'Der Tolpatsch' und 'Des Schloßbauers Vefele' von Berthold Auerbach in Hinblick auf verschiedene Motive


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
23 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptpersonen und Hauptgruppen

3. Der Erzähler

4. Ortnennung

5. Stadt und Land

6. Sitten und Brauchtümer

7. Dialekt- und Liedeinschübe

8. Abschied- und Heimkehrszenen

9. Sonntag- und Alltagbeschreibung

10. Stände in der Gesellschaft

11. Schluss

12. Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Arbeit beschäftige ich mich vergleichend mit den beiden Erzählungen „Der Tolpatsch“ und „Des Schloßbauers Vefele“, beide aus dem Jahr 1842, von Berthold Auerbach. Sie gehören zu einer Vielzahl von Dorfgeschichten, welche Auerbach publizierte. Die Dorfgeschichte erhielt im Vormärz eine besondere Stellung bezüglich des literarischen Lebens in Deutschland. „Der Tolpatsch“ und „Des Schloßbauers Vefele“ informieren über das damalig gegenwärtige Leben, hauptsächlich in dem Dorf Nordstetten und seiner Umgebung. Die Dorfgeschichten haben eine leicht überschaubare Struktur und schildern das gewöhnliche Leben der gesellschaftlichen Unterschichten im damaligen Deutschland. Sie sind in Novellenform verfasst, und es werden verschiedenste Motive angesprochen. Die Sprache lässt sich als einfach und durch Dialekteinschübe als realitätsbezogen und anschaulich beschreiben.

Auerbach, wie auch andere Autoren von Dorfgeschichten, wollten die Wahrheit ihrer Geschichten beglaubigen und bedienten sich hierzu exakter zeitlicher und topographischer Angaben und der Einbettung der Handlung in den sozialen und geschichtlichen Kontext. Obwohl Auerbach über seine Heimat schreibt, fehlt ihm jedoch die unmittelbare Anschauung. So rekonstruiert er das Dorfleben aus einer zeitlichen und räumlichen Entfernung heraus, in einer poetischen Art und Weise.

Die beiden Erzählungen vergleichend werde ich folgende Punkte genauer betrachten: Zuerst beschäftige ich mich mit den Hauptpersonen und -gruppen und danach, wie der Erzähler in die Geschichten eingreift. Es folgen die Punkte „Ortnennung, Stadt und Land, Sitten und Brauchtümer, Dialekt- und Liedeinschübe, Abschied- und Heimkehrszenen, Sonntag- und Alltagbeschreibung“ und letztendlich der Punkt „Stände in der Gesellschaft“.

Hauptpersonen und Hauptgruppen

Die beiden Dorfgeschichten „Der Tolpatsch“ und „Des Schloßbauers Vefele“ von Berthold Auerbach drehen sich um das jeweilige Schicksal einer entscheidenden Person, worauf schon die Titel hinweisen, da sie den Namen der jeweiligen zentralen Gestalt beinhalten.

Des „Bartels Basches Bua“1, die Hauptfigur der Erzählung „Der Tolpatsch“, ist auf den Namen „Aloys“ getauft, doch die meisten Dorfbewohner des Dorfes Nordstetten, aus welchem er stammt und in welchem er lebt, nennen ihn „Tolpatsch“. Aloys äußerliche

Erscheinung wird von dem Erzähler genau beschrieben: Er hat kurze blonde Haare, welche im Nacken länger sind, ein breites Gesicht, „große blaue Glotzaugen“[2] und sein Mund steht immer halboffen. Seine Alltagskleidung besteht aus einem Hemd, roten Hosenträgern und schwarz gefärbten Leinenhosen. Sonntags trägt er weitaus feinere und hellere Kleidung, aber Aloys fühlt sich nur in seiner Alltagskleidung wohl. Anfangs kümmert er sich wenig darum, was die Leute über ihn sagen. Am wohlsten fühlt sich Aloys in der Gesellschaft von Tieren und zusätzlich, wenn Marannele sich ebenfalls im Stall aufhält.

