Diese Diplomarbeit tangiert relativ viele Bereiche, die zwar alle in irgendeiner Form mit Drogen zu tun haben, aber vielleicht nicht in unmittelbarem Zusammenhang stehen. So geht es im Inhalt nicht nur um eine gegenwärtige Situationsanalyse in der BRD und eine weitere Forderung nach „Akzeptierender Drogenarbeit/politik“.
Für mich selbst war es notwendig, meinen Wissensstand zu Methadonvergabe und Therapie in Deutschland etwas aufzufrischen, aber auch die Frage nach dem Erfolg und Nutzen von solchen Hilfsangeboten in einer abstinenzorientierten Drogenarbeit/politik zu stellen. Geschichtliche Hintergründe spielen dabei auch eine Rolle, mehr als ursprünglich geplant. Speziell hierzu gibt es aber weitaus detaillierter abgefaßte Diplomarbeiten und Literatur als diese Diplomarbeit.
Die von mir sehr geschätzten Musiker Jimi Hendrix und Jim Morrison finden genauso ihre Erwähnung, wie die Möglichkeit der Schmerztherapie mit Opioiden. Diese beiden Themen wurden im Laufe der Entstehung dieser Arbeit plötzlich wichtig und finden als sogenannte Einschübe ihren Platz.
Da sich das Kapitel „Das Zürcher Modell. Vorbild für Deutschland?“ überwiegend auf die Erfahrungsberichte des Projektes „Lifeline“ stützt, war es auch nötig, einen Einschub über das politische System der Schweiz zu machen, besonders wegen der Volksinitiative „Jugend ohne Drogen“ die am 28.09.1997 von der Mehrheit des Schweizer Stimmvolkes abgelehnt wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Drogengebrauch in den vergangenen Jahrzehnten
1.1. Historischer Hintergrund des Opiatgebrauchs im deutschen Raum
1.2. Die sechziger Jahre - Renaissance des illegalen Drogengebrauchs
1.2.1. Einschub: Tote Musiker - lebendige Kulte - falsche Mythen
1.3. Die Jahre 1970 - 1974: Die „Harte Szene“ entwickelt sich
2. Hilfsysteme in der abstinenzorientierten Drogenhilfe
2.1. Die Rolle der Therapeuten
2.2. Substitution - Opiatverschreibung und die Rolle der Mediziner
2.2.1. Einschub: Schmerztherapie mit Opioiden.
3. Gründe, warum sich Menschen trotz alledem für den Gebrauch harter Drogen entscheiden.
3.1. Der materielle Reiz des Lebens als Dealer
3.2. Fixer/Dealersein als Lebensstil
3.2.1. Soziale Komponenten des Fixerdaseins
4. Kritik an der traditionellen Sichtweise von Opiatsucht und ihrer Bekämpfung
4.1. Gründe für zunehmende Kritik
5. Unterschiedliche Sucht- und Abhängigkeitsdefinitionen
5.1. Sucht als Bestandteil der Gesellschaft
5.1.1. Substanz- oder stoffgebundene Süchte
5.1.2. Prozess- oder stoffungebundene Süchte
5.1.3. Gefördert, geduldet, abgelehnt. Vom unterschiedlichen Umgang mit ähnlichen und gleichen Suchtphänomenen
6. Traditionelles Suchtverständnis - Erweitertes Sucht -verständnis. Eine Gegenüberstellung aus „Zürcher Sicht“
6.1. Die traditionelle Problemdefinition (Sucht als Krankheit)
6.2. Die erweiterte Problemdefinition ( Der Mensch in einer Krise)
7. Das Zürcher Modell. Vorbild für Deutschland?
7.1. Veränderte Politik - veränderte Meinungen
7.2. Die Initiative „Jugend ohne Drogen“
7.2.1. Initianten und Ziel der Initiative
7.2.2. Ergebnisse der Volksabstimmung am 28.09.1997
7.2.3. Analyse im Spiegel der Zürcher Presse
8. Die vierte Säule der Drogenpolitik in der Schweiz: Die Überlebenshilfe
8.1. Kurzer historischer Abriß über die Drogenproblematik in Zürich
8..2. Der Urknall für Fixerstuben: Das Autonome Jugendzentrum am Anfang der achtziger Jahre
