Globalisierung ist heutzutage zu einem Schlagwort in den Medien geworden. Die aktuelle wissenschaftliche Diskussion spaltet die Globalisierung in zwei Teilbereiche. Einerseits wird hierbei die horizontale Globalisierung betrachtet, bei der die immer weiter steigende Bedeutung des Nord-Süd-Handels thematisiert wird (z.B. bei Davis (1998). Andererseits wird die vertikale Globalisierung untersucht, bei der es um die Zerlegung (Fragmentierung) von Produktionsprozessen über Landesgrenzen hinaus geht. Diese vertikale Globalisierung ist Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit. Wie wichtig dieses Thema ist, zeigt sich in den Dimensionen, die diese vertikale Globalisierung heute angenommen hat. So hat der Handel mit Fragmenten bereits im Jahr 2000 einen Anteil von 30 % am Gesamthandelsvolumen erreicht. Die Entwicklung dieses Anteils ist hierbei weiterhin steigend. Besonders in den Medien der Industrieländer wird diese Form der Globalisierung hierbei keineswegs als rein positives Phänomen empfunden. Die hierbei oftmals angestellte, einfache Rechnung lautet: Wenn sich für die produ-zierenden Unternehmen eines Hochlohnlandes die Möglichkeit ergibt, die Waren auch in einem Land mit geringeren Löhnen zu produzieren, wird es diese Möglichkeit nutzen. Dem Hochlohnland bleiben nur zwei Möglichkeiten: Unterbeschäftigung oder eine drastische Senkung des Inlandslohnes. Beides führt in dieser einfachen Rechnung zu einer Wohlfahrtseinbuße für die Arbeitnehmer des betroffenen Landes und zeitgleich durch die Ausnutzung der niedrigeren Auslandslöhne zu Wohlstandszuwächsen bei den Kapitaleignern. Verschärfend kommt in dieser einfachen Betrachtung hinzu, dass die Nutznießer der Globalisierung große, multinationale Unternehmen sind, die ihre Wohlfahrt somit auf „dem Rücken des kleinen Mannes“ immer weiter steigern.
Ziel dieser Arbeit ist es , zu untersuchen, ob die sehr einfachen und auf den ersten Blick sehr logisch erscheinenden Annahmen auch wirklich zutreffend sind.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. FRAGMENTIERUNG IM FALLE EINES PRODUKTIONSFAKTORS
2.1. Ricardo-Modell in einer kleinen, offenen Volkswirtschaft
2.1.1. Ohne Fragmentierung
2.1.2. Mit Fragmentierung
2.2. Zwei Länder – Ricardo – Modell
3. FRAGMENTIERUNG IM FALLE ZWEIER HOMOGENER PRODUKTIONSFAKTOREN
3.1. Linear-limitationale Produktionsfunktionen
3.1.1. Einführung der Fragmentierung
3.1.2. Spezialisierung auf ein Fragment im Inland
3.1.3. Produktion beider Fragmente im Inland
3.1.4. Komplette Produktionsverlagerung des fragmentierten Gutes ins Ausland
3.2. Substitutionale Produktionsfunktionen
3.2.1. Das Heckscher-Ohlin-Modell in einer kleinen, offenen Volkswirtschaft
3.2.2. Zwei Länder – Heckscher - Ohlin – Modell
4. FRAGMENTIERUNG IM FALLE SEKTORSPEZIFISCHEN KAPITALS
4.1. Ohne Beschränkung der Aufteilung der Produktionsstandorte
4.1.1. Ohne Outsourcing
4.1.2. Mit Outsourcing
4.2. Bei Beschränkung der Aufteilung der Produktionsstandorte
4.2.1. Der Ein – Firmen – Fall
4.2.2. Der Mehr-Firmen-Fall
4.2.2.1. Der kritische Lohnanstieg
4.2.2.2. Die Lohnänderungsraten
4.2.2.3. Gleichgewichtsbetrachtungen
4.2.3. Auswirkungen verschiedener Faktoren auf die Wohlfahrt
5. ZUSAMMENFASSUNG UND GESAMTÜBERBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Auswirkungen der vertikalen Globalisierung, konkret der Fragmentierung von Produktionsprozessen über Landesgrenzen hinweg, auf die wohlfahrtsökonomischen Bedingungen und Arbeitsmärkte in verschiedenen Modellwelten.
- Analyse des Ricardo-Modells unter Fragmentierung in einer kleinen, offenen Volkswirtschaft.
- Untersuchung der Fragmentierungseffekte bei zwei homogenen Produktionsfaktoren mittels Heckscher-Ohlin-Modell.
- Bewertung der Auswirkungen bei Vorliegen sektorspezifischen Kapitals und der Option des Outsourcings.
- Identifikation der Gewinner und Verlierer der internationalen Arbeitsteilung hinsichtlich Lohnniveaus und Kapitalrenditen.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Globalisierung ist heutzutage zu einem Schlagwort in den Medien geworden. Die aktuelle wissenschaftliche Diskussion spaltet die Globalisierung in zwei Teilbereiche. Einerseits wird hierbei die horizontale Globalisierung betrachtet, bei der die immer weiter steigende Bedeutung des Nord-Süd-Handels thematisiert wird (z.B. bei Davis (1998). Andererseits wird die vertikale Globalisierung untersucht, bei der es um die Zerlegung (Fragmentierung) von Produktionsprozessen über Landesgrenzen hinaus geht. Diese vertikale Globalisierung soll Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit sein.