Aloys Leben verläuft gleichbleibend ruhig und ohne spektakuläre oder interessante Zwischenfälle, bis Jörgli, der Knecht des Schultheiß, nach Nordstetten kommt. Jörgli gewinnt in kürzester Zeit die Oberhand über die jungen Männer im Dorf und zeigt Interesse an Marannele, was Aloys besonders stört. Da Jörgli der Knecht eines Pferdbauern ist, ist ihm Aloys als Kuhbauer vom Stand her unterlegen. Außerdem hebt sich Jörgli Aloys gegenüber als äußerst gewandt hervor, wodurch Aloys Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit in den Schatten gestellt werden: Zum Beispiel macht sich Jörgli über den Tolpatsch lustig und verspottet ihn, weil Aloys nicht über Nacht bei Marannele bleibt, als er die Chance dazu hat. Für Aloys ist es unvorstellbar, ganz im Gegenteil zu Jörgli, so eine Situation zu seinem Vergnügen auszunutzen, da dies nicht in sein heiles und reines Weltbild passt.

Aloys möchte Marannele vor Jörgli schützen, da er weiß, dass der Knecht des Schultheiß es nicht ehrlich mit ihr meint und nur auf sein Vergnügen aus ist. Auf Aloys Bitte, sich von Jörgli fernzuhalten, geht sie ein, doch im Gegenzug bittet sie Aloys darum, sich ein Beispiel an Jörgli zu nehmen und zu versuchen, sich ein bisschen mehr wie er zu verhalten. Diese Szene betrachte ich als eine Schlüsselstelle der Geschichte „Der Tolpatsch“, da sich Aloys Verhalten von diesem Punkt an schlagartig ändert: „[E]r warf den steifen alten Besen fort und steckte einen neuen biegsamen an den Stiel“[3]. Dieses Verhalten deutet auf eine Veränderung bezüglich Aloys Verhalten hin: Er will sein altes und steifes Verhalten ablegen, so wie er den alten Besen entfernt, und er ist bereit für etwas Neues, um Marannele besser zu gefallen. Als er Jörgli daraufhin das nächste Mal trifft, imitiert er als erstes seinen aufrechten Gang, den Gang eines Soldaten. Ganz entgegen seiner früheren Art wird Aloys Verhalten von nun an mehrmals mit dem Wort „keck“[4] unterstrichen, welches sein Auftreten bei seiner Rekrutierung gut umschreibt: Er zieht das Los mit der Nummer 17, wodurch er gute Chancen hat, als Soldat eingezogen zu werden. Er jubelt laut, und auf dem Heimweg singen und johlen die jungen Männer. Während man Aloys zwischen seinen Altersgenossen sonst kaum ausmachen konnte, da er sich zurückhielt, still und schweigsam war, so ist er nun derjenige, welcher sich am lautesten und am euphorischsten freut. Nachdem nach einer zusätzlichen ärztlichen Untersuchung endgültig feststeht, dass Aloys, wie Jörgli einst, Soldat wird, kommt sein tatsächliches Gemüt wieder zum Vorschein: Er hat Angst. Als er jedoch seine Mutter weinen sieht, weil er bald von zu Hause fort muss, richtet er sich mit Stolz wieder auf und tröstet sie.

Aloys und die anderen Rekruten müssen bald nach Stuttgart wandern um dort ihren Dienst anzutreten. Auf dem Weg zum Tübinger Tor müssen sie durch den Böblinger Wald, wo sie einen Holzbauern zwingen, sie mit seinem Pferdewagen durch den Wald zu fahren. So eine Tat bezeichnet man als Soldatenstreich, wovon Jörgli den jungen Männern schon viel erzählt hat. Da Aloys Jörgli nacheifert, gibt er sich als einer der Anführer des Streichs. Doch am Ende zeigt sich wieder sein eigentlicher Charakter: Er gibt dem Bauern, unbemerkt von den anderen, etwas Geld. Es scheint so, als ob sich die in dieser Szene gut zu erkennenden gegensätzlichen Charaktere in Aloys bekämpfen wollen. Er findet kein Mittelmaß zwischen seinem wahren Charakter und dem Charakter Jörglis, welchen er nachzuahmen versucht.