8.1.3. Der Needle-Park: Platzspitz ab 1986
8.1.4. Der Letten ab 1992
8.2. Was ist unter der Überlebenshilfe im Einzelnen zu verstehen?
8.2.1. Ziele; Zielgruppen.
8.2.2. Einrichtungen
9. Die Kontakt- und Anlaufstellen (K.& A.) und Gassenzimmer
9.1. Das Angebot einer Kontakt- und Anlaufstelle
9.1.1. Cafeteria
9.1.2. Hygienische und sanitäre Einrichtungen
9.1.3. Einfache medizinische Grundversorgung
9.1.4. Beschäftigung
9.1.5. Beratung, Vermittlung, Sachhilfe, Betreuung
9.2. Die Gassenzimmer
9.2.1. Konzeption
9.2.2. Der Aspekt der ärztlichen Betreuung in Gassenzimmern
9.2.3. Einige statistische Zahlen über den Betrieb
9.3. Sozialarbeit in einer K.& A.
10. Das Projekt Lifeline/Crossline. Die Heroinabgabe in Zürich.
10.1. Auszüge aus den Erfahrungen der Pilotphase 01.12.1993 - 31.12.1996
10.1.1. Niederschwelligkeit
10.1.2. Arbeitshypothesen
10.1.3. Zielgruppen
10.1.4. Abgabemodalitäten
10.1.5. Betreuungskonzept
10.1.6. Substanzen
10.2. Die Auswirkungen auf die Teilnehmer
10.2.1. Gesundheitlicher Bereich
10.2.2. Psychischer Bereich
10.2.3. Psychosoziale Situation und Betreuung
10.3. Heroinvergabe - Abstinenz - Entzug
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert den Status quo der Drogenpolitik in Deutschland im Vergleich zur schweizerischen Drogenpolitik, insbesondere unter Berücksichtigung der in Zürich praktizierten Akzeptanzmodelle, um deren Erfolg und Eignung für eine Neuausrichtung deutscher Ansätze kritisch zu beleuchten.
- Historische Entwicklung und Kritik an traditionellen, abstinenzorientierten Hilfssystemen in Deutschland
- Gegenüberstellung des traditionellen Suchtverständnisses mit dem Zürcher Modell der Überlebenshilfe
- Analyse der Schweizer Drogenpolitik, einschließlich der Volksinitiative "Jugend ohne Drogen" und der Rolle der Medien
- Detaillierte Untersuchung des Projekts Lifeline/Crossline zur kontrollierten Heroinabgabe in Zürich
- Betrachtung von "Fixerdasein" und Dealer-Karrieren als Lebensstil im Kontext der Drogenkriminalität
Auszug aus dem Buch
1.2.1. Einschub: Tote Musiker - lebendige Kulte - falsche Mythen
„Ich werde das tun, wonach ich mich fühle. Aber im Moment kann ich nichts fühlen.“ (Jimi Hendrix in einem Interview zwei Wochen vor seinem Tod)
„Wenn ich hinterm Haus einen Berg Koks hätte, ich würde ihn schnupfen - weil er da ist.“ (Jim Morrison zu seiner Freundin Pamela während einer kurzen, aber heftigen Kokain-Phase)
Es wäre eine interessante Arbeit, die Zusammenhänge zwischen populärer Musik, dem Lebensstil der Musiker und ihren Fans zu erforschen. Allerdings ist dies nicht Bestandteil dieser Diplomarbeit - außerdem gäbe dieses Thema genug Stoff für eine eigene, recht umfangreiche Arbeit ab. Da der historische Teil dieser Diplomarbeit jedoch hier an der Wende von den Sechzigern zu den Siebzigern angelangt ist, soll hier auf den Tod dreier Musiker jener Zeit, nämlich Janis Joplin, Jimi Hendrix und Jim Morrison eingegangen werden, insbesondere die Mythen um ihren Tod sowie die Unwahrheiten darüber. Die Frage mag erlaubt sein, inwiefern dies für diese Diplomarbeit relevant sein mag. Die Antwort ist ganz einfach: Sie gehören zu den wohl populärsten Herointoten überhaupt und das, obwohl dies zumindest bei zwei von ihnen, nämlich Hendrix und Morrison überhaupt nicht der Fall war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Drogengebrauch in den vergangenen Jahrzehnten: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Hintergrund des Opiatgebrauchs in Deutschland sowie den Wandel vom medizinischen Gebrauch hin zur Entstehung der Drogenszene in den späten 60er und 70er Jahren.
2. Hilfsysteme in der abstinenzorientierten Drogenhilfe: Hier werden die Rollen von Therapeuten und Medizinern in Deutschland kritisch analysiert, wobei besonders der Fokus auf Abstinenz und die problematische Praxis der "Therapie statt Strafe" untersucht wird.
3. Gründe, warum sich Menschen trotz alledem für den Gebrauch harter Drogen entscheiden.: Dieser Abschnitt untersucht den Lebensstil von Fixern und Dealern, wobei der Autor eigene Beobachtungen einfließen lässt, um die Anreize innerhalb der illegalen Szene zu verdeutlichen.