Wie wichtig dieses Thema ist, zeigt sich in den Dimensionen, die diese vertikale Globalisierung heute angenommen hat. So hat der Handel mit Fragmenten bereits im Jahr 2000 einen Anteil von 30 % am Gesamthandelsvolumen erreicht (vgl. Burda/Dluhosch 2000, S. 5). Die Entwicklung dieses Anteils ist hierbei weiterhin steigend (vgl. Burda/Dluhosch 2000, S. 2). Besonders in den Medien der Industrieländer wird diese Form der Globalisierung hierbei keineswegs als rein positives Phänomen empfunden.
Die hierbei oftmals angestellte, einfache Rechnung lautet: Wenn sich für die produzierenden Unternehmen eines Hochlohnlandes die Möglichkeit ergibt, die Waren auch in einem Land mit geringeren Löhnen zu produzieren, wird es diese Möglichkeit nutzen. Dem Hochlohnland bleiben nur zwei Möglichkeiten: Unterbeschäftigung oder eine drastische Senkung des Inlandslohnes. Beides führt in dieser einfachen Rechnung zu einer Wohlfahrtseinbuße für die Arbeitnehmer des betroffenen Landes und zeitgleich durch die Ausnutzung der niedrigeren Auslandslöhne zu Wohlstandszuwächsen bei den Kapitaleignern. Verschärfend kommt in dieser einfachen Betrachtung hinzu, dass die Nutznießer der Globalisierung große, multinationale Unternehmen sind, die ihre Wohlfahrt somit auf „dem Rücken des kleinen Mannes“ immer weiter steigern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Definiert die vertikale Globalisierung als Zerlegung von Produktionsprozessen und skizziert die Fragestellung bezüglich der Auswirkungen auf Wohlfahrt und Lohnniveau.
2. FRAGMENTIERUNG IM FALLE EINES PRODUKTIONSFAKTORS: Analysiert mittels eines einfachen Ricardianischen Modells, dass Fragmentierung die inländische Wohlfahrt verbessern kann, jedoch bei veränderten Terms of Trade auch Wohlfahrtseinbußen möglich sind.
3. FRAGMENTIERUNG IM FALLE ZWEIER HOMOGENER PRODUKTIONSFAKTOREN: Untersucht im Heckscher-Ohlin-Modell, wie die Faktorausstattung über Gewinner und Verlierer der Fragmentierung entscheidet, wobei besonders Lohn-Zins-Verhältnisse betrachtet werden.
4. FRAGMENTIERUNG IM FALLE SEKTORSPEZIFISCHEN KAPITALS: Betrachtet Modelle mit Outsourcing-Optionen für Firmen, wobei die Entscheidung zur Verlagerung endogen bestimmt wird und sogar zu einem Absinken des Inlandslohns unter das ausländische Niveau führen kann.
5. ZUSAMMENFASSUNG UND GESAMTÜBERBLICK: Fasst zusammen, dass die Auswirkungen der Fragmentierung stark von den spezifischen Modellannahmen und der nationalen Faktorausstattung abhängen und komplexe Umverteilungseffekte aufweisen.
Schlüsselwörter
Fragmentierung, Globalisierung, Outsourcing, Internationaler Handel, Wohlfahrtseffekte, Produktionsprozesse, Arbeitsmarkt, Heckscher-Ohlin-Modell, Ricardo-Modell, Lohnniveau, Kapitalrendite, Sektorspezifisches Kapital, Faktorausstattung, Handelsvorteile, Produktionsverlagerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Auswirkungen der vertikalen Fragmentierung von Produktionsprozessen auf die Wohlfahrt und Arbeitsmärkte von Volkswirtschaften.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Auswirkungen von Fragmentierung auf die Lohnentwicklung, die Verteilung von Wohlstand zwischen Arbeitnehmern und Kapitaleignern sowie die Standortentscheidungen multinationaler Firmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, ob die in der öffentlichen Diskussion oft einfache Rechnung, dass Globalisierung zwangsläufig zu Wohlfahrtsverlusten für Arbeitnehmer führt, durch wissenschaftliche Modelle bestätigt wird.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es werden klassische und moderne außenwirtschaftstheoretische Modelle wie das Ricardianische Modell, das Heckscher-Ohlin-Modell und Modelle mit sektorspezifischem Kapital und Outsourcing-Optionen verwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Stufen: Fragmentierung mit einem Produktionsfaktor, mit zwei homogenen Faktoren und mit sektorspezifischem Kapital unter Berücksichtigung von Outsourcing-Entscheidungen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Fachbegriffen gehören Fragmentierung, Outsourcing, Wohlfahrtseffekte, Faktorausstattung und Inlandslohn.
Kann Outsourcing laut dieser Arbeit auch den Inlandslohn unter das Auslandsniveau senken?
Ja, in Modellen mit sektorspezifischem Kapital und einer Quasi-Marktmacht der Firmen kann die Produktionsentscheidung dazu führen, dass der Inlandslohn tatsächlich unter das Niveau des Auslandslohns sinkt.
Führt internationale Fragmentierung immer zu Wohlfahrtsgewinnen?
Nein, während die Gesamtwohlfahrt einer Volkswirtschaft tendenziell steigen kann, kommt es oft zu einer Umverteilung, bei der die Lohnbezieher deutliche Verluste erleiden können.
- Arbeit zitieren
- Diplom Kaufmann Kai Berding (Autor:in), 2007, Aufspaltung von Produktionsprozessen (Fragmentation) und internationaler Handel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80201