Nach einigen Monaten erhält Aloys vier Tage Urlaub und verlässt die Kaserne, um zur Kirchweih in Nordstetten anwesend zu sein. Der sonst so stille und in sich gekehrte Aloys kommt ganz verändert zurück: Er erzählt gern, kann dabei auch schon mal in einen trotzigen Tonfall verfallen, er ist gut gebaut und trägt mit Stolz seine Uniform. Nachdem er jedoch erfahren hat, was in der Zwischenzeit mit Marannele passiert ist, kann er seine Haltung kaum bewahren, wie es sich für einen Soldaten eigentlich gehört, obwohl er sich sehr darum bemüht, nicht zu zeigen, wie verletzt er ist. In folgenden Szenen wird sein Verhalten verdeutlicht: Nach einem Weinkrampf pfeift er plötzlich ein lustiges Lied und lässt sich von seiner Mutter zu Essen geben, doch er kann nichts essen. Als er in das Dorf geht, geht er mit niedergeschlagenem Blick an Jakob Bomüllers Haus vorbei, doch er hebt seinen Blick stolz, nachdem er das Haus hinter sich gelassen hat. Zudem gibt sich Aloys in der Gaststube fröhlich und trinkt mit jedem, „aber es schmeckte ihm alles wie Galle so bitter.“5 Nach einer Schlägerei mit Jörgli in der Gaststube, welche Aloys als Sieger verlässt, geht er nach Stuttgart zurück und will sein Heimatdorf Nordstetten nie mehr wieder sehen, da all seine Erinnerungen und Hoffnungen, welche mit dem Dorf und seinen Bewohnern verbunden waren, nun zerstört sind. Diese erneute Abreise nach Stuttgart steht in einem kompletten Gegensatz zu der ersten Abreise Aloys aus Nordstetten: Anfangs ging Aloys fröhlich fort, da er wusste, verändert, in Maranneles Sinne, heimzukehren.

Da die Schlägerei in seinem Pass vermerkt wurde, muss Aloys nach seiner Ankunft in Stuttgart eine harte Strafe absitzen und wird hiernach zusätzlich für sechs Wochen in eine Strafklasse eingereiht. Aloys verflucht nun seine Entscheidung zum Militär gegangen zu sein, da er sich somit für weitere sechs Jahre in seiner Heimatregion aufzuhalten hat. Das Wort „Heimat“ ist hier stark negativ besetzt, da Aloys aufgrund seiner Erinnerungen an seine Heimat möglichst weit weg von dieser will. Ein Brief von seiner Mutter verändert Aloys Leben später komplett: Mathes, welcher nach Amerika ausgewandert und Aloys Onkel ist, hat Mutter Marei Geld geschickt, mit welchem Aloys sich letztendlich vom Militär freikauft. Kurze Zeit später wandert er mit Mechthilde, einem Mädchen aus Nordstetten welches ihn gern hat, und ihrer Familie nach Amerika aus. Dort beginnt er mit Mechthilde eine neue Zukunft als freier Bürger von Amerika, doch er vermisst sein Heimatdorf und seine eigene kleine, und vor allem heile Welt, bevor er zum Militär ging. Obwohl Aloys nun vermögend ist und er Mechthilde mag, ist er nicht glücklich, da seine Liebe zu Mechthilde nicht annähernd so stark ist, wie die zu Marannele und weil er Heimweh nach Nordstetten hat.

Ähnlich dem Charakter von Aloys ist der des Knechts Wendel in der Erzählung „Des Schloßbauers Vefele“. Wendel ist der Knecht Melchiors, Vefeles Bruders, und er arbeitet und wohnt auf Melchiors Hof in Ergenzingen. Vefele und der Knecht lernen sich kennen, nachdem der Schlossbauer stirbt und Vefele zu Melchior und seiner Frau zieht. Ebenso wie Aloys weist Wendel eine große Natur- und Tierverbundenheit auf. Sein gutes Verhältnis zu Tieren wird durch seine Liebe zu Mohrle, dem Hund Vefeles, und dessen Vertrauen zu Wendel dargestellt. Wendel verliebt sich in Vefele und erfüllt ihr daher jeden Wunsch: Oftmals geht er noch zur Nachtzeit in die Stadt, um Brönner Briefe von Vefele zu bringen. Aloys konnte seiner großen Liebe Marannele ebenfalls keinen Wusch abschlagen und ging deshalb sogar für sie zum Militär, um so zu werden wie Jörgli, den er eigentlich hasste und dessen Verhalten er verabscheute. Hier findet man wieder eine Parallele zu „Des Schloßbauers Vefele“, da Wendel Brönner, Vefeles Verlobten, nicht mag.