4. Kritik an der traditionellen Sichtweise von Opiatsucht und ihrer Bekämpfung: Das Kapitel fasst die Hauptkritikpunkte an der repressiven Drogenpolitik zusammen, insbesondere die Eindimensionalität des Angebots und mangelnde Reichweite.
5. Unterschiedliche Sucht- und Abhängigkeitsdefinitionen: Eine theoretische Abgrenzung verschiedener Suchtformen (stoffgebunden vs. prozessorientiert) unter soziologischen und gesellschaftspolitischen Gesichtspunkten.
6. Traditionelles Suchtverständnis - Erweitertes Sucht -verständnis. Eine Gegenüberstellung aus „Zürcher Sicht“: Ein Vergleich zwischen dem rein medizinischen Krankheitsmodell und einem Krisenverständnis, das den Menschen in seinem sozialen Kontext betrachtet.
7. Das Zürcher Modell. Vorbild für Deutschland?: Untersuchung des Zürcher Modells, inklusive der politischen Auswirkungen durch die Volksinitiative "Jugend ohne Drogen" und der Rolle der Zürcher Presse.
8. Die vierte Säule der Drogenpolitik in der Schweiz: Die Überlebenshilfe: Historischer Abriss der Zürcher Drogenproblematik und Definition der Überlebenshilfe als vierter Pfeiler der Drogenpolitik.
9. Die Kontakt- und Anlaufstellen (K.& A.) und Gassenzimmer: Detaillierte Darstellung der niederschwelligen Hilfsangebote, ihrer Entstehungsgeschichte und der konkreten Arbeitsweise in Zürich.
10. Das Projekt Lifeline/Crossline. Die Heroinabgabe in Zürich.: Ausführliche Analyse der Pilotphase der Heroinabgabe, des Betreuungskonzepts sowie der gesundheitlichen und psychosozialen Auswirkungen auf die Teilnehmer.
Schlüsselwörter
Drogenpolitik, Suchthilfe, Akzeptierende Drogenarbeit, Substitution, Heroin, Methadon, Überlebenshilfe, Zürcher Modell, Suchtverständnis, Schadensreduktion, Prävention, Repression, Sozialarbeit, Drogenszene, Drogenabhängigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die deutsche Drogenpolitik im Vergleich zur Schweiz, mit einem besonderen Schwerpunkt auf den Akzeptanzmodellen und der Überlebenshilfe in Zürich, um Alternativen zur rein repressiven Drogenbekämpfung aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die kritische Analyse stationärer Langzeittherapien, der Vergleich zwischen Sucht als Krankheit und Sucht als Krisenbewältigung, sowie die Wirksamkeit niederschwelliger Angebote wie Kontaktstellen und der kontrollierten Heroinabgabe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Nutzen und Erfolg akzeptierender Drogenarbeit darzulegen und zu prüfen, inwieweit das Schweizer Modell, insbesondere die "Vier-Säulen-Politik", als Vorbild für eine effektivere Drogenpolitik in Deutschland dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer detaillierten Literaturanalyse, ergänzt durch die Auswertung von Erfahrungsberichten und Ergebnissen aus Zürcher Pilotprojekten sowie persönlichen Beobachtungen des Autors.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung des Drogenkonsums, eine Kritik an traditionellen Hilfesystemen in der BRD, eine Gegenüberstellung theoretischer Suchtmodelle und eine umfassende Darstellung der Zürcher Überlebenshilfe inklusive der Heroinabgabemodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Drogenpolitik, Akzeptierende Drogenarbeit, Substitution, Schadensreduktion (Harm Reduction), Überlebenshilfe und das Zürcher Modell geprägt.
Warum ist das Zürcher Modell für die deutsche Drogenpolitik relevant?
Es dient als praktisches Beispiel für die Wirksamkeit der Vier-Säulen-Politik, die über reine Abstinenzforderung hinausgeht und die Lebensqualität sowie Gesundheit Drogenabhängiger durch Überlebenshilfe verbessert.
Welche Bedeutung haben die "Einschübe" in der Arbeit?
Die Einschübe dienen dazu, wichtige, im Laufe der Entstehung der Arbeit relevant gewordene Themen wie die Schmerztherapie mit Opioiden oder das politische System der Schweiz (direkte Demokratie) gezielt zu vertiefen und in einen Kontext zu setzen.
Was ist das Ergebnis der Analyse der "Initiative Jugend ohne Drogen"?
Die Abstimmung zeigt eine deutliche Ablehnung der Stimmbürger gegenüber einer rein restriktiven Drogenpolitik, was den politischen Spielraum für die Fortsetzung und Weiterentwicklung pragmatischerer, akzeptierender Modelle in der Schweiz gefestigt hat.
- Quote paper
- Thomas Gorny (Author), 1998, Wege aus dem Drogendilemma, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80205