Jörgli und Brönner sind die beiden Figuren, welche jeweils in einer der beiden Erzählungen das Interessante, aber letztendlich doch das böse Städtische darstellen. Jörgli wird in „Der Tolpatsch“ folgendermaßen beschrieben: Er stellt allein durch seinen rötlichen Schnurrbart und sein trotziges, aber dennoch schönes Gesicht eine interessante äußerliche Erscheinung dar, vor allem, wenn man ihn mit Aloys vergleicht. Jörgli ist Kavallerist und vom Militär in das Dorf Nordstetten zurückgekehrt. Er hat viel zu erzählen, wodurch er sich selbst in den Vordergrund stellt, er ist ein guter Tänzer, was den Mädchen im Dorf imponiert, außerdem kann er gut singen und sich vor allem gut durchsetzen, was ihn schnell zum Anführer der jungen Männer im Dorf werden lässt. Als Jörgli Interesse an Marannele zeigt, warnt Aloys ihn, doch darüber lacht Jörgli nur. Obwohl Marannele Aloys vor seiner Einberufung nach Stuttgart versprach auf ihn zu warten bis er aus seinem Militärdienst entlassen sei, muss er bei einem Urlaub, um zur Kirchweih in Nordstetten zu sein, feststellen, dass seine große Liebe sich von seinem größten Konkurrenten und gleichzeitig seinem Idol hat verführen lassen. Zudem erkennt Aloys schließlich, dass Jörgli seine zukünftige Frau nicht aufrichtig liebt: In der Gaststube lacht und scherzt Jörgli mit seinen Freunden über Marannele, weil sie wegen ihrer Schwangerschaft unpässlich ist. Er meint es nicht ernst mit Marannele, was Aloys weh tut, da er sie immer noch liebt.

Brönner, in „Des Schloßbauers Vefele“, meint es ebenfalls nicht ernst mit Vefele, und so wie Jörgli nur auf seinen Spaß mit Marannele bedacht ist, denkt Brönner nur an Vefeles Vermögen. Durch einen Sturz Vefeles am Wasserbrunnen lernen sich Eduard Brönner und Vefele kennen. Seine äußere Erscheinung wirkt schon allein durch seine Brille auf die Dorfbewohner interessant. Brönner stellt sich dem Schlossbauern als Arzt vor, wodurch für den Leser klar zu erkennen ist, dass Brönner aus der Stadt kommt, und er übernimmt die ärztliche Behandlung des Schlossbauern. Dieser und seine Tochter vertrauen ihm schnell, und kurze Zeit später verliebt sich Vefele in Eduard Brönner. Nur Mohrle, der Hund, kann den Mann nicht ausstehen. Diese Tatsache könnte man folgendermaßen interpretieren: Mohrle erkennt mit dem reinen Wesen eines Tieres und durch seinen feinen Sinn, dass mit Brönner, dem Stadtmenschen, etwas nicht stimmt. Demgegenüber liebt der Hund Wendel den Knecht, da dieser ehrlich und einfach ist. Auerbach bezieht in der Ablehnung gegenüber allem Städtischen sogar ein einfaches Tier mit ein. Zwar mag der Hund Brönner nicht, doch Vefele mag diesen um so lieber. Brönner scheint die Gefühle des jungen Mädchens zu erwidern und verführt sie kurze Zeit später, so wie Jörgli Marannele verführt. Nach dem Tod ihres Vaters will Brönner Vefele heiraten und später mit ihr nach Amerika auswandern. Unter dem Vorwand seine Papiere aus Tübingen holen zu wollen, damit die Eheschließung rechtskräftig vollzogen werden kann, reist er ab. Später bemerkt Vefele, dass ihr Verlobter mit ihrem zu Gold gemachten, vom Vater geerbten Vermögen verschwunden ist und sie schwanger zurückgelassen hat.

Jörgli und Eduard Brönner stoßen jeweils von außen zu der Dorfgemeinschaft Nordstettens, beziehungsweise zu bestimmten in Nordstetten ansässigen Personen dazu und treiben ein unehrliches Spiel: Jörgli möchte seinen Spaß, vor allem auf Kosten anderer, und Brönner verfolgt das Ziel möglichst schnell an viel Geld zu kommen, um nach Amerika auswandern zu können. Da beide interessant und andersartig wirken, können Vefele und Marannele ihnen nicht widerstehen. Obwohl Aloys und Wendel rechtschaffen und ehrlich sind und die Frauen zudem aufrichtig lieben, so dass sie alles für sie tun würden, haben sie im Endeffekt keine Chance gegen Brönner und Jörgli. Ein den alten Sitten und Gebräuchen entsprechendes Leben, erfüllt von den einfachen Dingen des Lebens, würde Wendel mit Vefele und Aloys mit Marannele leben wollen, was schließlich nicht mehr möglich ist.

Die größte Gemeinsamkeit der beiden weiblichen Hauptpersonen der Erzählungen ist der Verlust der Jungfräulichkeit außerhalb der Ehe. Alle Dorfbewohner, vor allem die Frauen selbst, legen großen Wert auf die Jungfräulichkeit. Vefele wird von großen Schuldgefühlen geplagt, da sie ihre Jungfräulichkeit unverheiratet verliert. Außerdem quält sie sehr, dass dies in der Nacht passierte, in welcher ihr Vater starb. Über Maranneles Verlust ihrer Jungfräulichkeit erfährt der Leser wenig: Als Aloys Urlaub hat und zurück nach Nordstetten kommt, erfährt er in der Kirche von der bevorstehenden Hochzeit Maranneles und Jörglis. Später berichtet ihm seine Mutter, dass seine große Liebe in der Zeit seiner Abwesenheit von Jörgli verführt wurde, nun schwanger ist und Jörgli bald heiraten wird. Für Marannele scheint die Situation nicht allzu schlimm zu sein, da nach der anstehenden Hochzeit Jörgli, Marannele und das Kind als eine Familie zusammenleben werden. Zwar erfährt die ganze Dorfgemeinschaft von dem Fehltritt einer Frau, sobald es ein Mitglied weiß, und obwohl Marannele dieser Fehltritt immer anhaften wird, hat sie für ihr folgendes Leben die beste Lösung gefunden den außerehelichen Verlust ihrer Jungfräulichkeit zu überspielen und etwas vergessen zu machen, da sie ihr folgendes Leben nach den alten Sitten und Werten gestalten wird. Bei Vefele sieht die Situation anders aus, da Brönner sie verlassen hat und die Hochzeit der beiden niemals stattfinden wird. Die Dorfbewohner meiden Vefele und ihre Schwägerin quält sie sogar. Nur ihr Bruder Melchior, welcher von dem Erzähler als „großherzige Ausnahme“6 beschrieben wird, da er Vefele keinen Vorwurf macht, hält zu ihr und berät mit ihr, was sie tun soll. Letztendlich wird Vefele aus Ergenzingen vertrieben, damit ihr Kind dort kein Heimatrecht beanspruchen kann. Diese Entscheidung liegt allerdings nicht in gesellschaftlichen Verhältnissen begründet, sondern in dem individuellen Verhalten des Schultheiß, dessen Heiratsantrag Vefele einst ablehnte und der sich nun an ihr rächen will. Vefeles Fehltritt wird, genauso wie der Maranneles, vom Erzähler nicht kritisiert, sondern mit Verständnis behandelt.

[...]


[1] Auerbach (1994), S. 7

[2] Auerbach (1994), S. 7

[3] Ebd., S. 16

[4] Ebd., vgl. S. 18/19

[5] Auerbach (1994), S. 27

[6] Farrenkopf (1988), S. 28

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Vergleichende Untersuchung der beiden Dorfgeschichten 'Der Tolpatsch' und 'Des Schloßbauers Vefele' von Berthold Auerbach in Hinblick auf verschiedene Motive
Hochschule
Universität Paderborn  (FB Germanistik)
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
23
Katalognummer
V8018
ISBN (eBook)
9783638151078
ISBN (Buch)
9783640419029
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleichende, Untersuchung, Dorfgeschichten, Tolpatsch, Schloßbauers, Vefele, Berthold, Auerbach, Hinblick, Motive
Arbeit zitieren
Stefanie Teusch (Autor), 2002, Vergleichende Untersuchung der beiden Dorfgeschichten 'Der Tolpatsch' und 'Des Schloßbauers Vefele' von Berthold Auerbach in Hinblick auf verschiedene Motive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8018

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